Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Heil Greta!

Hadmut
14.9.2019 18:12

Es geht wieder los. [Nachtrag, Einbettung am Ende korrigiert]

Ohne Frage kennt Ihr die unzähligen Bilder, in denen auf Massenversammlungen der Nazi die Leute in Reih’ und Glied den Hitlergruß zeigen, es gibt so viele Bilder davon, eines der berühmtesten ist das, auf dem ein einziger nicht mitmacht.

Ich habe mich ja mal in ein paar Blogartikeln damit befasst, dass an den Nazis – im Gegensatz zur politischen Doktrin – eigentlich gar nichts eigen, originär, singulär war, sondern dass an denen alles, wirklich alles aus der Umgebung und vor allem dem weltweiten Zeitgeist der ungefähr damals letzten 50 Jahre zusammenplagiiert ist, das (relativ) meiste, aber bei weitem nicht alles, von Mussolini. Als ob man eine Boyband gecastet und von einer Agentur auf die Schnelle eine Story zusammenschustern hat lassen, nach dem Schema „Das ist jetzt Euer Song, Euer Outfit, Eure Choreographie”.

Dabei sind Aussehen, Muster, Farben und so weiter nicht zufällig gewählt. Heute geht man natürlich bei Logos und Symbolen danach, dass sie auf Webseiten und Handys gut aussehen, ganz wichtig, aber das gab es damals noch nicht. Damals gab es andere Design-Kriterien, damals musste das gut zu Flaggen, Fackeln, monumentaler Architektur, Märschen, großen Personenansammlungen passen. Es gab kürzlich mal einen hochinteressanten peinlichen versehentlichen Vorfall: Zu irgendeiner Feier am Brandenburger Tor hängte die Sparkasse ein – neu designtes – Transparent raus, das peinlich genau wie die Nazi-Flaggen aussah. So peinlich der Vorfall war, so lehrreich ist er über Design und Aufmerksamkeit – es gibt so eine gewisse Regelbasis über Muster, die Aufmerksamkeit an sich ziehen und wirken. Das war nicht Nazi-spezifisch, es war eher ein Nebenprodukt der Industrialisierung und der fortschreitenden Druck- und Fototechnik, dass man sich damals damit befasste und das erstmals in dieser Größenordnung und Konsequenz durchführte. Ich tue mir immer etwas schwer damit, wenn man das als „Nazi-Methoden” darstellt, nur weil die Nazis zufällig zu dem Zeitpunkt in der Geschichte auftauchten, als das technisch und vom Wissensstand her in großem Stil möglich war. Schon im alten Rom, auch in Griechenland setzte man sowas schon ein, römische Legionäre, SPQR-Schilder und Mäandermuster, aber eben nicht in dieser Größenordnung und mit dieser Drucktechnik des 20. Jahrhunderts.

Ein ganz wesentliches Bild- und Wirkungselement ist dabei, wie das Symbol bei Wiederholung aussieht. Viele nebeneinander. Ich fotografiere gelegentlich. Wiederkehrende, sich wiederholende, vor allem für das Auge leicht erkennbare Muster sind ganz wichtig. Stellt Euch mal ein Bild vor, ob nun Nazi-Aufzug mit Flaggen oder Werbetafeln oder irgendwas anderes, auf denen eine Reihe von, sagen wir mal, einer stilisierten Rose oder vielleicht der Coca-Cola-Schriftzug oder das McDonald’s-Logo oder der Apple-Apfel ständig wiederholt wird. Das funktioniert nicht, nicht so richtig optisch. Weil das eine graphisch-optisch nicht die benachbarten Logos „fortsetzt”. Das will und braucht man da auch nicht, weil man da auf das individuelle Exemplar Wert legt. Eine Reihe von Hakenkreuzen hat aber gewisse Wiederholungsregelmäßigkeit, und viel mehr noch eine Reihe von Menschen, die – besonders in Uniform – den Hitlergruß zeigt. Die optische Wirkung ist eine ähnliche wie die einer Tänzerinnen-Reihe, die die Beine hochwirft, den Can-Can tanzt oder ähnliches: In der optischen Wahrnehmung wird nicht mehr das Individuum gesehen sondern das Kollektiv, das rest- und ausnahmslos gleichgeschaltet ist und einheitlich agiert. Die Regelmäßigkeit ist eine ganz wichtige Eigenschaft: Erst durch die Regelmäßigkeit kann das Gehirn schnell, sofort und ohne besonder Prüfmühe die Vollständigkeit erkennen. In einer Regelmäßigkeit ist die Vollständigkeit viel prägnanter und erkennbarer als in einem Durcheinander. Würden Leute auf einem Rummelplatz stehen, jeder irgendwie anders, und jeder macht das gleiche, etwa das Zeigen des Hitler-Grußes, dann funktioniert das optisch nicht, dann zeigt jeder irgendwie woanders hin.

