Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Gibt’s hier Historiker mit Zeit, Lust und Gummihandschuhen?

Hadmut
30.11.2016 22:51

Ich müsste mal wieder Recherchen an Leser auslagern. Gibt es hier Historiker, die mal etwas auf Glaubwürdigkeit überprüfen wollen?

Ein Leser wies mich gerade darauf hin, dass auf einer der russischen anonymen Publikationsseiten ein Artikel erschienen ist, wonach das FBI herausgefunden habe, dass Hitler den Krieg überlebt und nach Argentinien geflohen sei.

Jetzt ist das nicht neu, ich kann mich erinnern, dass die Story vor ein paar Monaten schon mal durch die allgemeine Presse ging, aber seltsamerweise kein Echo, keine Reaktion hervorrief. Wurde gemeldet wie wenn irgendwo ein Pferd entlaufen ist und nicht weiter erwähnt. Hat mich damals etwas verwundert, weil das doch sicherlich eine Meldung von Jahrhundert-Wert gewesen wäre und ich erwarten würde, dass jemand, der das aufdeckt, mindestens den Pulitzer-Preis bekäme.

Ich hatte nie die Zeit (und auch nicht die Lust, ist nämlich nicht mein Thema), da nachzuforschen, muss aber sagen, dass schon für die Hypothese spricht, dass die übliche Darstellung mit Selbstmord, Benzin und Verbrennung nicht so richtig passt. Die hatten halb Berlin untertunnelt und verbunkert, jede Menge Geheimtransporte mit Gold in alle Richtungen der Welt. Da würde es schon verwundern, wenn sie keinen Plan hatten, ihren „Führer” zu evakuieren. Und für so eine Evakuierung hatten sie sicherlich auch Doppelgänger in Reserve, die prima Leichen abgegeben haben und die man da dann einfach erschossen hätte. Gentests gab’s ja noch nicht, und wenn die Leichen zumindest äußerlich verbrannt sind, merkt man es nicht mehr. Bräuchte man zumindest, um etwas Vorsprung zu bekommen, denn dass die Alliierten den haben wollten, war klar, die hätten da ja keine Ruhe gegeben und den Luftraum überwacht, wenn sie nicht plausible Leichen vorgelegt bekommen hätten. Das wäre jetzt spekulativ, aber so auf den ersten Blick scheint mir eine Flucht-Variante „passender” zu den Unterwelt-Ruinen, die es in Berlin gibt. Wie würde einer mit dieser Persönlichkeitsstruktur in dieser Situation reagieren? Fatalistischer Selbstmord mit der Gewissheit, sich einem öffentlichen Strafverfahren und der Vorführung zu entziehen? Oder Flucht mit der Hoffnung, irgendwelche „Getreuen” um sich zu versammeln, um einen neuen Anlauf zu nehmen? Oder vielleicht gar ein Deal? Ich fand das ja schon komisch, dass man Honecker einfach so nach Südamerika verschwinden ließ. Ist das vielleicht ein Prinzip?

Die Frage ist natürlich auch, wie man diese Texte bewertet, die da auf der anonymen Russen-Plattform erscheinen. Presse, die hier nicht erscheinen darf? Putins Destabilisierungs-Propaganda?

Ich habe schon ein paarmal Hinweise auf Texte dort bekommen. Die Texte sind vor allem eines: Plagiate.

Denn oft habe ich die Texte per Google in anderen, älteren Quellen gefunden, über weite Textstrecken per Maus-Copy-Paste übernommen, oft aber aus verschiedenen Quellen und dann einfach hintereinandergepappt. So auch hier. Man findet Quellen (die teils nicht mehr existieren, nur noch ihren Abdruck im Google-Cache hinterlassen haben), die Textstücke draus schon am 8.1.2016, also vor 11 Monaten veröffentlicht haben.

Auf Youtube findet man dazu auch Aufzeichnungen von Fernsehdokumentationen.

Darum geht es mir hier eigentlich nicht. Das ist zwar alles wirklich interessant, aber nicht mein Thema, dazu habe ich keine Zeit und nur wenig Motivation, denn auch wenn emotional bedeutsam, so ernsthaft wichtig ist das nicht mehr, ob Hitler in Berlin oder Jahre später in Südamerika starb, es hat – soweit ich sehen kann – keine geschichtliche Relevanz mehr. Wenn es so wäre, hätte der sich in extremer Weise verstecken müssen. Es spielt nüchtern betrachtet eigentlich keine Rolle.

Wenn hier aber Historiker mitlesen, die Lust haben, sich mit dem Thema mal näher zu befassen, fände ich das schon lohnend. Ich habe aber einfach keine Zeit und Veranlassung dazu.

Warum also befasse ich mich jetzt überhaupt damit? Warum hat mich ein Leser darauf hingewiesen?

Weil in dem Artikel auf der russischen anonymen Publikationsseite etwas auftaucht, was mir zu diesem speziellen Thema noch nicht aufgefallen war:

Bob Baer ist altgedienter CIA-Agent und die reale Person hinter der Filmfigur Bob Barnes, die George Clooney im 2005 entstandenen Kinofilm „Syriana“ verkörperte. In seiner 21-jährigen Karriere war Baer weltweit an vielen wichtigen Geheimdienstoperationen beteiligt. Seine Fähigkeiten setzte er sowohl international für diverse Spionagetätigkeiten als auch zur Spionageabwehr und Informationsbeschaffung ein. Von illegalen Waffengeschäften bis hin zur weltweiten Jagd auf Top-Terroristen, hat er alle Aspekte der Geheimdienstarbeit kennengelernt und immer alles daran gesetzt, die Wahrheit aufzudecken. […]

Für das Team um Robert „Bob“ Baer, altgedienter CIA-Agent, und Tim Kennedy, Sergeant First Class der 7th Special Forces Group der US Army, bedeutete dies eine Reise auf verschiedene Kontinente und Länder: Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Spanien, auf den Kanarischen Inseln, in Argentinien, Brasilien und in Kolumbien statt.

Ausgehend von einer internen Aufzeichnung des früheren FBI-Chefs J. Edgar Hoover („American Army officials in Germany have not located Hitler’s body nor is there any reliable source that will say definitely that Hitler is dead“) stellt sich das Team um Kennedy und Baer die zentrale Frage: Wie könnte Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg überlebt haben?

Baer.

Wieder Baer.

Wieder in Verbindung mit Nazi-Jagd. Und in Verbindung mit dem Geheimdienst CIA. Susanne Baer hat in Michigan studiert und eine Honorarprofessur erhalten. Und ich habe schon beschrieben, dass die Universitäten in Michigan seit dem Vietnam-Krieg berüchtigt dafür sind, Geheimdienstagenten Tarnprofessuren zu vergeben, und dass sie dort intensiv ausländische Studenten anwerben.

Die Frage ist, ob es da Verbindungen gibt.