Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mindestlohn für alle – außer für Fotografen

Hadmut
17.3.2012 23:45

Betrachtungen zur Urheberrechtsdiskussion, zur „Schwarmintelligenz” und zum Internet.

Ich will diesen Blog-Artikel mal mit einer Art fotografischem Gleichnis anfangen. Wenn jemand etwas darstellen, wiedergeben, ablichten will, und das Bild ist dann nur weiß oder nur schwarz, dann ist jedem klar, daß der, der das Bild gemacht hat, Mist gebaut und falsch belichtet hat. Man kann da nicht erkennen, was er darstellen wollte. Eine gute Aufnahme bildet den Kontrastumfang dessen, was abgebildet werden sollte, möglichst gut auf den Tonwertumfang des Mediums ab. Die dunklen Stellen sind nicht so schwarz und die hellen nicht so weiß, daß man die Zeichnung nicht mehr erkennt. Der Betrachter muß die einzelnen Kontrastwerte selbst erkennen und sich ein eigenes Bild machen können.

Im Internet hat es sich eingebürgert, falsch zu belichten. Wenn etwas kritisiert oder vertreten wird, dann wird die eigene Meinung nur noch in extrem weiß und die Gegenmeinung nur noch in komplett schwarz dargestellt. Daß widerstreitende Meinungen oftmals beide irgendwo ihre Argumente haben, die gegeneinander abzuwägen sind, hat man sich netzbürgerlich abgewöhnt. Man macht sich nicht mehr die Mühe, zu betrachten und sich eine Meinung zu erarbeiten. Die eigene Meinung steht am Anfang, und sie wird als unumstößliches Maß der Dinge angesehen, an dem gemessen wird, ob etwas gut oder schlecht ist. Man bildet sich keine Meinung mehr darüber, ob etwas gut ist, sondern gut ist nur, was der eigenen Meinung entspricht. So brachial primitiv das ist, eines der meistgelesenen und meistgelobten deutschen Blogs beruht allein darauf.

Und wer Meinungen machen will, der gibt keine sichtbaren Bilder mit allen Stufen von schwarz bis weiß mehr heraus, sondern nur noch einheitlich schwarze oder weiße Bilder, damit der Betrachter erst gar nicht mehr auf die Idee kommt zu zweifeln oder sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist diese Meinungsprügelei, diese kategorische Netzmoral, die sich etabliert hat, diese grenzenlose Voreingenommenheit, die die Generation Internet spießiger macht, als Spießer jemals waren.

Das Fehlen sozial-kommunikativer Rückmeldung und die fehlende Konfrontation mit Andersmeindenden – in der realen Welt muß man sich mit den Menschen und deren Meinung abgeben, auf die man eben so trifft, in der virtuellen Welt dagegen selektiert man Informationsquellen, Foren, Umgang, Diskussionen nach gleichdenkenden, und man führt Diskussionen nur da, wo klar ist, was die Diskussion ergibt – führen zu einem immer weiter fortschreitenden Verkümmern und Versagen der Fähigkeit, sich eine Meinung zu bilden und dabei objektiv auch die Standpunkte der Gegenseite zu akzeptieren. Dazu kommt der Zusammenbruch des Meinungsaustausches als Kommunikationsform, vergleichbar dem Verlernen der Handschrift durch den Gebrauch der Tastatur. Die völlige Virtualisierung, Abstrahierung, Reduktion der Gegenüber auf irgendwelche Pseudonyme und willkürlichen Platzhalter führen nicht nur zu einer massiven Entwertung und Entwichtung aller Andermeinungen, sondern auch zur ungebremsten Ausfälligkeit – insbesondere dann, wenn sich auch die eigene Person dabei virtualisiert, abstrahiert, anonymisiert, hinter Pseudonymen versteckt. Ich habe den Effekt schon häufig kritisiert, wenn Leute in meinem Blog hier in grob unsachlicher und diskussionswidriger Weise unerwünschte Meinungen attackieren und sich dabei wie Heckenschützen hinter Pseudonymen verstecken. So sehr manche Leute das Internet und seine Kommunikationskultur in kompletten Weiß beschreiben, es gibt da auch die dunklen Stellen. Und es gibt viele, die sich das zunutze machen, instrumentalisieren. Es gibt so viele Schafe, und das Internet ist das perfekte Mittel, sie zu führen. Indem man ihnen ganz schwarze oder ganz weiße Bilder zeigt und ihnen fertige Muster-Meinungen und Feindbilder vorsetzt. Die Leute bevorzugen heute fertige Meinungen wie Tiefkühlpizza – aber sie verteidigen diese Meinung in maßloser Weise.

Aktuell kann man solche Effekte in der Debatte um das Urheberrecht und dessen Durchsetzung sehen.

Oh, nicht daß da ein falscher Eindruck entsteht. Ich will keineswegs die Urheberrechtsexzesse und den Schwachsinn mit den Internet-Sperren verteidigen. Und wer mein Blog kennt, der weiß, daß ich das schon häufig kritisiert habe, beispielsweise hier und hier. Auch den Begriff Urheber-Mafia halte ich in weiten Teilen durchaus für gerechtfertigt.

Ich halte es aber für völlig daneben und für Populismus, für das Aufwiegeln eines Lynchmobs, wenn man Urheberrechte schlechthin ablehnt und pauschal verteufelt. Denn daß der Urheber, der Schöpfer eines Werkes, von irgendwas leben muß und entlohnt werden soll, liegt auf der Hand. Sonst entstünden ja viele Werke nicht mehr und das wollen wir – jedenfalls ich – ja nun auch nicht. Und selbst wenn ich hier kostenlos blogge und das kostenlos zum Lesen anbiete – ich würde stinksauer, wenn jemand aus meinem Blog Texte, Bilder usw. klaut. Insbesondere wenn dann nicht mal mein Name genannt wird. Und da geht es ja nun auch um Urheberrechte, wenn auch ohne die finanziellen Komponenten.

Wir erleben aber gerade ein massive Entwertung des Wertes von Werken im urheberrechtlichen Sinne. Das hat verschiedene Gründe:

  • Technischer Fortschritt. Vor 40 Jahren mußte man noch sehr viel Fachwissen haben, um ein halbwegs ordentliches Foto hinzubekommen oder ein Buch zugestalten. Heute bekommt man Digitalkameras und Software hinterhergeworfen, die das automatisch erledigen.
  • Inflationäres Überangebot. Dadurch, daß inzwischen so viele ihre Bilder oder Texte kostenlos ins Netz stellen, bekommen Profis eine Konkurrenz, die sie preislich nicht einholen können. Derjenige, der einem anderen Beruf oder Einkommen nachgeht, und daraus querfinanziert, daß er in seiner Freizeit unentgeltlich Werke erstellt und auf den Markt wirft, betreibt – ohne es zu merken und zu wollen – vom Prinzip her marktwidriges Dumping, weil seine „Preise” nicht produktionskostendeckend sind.
  • Absinken der Wertschätzung. Als das Herstellen eines guten Fotos oder Buches selbst noch eine anspruchsvolle und wenigen vorbehaltene Fähigkeit war, lag die Wertschätzung teilweise schon in der Fähigkeit an sich. Diese ist mit dem technischen Fortschritt verloren gegangen. Heute liegt wesentlich mehr Aufwand in den Raffinessen, den Feinheiten, der Idee. Ich habe kürzlich auf einer Fotobörse an einem Stand gestanden, an dem jemand alte Fotozeitschriften aus den 60er bis 80er Jahren feilbot, und habe darin geblättert. Es gab ein paar zeitlos schöne Fotos, aber so gefühlte 80% der Aufnahmen, die damals als fotozeitschrifttauglich angesehen wurden, sind nach heutigen Maßstäben inhaltlich Massenmüll. Was man heute in Fotozeitschriften und guten Foren so an Bildern findet, hat einen wahnsinnigen Qualitätssprung getan. Und es ist heute – trotz Digitalisierung – ein weitaus größerer Aufwand als damals, ein gutes Foto zu machen. Das haben mir auch schon viele Profifotografen und sogar ein Kameramann, der Kinofilme macht, bestätigt. Früher hat man das Foto gemacht und das Ergebnis erst nach der Entwicklung gesehen und hingenommen, oder die Rollen gleich unentwickelt beim Verlag eingeworfen. Heute wird kontrolliert, gedengelt, gemacht bis alles perfekt ist.

    Nur wird diese Arbeit von den meisten Betrachtern nicht mehr (an-)erkannt. Wir haben heute eine große Menge an anspruchsvoller schöpferischer Arbeit, die nicht mehr als solche wahrgenommen wird. So wie der Strom aus der Steckdose kommt, hängen Bilder an der Wand. Fertig. Sie wachsen nämlich auf Bäumen oder so. Der Arbeit steht kein hinreichendes subjektives Empfinden der Arbeit beim Betrachter mehr gegenüber.

  • Früher war das Kopieren teuer, langwierig und mit Qualitätsverlust verbunden, und die Weitergabe höchstens auf den Schulhof beschränkt.

    Heute leben wir im Zeitalter des grenzenlosen, billigen, verlustfreien Speicherns, Kopierens, Weitergebens. Das führt zu einer Selbsttäuschung. Während die Hemmschwelle immer weiter sinkt, wird der Vorgang des Kopierens subjektiv als Schöpfungsakt über die eigentliche Herstellung gestellt, und die Wertschätzung am Kopieraufwand orientiert, weil darin die subjektive Herstellung liegt. Das führt zu einer subjektiven Entwertung, weil sich der Wert scheinbar auf den Kopieraufwand und damit in den Pfennig-Bereich reduziert.

  • Der ganze Bereich Public-Domain, Open-Source, Wikileaks, Creative Commons, usw. hat eine Sekundärkultur entwickelt, die es vorher so nicht gab. Es ist ein weltweites Netz auf Grundlage von Kooperation mit Unbekannten entstanden, in der es völlig normal ist, fremde Werke grenzenlos und kostenlos zu kopieren und dafür hin und wieder auch selbst mal was zu produzieren und freizugeben. Das ist ja grundsätzlich auch eine feine Sache. Übersieht aber das kleine und wichtige Detail, daß jeder, der daran teilnimmt, irgendwoher anderes seinen Lebensunterhalt, sein Einkommen, seine Betriebsmittel bezieht. Es muß also irgendwo einen „Sponsor” geben, der das finanziert. Und wenn es der Autor ist, der seine Freizeit opfert und im Hauptberuf seinen Lebensunterhalt mit etwas anderem verdient.

    Daraus entsteht leider eine Art Selbstbedienungsmentalität, denn die Leute sehen nur noch das unmittelbare kostenlose Angebot, aber nicht das Sponsorentum dahinter. Die Kurzsichtigkeit gaukelt ein Paradies vor, in dem die Werke an den Bäumen wachsen und man sie nur zu pflücken oder sich in den Mund wachsen zu lassen braucht.

    Es fehlt außerdem an der Differenzierung gegenüber der anderen Welt, die nach dem alten Strickmuster läuft und in der Leute keinen anderen Beruf haben und davon leben müssen.

    Stellt Euch vor, Ihr seid in einem Land aufgewachsen, in dem es etwas schon immer kostenlos für alle gab und gibt. Lebensmittel zum Beispiel. Wasser. Medizinische Versorgung. Energie. Ihr kennt es nicht anders. Und nun kommt Ihr zum ersten Mal in ein anderes Land, mit einem anderen Wirtschaftssystem. Wo man sein Essen nicht einfach nehmen kann, sondern im Supermarkt kaufen und bezahlen muß. Also Geld hinlegen. Man würde das als unverschämt und absurd ansehen. Geld für Grundnahrungsmittel zu fordern, was eine Frechheit.

  • Es gibt bei uns generell eine (netzlastige) Geringschätzung geistiger Arbeit. Das beruht darauf, daß sich die meinungsmachenden Kreise da ihre Massen eben aus den Kreisen rekrutieren, bei denen der Schwerpunkt eben nicht so auf der geistigen Ebene liegt. Wollte man es politisch färben, könnte man auch sagen Arbeiter und Bauern. Oder wie sagt man so schön? Am Gestank merkt man, aus welcher Richtung der Wind weht.

Diese und weitere Effekte führen derzeit dazu, daß im Netz so eine Meinung hochschwappt, wonach Urheberrechte per se und allgemein schlecht sind. Daß das Problem mehr in der Maßlosigkeit, der absurden Durchsetzung, der Verdienstspanne Dritter (Verlage,…), einer miserablen Gesetzesgestaltung und vor allem der tiefen Korrruption und völlig einseitigen Sichtweise der Politik liegt, Urheberrechte an sich aber wichtig sind, wollen viele Leute nicht mehr einsehen.

Die Folgen sind grotesk.

