Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Gender und Pinguin

Hadmut
13.9.2019 17:53

Endlich Freiheit für Pinguine!

Berlin war zutiefst besorgt, weil die schwulen Pinguine Skipper und Ping ihr Leihei verloren haben. (Nicht verstanden? Leih-Ei. Ein fremdes Ei.)

Doch Lösung naht:

Das Sea Life Aquarium London züchtet jetzt geschlechtslose Pinguine. Sie wollen ein Pinguinküken komplett geschlechtsrollenfrei von zwei lesbischen Pinguinen aufziehen lassen (als ob die geschlechtsrollenfrei wären…) und geben ihm zu diesem Zweck nicht mal einen Namen, um das Küken nicht zu prägen. Wie soll sich auch ein Pinguinküken auch geschlechtlich unbeeinflusst entwickeln können, wenn es Gustav heißt?

CNN:

It will be “the world’s first penguin to not have its gender assigned,” Sea Life London said.

Experts at the aquarium usually give newborn penguins gender-based names, but in this case “decided it was more natural for the chick to grow and develop into a mature adult as genderless which is normal in the wild until they mature,” the centre said in a press release. The chick has been fitted with a purple tag on its wing so it can be identified.

Man gibt Pinguin-Küken dort gewöhnlich geschlechtliche Namen. Und deshalb wollen sie jetzt den weltweit ersten Pinguin aufziehen, dem kein Geschlecht zugewiesen wurde.

Ich bin mir nicht sicher, ob den Tierexperten vom Sealife Aquarium klar ist, dass es nicht nur bei ihnen Zoo-Pinguine gibt, sondern die eigentlich auch wild vorkommen und es beispielsweise am Südpol, da wo kein Mensch hinkommt, Pinguine gibt, die noch nie einen Menschen gesehen haben, oder es die sogar schon gab, bevor es Menschen überhaupt gab, und die alle keine Namen haben, und die sich trotzdem männlich und weiblich verhalten.

Ich habe ja auch schon oft vom Hühnerexperiment im heimischen Garten berichtet und davon, dass wir da Hühner (Zwerglachshühner) als befruchtete Eier bekommen haben, die garantiert auch noch niemanden gesehen hatten (Eierschalen sind zwar in gewisser Weise lichtdurchlässig und man kann mit der Taschenlampe prüfen, ob sich drin was tut, aber dass die von da drinnen den Geschlechtsunterschieden zugucken, kann ich wohl ausschließen, weil sie zu dem Zeitpunkt weder Hirn noch Augen haben.) Und wir haben denen nie Namen gegeben. Und zumindest wir konnten sie auch nicht nach Geschlecht unterscheiden, bis sie anfingen, ihr unterschiedlich farbiges Deckgefieder zu bekommen, da hatten sie dann aber auch schon unterschiedliches Verhalten.

Man wird jetzt vielleicht nicht unbedingt von Zwerglachshühnern auf Pinguine schließen können, beispielsweise gehen Zwerglachshühner niemals tauchen. Aber grundsätzlich habe ich Zweifel, dass sich gewöhnliches Federvieh allzusehr um Namen und deren Geschlechtszugehörigkeit schert.

Nehmen wir es als Experiment und harren wir der Dinge, die da kommen werden.

(Was bin ich froh, dass meine Eierbecher für Frühstückseier neutral weiß und nicht etwa hellblau oder rosa sind.)