Ansichten eines Informatikers

Legal, legitim und Moral?

Hadmut
19.9.2019 1:03

Weil gerade einige Leser schrieben,

„legal” sei gesetzmäßig, „legitim” sei moralisch, hätten sie in der Schule so gelernt:

Nee.

Marihuana zu legalisieren, heißt, das Gesetz zu verändern, damit es dem Gesetz entspricht. Ein illegaler Einwanderer ist einer, der gegen das Gesetz verstößt.

Der legitime Nachfolger ist der nach bestehendem Gesetz, der illegitime ist ein anderer als der legitime, und sich zu legitimieren heißt, sich als der rechtmäßige (Zugangsberechtigte oder was auch immer) auszuweisen.

Aber selbst wenn man auf die Moral-Nummer abhebt: Was genau soll denn Moral eigentlich sein?

Zu sagen, dass man aus moralischen Gründen das Recht brechen dürfe, weil man selbst die Guten und die anderen die Bösen wären, ist doch eine völlig wertlose Müllaussage.

Moral ist doch auch nur wieder ein Teil eines positiv-negativen Doppelbegriffs zu „Straftäter, Verbrecher,usw.”, bei dem jemand macht, was er will, und sich und anderen per Begriff einredet, dass seine Ansichten oder Interessen irgendwie edler, höherwertiger, adliger seien. Das Schema ist „Ich handle moralisch, Du handelst kriminell”.

Moral ist ein subjektives Empfinden, sonst erst mal nichts.

Meine Vermutung ist, dass wir mit einer Vielzahl von evolutionär erworbenen Verhaltensweisen ausgestattet sind, die sich irgendwann für irgendwen mal als vorteilhaft (oder zumindest nicht wesentlich nachteilig) entwickelt haben, und die sich genetisch und epigenetisch vererben und unterschiedlich auswirken. Der eine ist eher konservativ und „ehrlich”, der nächste sozial und gleichverteilend, und der dritte kommunistisch, faul, Dieb, lebt auf Kosten anderer, weil irgendwann mal die Evolution sowas ausprobiert hat und jemand damit durchgekommen ist. Je nach Umweltbedingungen.

Neulich stand ja irgendwo, dass konservative und linke Grundtendenzen genetisch bedingt seien.

Ich habe ja früher schon viel über Drogen geschrieben und meine Vermutung, dass die einfach das Belohnungszentrum im Hirn chemisch reizen, das sonst als Schnittstelle zwischen unbewusstem, festprogrammiertem Teil und dem „Bewusstsein” dient, und das den „freien Willen” für programmgemäßes Verhalten mit „Hast Du gut gemacht, fühl Dich jetzt wohl!” belohnt oder anderenfalls mit „Du Mistbock, hab jetzt ein schlechtes Gewissen!” bestraft. Ich vermute, dass sich Raucher, Alkoholiker, Cannabiker deshalb so gut und sozial fühlen, weil die mit Drogen eben dieses Belohnungszentrum reizen und damit die Belohnungsausschüttung für soziales Wohlverhalten auslösen, obwohl kein Wohlverhalten vorlag, sie das dann aber glauben. Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum manche Drogen, auch Cannabis, gruselige Depressionen auslösen können, da ging es dann chemisch wohl einfach mal in die andere Richtung.

Meine Vermutung ist, dass „Moral” der Sammelbegriff für diese Wohlverhaltenssteuerung ohne chemische Manipulation ist. Moral ist, wenn der Teil im Gehirn mit Zucker wirft, und unmoralisch ist, wenn der Teil da oben grummelt. Was die Sache aber erstens rein subjektiv macht, weil es beim anderen so ganz anders ist, und zweitens ziemlich willkürlich, weil eine Übereinstimmung mit irgendeinem Gen-Programm ja noch keine Wertung auf „gut” oder „schlecht” enthält, sondern nur die Information, dass irgendwann irgendwer mal damit überlebt hat, dass es da oben im Hirn so zwei Teile gibt, von denen einer das Soll-Verhalten vorgibt und der andere Soll mit Ist vergleicht und es gutheißt oder schimpft.

Das gleiche dürfte es wohl sein, wenn jemand von „Gerechtigkeit” redet. Heißt, dass er sich dabei wohlfühlt. Ich zum Beispiel finde die allermeisten Verhaltensweisen, die heute als „Gerecht” oder „Gerechtigkeitslücke stopfen” verkauft werden, als extrem ungerecht. Letztlich heißt das (abgesehen davon, dass es meistens ohnehin nur Rhetorik, Rabulistik und verlogen ist) nur, dass jeder irgendwoher aus den letzten 100 Millionen Jahren irgendwelche Verhaltensweisen als Soll mitschleppt, die als überlebenstauglich erscheinen, und man will, dass sich alles so verhalten. Weil’s halt irgendwann man von Vorteil war, wenn jeder nimmt, was er kriegen kann, oder eben alle verteilen, was sie haben.

Selbst wenn man also meint, dass „legitimes” Verhalten entgegen dem Wortstamm irgendwas mit Moral zu tun habe, ist es im Ergebnis immer noch Schrott.

Ich kann ja auch nicht kommen und sagen, dass ich mich jetzt für moralisch legitimiert halte, die Bank auszurauben oder den X und die Y umzubringen, weil ich mich dann besser fühle.

Wenn jeder kommt und macht, was er jetzt gerade subjektiv für richtig und gerechtfertigt hält, und meint, dass die Gesetze für ihn nicht gälten, weil er edler und weiser wäre als die anderen, dann ist die Gesellschaft tot.

Wie will man dann beispielsweise Migranten noch vermitteln, dass sie doch bitteschön unsere Gesetze einhalten sollen, wenn wir doch hier gerade Leute dafür feiern, dass sie sie verletzen und „zivilen Ungehorsam üben, sich für „moralisch legitimiert” halten?

Wie kann man dann erwarten, dass sich andere noch etwas verbieten lassen? Sie es SUV oder Inlandsflüge?

Selbst wenn man also zum Zwecke des Disputs die unrichtige Bedeutung der Moral für den Begriff „legitim” unterstellt, lautet das Urteil trotzdem auf „dumm”.