Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die semikastrierte Eiskönigin

Hadmut
6.11.2021 22:31

Eigentlich meine ich damit ein Lob.

Ich war doch 2019 in New York in vielen Musicals, darunter auch in der Eiskönigin, und hatte mich da sehr positiv geäußert.

Es ist zwar als Musical jetzt nicht unbedingt so mein Geschmack (am besten finde ich immer noch Chicago und den Horrorladen, auch das Queen- und Abba-Musical waren nicht schlecht, Aladdin auch sehr oppulent, König der Löwen sehr schön und toll gesungen), aber objektiv und nach der Publikumswirkung war das sensationell und nach dem Hauptsong (Let it go) am Ende des ersten Aktes hat das Publikum schier getobt. Das muss man schon sagen, dass das eine verdammt schwere, sehr anspruchsvolle Nummer ist, dabei aber die Elsa völlig alleine auf der Bühne steht und völlig auf sich allein angewiesen ist, keinerlei Hilfe hat, und neben der schon sehr schwierigen Gesangsnummer auch noch mit den technischen Tricks wie dem fliegenden Handschuh, dem fliegenden Mantel, den Lichteffekten und dem blitzschnellen Garderobenwechsel klarkommen und das alles auch noch auf den Punkt treffen und mit dem Höhepunkt per plötzlichem Lichtaus das Publikum in die Pause schicken muss, da auch nichts mehr zu reparieren wäre, wenn’s nicht exakt passt.

Und die in New York hat das Publikum einfach weggeblasen, die hat da den Hammer abgeliefert und das Publikum war hin und weg. Ich habe viele Musicals und viele tolle Auftritte gesehen, aber das war, würde ich sagen, schon top, Oberkante.

Und bei „Wetten, dass…?“ hat man nun die deutsche Besetzung zwei Tage vor der Premiere auftreten lassen, aber auf der Studiobühne, wo die Tricks und Effekte so schlicht nicht möglich sind und vielleicht auch nicht gezeigt werden sollten. Zwar wurde auch das Let it go gesungen, allerdings gleich in der Situation nach dem Kleiderwechsel, was dann nicht mehr so beeindruckend wirkt wie auf der Bühne, und deutsch klingt leider auch nicht so gut wie englisch, aber das ist mir aufgefallen, dass die Darstellerinnen von Anna und Elsa das sehr gut und sehr originalgetreu rüberbekommen haben, und das sicherlich sehr gut ankommt. Aber im Fernsehen und ohne die richtige Bühne kommt das nur halb so gut rüber.

Es war aber gut, dass sie die Disney-Darstellerinnen und nicht Helene Fischer das Lied haben singen lassen, die hätte auch das kaputt gesungen. Ich kann mich noch erinnern, als ich mal die verschiedenen Versionen von Jolene verglichen haben, ursprünglich von Dolly Parton, verglichen habe. Auch Miley Cyrus sing das ja öfter, und die singt das richtig gut. Und von BossHoss gibt es eine Version mit der Sängerin der Common Linnets, die das auch sehr, sehr gut singt. Und Dolly Parton selbst hat das schon mit Pentatonix, auch mit denen und Miley Cyrus zusammen gesungen, und auch deren Sängerin bekommt das richtig gut hin.

Es gab aber einen Showauftritt, in dem Helene Fischer das mit BossHoss sang, und da klang das nicht nur wieder mal, wie bei Helene Fischer einfach alles klingt, sondern man (ich) merkte da so richtig, dass sie die Töne, aber nicht den Charakter des Liedes trifft, dass bei der immer der genau gleiche Senf rauskommt. Richtige Erleichterung, dass sie nicht Fischer das Let it go haben singen lassen.

Will sagen:

Eiskönigin ist ein prima Musical für Mütter und Kinder. Mütter, die Kleider und Romantik mögen, und Kinder, die den Disney-Film lieben.

Väter können mitgehen, hält man gut aus.

Es fördert das Verständnis, den Film vorher nochmal gesehen zu haben.