Immer öfter höre ich von Fotografen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr erwirtschaften können, und die in andere Jobs oder Hartz IV abgleiten. Ich habe auch schon Verkäufer im Großmarkt erlebt, die eigentlich Fotografen waren, aber damit kein Auskommen mehr finanzieren können. Ich weiß von Fotografen, Grafikern, Designern, die nicht mehr leben können, weil Firmen zwar Abertausende von Euro für Broschüren, Werbung, bunte Kugelschreiber ausgeben, uns allen die Briefkästen zudonnern, aber dem, der das alles schöpferisch herstellt, nur noch Billigstlöhne zahlen wollen. Deutschland ist Billiglohnland, und immer mehr Tätigkeiten werden entwertet, und derzeit gehören die schöpferischen Tätigkeiten dazu.

Das Paradoxe daran ist, daß dieselben politischen Kreise (vor allem linke) einerseits für Mindestlöhne trommeln und Billiglöhne geißeln, andererseits aber gegen Urheberrechte wettern und damit den Autoren und Fotografen die Lebensgrundlage nehmen. Man hat den Eindruck, daß es da massiven politischen Druck in die Richtung gibt, Putzfrauen, Friseuren, Ungelernten, Nachtwächtern, Zeitarbeitern, einfach jedem Mindestlöhne zuzugestehen, nur nicht den Autoren und Fotografen. Die hat man zu einer Haßgruppe erklärt, die sollen nichts mehr bekommen. Was übrigens auch sehr schön die Inkonsequenz der Forderung zeigt und belegt, daß es gar nicht um die Sache selbst, sondern mehr um eine Art linke Gesellschaftssabotage geht. Wer Mindestlöhne fordert, der muß auch erklären können, wie freiberufliche Autoren, Graphiker, Fotografen auf diese Mindestlöhne kommen sollen.

Ich lese das immer öfter aus Kreisen von Profifotografen, daß die Verlage (wer sonst?) sie immer unverschämter abzocken und unter Druck setzen, immer weniger Geld für Fotos zahlen, dafür aber dann immer grenzenlosere Rechte fordern, sie quasi unbegrenzt einsetzen können, auch digital, und sogar weiterverkaufen. Und die Kleckerbeträge sind teilweise lächerlich. Ich war entsetzt zu hören, wie wenig man Auslandsreportern für lebensgefährliche Aufträge zahlt, und daraus müssen die noch sämtliche Spesen und ihre Ausrüstung bezahlen. Seltsamerweise fordert hier aber niemand Mindestlöhne. Hier entspricht es eher linken und im Internet getrommelten Ansichten, daß Fotos und dergleichen wertloses Allgemeingut seien.

Das ging mir gerade so durch den Kopf, nachdem ich erfahren hatte, daß wieder einer aus der Branche erbärmlich vor die Hunde gegangen ist, weil er von seinem Job einfach nicht mehr leben konnte, es kam einfach nicht mehr genug rein, um wenigstens die fundamentalen Lebensbedürfnisse zu decken.

Da finde ich zufällig in der ZEIT den Artikel über die Debatte um Acta und bin verblüfft, wie sehr das damit übereinstimmt. Besonders dieser Absatz:

„Deutlich wurde auch die Journalistin und Fotografin Heike Rost. Zu Recht beklagte sie sich, dass der Tonfall im Netz teilweise an Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten sei. Wenn sie sich anhören müsse, sie solle etwas Anständiges arbeiten, wenn sie Fotohonorare einfordere, oder sich sagen lassen müsse, dann müsse sie eben von Hartz IV leben, wenn ihr Geschäftsmodell nicht funktioniere, hört für Rost der Spaß auf. Fotografie, so bekam sie kürzlich zu hören, sei nicht mehr als eine fotomechanische Kopie der Realität. Da prallen sie wieder aufeinander, die Welten. Denn für den durchschnittlichen iPhone-User mag dieser Satz zutreffen. Rein technisch ist er ohnehin korrekt. Dumm ist er trotzdem.”

Das ist aber genau dieser Punkt.

Und wenn man noch etwas tiefer bohrt, also quasi auf die Meta-Ebene steigt, dann geht es – wie so oft – gar nicht um die Sache selbst, sondern darum, eine große dumme aggressive Masse darauf zu dressieren, auf Kommando in Resonanz zu schwappen. In den letzten Jahren haben einige Agitatoren sehr intensiv gelernt und geübt, wie man der Masse jeden Unfug unterschiebt. Früher hat man da einen Mob mit Mistgabeln oder Kapuzen und Fackeln zusammengeholt, heute läuft das im Internet. Das Thema selbst ist eigentlich egal.

Wenn ich aber sehe, wieviele Fotografen da aus dem Beruf herausfallen, aufgeben, nicht mehr können, dann frage ich mich, wohin unsere Gesellschaft da driftet. Ich weiß aus Fotografenkreisen, daß die Verlage da gerade ganz massiv die Preise drücken. Etwa indem die BILD solche „Leserreporter” einsetzt, also Hinz und Kunz, die ihre Handy-Fotos einschicken und froh sind, wenn sie namentlich genannt werden. Ist ja auch so schön authentisch, wenn das Foto schlecht ist. Aber auch (vermeintlich) seriöse Reisemagazine gehen im Streit um Fotografenhonorare schon dazu über, Fotos nicht mehr von Profis (=Leuten, die davon leben) zu kaufen, sondern einfach mal herumzufragen, ob nicht irgendwelche Urlauber ihre Bilder herausgeben wollen. Und sogar bei Ministerien gab es schon „Wettbewerbe”, bei denen man Kleckerbeträge gewinnen konnte, aber mit der Teilnahme alle Urheberrechte übertragen hat. Immer öfter kommt es zu Streitigkeiten um Bildhonorare. Immer mehr können das nicht mehr durchhalten, und wir rutschen intellektuell immer mehr auf das Niveau des Handyknipsens.

Und so sind viele dieser Massenaktionen – zuletzt eben die um die Urheberrechte – nichts anderes als große Übungen in Synchrondummheit auf Kommando. Und wie es in der Geschichte eigentlich immer so war, mit aggressivem Mob.

Und genau da liegen sie dann doch falsch, wenn sie sagen

Am Ende herrschte dann doch ein wenig Einigkeit: “Dass Schwarmintelligenz zu Schwarmblödheit verkommt, ist kein Phänomen des Internets”, so Heike Rost, “es bildet nur das ab, was in der Gesellschaft passiert.”

Und das ist falsch. Blödheit ist zwar das, was in der Gesellschaft passiert. Internet ist aber das, was aus dieser gesellschaftlichen Blödheit die Schwarmblödheit macht. Und für vieles, was heute in unserer Gesellschaft passiert, ist die Blödheit der Einzelnen multipliziert mit deren Anzahl einfach nicht blöd genug. Erst das Internet macht daraus jene Schwarmblödheit, die blöder ist als die Summe der Einzelnen. Das Internet fördert die Synergie, aber eben nicht nur bei den positiven Eigenschaften.

Den Begriff der Schwarmblödheit nehme ich hiermit in mein Aktivvokabular auf. Und Synergiedummheit.

(Noch ne technische Anmerkung: Ich bin sehr gegen Internet-Filtern und -Sperren, und ich denke, ich habe hier im Blog und anderswo hinreichend zum Ausdruck gebracht, daß es Schwachsinn ist und nicht funktionieren kann, zudem gegen Grundrechte verstößt. Dummerweise züchten gerade die, die am lautesten gegen diese Sperren wettern, mit eben dieser Methodik der Schwarmblödheit gerade das Gesindel heran, auf das die Befürworter dann ihre Argumentation stützen. Sie schießen sich also selbst ins Knie.)


46 Kommentare (RSS-Feed)

Hanz Moser
18.3.2012 1:20
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Was deine Ansichten zur Meinungsvertretung angeht stimme ich dir zu. Differenziert und fundiert ist out. Und der meist unbewusste self-lock-in hin zu einer positiven Rückkopplungsschleife, wenn man sich nur mit den Sympathisanten der eigenen Meinung umgibt, ist ein Problem.

Bei der Fotografie sehe ich das aber ein wenig anders. Das ist zum größten Teil ein rein marktwirtschaftlicher Effekt. Gute Fotografie ist zum größten Teil ein kreatives, künstlerisches Ding geworden. Der handwerkliche Teil ist weniger wichtig geworden, den hat die Technik in weiten Teilen ersetzt oder grotesk vereinfacht.
Jetzt ist es aber so, dass der größte Teil der Konsumenten kein Interesse an oder kein Auge für den künstlerischen Aspekt hat. Im Zweifel würde ich mich selbst auch in diese Gruppe stecken.
Es ist also einfach kaum einer mehr da, der bereit ist den Aufpreis für wirklich gute Fotos zu bezahlen, weil ein scharfes Standardfoto in entsprechender Auflösung in den meisten Fällen reicht. Spitz ausgedrückt gibt es keinen Grund Fotografen besonders zu schützen, wenn deren eigentliche Qualifikation, die sie vom Hobbyknipser abhebt, nicht mehr relevant ist. Das ging den Reiseverkehrskauffrauen damals ähnlich, als die Reisebüros dicht gemacht haben.

Richtig gute, profesionelle Fotografie ist halt heute eher Kunst – und von der kann kaum einer leben.

Was ich bei der Debatte um das Urheberrecht und solche Dinge wie ACTA immer noch nicht so richtig verstehe, ist warum so viele der eigentlichen Hersteller der Inhalte sich in die Propaganda von MafiAA und Co einspannen lassen. Fast alles was da an Pro kommt hilft primär den Verwertern, also Verlagen und Großkonzernen, nicht aber den Urhebern. Die sind in vielen Bereichen extrem abhängig von der Hand voll großer Häuser und bekommen so gut wie nichts. Richtig Geld machen nur die und eine kleine Speerspitze von Künstlern. Die meisten Musiker in Deutschland können nicht von ihrer Musik leben, trotzdem befürworten viele von denen restriktives Vorgehen, was andere als Aushöhlung der Bürgerrechte ansehen, obwohl die froh sein müssten, wenn jemand ihre Mucke auch nur kopiert, um wenigstens ein bisschen Bekanntheit zu erlangen und darauf hoffen zu können, dass ein paar der Leute dass dann auch kaufen.

Das ist auch das Kernproblem was ich bei der Urheberrechtsgeschichte sehe und weswegen ich glaube, dass so viele radikal gegen alles sind. Es herrscht in den Branchen eine extreme Asymmetrie, bei der ein Großteil fast ausgebeutet (oder ausgebeutet) wird, während ein sehr kleiner Anteil sich dumm und dämlich verdient. Verschärfend kommt hinzu, dass die größten Profiteure eben die Mittelsmänner sind, deren ursprünglich wichtige Aufgaben größtenteils weggefallen sind. Musik aufzunehmen, abzumischen und verfügbar zu machen war früher ein enormer Aufwand und benötigte viel Kapital. Heute können sich ein paar Bands zusammentun und für nicht mal 10000 Euro an Aufnahmeequipment Musik in tauglicher Qualität mastern. Das kommt zwar nicht an Tonstudios ran, bei denen das Mischpult schon mehr kostet, aber man kann es sich sehr wohl anhören. Auch das fürs Mastering notwendige Knowhow ist geringer geworden, weil es einfach zu bedienende Software gibt und viele Problemquellen weggefallen sind.

Bei Verlagen ist es ähnlich. Manuskripte abtippen gibt es nicht mehr, Lektoren und Korrektoren will keiner mehr bezahlen und viele tun es auch ziemlich offensichtlich nicht mehr, und das ehemalige Problem ordentlicher Typografie beim Satz macht Indesign für den normalen Konsumenten von alleine gut genug. Auch die eigentliche Herstellung ist trivial geworden. Du gibst der Océ ein PDF und eine Stückzahl, hinten Purzeln fertige Bücher mit Heißklebebindung raus. Gummiwalzen putzen, an zwanzig Schrauben das Messer so einstellen, dass die Farbe gleichmäßig auf die Walze kommt, Fotoplatten belichten und all das, was Bücherdruck mal teuer gemacht hat muss man heute nicht mehr als Risiko tragen, wenn man mit einer kleinen Auflage anfängt.

Das Anti-Urheberrechtsgetrommle vieler richtet sich vermutlich mehr gegen die als ungerecht wahrgenommenen Strukturen, die man als überkommen und unnütz ansieht, und gar nicht gegen das eigentliche Urheberrecht und die Künstler.
Ich glaube hier hat die Propaganda, mit denen sich Branchen, die so obsolet werden könnten wie Reisebüros, versucht haben zu verankern und ihre Pfründe zu sichern, die Leute mit einer Meinung zur Sache sehr stark gespalten, was vor allem den eigentlichen Leistungsträgern schadet, weil an die weder die Kritiker noch die Befürworter irgendwelcher Ideen in Urheberrechtsdiskussionen all zu viel denken.