Totalitäre Systeme, ideologische Diktaturen arbeiten deshalb gerne mit solchen regelmäßigen und anreihbaren Symbolen und Gesten, weil die Bildsprache damit die Vollständigkeit, Einheitlichkeit, Ausnahmslosigkeit so darstellt, dass das Gehirn sie – ob es will oder nicht – sofort erfasst. Optisch und bildrezeptorisch können wir uns gegen solche regelmäßigen Muster nicht wehren. Wir können nicht sagen, dass es uns egal ist, ob die Bücher durcheinander und unsortiert im Regal stehen oder schön geordnet. Wir können nicht sagen, dass wir es nicht zur Kenntnis nehmen. Ein ganz zentrales Bildaufbauelement ist es, eine Regelmäßigkeit zu sehen, in der ein Element stört, aus der Reihe tanzt. Da springt das Hirn sofort hin, ob man will oder nicht. Fotografiert einen Zaun, und er ist langweilig. Ist eine Latte abgebrochen, ist es ein Bild. Hat eine Tänzerin eine Laufmasche oder andere Schuhe an, ist es ein anderes Bild.

Totalitäres ist mit regelmäßiger Wiederholung und der optischen Wirkung praktisch untrennbar verbunden. Keiner tanzt aus der Reihe.

Kennt Ihr den Roman und Film Die Welle ? Basiert auf einem real durchgeführten Experiment. Ein Lehrer will seinen Schülern erklären, wie der Nationalsozialismus funktionierte und stiftet sie zu einem strikten, straff organisierten System mit engen Regeln und dem Namen und Bekenntniszeichen „die Welle” an, bei dem jeder eine wellenförmige Bewegung mit der Hand macht. Das Ding funktioniert aber besser als gedacht, es eskaliert und gerät außer Kontrolle. Die Schüler geraten zu unkontrollierbaren Mini-Nazis.

Meine Vermutung ist, dass dahinter wieder etwas steckt, was ich hier schon oft im Blog hatte: Die Rudelzugehörigkeit als evolutionär erworbenes Verhalten und vermutlich die Amygdala mit ihrer Freund-Feind-Kennung. Plötzlich macht es da „Klick” und sie ist auf Rudelzugehörigkeit und Erkennungssymbole programmiert, auf der einen Seite der Freund und die Regeln des Rudels, denen man blind folgt, auf der anderen Seite die bösen Feinde, die man mit allem beißt, was man hat. Evolutionär sicherlich irgendwann sehr sinnvoll und überlebenswichtig gewesen.

Ich vermute, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Freund-Feind-Rudelzugehörigkeitskennung vermutlich in der Amygdala und eben solchen regelmäßigen Mustern (die das Rudel symbolisieren) und solchen ausnahmslosen Zugehörigkeitsbekenntnissymbolen gehören. Das löst im Hirn die „Da-gehöre-ich-dazu-da-bin-ich-zuhause-deren-Regeln-folge-ich”-Mechanismen aus.

