Ansichten eines Informatikers

Berliner Finanzbehörden und die Sicherheit

Hadmut
26.5.2026 16:31

Wo ich es doch gerade von Berliner Finanzbehörden und dem Datenschutz hatte:

Jouwatch: Wo Wegner auftaucht, klappt nix mehr: Berliner Zoll während Razzia beklaut

Wie meinen?

In der Nacht von Freitag auf Samstag führten Polizei, Zoll, Ordnungsamt und Jobcenter eine Razzia in einem Shisha-Bedarfsladen, einem Automaten-Casino und weiteren Lokalen durch, wobei sie auf mutmaßliche Steuerverstöße, illegale Waren und Hinweise auf Sozialbetrug stießen. Wegner nahm -demonstrativ mit einer schusssicheren Weste ausstaffiert, als würde er Truppen in den Kampf führen-, an der Aktion teil. Doch noch bevor sie begann, wurde aus einem verschlossenen PKW der Zollfahndung ein Rucksack gestohlen! Darin sollen sich private und dienstliche Gegenstände, unter anderem ein Quittungsblock, befunden haben. Ob darunter auch ein sogenannter Token zur dienstlichen Authentifizierung war, wurde von einem Polizeisprecher weder bestätigt noch dementiert. Nun wird wegen besonders schweren Diebstahls ermittelt.

Der Berliner Zoll wird während einer Razzia beklaut.

Ich war versucht, es für konsequent zu halten, weil doch gerade ein Gefängnisinsasse – pardon: Gefängniseinsitzender oder Gefangenseinder, Freiheitsbeschränkter oder wie auch immer das gegendert wird – bei einer Geschwindigkeitsübertretung in seinem Rolls Royce geblitzt wurde. Aber das war NRW, nicht Berlin. In Berlin könnte man sich mit einem Rolls nicht blicken lassen, der würde noch während der Fahrt abgefackelt.

Ein dienstlicher Authentifizierungstoken soll dabei hops gegangen sein. Na, immerhin haben sie so etwas. Wobei man sich jetzt fragen kann, ob das überhaupt falsch war, den im Rucksack zu haben, falls sie den von unterwegs brauchen. Was man in der Uniform in den Taschen hat, kann im Kampfeinsatz auch geklaut oder beschädigt werden.

Was jetzt die Frage aufwirft, ob es ein Authentifizierungstoken war, den man bei Kenntnis des Verlusts ohne weiteres sperren und ersetzen kann, und sich der Schaden im zweistelligen Bereich bewegt, oder ob es ein Schlüsseltoken war, mit dem man Nachrichten entschlüsseln kann, und den man nicht rückwirkend sperren kann.

Wollen wir hoffen, dass sie ihnen nicht auch die Knarre geklaut haben.

Dass in Berlin sogar schon die Polizei bestohlen wird, während sie sich auf eine Großrazzia vorbereitet, könnte gar nicht symbolträchtiger sein und wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die jeder Beschreibung spottenden Zustände in dieser Stadt – und dass dies auch noch ausgerechnet dann geschah, als Wegner höchstpersönlich einmal Handlungsfähigkeit- und wille simulieren wollte, rundet das Bild perfekt ab. Am Ende blieb ihm nur das Absondern zuvor zurechtgelegter Phrasen: „Der Rechtsstaat ist stark und wehrt sich“, und „Organisierte Kriminalität, Banden, Clans – wir lassen da nicht nach“, verkündete er. Wie dies in der Praxis aussieht, zeigte sich zeitgleich mit der Razzia: In Kreuzberg wurde am Freitag ein Mann niedergeschossen, in Berlin-Mitte wurde ein Türke von einer Kugel ins Bein getroffen.

Immerhin etablieren sich neue Geschäftsfelder:

“Crime as a service”

Mindestens die letztere Tat gehört zu den mittlerweile kriegsartigen Auseinandersetzungen, die sich türkische und kurdische Gangsterbanden seit zwei Jahren auf den Straßen der Hauptstadt liefern. Diese erinnern immer mehr an das Chicago Al Capones. Auf offener Straße schießen die Mitglieder sich ohne Rücksicht auf Zivilisten nieder und bewerfen sich mit Handgranaten. Allein 2025 gab es über 500 Schüsse! „Die zögern keine Sekunde, Schusswaffen einzusetzen oder Sprengsätze. Die haben keine Hemmungen“, erklärte Manuel Ostermann, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Wenn jemand 1000 Euro dafür bietet, dass jemand eine Handgranate in ein Schaufenster wirft, wird sich auf kurz oder lang jemand finden. Wir leben im Zeitalter von crime as a service“, sagte Benjamin Jendro, der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Sagen wir es so: Die kriminellen Clans haben bessere Dienstleistungsstrukturen als Berlin. Da wird man schneller bedient. Heute hieß es im Radio, dass es Probleme mit den Führerscheinen gibt. Laut gesetz müssen doch alte Führerscheine gegen neue ausgetauscht werden, aber es könne bis zu 3 Monaten dauern, um überhaupt einen Termin zu bekommen. In anderen Ländern würde man fragen, wieso man dafür einen Termin braucht, die Daten und ein halbwegs aktuelles Foto vom Personalausweis lägen doch vor. Da könnte man die doch online beantragen oder gleich automatisch anfertigen (und vielleicht sogar verschicken).

Und anscheinend wäre ein Rucksack im Auto eines kriminellen gewaltbereiten Clans sogar sicherer als beim Zoll.

Was mich zu einer interessanten Frage bringt:

Wäre es nicht weitaus billiger, wenn man einfach jedem, der noch einen alten Führerschein hat, der zwingend ausgetauscht werden muss, ohne Antrag mit den bestehenden Daten und dem Foto vom letzten Personalausweis einen neuen Führerschein macht und dann öffentlich verkündet „Kann ab … auf dem jeweiligen Bürgeramt des Wohnsitzes gegen Vorlage von Personalausweis und im Tausch gegen den alten abgeholt werden!“ und in Kauf nimmt, dass man ein paar zuviel druckt, die nie abgeholt werden und dann vernichtet werden, als jede Menge zeitaufwendiger Termine zu machen?