Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

End Game: Physik-Professoren in Endzeitpanik und das Werk des bösen Drachen

Hadmut
25.9.2019 22:50

Oh. 20 Jahre nach mir merken nun auch immer mehr Professoren, dass es zu Ende geht.

Oder: Wenn man schon gegen die Wand gefahren ist, und einem so langsam dämmert, warum’s weh tut.

Oder: Universitäten zu Kindergärten

Oder: Was ist eigentlich fieser als Brexit?

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft grämt sich.

Per Rundmail lässt sie ihre Mitglieder an ihrer Sorge teilhaben:

Liebe DPG-Mitglieder,

im derzeitigen Ressortzuschnitt für die zukünftige EU-Kommission taucht der Terminus “research” gar nicht mehr auf. Stattdessen ist dies (nach gegenwärtigem Stand) offenbar unter dem Ressort “Innovation and Youth” subsumiert.

In diesem Zusammenhang hat sich nun mahnender Widerstand geregt und ich möchte Ihnen in Rücksprache mit dem DPG-Präsidenten, Prof. Dr. Dieter Meschede, die unten stehende Anfrage, ggf. einen „open letter on new EU commissioners“ zu unterzeichnen, weiterleiten. Die DPG verbindet mit dieser Initiative die Hoffnung, dass bei den Entscheidungsträgern auf EU-Ebene der derzeitige Ressortzuschnitt noch entsprechend ausgeschärft und “research” hinreichend abgebildet werden kann.

Der Brief steht zur Online-Unterzeichnung unter: www.futureofresearch.eu

Mit besten Grüßen
i. A. …

Ah. Da geht den Physikern der Arsch auf Grundeis, weil bei der zukünftigen EU-Kommission „research” (auf Althochdeutsch: Forschung) nicht mehr als eigenes Thema vorkommt. Das fällt unter „Innovation und Jugend”.

Was sie hier aber nur verklausuliert über „zukünftige EU-Kommission” sagen, was aber in der englischen Version deutlicher steht: Da steckt von der Leyen dahinter. Noch nicht im Amt, richtet sie schon Schaden an.

Wie im englischen Text beschrieben, geht es um zwei Texte von von der Leyen, nämlich eine Presseerklärung zur Zusammensetzung der künftigen Kommission, in der research nicht mehr vorkommt, in der aber eine gewisse Mariya Gabriel aus Bulgarien so beschrieben wird:

Mariya Gabriel (Bulgaria) is a current European Commissioner. She worked with dedication and energy on the digital portfolio, and is now moving on to create new perspectives for the young generation (‘Innovation and Youth’ portfolio).

Innovation and Youth. So, so. Mehr Forschung kommt darin tatsächlich nicht vor.

Allerdings hatte von der Leyen dieser Mariya Gabriel in einem öffentlichen Brief geschrieben:

Your task over the next five years is to harness this potential and to ensure that education, research and innovation help us deliver on our ambitions and wider objectives. […]

As part of this, you should ensure sufficient investment flows to disruptive research and breakthrough innovations, notably through the European Innovation Council. To stay competitive globally, we should better support our innovators to bring their ideas to the market. […]

I want you to work with Member States to build a true European Research Areain which we pull together all national and European efforts.[…]

I want you to ensure that research, policy and economic priorities go hand in hand.

Und so weiter. Da kommt „research” ganz oft drin vor, aber anscheinend nicht an. Und es wird auch immer nur als Pflichtübung erwähnt, als Begriff, aber inhaltlich kommt es da auch nicht vor. Immer nur Geschwafel von Innovation und Geld machen, aber nicht im Sinne von Wissen.

War wohl nicht mehr zu machen, weil von der Leyen ja für ihre Kommision eine Frauenquote versprochen hatte, die aber nur mit große Mühe knapp erfüllen konnte, sonst hätte sie sich gleich blamiert. Da muss man dann an Personal auch nehmen, was zu kriegen ist.

Das werden lustige Jahre unter von der Leyen. Warum soll es der Forschung auch besser gehen als der Bundeswehr? (Tröstet Euch, dafür bekommt Ihr Kühlschränke und Kitas.)

Was dann natürlich die Frage aufwirft, was der Brexit schon ist gegen die Einschleusung der Universalsaboteuse von der Leyen. Die Engländer machen bei sich selbst viel kaputt, von der Leyen bei uns aber wohl alles.

Ich will aber nicht meckern, denn ich war ja früher mal EU-wohlgesonnen, bin es aber längst nicht mehr, halten diesen kommunistischen Affenstall für eine Katastrophe. Was könnte ich mir da mehr wünschen als von der Leyen als Präsidentin? Wird nicht billig, aber geht zuverlässig kaputt.

Andere Seite der Welt

Ist aber kein reines EU-Problem. Den Chemikern in Auckland, Neuseeland, geht es nämlich genauso, wie mir ein Wissenschaftler schreibt.

Dort nämlich war die Experimentalausstattung für Chemie-Vorlesungen bisher schon ziemlich bescheiden, aber jetzt reißen sie den Hörsaal-Trakt der Chemiker gleich ganz ab, Ersatz gibt’s nicht.

Warum?

Direkt nebendran steht das „recreation centre”, die Freizeit-Halle mit den Sportgeräten. Die ist schon alt und gefällt den Studenten nicht mehr, nicht genug „wellness”. Da muss jetzt ein Neubau hin, mit großer Schwimmhalle und so, und da müssen Vorlesungen und Hörsäle eben weg, gibt’s ja auf Youtube. Die neue Kernkompetenz der Universität sei pampering immature students – the big baby sitter. Kindertagesstätte für Studenten. Wenn Politiker mehr Kitas für Universitäten fordern, meinen sie damit nicht mehr die Kinder der Studenten, sondern die Studenten selbst.

Habe auch damit zu tun, dass „wellness” dort der Flaschenöffner-Begriff ist, um den ganzen Mist aus dem Gesundheitsbudget zu bezahlen und dann LBGT-Gruppen damit zu pampern. Man sagt nämlich dass die wellness so dringend brauchten, nicht etwa, weil sie nicht mehr alle Latten am Zaun hätten, sondern weil die armen Schneeflöckchen von der mangelnden Akzeptanz so traumatisiert sind, dass man ihnen eigene wellness-Tempel und Neuerholungszentren bauen müsse. Und dafür müssen natürlich die Chemie-Hörsäle weg, damit Platz ist.

Fazit

Universitäten sind inzwischen wie das Bällebad im Kinderland bei IKEA, wo Eltern ihre Kleinen abgeben können, wenn sie mal was erledigen müssen.

Durchsage 1: „Die kleine Amelie weint und möchte gerne aus dem Chemie-Hörsaal abgeholt werden!”

Durchsage 2: „Bitte eine Ersatz-Dozentin zum Chemie-Hörsaal! Die Studenten haben alleine Angst.”

Bewertung

Idioten! Selbst schuld. Hättet Ihr halt früher mal das Maul aufgemacht. Ich, und auch einige andere, erzählen es und warnen davor seit 20 Jahren.

Ihr hört Euch an wie das Schweineschnitzel, das in der Pfanne darüber jammert, dass es ein Fehler war, als Schwein zum Metzger gegangen zu sein, weil der Futter angeboten hat.

Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst (oder etwa doch?), dass von der Leyen auf Euch hört. Die hört auf niemanden mit Sachkunde, nur auf McKinsey, Accenture und sowas. Die gibt gleichzeitig enorme Summen für Beratung aus und ist völlig beratungsresistent, besonders dann, wenn es nichts kostet und der Rat ungebeten ist.