Zynisch gesagt: Genau den Mechanismus, den die Marxisten-Kommunisten eigentlich mit allen Mitteln bekämpfen wollen. „Diversität” und die Ablehnung von Regeln ist ja genau das Ansinnen, jeglichen solchen Haltepunkt, alles, was im Hirn irgendein Zugehörigkeitsgefühl verursachen kann, zu verhindern. Deshalb löst das auch so ungebrenzt viel Stress aus: Kommunismus und Diversität heißt nach Hirnfunktion, ständig „allein unter Feinden” zu sein, sich also dauerhaft in einer Bedrohungssituation und irgendwo auch Lebensangst zu fühlen. Soziologen sind nicht nur dumm, sondern mit ihrer These des „blank slate”, dass wir also verhaltenslos und frei programmierbar auf die Welt kommen, quasi Hirn- und Evolutionsleugner und meines Erachtens hochgefährliche Spinner. „Diversität” ist eigentlich pausenlose Hirnfolter. Aber damit letztlich auch der Grund, warum sich Kommunisten und Nazis als Gegner so gegenüberstehen und alles andere nicht mehr existiert.

Zur Sache

Gut, die Einleitung war etwas lang. Aber ich wollt’s halt mal sagen.

Wie komme ich jetzt darauf?

Folgender Tweet von Fridays for Future in Wien:

Merkt Ihr, was ich sagen will?

Fridays for Future setzt da augenscheinlich Nazi-Methoden (genauer gesagt: Totalitäre Manipulationsmethoden, die erstmals bei den Nazis in Verbindung mit moderner Bild-, Video- und Drucktechnik kombiniert wurde) ein. Im Prinzip unterscheiden die sich nicht von einem Naziaufmarsch, bei dem alle mit gerecktem Arm „Heil Hitler” brüllen. Im Hirn passiert das Gleiche, und zwar bei denen, die es machen, und bei denen, die es sehen.

Die Distanz zu „Heil Greta!” ist nur noch gering.

Ist übrigens nicht nur mir aufgefallen, ein anderer twitterte als Antwort ein Foto aus dem Film „Die Welle”:

Europa-Flagge und das Vierte Reich

Ich hatte es ja neulich schon davon, dass die Europa-Flagge und deren Sternenkreis auf blauen FDJ-artigen Hemden verwendet werden wie Hakenkreuzbinden. Halt noch auf dem Bauch und nicht am Arm, aber die FDJ-Hemden hatten ja schon sowas gelbes am Arm, das kommt bestimmt wieder.

Wahrscheinlich ist dann das einzige, was sie von Fackelzügen abhält, dass die nicht CO2-neutral sind, aber da werden die auch was finden.

Redetechnik

Vergleicht mal Grönemeyer in diesem Video

mit den Reden von Hitler und Göbbels vor den Massen – „Wollt Ihr den totalen Krieg!?”

Keinen Millimeter und so. Diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat. Diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat. Und die Masse jubelt. Genau so haben die Reden der Nazis damals auch funktioniert. Große Hallen, große Plätze, erstmals großer Einsatz von Lautsprechertechnik.

Vielen Menschen, die gerne die affektierte überschärfte Sprechweise Hitlers als Nazi-Sprech oder singuläre Marotte hinstellen, parodieren, identifizieren, haben übrigens auch nicht viel Ahnung von Technik und deren Entwicklung. Hört man heute alte Nachrichtensendungen oder Radiobeiträge, oder alten Gesang (beispielsweise auch Comedian Harmonists), dann wundert man sich oft, wie komisch die damals gesprochen haben, die hören sich an wie ein Foto aussieht, bei dem an die Schärfung in der Bildbearbeitung übertrieben hat. Das ist nicht Nazi, das war damals so, weil die ersten Mikrofone, Lautsprecher, Aufzeichnungsgeräte, Radioübertragung einfach noch nicht gut waren. Es gab damals Sprechtrainer, die zunächst Theaterschauspielern und dann „Medienschaffenden” das extra beibrachten, wie man sprechen muss, um trotz lausiger Tonqualität verständlich zu klingen. Deshalb klingen die in alten Filmen auch immer so seltsam affektiert. Hitler klingt nicht wie Hitler, weil Hitler so klang und der das R halt so schnarrte, oder die Nazis eben so gerne schnarrig sprachen, sondern zweifelsohne (gecastete Boyband) hatte der Sprechunterricht wie Schauspieler, irgendwer hat dem beibegebracht, wie man in die damaligen Mikrofone zu sprechen hatte. Und weil es neu war und es vorher (außer etwas Mussolini) noch keiner so machte, fiel der damit eben so auf. Als ich mal auf einem Betriebsausflug in Wien war, erklärten sie uns, dass die Kaiserin Sissi eine ziemliche Zicke gewesen sei und es ihrem Gatten schlicht zu blöd war, sich mit ihr rumzuärgern, und der dann auf den Balkon mit ihrer Friseuse als Sissi-Double auf den Balkon ging, denn sie musste ja nichts tun außer zu winken. Mikrofone und Kameras gab’s noch nicht.