Das ist auch das was mich am Großteil der Anti-Urheberrechts Vertreter stört und von dem ich erwartet hätte, dass es bei dir zur Sprache kommt:
Die wenigsten davon liefern konstruktive Ansätze. Die meisten meckern und schimpfen nur, aber gute Ideen, wie man denn das bestehende Recht modernisieren könnte, auch im Hinblick darauf, in Zukunft noch Urheber zu haben, sind selten und die meisten prinzipiell tauglichen unrealisierbar.

“Und sogar bei Ministerien gab es schon „Wettbewerbe”, bei denen man Kleckerbeträge gewinnen konnte, aber mit der Teilnahme alle Urheberrechte übertragen hat.”

Passiert dir jetzt das selbe wie so vielen in der Debatte? Verwechselst du nicht Urheber- und Verwertungsrecht? 😉


Hadmut
18.3.2012 10:06
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@Hanz: Sorry, aber da hast Du ganz viele Fehler in nur einem einzigen Kommentar:

Die Verwertungsrechte gehören zum Urheberrecht, denn sie stehen grundsätzlich erst mal dem Urheber zu. Anders als die Urheberpersönlichkeitsrechte sind sie aber durch Rechtsgeschäft übertragbar. Da verwechselst Du was.

Der zweite Fehler ist, das auf kamerabedingte wertlose Technik und „künstlerisch” zu reduzieren. Selbst dann, wenn Fotografie nicht künstlerisch sondern reines Handwerk ist, ist sie urheberrechtlich geschützt, denn der Fotograf wendet ja Arbeitszeit, Ausbildungsleistung, laufende Kosten und Kapital auf. Und irgendwoher muß er das ja erwirtschaften können. Deshalb ist bei Lichtbildern auch der technische Anteil schon geschützt.

Bei einem Tisch gibt es auch den künstlerischen Teil des Designs und die Herstellung des Exemplars, an der im Zweifelsfall gar nichts künstlerisches mehr ist, sondern nur die CNC-Fräse rattert. Trotzdem kann man ihn nicht einfach klauen, weil da ja Herstellungsaufwand besteht, der geschützt ist. Wenn einer einen Tisch aus dem Laden trägt, mag der technisch noch so einfach hergestellt sein, man wird es ohne weiteres als Diebstahl ansehen. Wenn aber einer ein Foto kopiert, und sei es sehr einfach, dann wird das nicht als Diebstahl empfunden, obwohl da genauso Herstellungskosten dahinterstehen.

Wenn der größte Teil des Marktes der Meinung ist, daß der technische Teil nichts mehr wert ist, und den „künstlerischen” Teil nicht mehr sieht, dann wäre die Konsequenz daraus, nicht das Bild zu klauen, sondern das Bild selbst zu machen – wenn es doch so einfach ist.

Wo ich Dir zustimme, und was ich ja selbst schon häufig (auch auf Forschungsmafia) geschrieben habe ist, daß die Zwischenabmelker beseitigt werden müssen, nämlich die immer nutzloseren und immer gierigeren Verlage, die Abmahnanwälte usw., all das, was nicht Urheber ist und trotzdem mitkassieren will.


Stefan W.
18.3.2012 5:35
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Also Rumgezeter über ein generell überflüssiges Urheberrecht kenne ich nicht.

Ich kenne von Bildblog dokumentierte Verstöße, wo schwerreiche Verlage sich bei Privatpersonen bedienen, und diese Verlage zetern darüber, dass man ihnen nicht genug vergütet, sondern dass sie gratis mit Google gefunden werden können.

Ich kenne auch Gezeter über Bilder von Gurken, die 1000 € kosten sollen, die auf einer privaten Homepage stehen, die 3 Besucher im Jahr hat, oder jmd. kopiert ein Prospektbild und läd es bei ebay hoch.

Dass eklatante Abmahngebühren für Bagatellfälle Empörung auslösen verwundert nicht. Ich verstehe, dass man sich nicht einfach bedienen darf, und tue es selbst nicht, aber ich muss sagen, dass es ziemlich gedauert hat, einzusehen, dass man für Bilder auch dann zahlen muss, wenn man selbst kein Geschäft damit macht.

Ich verstehe auch, wenn Leute überrascht sind, die zum Fotografen gehen, und ein Passfoto kaufen, und nicht ahnen, dass sie es damit noch lange nicht ins Internet stellen dürfen. Darauf muss man erstmal kommen.

Presseverlage, Fernsehen und Rundfunk haben die Möglichkeit das Wissen über Urheberrecht in verdaulichen Dosen unter’s Volk zu bringen – als zweites wäre die Politik gefordert.

In den 50ern bis 90ern musste der Prolet – was nicht abwertend gemeint ist – nichts über das Urheberrecht wissen, weil er keinen Zugang zu Druckmaschinen und Rundfunksendern hatte. Heute ist von der Krankenschwester bis zum Kranführer, vom Hilfsarbeiter bis zur Hausfrau jeder ein Sender im Internet. Mit etwas Glück bringt es die eigene Katze auf YouTube zu 10 Mio. Clicks in 2 Tagen, und mit etwas Pech läuft im Hintergrund Frank Zappa, und die Erben bekommen es mit.

Man sollte bei Bagatellfällen die Keule nicht auspacken, sondern entsprechend angepasste Kosten geltend machen. Man muss die Öffentlichkeit erziehen und informieren, aber die Rechtslage auch so übersichtlich regeln, dass man ohne eine Phalanx von Anwaltskanzleien zu bemühen eine alte Stonesplatte bei ebay verhökern kann. Und man soll schauen wer am lautesten “Haltet den Dieb!” brüllt – der war’s oft genug selbst.


Maik
18.3.2012 8:11
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Hm, eine linke Gesellschaftssabotage kann ich da nicht erkennen. Ist es doch nicht gerade so, dass von linker Seite eher ein allgemeiner Mindestlohn gefordert wird, der allen Berufsgruppen zu Gute käme? So ich ich das mitbekommen habe, gibt es hier nur Mindestlöhne in den Branchen, in denen eine gewerkschaftliche Vertretung hinreichend stark ist. Was imho absurd ist, da ja ein Mindestlohn von Prinzip hier ja denen zu Gute kommen soll, die eben nicht in der Lage sind (aus welchen Gründen auch immer), durch Betriebsrat o.ä. einen angemessenen Lohn zu erstreiten.

Ich vermute aber noch einen anderen Sachverhalt, der zu den Niedriglöhnen der Fotografen (und anderer Berufsgruppen wie Autoren, Übersetzer,…) beiträgt. Das hat weniger mit der Anerkennung des Urheberrechts zu tun, als mit der (mangelnden) Fähigkeit, Qualitätsarbeit als solche zu erkennen und demzufolge auch wertzuschätzen. Ich denke, dass der Durchschnittsmensch nicht in der Lage ist, ein einigermaßen gelungenes Foto von einem richtig guten Foto zu unterscheiden, einfach deshalb, weil er sich nicht ausreichend mit der Materie beschäftigt, um Unterschiede ausmachen zu können. Dem reicht eben der Leser-Schnappschuss bzw. die mit einem iPhone gemachten (und für die Verhältnisse eines Amateurfotographen auch gelungenen) Fotos aus. Und je mehr man sich mit einer Materie beschäftigt, desto weniger mag man sich mit einem solchen Qualitätsniveau abgeben (siehe auch http://xkcd.com/915/). Die meisten geben sich eben mit dem billigen Wein zufrieden. Es ist für sie dann “good enough”. Iirc hast Du ja selber mal erwähnt, dass es, verglichen mit früher, heutzutage für jeden einfacher geworden ist, ein Foto zu schießen, das minimalen Qualitätsansprüchen genügt. Und die Masse ist mit diesen Ansprüchen zufrieden, und ist gar nicht in der Lage, höhere zu stellen.


Torsten
18.3.2012 9:21
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Ein Randaspekt: Die Milliarden grässlicher Fotos auf Twitpic und Instagram haben mich erst wieder wertschätzen lassen, dass professionelle Fotografie eine wichtige Arbeit ist.


FF
18.3.2012 11:05
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Entwertung schöpferischer Tätigkeit – das ist in der Tat ein Signum unserer Zeit.

Meine Impressionen als (gelegentlicher) Sachbuchautor bestätigen das. Das gibt es diese Publikumsverlage, die sich gern als “renommiert” bezeichnen. Besetzt vom gottgleichen Verlagsleiter, schnöseligen (Chef)-Lektoren, PR-Assistentinnen, schnippischen Sekretärinnen und einer Kompanie von Praktikanten – letzere (fast) alle weiblich, meistens blond, alle überdurchschnittlich attraktiv.

Dieser ganze Stuff lebt von dem, was unsereins fabriziert. Und nicht schlecht: teure Adresse, säuberlich restaurierter Jugendstil, letzter Büroschick, üppige Autos vor der Tür.

Und alle sind sie sich einig: die Autorenhonorare müssen wir drücken, drücken, drücken. Weil – die Zeiten sind schwierig.

Jetzt stelle man sich – als Vergleich – einen Bundesligaclub vor, der für alles die dicke Kohle raushaut: Präsident, Stadionsprecher, Platzwart, Geschäftsstellenleitung, Fanshop, Hausmeister, Busfahrer. Und zur Mannschaft sagt: sorry Leute, Gehalt is’ nicht, wir müssen sparen…


User
18.3.2012 12:29
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irgendwie ist mir aber nicht ersichtlich, wo die lösung des problems sein soll? was soll man denn jetzt dagegen unternehmen, dass menschen blöd sein können und dass diese blödheit sich im internet so schön multiplizieren lässt? ja einige berufsgruppen scheinen nicht mehr relevant zu sein und werden deshalb untergehen, es ist tragisch aber was soll man tun? subventionen? ok, vielleicht, ich weiß nicht? hat es bei kohle gut geklappt?

netzpolitik.org kann ich übrigens genau deshalb nicht mehr ertragen und lese es auch nicht mehr (höchstens die überschirften im rss-reader) aber wen juckts? Ich glaube, dass es sinnlos ist sich wegen der blödheit aufzuregen, sondern versuche mich an der cleveren und schönen seite – auch des internets – zu erfreuen.


Stefan K.
18.3.2012 13:16
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Ich glaube, Hadmut, daß du als anspruchsvoller (SEHR) anspruchsvoller Fotograf hier natürlich auch ein bißchen parteiisch bist. Es bleibt völlig unbestritten, daß gute Fotografie tiefe Kenntnisse, hohen Investitionsaufwand (Kameras, Objektive, Software), hohen Zeitaufwand und einiges mehr erfordert.

Nun kommen wir zur Grundfrage des Ganzen: wodurch regelt sich eigentlich die Vergütung eines beliebigen Aufwandes – sei es irgendeine Warenproduktion, sei es ein künstlerischer Output, also Text/Bild/Skulptur/Theater/Film?

Tja – in einer freien Gesellschaft regelt sich das ganz eindeutig nach Angebot und Nachfrage. Bei normalen Konsumgütern ist das sowieso klar: ich kann zwar hergehen und wunderschöne Textilien produzieren, die ganz toll sind, aber ich kann nicht verlangen, daß mir irgendjemand einen beliebig hohen Preis garantiert. Wenn es ein riesiges Angebot gibt, dann wird der Preis ins Bodenlose fallen – T-Shirts für 3 Euro zB.

Soweit, sogut.


Stefan K.
18.3.2012 13:35
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Weiter im Text.

Etwas anders sieht es aus mit jedweder künstlerischen und ideell-geistigen Produktion (zB Bücher, Operninszenierungen). Hier hat der Staat aus ideellen Erwägungen eingegriffen, weil er meint, daß ein hoher Stand der Kultur für uns alle wichtig ist.

Also werden Theater, Museen, andere Kultureinrichtungen massiv subventioniert.

Anders könnte Kunst auch nicht sich entfalten und überleben – früher sponsorten die adligen Herren ihre Orchester, Komponisten, Maler etc., heute der Staat.

Bei Büchern, Musik und Fotos herrscht ein gewisser Sonderzustand. Einerseits sind genau diese drei Dinge heute superleicht und nahezu kostenfrei kopierbar, und andererseits existiert eine wahnsinnige Flut von Angeboten – in allen drei Sparten. Noch NIE dürfte es derart viele Musikfrickler, anspruchsvolle Fotografen und Textschreiber gegeben haben wie heute.

Weil: jede Menge Leute haben viel zu viel Freizeit, massig Reisemöglichkeiten, und genug Geld für semiprofessionelles Equipment.

Ein inflationäres Angebot macht aber STETS die Preise kaputt. Durch das Internet, welches genau die drei, äh vier Medien Musik, Text, Bild und Software am besten promoted, weil das ganze Netz ja daraus besteht, haben wir eine wahnsinnige Inflation auch an Zugangsmöglichkeiten.

Und diese unzählige, weltweite Masse an Produzenten von “Kunst”werken möchte ein Publikum haben, also stellen alle ihre Werke ins Netz. Und alle haben ein Urheberrecht.

