Ansichten eines Informatikers

Warum die Nachrichten ausbleiben …

Hadmut
27.5.2026 13:02

Sind wir in eine Staatsdepression verfallen?

Schon länger beschreibe, beklage, bemängele ich, dass die Nachrichtenlage immer dünner wird, und dass selbst die großen Zeitungsseiten nach dem Motto „In der Not frisst der Teufel Fliegen“ melden und ihre letzten Reserve-Artikel zusammenkratzen, irgendwelchen belanglosen Scheiß aus dem Privatleben der ehemaligen Ex eines ehemaligen F- bis J-Promis zu berichten.

Auf X werde ich mit Musikvideos aus Spanien, Wundere-mich-über-ein-komisches-Video-Tweets aus der Türkei, kritischen Anmerkungen zum Zeitgeist aus China und lustigen, aber belanglosen Diskussionen aus Japan versorgt. Alles automatisch wohlübersetzt. Nur so Original-Deutschland immer weniger. Und wenn, dann vor allem das Partei- und Meinungsgezänk, das man eigentlich gar nicht lesen will, sondern wie zu rüpelhaften Kindern sagen will „Schluss jetzt, jetzt ist Ruhe!“

Doch warum ist das so?

Ein Verdacht war ja, dass Parteistrategen zu der Auffassung gekommen sind, dass gerade jegliche Nachricht über Regierungshandeln oder Äußerungen von Bärbel Bas der AfD zugute kommen, und die AfD gerade einfach gar nichts machen muss außer zuzuschauen, wie ihr die Prozente von selbst zufliegen, wie einem im Schlaraffenland die gebratenen Tauben von selbst ins Maul fliegen. Dass deshalb die Mediengewalt SPD eine innerdeutsche Nachrichtensperre verhängt haben könnte, so wie Mielke es getan hätte, wie man es aus dem Sozialismus eben kennt. Der antifaschistische Schutzwall ist ja längst virtuell zur Brandmauer geworden, seit Beton und Stacheldraht so teuer wurden und Selbstschussautomaten als klimaschädliche Verbrenner eingestuft wurden, elektrische, klimaneutrale Railguns aber noch nicht verfügbar sind. Solange man die Mauer 2.0 nicht klimaneutral hinbekommt, muss man sich mit Nachrichtensperren behelfen.

Da schreibt mir ein Leser:

In Berlin wird scharf geschossen.

Das pfeifen die Spatzen jetzt sogar von den Dächern des ÖRR.
Schüsse in Berlin-Kreuzberg
Sendung: NDR Info | 27.05.2026 | 03:17 Uhr 3 Min | Verfügbar bis 26.05.2028

https://www.ndr.de/nachrichten/info/schuesse-in-berlin-kreuzberg,audio-3267142.html

Nachrichten machen keinen Spaß mehr, sondern führen zu Depressionen.
Und wenn nun das, was Sie schon länger berichten, sogar “ganz normal” auf dem ÖRR kommt?
Wir, in D, sind wohl tatsächlich am Ende.

Das ist der springende Punkt. Eigentlich müssen wir täglich Nachrichten von Schießerien, Messereien, Vergewaltigungen, Raubüberfällen, Firmenpleiten, Entlassungen bekommen. Kommt aber nicht mehr. Stattdessen erfahren wir, dass irgendeine völlig irrelevante und bedeutungslose Frau endlich schwanger wurde und irgendwer anderes mutmaßlich die Scheidung eingereicht haben könnte.

Ich habe schon früher über solche Effekte gelesen. Zweiter Weltkrieg. Ukrainekrieg. Irgendwer hatte untersucht, wie Leute es eigentlich aushalten, über Jahre Hinweg dauernde Bedrohungen, Angriffe, Einschläge auszuhalten. Und man fand heraus, dass es da einen Selbstschutzmechanismus der selektiven Ausblendung gibt. Das Hirn blendet immer mehr aus und reduziert seine Wahrnehmung auf ein immer kleineres, individuelles Umfeld, um nicht in Depressionen und Selbstmord zu verfallen, um überhaupt noch funktionieren und überleben zu können.

Das sind aber nun zwei gegenläufige Theorien:

  • Wird uns der Informationsfluss aus politischen Gründen von oben abgedreht?
  • Oder werden wir aus psychologischen Gründen zum Selbstschutz nachrichtentaub, wollen wir das alles gar nicht mehr hören?

Immerhin lässt sich in Kreuzberg eine gewisse Diversität nicht leugnen: Die verwenden ganz unterschiedliche Kaliber.