Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

20-Jähriges Jubiläum

Hadmut
21.9.2019 1:23

Hab ich verpennt.

Ist mir heute erst beim Schreiben eines Blogartikels so aufgefallen: Ich hatte eigentlich 20-jähriges Jubiläum eigene Webseite.

Genau weiß ich es nicht mehr.

Zum 10-Jährigen des blogs konnte ich noch den ersten Blog-Artikel angeben, aber wie und wann genau danisch.de auf Sendung ging, kann ich nicht mehr exakt sagen.

Ich hatte schon von Anfang an, mit dem Erscheinen der ersten Webserver und Browser Webseiten an der Uni, auch öffentliche, meine meistgelesenen Webseiten waren meine Verzeichnisse der damals bestehenden Verlagswebseiten, weil die die ersten waren, die außerhalb der Universitäten auch Webseiten anboten. Die Universität war davon aber gar nicht begeistert. Web ist was für Spinner, das hat keine Zukunft.

Bekanntlich habe ich zum 30.6.1998 die Uni verlassen, Promotionsprüfung war eigentlich für den 1.7.1998 angesetzt. Ich bin dann damals sofort zur Firma Xlink in Uni-Nähe gegangen, wo sich die meisten Leute des alten E.I.S.S.-Sicherheitsforschungsteams versammelt hatten, um mit dem alten Team weiterzumachen, oder um es klassisch auszudrücken: Wir stellten die Band wieder zusammen.

Private Domains waren damals eignetlich undenkbar und unbezahlbar, aber die Firma Xlink, selbst Domain-Provider und als Betreiber des Strato-Projektes die, die ein Drittel des damaligen deutschen Internets im Keller stehen hatten, war der Meinung, dass die Mitarbeiter sich in dieses neue Medium einarbeiten und ohne Hindernisse experimentieren sollten. Deshalb bekam jeder Mitarbeiter seine eigene Domain kostenlos und jede Abteilung einen PC im Rechenzentrum, auf dem sie treiben konnten, was sie wollten. Darauf haben wir dann Mail, Webserver und anderes Experimentalzeugs eingerichtet, darunter auch eben Danisch.de.

Ich kann’s jetzt nicht mehr so genau sagen, ob das noch 1998 oder erst Anfang 1999 war.

Ich weiß aber noch, dass ich damals mit ein paar Seiten über den Streit mit der Uni Karlsruhe und der ersten Version von Adele und die Fledermaus angefangen habe. Laut meinem GIT-Repository habe ich den ersten Checkin am

Date: Fri Jan 1 17:14:24 1999 +0100

gemacht. Mancher wird einwenden, dass es damals GIT noch gar nicht gab, aber das Repository ist zweimal gewandelt worden, von CVS nach SVN und von SVN nach GIT. Zumal ich nicht von Anfang an ein Repository verwendet und auch nicht alles gleich als Buch geschrieben habe, ursprünglich war das nur eine Sammlung von Notizen, die ich während des Streites gemacht und dann irgendwann mal ordnen und sortieren wollte.

Irgendwann so Anfang 1999 fing das aus dem Streit mit der Uni so an, und viele fanden das sehr erstaunlich. Weil man sowas nicht als Grund ansah, warum man eine Webseite eröffnen sollte, aber auch ansonsten keinen Grund sah, warum eine Privatperson eine eigene Domain, einen Webserver gar, betreiben sollte. Es galt als absurd, aber ich sagte immer, ich sei Informatiker, das sei nun mal mein Beruf, sowas zu machen.

Obwohl Xlink eigentlich gesund war, ist es dann mit der europäischen Muttergesellschaft KPNQwest 2002 in die Insolvenz gerissen worden. Man hatte gesunde Firmen in ganz Europa aufgekauft und versucht, die zu einem europäischen Konzern zusammenzupappen, was schlicht nicht funktioniert hat. Da ging alles schief und kaputt. Weshalb ich der Ansicht linker Politiker, dass man das alles zu einem vereinten Europa globalisieren könnte, verachtend gegenüberstehe, denn das Experiment habe ich schon hinter mir. Hat uns als Mitarbeiter übrigens ziemlich viel Geld gekostet. Ich hatte wegen des Uni-Streits die Firma nicht mit der ersten Welle verlassen, weil der erste Streitverlauf gerade erfolgreich war, und hatte mit der zweiten Welle deshalb damals eine Abfindung von etwa 50.000 Euro (genauen Betrag müsste ich raussuchen) per Vertrag zugestanden bekommen, aber drei Tage vor der Auszahlung hatte die Firma Insolvenz angemeldet und dann gab’s nichts mehr. Die erste Welle von Leuten hatte ihre Abfindung einen Monat früher bekommen, die wurde noch ausgezahlt.

Weil die Firma damals innerhalb kürzester Zeit das Gebäude räumen musste, aber nichts mehr bezahlen konnte, hat man das Inventar im Auftrag des Insolvenzverwalters noch schnell an die Mitarbeiter verhökert, weil das immer noch mehr brachte als ein Müllcontainer, den man nicht bezahlen konnte. Ich habe noch meinen Bürostuhl, einen Kleiderständer, eine Bindemaschine, einen Locher von damals, aus der Insolvenzmasse für kleine Beträge aufgekauft.

Eine große Sorge war damals, dass wir unsere Domains und Webserver behalten können. Deshalb haben wir damals auch den PC, auf dem unsere Domains liefen, aufgekauft, dazu einen zweiten (eigentlich unser eigenes Arbeitsmaterial, mit dem wir täglich gearbeitet hatten), damals noch 3HE hoch, und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bei einem Hoster untergebracht und dann für den Betrieb schnell einen Verein gegründet, in dem die ehemaligen Kollegen, die alle ihre Domain auf diesem Rechner hatten, diesen PC weiterbetrieben. Ein Verein, um einen PC zu betreiben.

Den Verein gibt es heute noch, und so alle 5 bis 7 Jahre wird der PC gegen einen neuen ausgetauscht, natürlich längst flache 1HE-Servermaschinen. Ich habe ja neulich geschrieben, dass ich mit meinem Blog umgezogen bin, weil die Last dann halt doch zu hoch war und den Vereinsrechner zu stark belastet, da laufen etwa 100 virtuelle Domains als Webseiten und Mail-Relay. Mein Blog hatte sowas um die 97 oder 98% des Netzwerkverkehrs ausgemacht.

So genau kann ich es nicht mehr sagen, aber irgendwann so im Herbst 1998 habe ich die Domain danisch.de bekommen, und dann haben wir experimentell irgendwann Mailserver und Webserver für die Kollegen aufgebaut, erst mal nur rumgespielt und Erfahrungen gesammelt, und irgendwann so in dem Zeitraum, als der Streit dann offen eskalierte, und da die Gerüchte und Verleumdungen gestreut wurden, habe ich als Gegenmittel – ursprünglich eigentlich nur an die Uni-Öffentlichkeit Karlsruhe gerichtet, ich hätte nicht gedacht, dass es sonst irgendwen interessiert oder das jemand liest – angefangen, ein paar Webseiten und Adele und die Fledermaus zu schreiben. Irgendwann zwischen Ende 1998 und Anfang 1999.

Und nun sind das 20 Jahre. Und ich hab’s gar nicht so richtig gemerkt.