Die Frage ist: sollen wir all diesen “Schaffenden” eine “angemessen” Bezahlung per Recht und Gesetz garantieren? Zweite Frage: geht das überhaupt?

Ich antworte zweimal mit “nein”.

Es geht erstens deshalb nicht, weil die Unzahl von Werken, die im Angebot sind, gar nicht bezahlt werden KANN. Niemand BRAUCHT diese wahnsinnihge Flut von tollen Fotos, die auf den Massen von Fotoseiten sich ansammeln. Niemand BRAUCHT die unendlich vielen Blogtexte, die das Netz fluten – obwohl viele davon genauso lesenswert und toll sind wie die aller professionellen Journalisten.

Es geht zweitens nicht, weil dnak des Netzes ein irgendwie geartetes Urheberrecht nicht mehr durchsetzbar ist. Denn: es gibt IMMER eine kostenlose Alternative, die in den meisten Fällen ausreichend ist. Es gibt IMMER genug Leute, denen es reicht, wenn ihre Texte schön viele Klicks und Kommentare erhalten, die gar nicht auf Geld aus sind. Es gibt IMMER massig Amateurfotografen, die ALLE Bedürfnisse von Foto”verwendern” zum Nulltarif oder für kleinstes Geld abdecken.

Und es gibt IMMER Leute, die alles, was eigentlich rechtlich geschützt ist, illegal kostenlos zur Verfügung stellen.

Somit sind die Kulturgüter Bild, Text, Software und Musik marktmässig total entwertet – egal, wieviel Aufwand im einzelnen drinsteckt.


Stefan K.
18.3.2012 13:46
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Ok, noch das Fazit dazu.

Das Fazit lautet: das Internet hat die bisher üblichen Verwertungsmechanismen von Text, Bild, Musik und Software umfassend ausgehebelt, plus: es hat das Angebot dieser Dinge wahnsinnig inflationiert.

Das Internet hat dafür gesorgt, daß keinerlei Schutz der Rechte von Urhebern mehr möglich ist, sobald diese Urheber ihre Werke ins Internet stellen. Damit haben sie – egal, wie das Recht aussieht, ihre Werke de facto in die public domain gestellt.

Weil es einfach jeder klauen kann.

Daraus folgen einige Punkte:

– künstlerische Leistung in Bild, Text oder Musik wird defintiv immer billiger werden, wegen Inflation, wegen totalem Überangebot

– Zeitungen, Bands, Schriftsteller werden zukünftig von den althergebrachten Einkommensquellen Abschied nehmen müssen, was bedeutet: das Angebot wird ausgedünnt bzw. von freiwillig kostenlosen Angeboten ersetzt

– als Einkommensmöglichkeiten bleiben: alles mit Werbung verbinden (bei Texten, Videos)

– seine hochqualitativen Werke NICHT ins Internet stellen (man entzieht sie damit der inflationären illegalen Kopierbarkeit)

– und das Dritte: eine staatlich eingezogene und verteilte Kulturflatrate.

Meines Erachtens nach wird genau das kommen. Wir werden alle per Gesetz und pauschal für die kulturellen Angebote zur Kasse gebeten, analog den Fernsehgebühren.

Der ewige Streitpunkt dabei wird die gerechte und sinnvolle Verteilung dieser Gelder sein. Für Amateure und kleine Spieler des Systems wird weiterhin nicht viel rausspringen, den Löwenanteil werden die großen Verlage, Rechteinhaber, großen Zeitungen etc. abfassen. Weil sie einfach die Macht dazu haben.

P.S.: Sorry für das lange Posting.


Stefan K.
18.3.2012 13:57
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Ok, jetzt noch eine Ergänzung ganz konkret auf dieses Blog hier bezogen (weil es so ein schönes Beispiel ist!).

Dieses Blog bietet definitiv hochwertige Texte, die einen immensen Erstellungaufwand erfordern, es bietet hochwertige Inhalte, Tipps, interessante Gedanken und einen Mehrwert für viele Leser. Es bietet Infos, die man SO in keinem Massenmedium findet!

Und deswegen zieht dieses Blog eine Riesenmenge an Lesern an.

Und trotzdem (!) ist es für uns kostenlos. Der Autor macht die gtanze Arbeit freiwillig – obwohl er technisch gesehen eine Paywall aufbauen und jeden Leser zur Kasse bitten könnte.

Oder alternativ alles mit Bannern, Adsense usw. vollknallen, wo er bequem einen Tausender im Monat reinholen könnte.

Doch der Autor WILL dies offensichtlich gar nicht. Ihm reicht das Publikum, die Klickzahlen, die Diskussionen, die entstehen, offenbar als “Bezahlung” aus. (Egal, was es nun ist: im Ergebnis haben wir Leser dein Angebot kostenfrei, lieber Hadmut).

Und das Netz bietet eine Unzahl weiterer solcher Angebote, wo Leute ihre Werke dem Publikum präsentieren, ohne auf “angemessene” Bezahlung aus zu sein. Nein, sie investieren noch Geld fürs Hosting.

Das ist eben unsere heutige Realität, gegen die keiner ankommt. Das früher Übliche ist passé und kommt nicht mehr wieder.

Deshalb wenigstens ein “Dankeschön” fpr deine beiden Blogs, Hadmut. Sie sind spitze, absolut geil zu lesen.


Hanz Moser
18.3.2012 15:44
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@ Hadmut

Sorry, aber da hast in einer Antwort ganz viel gelesen, was da nicht steht. Probieren wir es nochmal…

Was ich dem Zitierten Ankreide ist, dass es von der Übertragung der Urheberrechte spricht. Das ist m.E. falsch, aber zumindest misverständlich, weil deine Rechte als Urheber, wie du selbst sagst, eben nicht übertragbar sind, sondern nur die Verwertungsrechte. Die fallen zwar auch unter das Urheberrechtsgesetz, sind aber ein anderes Paar Schuhe.
Was diese Wettbewerbe fordern ist also das Abtreten aller Verwertungsrechte, die Abtretung von Urheberrechten ist, wenn man den Begriff als Summe aller Rechte des Urhebers verwendet, nur partiell für eben diese Verwertungsrechte möglich. Du schreibst aber von der Abtretung ALLER Urheberrechte. DA hakt es meiner Ansicht nach.

Ich weiß, dass du das besser weißt. Deshalb war ja auch der Smiley dahinter und ich habs nicht so explizit ausgeführt.

Bei den Ausführungen zu den Fotografen rätsele ich wirklich worauf du dich beziehst. Vermutlich hast du das mit der Annahme einer anderen Haltung meinerseits gelesen, als ich sie tatsächlich habe, und ein bisschen interpretiert.
Ich will aber nie behauptet haben, dass man Fotografen prinzipiell keine Rechte mehr zugestehen soll oder es in Ordnung sein soll Fotos einfach so zu verwenden (zumindest kommerziell) oder der handwerkliche Teil des Fotografierens nicht mehr geschützt wäre oder sein sollte.

Mir ging es um die Preisdrückerei im professionellen Sektor, die du u.a. beispielhaft an den Urlauberfotos behandelt hast. Da wird keiner seiner Rechte beraubt* und es passiert nichts, was gegen geltendes Recht verstößt, wenn man für einen symbolischen Euro Urlaubsfotoverwertungsrechte kauft statt für hunderte Euro die Rechte an den Bildern eines Fotografen. Das geht aber nur, weil die handwerkliche Leistung an Wert eingebüßt hat und die künstlerische Leistung nicht gewürdigt wird. Vor 30 Jahren hatten Urlauber gar keine oder vergleichsweise schlechte Kameras und haben falsch belichtete Fotos geschossen, die man niemals hätte nehmen wollen.
Heute kannst du jedem zweiten eine 550D mit Kit Objektiv in die Hand drücken und er wird nach ein paar Versuchen ein handwerklich akzeptables Foto haben, auf dem man die Hotelanlage gut erkennen kann. Warum also den teuren Fotografen nehmen, wenn man ihn nicht braucht?

Und wie du selbst schreibst ist die logische Konsequenz nicht die illegale Verwendung, sondern die Substitution. Und genau darauf bezog ich mich auch: Warum können und werden gelernte Fotografen durch Leserreporter und Urlauber ersetzt? Warum kann man Profis dazu nötigen, sich für das Gehalt einer Aushilfskraft mit selbst bezahltem, teurem Equipment den Arsch aufzureißen?
Mit der Frage ob bereits die handwerkliche Leistung geschützt ist hat das alles erst mal nichts zu tun.

*= In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Ich weiß, dass nicht nur Hobbyfotografen regelmäßig mit Entsetzen feststellen, dass irgend eine Zeitung Bilder von ihrer Homepage geklaut hat und die ohne Klageerhebung nicht bereit sind mehr als nen Zwanni zu zahlen, sondern auch profesionelle Fotografen nicht selten feststellen müssen, dass ihre Bilder für mehr verwendet werden als bezahlt wurde. Und “wenn Sie das stört ist das eben das letzte Bild was wir von Ihnen gekauft haben” ist dann wohl eine nicht all zu seltene Antwort.


Oppi
18.3.2012 15:50
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Also ich weiss wirklich nicht, woher du deine Erfahrungen diesbezüglich nimmst. Ich beschäftige mich eigentlich täglich mit einer Menge Blogs die sich auch mit dem Thema Netzpolitik und Urheberrecht befassen, und ich habe noch nirgends Meinungen a la “das ganze Urheberrecht gehört weg” gelesen. Ich lese auch nirgendwo “diese Urheber, das sind alles geldgierige Schweine”. Alles was ich lese ist, dass die Verwerter, also Verlage, Plattenfirmen und so weiter, für die Art wie sie mit der Arbeit der Urheber Geschäfte machen angegriffen werden, und das liegt ja eigentlich voll auf deiner Linie.
Was ein paar Kommentartrolle ab und an durch den Äther pusten kann man ja wohl wirklich nicht auf die “Generation Internet” hochrechnen. Die Leute in der “Netzgemeinde”, die wirklich Reichweite haben, und sicherlich zum Teil auch Meinung machen, unterscheiden da meiner Ansicht nach schon sehr genau. Gleiches gilt zum Beispiel auch für die Piraten, die seit ihrem Bestehen immer nur von “Urhebrrechtsreform” sprechen. “Die wollen das alles abschaffen und alles kostenlos machen” wird ihnen dann aber vom politischen Gegner – der immernoch mehr Reichweite hat, weil er indirekt die klassischen Medien kontrolliert – in den Mund gelegt.
Wer wettert (grade in der Politik) sonst noch “gegen Urheberrechte” ? Die rotgrüngelbschwarzen Dünnbrettbohrer ja wohl nicht, von denen höre ich immer nur “Verschärfung” hier und “Überwachung” da. Und auf die Linke hört hierzulande ja eh niemand, dafür sorgen die Nachrichten mit ihrem “Kommunisten” geschwurbel schon sehr effizient.

Aussagen wie “man informiert sich im Netz nur da, wo die eigene Meinung bestätigt wird und verblödet so” sehe ich kritisch. Die Leute haben schon immer die Medien konsumiert, die “ihrem” Weltbild entsprachen. Wer links denkt liest auch eher die TAZ als das Handelsblatt oder die Zeit. Wer möchte sich schon jeden Morgen zum Kaffee durchlesen wie falsch das eigene Weltbild, wie unwichtig die eigenen Interessen sind ? Wichtig ist aber, dass man dabei das Denken nicht einstellt. Das gilt für Konsumenten klassischer Medien wie auch für die, die hauptsächlich Blogs lesen. Menschen haben schon immer in schwarz und weiss gedacht, waren schon immer voreingenommen und sind aggressiv gegen Andersdenkende gewesen. Das ist halt bei uns einprogrammiert, weil es auf den Bäumen und in den Höhlen unser Überleben gesichert hat. Wir können und müssen heute versuchen das aktiv zu unterbinden, aber so zu tun als wäre das eine neue Erscheinung, und das blöde Internet und die blöden Blogger wären daran schuld (ironischerweise in einem Blog ^^ ) hilft diesem Prozess nicht.
Und noch ein Denkanstoß : Man muss eine Meinung haben, bevor man anhand dieser seinen Medienkonsum selektieren kann. Irgendwann muss man sich also wohl mal selbst Gedanken gemacht haben. Die Chance das man das immer mal wieder tut, und nicht völlig damit aufhört, dürfte recht hoch sein.


Hadmut
18.3.2012 20:19
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@Oppi: Also ich weiß schon, wo ich meine Erfahrungen hernehme. Und zwar aus dem realen Business und nicht (nur) dem Lesen von Blogs. Nur weil Du etwas beim Lesen von Blogs nicht gefunden hast, heißt das ja nicht, daß es nicht existiert.


cbx
18.3.2012 17:04
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Ganz blöd (und natürlich etwas überspitzt) gefragt: Warum sollte jemand eigentlich seinen Lebensunterhalt damit bestreiten können, etwas herzustellen, was in dieser Form niemand (mehr) braucht?