Kennt Ihr den Film The King’s Speech? In dem der Vater der Queen als damaliger König vor dem Problem stand, erstmals in Mikrofone sprechen zu müssen? Und das nicht konnte, weil er schrecklich stotterte? Und zum Sprachtrainer musste? So war das damals. Das Medium war neu. Die sind nicht mit Handy und Youtube aufgewachsen. Komischerweise kommt kaum jemand (oder niemand) auf die Idee, dass Hitler ähnlich ausgebildet worden sei muss. So sehr man sich heute über die Sprechweise lustig macht und sie als singulär nazitypisch abtut, Hitler war damit der erste Video-Star im Sinne elektronischer Massenmedien. Es mag frappierend wirken, aber gerade diese seltsame Sprechweise ist der Beleg, das er quasi der erste ausgebilete Medienpolitiker – oder wenn man böse will: gelernte Youtuber – war, dessen Auftreten von vornherein und systematisch auf elektronisches Auftreten ausgelegt war.

Hitlers Wirkung bei seinen „Live-Auftritten” beruht wesentlich auf dem, was ich als parasozialen Effekt bei Nachrichtensprechern beschrieben habe: Das Wiedererkennen eines, der elektronisch publiziert wurde und dem Gehirn als „bekannt” vorkam, als jemand, mit dem man schon oft zu tun hatte, obwohl man ihn noch nie zuvor persönlich gesehen hatte.

Deshalb: Zieht den schnarrigen Hitler-Sound bei dessen Reden mal als nicht Hitler-typisch, sondern als technikgeschuldet und antrainiert ab.

Dann hören sich Hitler und Grönemeyer erschreckend ähnlich an.

Eine totalitäres System aus Einzelteilen

Ich habe mich eingangs darin wiederholt zu sagen, dass die Nazis eine gecastete Boyband waren, die man auf die Schnelle zusammengepappt und deren Programm man wild aus der ganzen Welt zusammenplagiiert hat. Und ich habe gezeigt, dass das Neue an ihnen war, dass sie auf elektronische Medien hin ausgebildet und getrimmt worden waren.

Ist das gerade anders?

Feminismus, Klima, Kampf gegen „Rrräächtz”, solche Aufmärsche wie „Welle”, die erscheinen zunächst wie zusammenhanglose Einzelteile, aber sie werden gerade ziemlich schnell zu einer Diktatur zusammengeklebt. Und auch Greta ist ja letztlich nur gecastet, die dirigierbare Naive, die gerade passte. Hitler mussten sie damals erst einkleiden, und Greta ist auch gemacht. Kaum jemand hat Greta jemals persönlich gesehen, und doch erkennt sie jeder sofort wieder wie eine alte Bekannte.

Sagt nachher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Nachtrag: Eine in Italien aufgewachsene Leserin schreibt mir zur Bestätigung über die Ausführungen zur damaligen Medientechnik, dass sich als Kind immer gewundert habe, warum Il Duce (Mussolini) so seltsam abgehackt gesprochen habe. Grund: Das ging damals nicht anders. Die damalige Lautsprechertechnik konnte noch nicht mit Hall und Interferenzen umgehen, und deshalb konnte der immer nur ein paar Worte sagen, des letzte immer besonders betont, und dann musste der Pause machen, bis der Hall wieder verklungen war und er weitersprechen konnte. Zur Demo schickt sie mir einen Link auf eine Aufnahme vom 7.9.1934 (unten), an der man das gut erkennen kann. Das ist noch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Schaut’s Euch mal an. Meines Erachtens die Vorlage zum Plagiat – Name (Duce=Führer), Anzug, Auftreten, Arm zum Gruß, Redetechnik usw.

(da war ein i in iframe verloren gegangen…)