Möglicherweise folgen aus genau den von Dir angeführten Gründen die Fotografen den Hufschmieden, Kesselflickern, Müllern und zahllosen anderen nach.

Weil “gut genug” oft der Feind von “sehr gut” ist.


Hadmut
18.3.2012 20:23
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@cbx: Da hast Du mich etwas falsch verstanden. Ich sage ja nicht, daß die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können müssen. Sondern daß deren persönliche Konsequenz eben wäre, damit aufzuhören und was anderes zu machen.

Die Frage ist, ob wir uns das als Gesellschaft leisten können und wollen.

Die Gesellschaft kommt sehr gut ohne Kesselflicker und Hufschmiede aus, weil das nicht mehr gebraucht wird. Aber brauchen wir auch keine professionellen Bilder mehr?

Außerdem machst Du dabei einen Denkfehler: Bei Kesselflickern und Hufschmieden verlief das Geschäft direkt zwischen Abnehmer und Hersteller. Da waren keine Verlage dazwischen, die aus Eigennutz die Differenz zwischen Endpreis und Honorar maximieren wollten. Das Problem der Fotografen ist nicht, daß es keine Pferde mehr gibt, sondern daß es einen zwischengeschalteten Absauger gibt.


FF
18.3.2012 18:41
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@Stefan K.

Jo. Alles richtig. Hinzu kommt: man gewöhnt sich an die Lektüre von Blogs wie dem des Herrn Danisch. Was zur Folge hat: man wird – schon rein unterbewußt – unwilliger, für Gedrucktes, Papiernes zu zahlen, uns sei es auch noch so aggressiv beworben… Dafür Kohle, Zaster, Pulver, Bimbes, Mäuse, Schotter, Knete, Penunsen, Heller, Öre, Sesterzen, Guineen auf den Tisch zu blättern – schwierig.

Für Texte gebe ich tatsächlich kaum noch Geld aus. Ich kaufe, geschweige denn abonniere!, keine Zeitungen mehr (außer mal im Urlaub), Zeitschriften sowieso nicht. Ich vermeide den käuflichen Erwerb von Belletristik oder Fachliteratur so gut wie völlig. Dafür gibt’s die Unibibliothek ums Eck. (Im Notfall die “Thalia”-Mafia, wo ich schnell mal was durchblättere – das war’s dann auch.)

Erschwerend hinzu kommt: qualitativ habe ich immer öfter den Eindruck, daß ein Kauf sich schlicht nicht lohnt.

Der große, “einfühlsame” neue Schlüsselroman von XY, der “Stimme seiner Generation” – gähn. Das neue Werk des Kollegen Z, “Sachbuch des Jahres” – doppelgähn. Der sensationelle, provokative, schonungslose Coming-of-age-Debütroman der sechzehnjährigen NN, die “mit dem letzten Tabu xxx” aufräumt – dreifachgähn.

Liegt das nur an meiner Dekadenz – oder gibt’s wirklich so verdammt wenig wirklich rentierlichen neuen Lesestoff?


Oppi
18.3.2012 20:49
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@Hadmut : Dann rante doch vielleicht lieber über dein “reales Business”, und mach keinen “die blöden Internet Trottel denken nicht mehr selbst, hören sich keine Meinungen mehr an die nicht eh schon ihrer entsprechen und wollen die ganzen armen Fotografen enteignen” Artikel draus. Was hat denn dann das eine noch mit dem anderen zu tun ?


Hadmut
18.3.2012 21:15
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@Oppi: Es hat ziemlich viel damit zu tun. Berücksichtige aber bitte, daß ich so schreibe, wie ich es für richtig halte und nicht wie Du es für richtig hälst, denn ich schreibe ja mein Blog und nicht Deines.


Stefan K.
18.3.2012 20:53
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@Hadmut:

Vielleicht kann ich auch einen positiven Aspekt des neuen Mediums Internet erkennen. Und zwar bezüglich der “zwischengeschalteten Absauger”.

Als es noch kein Netz gab, war für ein Nischenangebot und fürs “kleine Geschäft nebenbei” überhaupt kein Platz – weder für Musiker nich für Texter, Autoren oder Fotografen.

Das Internet hat da wunderbare Direktvermarktungsräume eröffnet. Erstens hat es einen riesigen neuen Bedarf an lizensierten Fotos geschaffen. Zweitens schafft es eben auch dank des “long tail”, das auch Kleinstauflagen und Nischenmusik an den Mann gebracht werden kann.

Blogger mit guten Texten bzw mit Publikum können zumindest zuverdienen, nicht mal ganz schlecht tw. Wer als Fotograf auf Zack war, hat vor 5,6 Jahren die Vermarktungsplattformen wie istockphoto usw. bestückt: da gibts evtl. pro Verkauf nicht viel Geld, aber wer gut dabei ist, nimmt im Monat auch 500 oder 1000 Euro ein, und das kontinuierlich. Kleinvieh macht auch Mist.

Solche Plattformen gibts auch für Musik, wo man für kleines Geld Musik unbekannter Künstler ohne großes Label herunterladen kann (Jamendo). Oder aber halt youtube, wo man mit was Originellem schnell bekannt wird und Einnahmen generieren kann.

IMHO sieht es da in der Breite für viele Künstler/Autoren/gute Handwerker echt besser aus als vor 20 Jahren, wo es das alles nicht gab.

Das Internet ist also ambivalent, es hat seine guten und seine schlechten Seiten. Die Welt wird sich anpassen…


Jens der Andere
19.3.2012 1:51
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Hm. Wem Handybilder genügen, kriegt, was er verdient.

Aber die meisten haben keinen Schimmer, welchen Aufwand es macht, beispielsweise Schmuck oder Lebensmittel wirklich gut zu fotografieren.

Allein über die richtige Ausleuchtung gibt es da faszinierende Bücher:

http://www.kk.org/cooltools/archives/006122.php

Und in einem Katalog oder einer Printanzeige ist für Knipserbilder kein Platz. Trotzdem sollen sie für Knipserhonorar geliefert werden?

Da stimmt was nicht.

Aber manchmal macht Technologie das Leben für Künstler auch besser, weil der Mittelsmann wegfällt. Noch.

Ein Freund von mir ist Autor. Über 30 Bücher, übersetzt in einige Sprachen.

Ich zitiere mal grob verkürzt:

“E-book publishers (…) pay honest royalties, without cheating the way print publishers always have. I now get about ten times more money from each e-book, every year, as I’ve gotten over thirty years from the print publisher of the same book. It’s the best thing that ever happened to me, financially–and the only reason I’m not bankrupt right now.”


Fabian
19.3.2012 2:11
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Zum Thema Mindestlohn: Freiberufler sind Selbstständige und bekommen als solche keine Löhne, sondern Honorare. Sie sind nicht angestellt, schulden im juristischen ihren Vertragspartnern deshalb i.A. nicht die Arbeitsleistung (wie beim Dienstvertrag), sondern den Erfolg (Werkverträge). Da ist der Mindestlohn der falsche Hebel. Da wir die technische Entwicklung als gegeben hinnehmen müssen, das Verhalten der Nachfrager als betriebswirtschaftlich rational ansehen müssen (brutalst mögliches Preisdrücken optimiert den eigenen Gewinn – Marktwirtschaft eben) muss man fragen: was kann die Politik unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt noch tun?

Die Zwischenabmelker (tolles Wort btw) stoppen allein bringt es nicht im Großen, denn das Verhalten der preisdrückenden Endabnehmer ändert sich dadurch nicht.

Als Verbraucher könnte man was bewegen, in dem man bewusst auf Qualität setzt: das ist aber auch nicht betriebswirtschaftlich rational und wird wohl nicht zu einer Massenbewegung werden. Ich kaufe mir seltenst gedruckten Zeitungen. Natürlich finde ich z.B. in der Printausgabe der Zeit jedesmal Artikel, die nicht online stehen und die gut zu lesen und ihr Geld auch wert sind, aber an 350 Tagen im Jahr reicht das Angebot online völlig aus.

Den Fotografen und Journalisten geht es vielleicht ein wenig wie den Heizern bei der Eisenbahn, sie wurden überflüssig. Das hat übrigens nicht dazu geführt, dass sie überall sofort entlassen worden wären, in England haben die Gewerkschaften bis zur Ära Thatcher durchgesetzt, dass auf jeder Lok ein Führer und ein Heizer arbeite, unabhängig von der Tatsache, dass die Lok elektrisch war und nicht mehr unter Dampf gehalten werden musste. Leider ist die Lücke in dem Vergleich, dass das Ende des Profijournalismus und der professionellen Fotografie vermutlich eher durch etwas ähnlich anmutendes, aber qualitativ niederwertiges ersetzt werden wird und nicht durch einen gleich- oder höherwertigen Service wie E-Lok zur Dampflok.

Wenn ich mir mein Konsumverhalten bei contentlastigen Dingen betrachte: Ich bin am ehesten gewillt Geld für die künstlerische Arbeit auszugeben, die mir unmittelbar geleistet wird: Konzerte, Theater, Portraitfotografie für Bewerbungsbilder. Das ist aber kein Modell, dass für alle geistigen Berufe möglich/zukunftsweisen wäre.


irgendeiner
19.3.2012 7:20
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Ziemlich auf den Punkt gebracht! Es ist auch im Bereich Musik/Audiotechnik so. Auf Produktionsseite wird das Handwerk immer mehr verlernt, es gibt ja Presets und Assistenten für alle möglichen Situationen. Die alten Wahrheiten “der Photograph macht das Bild” bzw. “ein Mischpult ist keine Waschmaschine” finden nur noch in ganz kleinen Gruppen Beachtung. Die wenigen, die das Handwerk noch verstehen, müssen sich dann gegenüber den Dilletanten (deren Produkte sich für Ottonormalverbraucher nicht oder kaum von den künstlerisch/technisch ordentlichen Arbeiten unterscheiden) auch noch rechtfertigen.
Urheberrechtlich geht es ja keineswegs um die Kopie, die in der Nachbarschaft/auf dem Schulhof/sonstwo weitergegeben wird: es geht um die Tatsache, das manche Trottel meinen, die Arbeit anderer der Welt per Netz zugänglich machen zu müssen/dürfen und auf den Willen der Urheber einen grossen Haufen machen zu können.


DavidXanatos
19.3.2012 9:30
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@Hadmut
Auch wen das hart klingt, die moderne Welt braucht Profi Fotographen in etwas so dringend wie Stoffweber.
Was der Mechanische Webstuhl für den beruft der Stoffweber war ist die billige Spiegelreflexkammer für den Beruf des Fotographen, der letzte Sargnagel.

Es braucht einfach kein Mensch mehr Bilder die besser sind als was ein Tourist mit mittelmäßiger Kamera knipsen kann.

Das hat an dieser stelle auch nichts mit dem Urheberrecht zu tun, es ist der freie Markt alleine der so vielen Berufsgruppen gerade den gar raus macht.

Ich habe Einpaar Freunde deren Hobby es ist Photos zu machen, was die fabrizieren sieht zumindest für einen Amateur auf dem Gebiet wie mich wie Kunst aller erster Güte aus.

Die linke sollte kein Mindestlohn fördern sondern ein BGE damit wären auch die kreativen und Freiberufler abgedeckt.

Die nächste Berufsgruppe die in den Abgrund blickt sind die Profi Musiker, auch was sie für Geld machen machen Andere komplett kostenlos.

Ich erwarte das in nicht all zu ferner Zukunft das gleiche den filme Machern passieren wird.
Eine Nvidia Maxwell Karte hat heute die Rechenpower eines ganzen super Computers von vor 10 Jahren.
In nochmal 10 Jahren kann dann jeder Hans Wurst auf seiner spiele Grafik Computer animierte filme in guter Qualität rendern.

Was gerade noch fehlt ist gute sprach Synthese und Ersatz für Motion-capturing.
Die animierten filme wo der PC die Bewegungen steuern sind immer noch so künstlich, interessanter weise sogar künstlicher als gezeichnete animes *g*
Ich habe neulich “The Adventures of Tintin (2011)” gesehen die benutzen Motion-capturing und wen es nach mir ginge könnte man morgen Schauspieler abschaffen, so gut war die Qualität.
Aber eben haben sie Motion-capturing verwendet, also doch nciht so ganz ohne Schauspieler.

Aber man nachdenken wen in 10 Jahren jeder so was rendern kann und man mit konsolen steuerungen wie kinect Motion-capturing macht, werden die Leute kostenlos Filme auf Nevou des oben genannten anfertigen.

Das wird dann wohl für Hollywood der letzte Sarg Nagel.

Mit Piratigen grüßen
David X.


Hadmut
19.3.2012 12:33
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@David X: Dein Kommentar ist sehr erhellend. Aber nicht, weil er schlau wäre, und auch nicht weil er – wie Du selbst sagst – hart klingt. Denn eigentlich halte ich den Kommentar – sorry! – für dumm, und nur so klingt er auch.

Da spricht so eine pubertäre Selbstbedienungsmentalität heraus, die unterstellt, daß alles, was man mit einem gewissen „digitalen” Lebensstil braucht, eigentlich kostenlos zu haben ist. Was im Klartext nichts anderes ist als die Erwartung, selbst nichts zu arbeiten und die anderen für sich arbeiten zu lassen. Die digitale Neuauflage der Punker-Bewebung.

Die Tatsache, daß Du keine Bilder brauchst die besser als Touristenbilder sind, begründet ja nicht, daß „kein Mensch” sie brauche. Im Gegenteil sind gute Bilder im Speziellen und Kunst im Allgemeinen höchst wichtig, und deine eigene Anspruchslosigkeit, die sich letztlich für mich so darstellt wie die Schnoddrigkeit der Punker, die in den siebziger und achtziger Jahren in dreckigen kaputten Klamotten in der Fußgängerzone rumlungerten und meinten, daß dieser Lebensstil ausreichend sei, ist für mich ein Zeichen mangelnder Bildung.

Für ebenso dämlich halte ich es, dieses als Wirkung des Marktes hinzustellen, während wir bei anderen Themen wie Strom und Gas ständig über die Kartelle und deren Monopolartige Abzockerei schimpfen. Markt ist immer da, wo es gerade argumentativ in den Kram paßt. Im Bereich der Fotografie kann aufgrund der kartellartigen Struktur der Verlage und der Dumping-Konkurrenz von Amateuren von einem Markt keine Rede mehr sein. Zumal war alle predigen, aber noch niemand belegt hat, daß das, was ein Markt hervorbringt, auch automatisch gut ist.

Ich fühle mich jedenfalls verarscht, wenn einerseits die öffentliche Meinung auf mich einredet, man möge doch für Kaffee, Schokolade, Bananen freiwillig mehr zahlen, was unter „fair use” läuft, damit irgendwelche Bauern in Equador – wider eben jene Marktwirtschaft – gut davon leben können, man den Fotografen hier in unserem Land das gleiche Privileg jedoch vorenthält.

Deine Ansichten kotzen mich regelrecht an. Denn auch einen Berufsmusiker habe ich in meinem Freundeskreis, und der arbeitet auch sehr hart für sein Geld, und das können Amateure nicht leisten, was der macht.

Letztlich geht es Dir doch nur darum, daß andere für Dich arbeiten.

Und denkt man das konsequent weiter, erwartest Du das von mir ja auch, denn Informatiker sind ja auch im wesentlichen geistige Arbeiter. Also sprichst Du mir damit auch das Einkommen ab, zumal ja immer mehr Leute fordern, daß es nur noch kostenlose OpenSource-Software gibt, an denen auch irgendjemand kostenlos arbeiten soll. Eine meines Erachtens sehr perverse Konsumhaltung.

Die Frage ist, wer dann eigentlich überhaupt noch etwas gegen Entgeld machen können soll. Wenn der Maßstab dafür ist, daß was durch Maschinen gemacht werden kann nichts wert sein kann, dann bedeutet das den Rückfall in die Vorindustrielle Agrarwirtschaft.

Bisher hatte ich eine halbwegs positive Meinung von den Piraten und habe sie auch gewählt. Wenn das aber „piratige Grüße” waren, dann bekommen die von mir keine einzige Stimme mehr. Dann habt Ihr Euch gerade mit mir einen Gegner und Kritiker gemacht.


Roy
19.3.2012 11:31
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Urheberrecht und (digitalte) Fotografie sind das eine (eine ganze Abmahnindustrie lebt von der Verfolgung von Verstößen, siehe diese Chefkoch-Sache) und Preisverfall ist eine komplett andere Baustelle. Wenn eine “genügt-so”-Qualität heutzutage für (nahezu) umsonst zu bekommen ist (Leserreporter), dann kann man eben kein Geschäftsmodell aufbauen auf “aber ich hab das gelernt und mach es besser”. Da bleiben dann nur Nischenmärkte (Galeriekunst, wo mit physischen Abzügen Geld verdient wird o.ä.).
Genauso wie die Fotografie die Auftrags- und Portraitmalerei in Nischen abgedrängt hat, wird jetzt das Fotohandwerk von Kamerahandys und Massenverrbeitung von Digitalkameras+Photoshop abgedrängt. Fotohandwerk ist nicht um seiner selbst willen schützenswert. Auch andere Handwerke sterben aus, wenn sich die Technologie ändert (Sattler, Schuster etc.)
Die wenigen, die das überstehen, verdienen dann halt in ihrer Nische (Maßschuhschneider) und das teilweise ganz gut. Nur sind eben nicht mehr so viele Stellen dafür vorhanden und entsprechend schwierig ist es, sich in der Nische komfortabel einzurichten.


Alex
19.3.2012 11:38
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Tatsächlich ist das Urheberrecht ein relativ modernes Gesetz (in Deutschland ab ca. 1830 schrittweise eigeführt).
Insbesondere ist damit die Konsequenz, dass Gesellschaften auch ohne Urheberrechte funktionieren können.

Tatsächlich könnten diese toll einleuchtenden Sätze

“Denn daß der Urheber, der Schöpfer eines Werkes, von irgendwas leben muß und entlohnt werden soll, liegt auf der Hand. Sonst entstünden ja viele Werke nicht mehr und das wollen wir – jedenfalls ich – ja nun auch nicht.”

im wesentlichen unabhängig von der Existenz eines Urheberrechts stehen.

Zumindest kann man die Meinung “Es sollte nur ein sehr stark beschränktes Urheberrecht” (zB Zwang, den Namen/ Quellen mitanzugeben wenn man kopiert) durchaus vertreten, und diese vermutlich auch mit Argumenten unterlegen.
Ein geschichtlicher Abriss über Entwicklung und Vergleich findet man etwa hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72462722.html

Für die Fotograpen ist es ja durchaus traurig, dass Horden von Amateuren mit mehr Zeitaufwand Bilder hinbekommen, die “gut genug” sind. Die Folge davon ist erhöhte Spezialisierung oder Abnahme der Anzahl der professionellen Fotographen.

Tatsächlich würde ich eine der Eingangsfragen umformulieren zu: Können wir als Gesellschaft uns ein Urheberrecht leisten?
Und diese Frage wird ganz massiv durch die Auswüchse – die nämlich Realität sind – beschränkt.
Wollen wir wirklich das x% (großes x vermutlich) aller Schüler kriminell sind?
Wieso sollen Menschen von einmal getaner Arbeit noch jahrelang-lebenslang leben können?
Wieso darf ich _mein_ Haus nicht nach eigenen Wünschen anstreichen, sondern muss um Erlaubnis des Architekten betteln?

Aber tatsächlich war es bisher so, dass wir als Gesellschaft uns tatsächlich bei “unwichtigen” Dingen wie Musik, Bildern, Filmen dieses starke Urheberrecht und starkes Verwertungsrecht) leisten konnten – vergleiche das etwa mit dem (klassischen) Patentrecht: Eine technische Erfindung wird offengelegt und damit bekommt man auf eine recht kurze Zeit das Recht für diese Erfindung Lizensgebühren von nachmachern zu bekommen. Mit der betonaung darauf, dass Nachmachen erlaubt und auch erwünscht sind.


c.k.
19.3.2012 12:43
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@ Hadmut
Der Bedarf für Profis verschwindet nicht, er wird kleiner.

Man kann ja schlecht irgendeinen dahergelaufenen Typen mit ner Einsteiger DSLR losschicken und ihn Portraits von z.B. einem Unternehmenschef machen lassen. Da gibt es relativ wenige Fotografen, die das Equipment und die Fähigkeiten haben, das zuverlässig zu machen. Solche Leute haben zu tun und werden auch ganz gut bezahlt. Ich kenne die Sätze, ich buche solche Leute.
Ich denke für Auftragsfotografie wird es auf absehbare Zeit immer einen Markt geben, der m.E. auch nicht kleiner wird, es strömen nur mehr Leute drauf. Denen nützen aber auch Mindestlöhne nix, buchen tut man ja trotzdem die Leute, die in der Lage sind auf den Punkt hochwertige Ergebnisse zu liefern.

Im Bereich des alltäglichen Photojournalismus sind es nicht unbedingt die Bilder, die den Profi vom guten Amatuer trennen, sondern die Verlässlichkeit. Bilder zu kriegen ist nicht schwer, sie zuschreiben dagegen sehr. Bei der DPA kann ich mich weitgehend darauf verlassen, dass die entsprechenden Bildinfos stimmen und ich mich nicht blamiere, wenn ich eine BU drunter setze. Es gibt Medien denen ist das egal, denen reicht auch der Leserreporter, aber so weit sind noch nicht alle.

Aber völlig recht hast du für den Bereich Werbung/Corporate Media/Symboloptik. Da gibt es mittlweile einfach zu viel, als das man mit Stocksachen noch richtig Geld machen kann. Viele Motive werden bei den großen Agenturen auch gar nicht mehr gemacht. Warum aufwändig Stills für Getty produzieren, wenn es um die Ecke im Microstock Markt, die gleichen Motive für 1/4 – 1/10 des Preises gibt. Es lohnt einfach nicht mehr. Aber verarmt dadurch unsere Kultur?


Hadmut
19.3.2012 12:52
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@c.k.:

Ja.


der andere Andreas
19.3.2012 13:47
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ich bin verwirrt über die verwendung des begriffs “links”, wäre es nicht gerade der linke ansatz die interessen der arbeitnehmer (hier im sinne von journalisten, fotografen, musiker, etc. – auch wenn die ja meistens freiberuflich unterwegs sind) durch eine starke vertretung gegenüber dem arbeitgeber/unternehmer durchzusetzen?

also eher eine art gewerkschaftliche organisation der arbeitenden basis gegenüber den kapitalinteressen der unternehmer zu erwirken. denn da kommen wir ja zum arbeitsorganisatorischen kern der sache: der angestellte fotograf, journalist, etc ist zuerst ausgestorben und zeigt nun das leben in einer weitestgehend deregulierten welt auf. was ja wiederum als das zukunftsträchtigere modell der arbeitswelt gepriesen wird.

ändert zwar nichts am marktwirtschaftlichen teil des problems – dem überangebot an qualitativ ausreichendem material (texte, bilder, grafiken) würde aber das geschäftsmodell der verlage vom ein- und auskommen ihrer angestellten entkoppeln und überprüfbar machen, denn verlagen wie springer gehts ja gar nicht so schlecht sie reichen nur ihre profite nicht weiter. anderen verlagen und regionalblättern gehts aber wohl eben doch schon recht miess.

professioneller journalismus und fotografie haben meiner meinung nach durchaus ihre berechtigung einzig ob das printbasierte verlagswesen noch dazugehört erscheint mir etwas fraglich. gerade die direktvermarktung solcher erzeugnisse wird ja auch von vielen seiten als chance angesehen. auch hat gerade die mainstreampresse in der finanzkriese nicht gerade die angesprochene qualität blicken lassen.

die sache hat also mehr als eine facette und wie immer gibt es kein gut und böse sondern nur interessen die gegeneinander abzuwiegen sind.

p.s. hoffentlich dann ohne “blöd”, “dumm”, etc weils nicht zum qualitätsanspruch passt, auch wenns ein sehr emotionales thema zu sein scheint.


Hadmut
19.3.2012 13:53
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@der andere Adreas: Das wäre es durchaus, deshalb ja auch mein Hinweis auf die Mindestlohnforderung.

Mir ging es aber gerade darum, eben genau diese Widersprüchlichkeit herauszuarbeiten, nämlich daß es gerade nicht vorrangig um die Vertretung der Arbeitnehmer (insbesondere nicht in Form von Freiberuflern) geht, sondern das nur eine Parole ist, und der Schwerpunkt darin liegt, Feindbilder aufzubauen und Meinungen aufzupumpen.

Es geht in der politischen Diskussion auch häufig um Fragen wie Leistungsschutzrechte und Raubkopierer, aber daß die Verlage die Autoren und Fotografen immer übler mit sittenwidrigen Verträgen und Forderungen über den Tisch ziehen kommt in der Debatte gar nicht vor. Da werden die Verlage immer als die Opfer stilisiert.


Knut Grunwald
19.3.2012 14:19
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Auch wenn ich mit dir konform gehe, was die Schutzwürdigkeit der Arbeit von Fotografen angeht, so sind die Methoden derselben inzwischen teilweise fragwürdig.

Meine Frau hat ihre Bewerbungsbilder nur in Papierform bekommen. Und diese im Hubbeldruck, so dass Scannen kaum möglich ist. Ein elektronische Form war nicht möglich. Jedenfalls nicht unter dem Doppelten des Standardhonorars. Das auch 2004 schon Papierbewerbungen im Akademikerbereich am absterben waren, war der Fotografin eher egal.

Ich habe dann natürlich auf professionelle Fotos verzichtet. Da ich mich nicht als Modell bewerbe, macht das ohnehin keinen großen Unterschied. Mal abgesehen davon, dass ich das mit hinreichend vielen Versuchen genausogut hinbekomme. Im Zeitalter des Films wäre das nix, aber mit Abdrücken (*) bis es passt geht so einiges.

Das nur zur Bereicherung der Diskussion mit ein paar grauen Punkten.

(*) Zwischen den Abdrückern natürlich hin- und herrücken, andere Blitzstellungen, Gesichtsausdruckoptimierung und sonstige Einrichtung.


Hadmut
19.3.2012 14:30
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@Knut Grundwald: Das ist aber nicht neu und nicht „inzwischen”.

Ich kenne das aus der analogen Zeit gar nicht anders als daß man nur die Paß-/Bewerbungsbilder bekommt und in der Bildermappe dazu die Nummer zum „Nachbestellen” steht. Insofern keine Verschlechterung, sondern nur Weiterführung von Business wie es immer war. Insofern kann man schon sagen, daß man das bekommen hat, was man gekauft hat. Am Paßbildautomaten bekommst Du ja auch keine elektronische Version.

Allerdings war ich selbst auch schon beim Bewerbungsfoto-Fotografen und hab dem direkt gesagt, daß ich das digital will. Dem war’s recht, der hat mir das einfach so ohne Mehrpreis per E-Mail geschickt. (Daß der kein guter Fotograf war und ihm diverse Fehler unterlaufen sind, ist eine andere Sache.)

Daß man aber bei einem Fotoauftrag vorher klärt, wofür man die Bilder verwenden will und in welcher Form man sie bekommt, ist für mich ein völlig normaler Vorgang. Insofern ist zwar das Mißverständnis in der Situation ärgerlich, die Sache an sich aber schon berechtigt. Auch da könnte man ja freilich über den Markt argumentieren und sagen, geh halt zu dem, der es so anbietet, wie Du es willst.

Davon abgesehen haben Paßbildfotografen durchaus einiges Wissen, das Laien und Automaten einfach nicht haben. Etwa den speziellen Umgang mit meiner Nase. Siehe beispielsweise

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Und-wenn-der-Mensch-ein-Mensch-ist-Holpriger-Start-fuer-den-ePass-144304.html

Da hatte ich auch erst (weil ich es an einem Sonntag machen ließ) ein Bild vom Paßbildautomaten, das dann sogar spiegelverkehrt war, und bin dann doch noch mal zum Profi gegangen.

Wenn Du aber der Meinung bist (was ich in keiner Weise in Abrede stellen will), daß Du das selbst hinbekommst: Warum machst Du es dann nicht?

Tipp dazu: Die Selphy-Drucker von Canon machen für relativ kleines Geld zwar kleine aber ziemlich gute Ausdrucke, und haben auch einen Paßbild-Modus. Frisch ans Werk!


Tobias
19.3.2012 14:55
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@Hadmut
Interessant das du c.k. beipflichtest aber David X wehement wiedersprichst, denn meiner Meinung nach sagen beide im Grundtenor das gleiche nur das David X das ganze vollkommen übertrieben darstellt.

Der Hauptgrund warum Freischaffende im Immaterialgüterberich es immer schwerer haben sind meiner Meinung nach aber nicht die momentanen Urheberrechte sondern ganz klar Informatiker (bzw. die Informatik in kombination mit anderen Disziplinen).

Die kolossale Umwandlung oder Vernichtung von Arbeitsplätzen in der Industrieproduktion die wir seit vielen Jahren durch Automatisierung erleben, erleben wir seit mehreren Jahren auch im Bereich der Immaterialgüter. Die langjährige Annahme das in diesem Bereich nur die Künsterische Qualität, die durch Automatisierung nicht ersetzt werden kann, zählt stimmt eben nur bedingt.

Und die am stärksten treibende Kraft die diese Entwicklung vornatreibt ist die Informatik und Informatiker. Dies nimmt immer mehr an Fahrt auf seit sich durch die Digitalisierung von Inhalten und die Loslösung der Inhalte von Datenträgern die Immaterialgüter immer weiter in die Sphäre der Datenverarbeitung bewegt haben. Im berich Photografhie ist dies halt jetzt schon deutlich zu sehen da Bidverarbeiung und Steuerungsalgorythmen in modernen Kameras viele Arbeiten ersetzen die früher nur von Professionellen durchgeführt werden. Auch die weitere Bildverabeitung ist durch die Informatik drastisch einfacher geworden und deutlich in die Reichweite des Semiprofi- und Amateurbereichs gewandert. Dadurch werden viele Amateurbilder für die Nutzung im Professionellen Bereich verfügbar (Wie von c.k. angesprochen besonders im Bereich Werbung, usw.).

Wenn Amateure oder auch Profis dann bereit sind diese Bilder auch für Amateurpreise oder sogar die Nutzer ihre Bilder selber anfertigen, dann gehen diese Arbeisbereiche für den Profi verloren. Nimmt dies überhand so kann der Profi halt nur noch in den Breichen sein Geld verdienen in denen seine Fähigkeiten nicht von Amateuren nicht ausreichend ersetzt werden können. Das dieser Markt dann deutlich kleiner ist scheint logisch.

Und auch im Musikbereich sehe ich das so wie David X (Wenn auch nicht in der überspitzten Form). Wenn jemand es schafft ein Programm zu schreiben das stücke Arrangieren kann und mit einigen Paramtern halbwegs einfach zu steuern ist dann muss dieses Programm nicht so gut sein wie ein Professioneller Arrangeur. Es reicht wenn in einer nicht unsignifikanten Anzahl der Fälle das Ergebnis ausreichend ist und dann werden eine spürbare Anzahl von Arbeiten für Professionelle Musiker wegfallen oder eben nicht mehr ausreichend Bezahlt werden um davon zu Leben.

Und deswegen meine ich das das Problem des schwindenden Marktes für professionell bezahlte Immaterialgüter von Urhebern weniger mit dem Urheberrecht zu tun hat, als mit der Automatisierung der Produktionsproyesse. Auch meine ich das man diese Prozess nicht mit dem Urheberrecht gegensteuern kann.

Die Frage die man sich dann natürlich noch stellen kann ist ob man diese Automatisierung begrüßenswert hält und sich mit den negativen Effekten abfinden will oder halt nicht.


Hadmut
19.3.2012 15:15
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@Tobias:

Ich habe c.k. nicht „beigepflichtet”, sondern seine abschließend gestellte Frage mit Ja beantwortet, ihm im Prinzip also eher widersprochen.

Fragen wir mal andersherum:

Wenn die Automatisierung dazu führt, daß Leistungen nicht mehr als werthaltig angesehen werden, wir heute aber nahezu alles mehr oder weniger automatisieren können, was bleibt dann noch an einkommensträchtigen Berufen übrig?

Welche Berufe fielen dann nicht unter die Entwertung durch Technik? (Und würden dann inflationär überlaufen…)


Tobias
19.3.2012 15:37
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Es könnte tatsächlich sein das es auf wirklich lange sicht keinen einzigen Beruf gibt der nicht unter dieser Entwertung durch Technik zu leiden hat.

Ich persönlich denke das Automatisierung ein zweischneidiges Schwert sind. Ohne Automatisierung hätte unsere Gesellschaft nicht diesen wahnsinnigen Schub der letzten 100 oder 200 Jahre gemacht. Auch hier kann man sicher diskutieren ob das gut oder schlecht war.

Auf der anderen Seite ist es natürlich eine große gefährdung der bisherigen Gesellschaftsstrukturen, wenn irgendwann ein Bruchteil der Gesellschaft 100% der benötigten Gesellschaftsleistung aufbringen können. Ob es Gesellschaftstrukturen gibt die damit umgehen können und wenn ja wie diese aussehen würden weiss ich nicht.

Was ich aber Aufzeigen wollte ist das dies meiner Meinung nach eben kein Problem des Urheberechts ist und auch nicht mit dem Urheberrecht gelöst werden kann. Und das dieses Problem eben ein gesamtgesellschaftliches Problem ist das schon länger existiert als die Probleme im Immaterialgüterbereich existieren.


Tobias
19.3.2012 15:51
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Evtl. sollte ich noch sagen was ich mit 100% der benötigten Gesellschaftsleistung meine:

Damit meine ich die Leistung die nötig ist damit die Gesellschaft überleben kann. Und ja, meiner Meinung nach schliest das auch ein mindestmass an Kultur mit ein (Eine komplett Kulturlose Gesellschaft ist meiner Meinung nach als Gesellschaft nicht überlebensfähig).

Alles darüber hinaus ist die bestäftigung der Gesellschaft mit sich selber. Das kann halt die weiterentwicklung der Gesellschaft sein oder meinetwegen auch Dauerparty.


Michl
19.3.2012 16:22
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In dem Moment, in dem jemand das Wort Schwarmintelligenz in den Mund nimmt, kann man sicher sein dass er zu dem fast 7 Mrd. Menschen umfassenden Schwarm gehört, der einfach nur zu blöd ist. Es gibt nämlich überhaupt keine Schwarmintelligenz. Wer das Gegenteil propagiert hat nicht verstanden dass Schätzings Schwarm zwar einen realen Hintergrund hat aber fiktiv ist.

Experiment (nicht von mir, wurde durchgeführt), um rauszufinden ob Schwarmintelligenz existiert, also wie Schwärme entstehen und ob dabei eine Intelligenz am Werk ist. Viele Menschen in einer großen Halle. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein:

– Immer in Bewegung bleiben
– Immer bei mindestens zwei anderen bleiben
– Niemand darf die Führung übernehmen

Ergebnis: Ein runder Schwarm, wie man ihn von Fischen kennt.

Ursache: Das in Bewegung und zusammen bleiben.

Nix mit Schwarmintelligenz, die Erfahrung dass man in der Gruppe und in Bewegung ein schweres Ziel ist.

Schwarmblödheit ist folgerichtig die Blödheit des einzelnen, die nur gehäuft, in unserem Fall in einer Gruppe von annähernd 7 Mrd. oder Teilgruppen, auftritt.


ThV
19.3.2012 17:44
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@Tobias:
Die Entwicklung sehe ich auch so, sehr schön erklärt und die Vorstellung von Dauerparty ist auch nicht unrealistisch nur wird wahrscheinlich die Mehrheit trocken feiern müssen, daher die Forderung nach dem Mindestlohn scheint bereits überholt zu sein, bevor sie überhaupt ausgerufen wurde und deswegen finde ich BGE eher fortschrittlicher und beruhigender.

Ja, ich weiß, ich will auch nur, dass andere für mich arbeiten 😉

Nö so ist es nicht, ich habe nur einfach vor über 20 Jahren dem allgemeinen Rat vertraut und habe einen Beruf gewählt, welchem das Haltbarkeitsdatum langsam abläuft, denn Löcher bohren können auch schon andere in fernen Ländern und erstaunlicherweise noch billiger.


Alex
19.3.2012 18:06
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“Wenn die Automatisierung dazu führt, daß Leistungen nicht mehr als werthaltig angesehen werden, wir heute aber nahezu alles mehr oder weniger automatisieren können, was bleibt dann noch an einkommensträchtigen Berufen übrig? ”

Relevant ist doch, wie man eine menschenwürdige Gesellschaft aufbaut.
Eventuell ist ja das Konzept “einkommensträchtige Berufe” obsolet (wenn es denn überhaupt ein würdiges Modell je wahr)
Aber erste Ideen wie bedingungsloses Grundeinkommen sind ja keine konstruktiven Ideen – denn konstruktive Ideen kommen nur von alt hergebrachten Institutionen..

Um wieder etwas stärker auf das urheberrecht zurückzukommen:
Ich bin überzeugt, dass es schon immer Menschen gab, die der Sache wegen aus eigener Motivation Dinge kostenlos geschaffen haben (Bücher, Musik, …)
Durch das Internet ist es nun allerdings möglich, derartige “Projekte” wesentlich leichter umzusetzen (etwa bei Wikipedia ein Buch beginnen – vgl http://de.wikibooks.org/wiki/Hauptseite)
und ebenso ist es Möglich (und wird auch getan!) kleine Dinge äusserst schnell in derartigen Büchern zu verbessern.

Mit ein bischen Zuversicht auf zukünftige Entwicklung werden (Lehrbuch)Verlage vermutlich obsolet, die Qualität der lehr”bücher” wird sich verbessern – und “Urheberrecht” und auch “Verwertungsrecht” wären für derartige Dinge einfach nicht mehr relevant.

Ich sehe keinerlei Grund, wieso das längerfristig mit anderen Bereichen (Kunst, Musik, Literatur) nicht auch funktionieren würde.


DavidXanatos
19.3.2012 19:22
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“Es könnte tatsächlich sein das es auf wirklich lange sicht keinen einzigen Beruf gibt der nicht unter dieser Entwertung durch Technik zu leiden hat.”

@Hadmut

Das kann nicht nur so sein das ist so.
Der Mensch ist nicht mehr als eine Maschine die emergent entstanden ist, somit ist es unvermeidbar das sofern der technische Vorschritt nicht gewaltsam aufgehalten wird die Menschheit eine künstliche geschaffene Maschine hervorbringen wird die in jeder gewünschten Hinsicht dem Menschen überlegen ist.

Somit ist jeder Beruf früher oder später wertlos.

Egal ob Informatiker wie du oder Physiker wie ich, genug Lebenszeit gegeben werden wir mit der künstlichen Konkurrenz nicht mithalten könne ohne artifizielle körperliche Erweiterungen (a.k.a. Gehirn Implantate).

“Wenn die Automatisierung dazu führt, daß Leistungen nicht mehr als werthaltig angesehen werden, wir heute aber nahezu alles mehr oder weniger automatisieren können, was bleibt dann noch an einkommensträchtigen Berufen übrig? ”

Nichts und das ist auch gut so.
Die meisten Menschen arbeiten um zu leben und leben nicht um zu arbeiten, die Befreiung von der Arbeit durch Automatisierung ist das lang ersehnte ziel der Menschheit.

Nur wenige Menschen wie z.B. Physiker und und andere Kopf Arbeiter dafür bezahlt ihrem Hobby 24/7 nachzugehen.

ad, digitale Neuauflage der Punker-Bewebung…
Das ist Quatsch den die Punker haben eine schon immer lausige Qualität als ausreichend angesehen.

Egal ob Mittelalter oder 20 Jahrhundert Lumpen waren Lumpen, und mangelnde Körper Hygiene war immer pfui.

Das ist in der “Digitalen Punker-Bewebung” aber nicht so, da wird eine zu einem bestimmten Zeitpunkt als gut oder gar vorzüglich angesehene Qualität als ausreichend angesehen.

Das ist so wie mit z.B. den Retinaldisplay von iPad 3, egal das die Technik in 10 Jahren ein Display mit einer 10x besseren Auflösung machen wird können.
Jedem normalen Menschen wird ein auf einem 3d Drucker @home gedruckt PiratePad für lau ausreichen.
Weil es eben von der Qualität her einen ipad 3 gleichen wird, und kein Mensch in der Lage sein wird die bessere Qualität des iPad 5 zu würdigen.

Das liegt daran das wir uns nicht mit der Technik Mitentwickeln, es ist daher zwingend das ein bestimmter stand der technologiebasiert subjektiv nicht mehr verbesserbar sein wird ohne unsere eigenen Körper gleich mit zu verbessern.

z.B. mein erster teuer Rechner war ein P4 (ohne HT. US Import) mit 512 MB RAM, pervers viel für das Jahr 2000.
2002 wo das immer noch ziemlich High End war war das Teil praktisch Ausgereizt, ich habe was größeres gebraucht.
Mein nächster Rechner hatte eine der ersten x64 CPU’s und 2GB RAM das war so zu Anfang meines Studiums 2004, der war auch pervers teuer.
Irgendwann war das aber auch zu wenig Performance (zu viele VM’s zu viel Source Code zum kompilieren, etc…)
Also musste ein neuer her und es hat sich viel getan (multi core vor allem), also habe ich mal gedacht, diesmal spare ich etwas Geld, es soll nur halb so Teuer sein das ganze.
Also habe ich mir 2007 ein q6600 mit 8 GB RAM Geholt, das teil war im Vergleich zu den vorherigen Rechnern Spottbillig, hatte aber ~5 soviel CPU Power als der alte.
Und heute sitze ich immer noch davor nach nun mehr 5 Jahren und die selbe Leistung reicht immer noch, auch wen ich dank Windows 7 und noch mehr VM’s *g* langsam an die grenzen stoße.

Ich würde das nicht mit einer irgendwie gearteten Punker Kultur vergleichen, ich habe nirgends meine Bedürfnisse heruntergeschraubt, o.Ä. der Technische Fortschritt hat meinen einfach überholt.

Das gleiche gilt für Musik, Filme und andere werke, ich fand die ersten Animierten filme Murks, auf Jeden Fall kein Ersatz für z.b. Matrix oder selbst den neueren StarTrek filmen.
Die heute produzierten Animationen jedoch können bald schon mit Matrix mithalten und sei mal ehrlich, welcher Mensch kann noch bessere Qualität wahrnehmen, geschweige den wertschätzen.

Somit ist es doch unvermeidbar das irgendwann die Qualität von Matrix als Mittelmäßig angesehen wird und von jedem Erbringbar sein wird.

Heute packe ich mein Geld in Wearable PC’s was man schon viel eher mit einer Punker Kultur vergleichen könnte den da muss man wieder entscheiden mit wie wenig Leistung unter dem was man eigentlich gerne hätte man bereit ist zu leben, den hier ist die Technik mir endlich wieder hinten nach *g* auch wen es wieder pervers teuer wird.

ad Selbstbedienungsmentalität
NEIN!!! NEIN!!! NEIN!!! NEIN!!! NEIN!!! !!! eins elf!!!!!

Das ist eine Do it yourself Mentalität.
___________________________________________

Dank der Technologie wird Jeder eigenständig in der Lage sein solche werke zu schaffen mit minimalem Aufwand. Und ein minimaler Aufwand bedeutet das es immer genug Menschen geben wird die diesen Aufwand zum preis 0 auf sich nähmen, einfach aus dem Spaß an der Sache.

“Denn auch einen Berufsmusiker habe ich in meinem Freundeskreis, und der arbeitet auch sehr hart für sein Geld, und das können Amateure nicht leisten, was der macht.”
Naja, wen das aber kein leihen wert schätzen kann, dann ist es dem Markt nun mal egal wievielt besser dein bekannter ist und was er leistet.
Ich kaufe mir als halbwegs repräsentativer Marktteilnehmer genau das Produkt das meine Bedürfnisse zum kleinsten preis befriedigt.
Genau so wie ich mit 2k7 kein 1k€ CPU mehr gekauft habe sondern eine 200€ CPU.
Das billige war Endlich meinen Bedürfnissen gut genug.
Und das wird jeder andere Marktteilnehmer ähnlich handhaben.
Du kaufst dir ja auch keinen Profi Drucker für 300 Seiten/Minute für Zuhause oder?

Ich finde es äußerst unangebracht Menschen zu versuchen dazu zu zwingen Sachen zu kaufen die sie Gar nicht brauchen nur um Berufsgruppen am leben zu halten.

“Die Frage ist, wer dann eigentlich überhaupt noch etwas gegen Entgeld machen können soll. Wenn der Maßstab dafür ist, daß was durch Maschinen gemacht werden kann nichts wert sein kann, dann bedeutet das den Rückfall in die Vorindustrielle Agrarwirtschaft.”
Idealerweise Niemand den alles machen dann die Maschinen kostenlos, das ist kein Rückfall, sondern ein Quantensprung nach vorne die Verwirklichung des alten Traumes der Menschheit von der Befreiung von Erwerbsarbeit.
Jede Arbeit wird man dann immer nur zum Spaß an der Sache an sich verrichten.

David X.


Tobias
20.3.2012 10:39
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“Idealerweise Niemand den alles machen dann die Maschinen kostenlos, das ist kein Rückfall, sondern ein Quantensprung nach vorne die Verwirklichung des alten Traumes der Menschheit von der Befreiung von Erwerbsarbeit.
Jede Arbeit wird man dann immer nur zum Spaß an der Sache an sich verrichten.”

Eine schöne Utopie, wobei man sicher drüber streiten kann ob so was zu verwirklichen ist.

Die Generationen die ohne diese Möglichkeiten leben müssen sich allerdings Gedanken darüber machen wie sinnvolle Zwischenlösungen aussehn. Mit hinweis auf so eine Utopie zu sagen man sollte einfach das Urheberecht abschaffen und alles so laufen lassen da es ja eh unausweichlich auf diese Utopie hinausläuft (Was man auch durchaus bestreiten kann) halte ich für sehr riskant.

Selbst wenn man akzeptiert das man am Ende bei dieser Utopie angelangt kann man ja schlecht die Zwischenstufen ignorieren und denen die in diesen Zwischenstufen hinten runterfallen zurufen: Pech gehabt, hast dich halt nicht schnell genug angepasst.

Dis sind Probleme die als ganze Gesellschaft gelöst werden sollten und das heist auch entsprechende Rahmenbedingungen in From von Gesetzen zu schaffen. Die Urheberrecht Gesetze sind ein Teil dieser Gesetzgebung und in so fern kann man sicher auch über diese im dem Zusammenhang diskutieren.

Ich persönlich finde, das das momentane Urheberrecht und vor allem die Verschärfung in form des Leistungsschutzrechtes der Falsche Weg ist da es eben nicht auf die Urheber sondern die Verlage zugeschnitten ist. Eine sofortige komplette Abschaffung kann ich aber auch nicht befürworten eben wegen bisher noch Fehlender alternativen.

Allerdings muss ich auch sagen das zumindest diese “Urheberrecht abschaffen und alles andere Regelt sich von selber” Meinung von mir nicht als bereit vertretene Meinung wahrgenommen wird. Selbst die Piraten, die sich ja selber an der Frontlinie dieser Entwicklung sehen, wollen scheinbar in den ersten Schritten nur die schlimmsten Auswüche dieser Gesetzgebung einschränken.


Knut Grunwald
20.3.2012 10:44
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@Hadmut
“Wenn Du aber der Meinung bist (was ich in keiner Weise in Abrede stellen will), daß Du das selbst hinbekommst: Warum machst Du es dann nicht?”

Habe ich doch gemacht. War das nicht rauszulesen ?

Man braucht auch keinen Drucker, der Ausdruck vom DM Markt oder ein Fotojob bei den üblichen Verdächtigen genügt vollkommen. Ist in meinem Perso drin. Und gar nicht mal so sehr gephotoshoppt,


Stefan K.
20.3.2012 13:52
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OT:

Die Befreiung von der Erwerbsarbeit durch fortgeschrittene Technologie wird es ganz sicher niemals geben. Das ist nämlich das Gleiche wie das berühmte perpetuum mobile.

Für ausführliche Begründungen hab ich grad keine Lust.

Ich meine aber, jeder halbwegs Informierte kann sehen, daß die Chancen für ein BGE in Europe gerade rapide im Orkus verschwinden. Innerhlab der EU kann/darf das sowieso kein Land alleine machen, und ganz Europa mit einem BGE austatten??

Nee, wir werden jetzt erstmal die Horrorinflation kriegen.


Maarzan
22.3.2012 22:25
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Wenn wegen Automatisierung alles nichts mehr wert sein sollte und Angebot im Überfluss, dann braucht auch keiner mehr so viel zu verdienen bzw. wenn dadurch die Quersubventionierungsmöglcihkeit wegfällt, würde das Angebot eben auch wieder sinken oder eben kostenpflichtig werden.

Also denke ich:
DIe Akzeptanz von Urheberrechetn ist sicher notwendig. Wem die Nutzung zu teuer ist, der muss halt selber machen oder jemand billigeres finden udn mit dessen Qualität zurecht kommen. Auswüchse wiederum sidn durch diedamit verbundene Erosoin des Unrechtsbewußtseins zu bekämpfen.

Entsprechendes gilt für Steuern, Sozialabgaben etc. Aber auch da gilt, dass ein unktionierendes System gefundne werden muss udn nicht jemand der ehrlich sein will ggf wegen Bürokratie drauf zahlt.

Sind diese Lücken aber erst einmal geschlossen, dann muss ein Anbieter eben besser sein als die Konkurrenz – und das liest sich eben kundenspezifisch als Preis-Nutzenverhältnis.


Robert M.
22.3.2012 23:02
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“Jede Arbeit wird man dann immer nur zum Spaß an der Sache an sich verrichten.”

Das wird spätestens dann ein Reinfall, wenn für ein Vorhaben mehr als eine Person nötig ist. Ein umfangreicheres Projekt zu Ende zu führen braucht eine gewisse Konstanz, sonst nimmt man den anderen Teammitgliedern den Spass an der Sache und man hat einen Zombie geschaffen.
Der technische Fortschritt macht zwar das Handwerk einfacher, aber was ändert der schnellere Prozessor an der Dramaturgie, Bildsprache, der zugrundeliegenden Idee? Auf den ersten Blick nichts, auf den Zweiten steht weniger auf dem Spiel und die Motivation zum Perfektionismus sinkt.
Etwas Anderes als (das Äquivalent zu)Fast Food(oder der gelegentlichen Lebensmittelvergiftung) nur noch zu bekommen, wenn ich von Anbau und Zucht der Zutaten bis zum fertigen Gericht sämtliche Schritte auf ausreichendem Niveau beherrsche fällt imo eher unter Dystopie. Oder entwickelt sich doch wieder eine Tauschkultur, bei der einfach nur die Währung eine andere Bezeichnung bekommt?