Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Krankes Fernsehen und zwei Studien

Hadmut
11.9.2019 21:38

Zum Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die Rede ist gerade von zwei Studien.

ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu

Diverse Medien, unter anderem Meedia, berichten über eine Studie, die in der ARD-Fachzeitschrift Media Perspektiven erschienen ist (PDF-Download).

Ob das was taugt, ist freilich fraglich, die Methode ist so soziologisch:

Die Studie „ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019“ wurde im Frühjahr 2019 als telefonische Befragung mit insgesamt 2 000 Fällen durchgeführt und ist repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren.

Wenn überhaupt, dann ist es repräsentativ für die Angerufenen, die zu deren Arbeitszeiten überhaupt ans Telefon gehen (und eins haben), und weiß der Kuckuck, wo die ihre Telefonnummern her haben oder ob sie Fest- oder Mobilnetz anrufen. Oder ihnen bei Anruf überhaupt Auskunft gibt.

Aber wenn die ARD das schon über sich selbst behauptet…

In der Gesamtbevölkerung dominiert dabei die lineare Fernsehnutzung mit 76 Prozent sowie die Radionutzung mit 79 Prozent, bei den 14- bis 29-Jährigen verhält es sich umgekehrt: In der jungen Altersgruppe werden nur noch 33 Prozent mit Fernsehen, live zum Ausstrahlungszeitpunkt, verbracht – 67 Prozent entfallen auf die zeitversetzte Nutzung von Fernseh- und Videoinhalten. Bei Audio liegt das Verhältnis von linearer und On- Demand-Nutzung bei 43 zu 57 Prozent.

Die Tagesreichweite genutzter Medien befindet sich in der Bevölkerung ab 14 Jahren mit 98 Prozent nahezu an der 100-Prozent-Marke, wobei der Großteil der Nutzung auf audiovisuelle Inhalte entfällt. Während die lineare Fernsehnutzung leicht abnimmt, steigt die zeitversetzte Nutzung von Fernsehsendungen im Internet weiter an. Konkurrenz erwächst den Fernsehsendern zunehmend durch Streamingdienste wie Netflix und Amazon oder Videoportale wie YouTube.

Und:

Anders sieht es bei den 14- bis 29-Jährigen aus: Hier wird an einem Durchschnittstag mit 45 Prozent nur noch weniger als jeder Zweite über Fernsehsendungen erreicht (vgl. Abbildung 6).

Bei den 14 bis 29-Jährigen weniger als jeder Zweite per Fernsehen erreicht.

Haben die ihre Klientel verjagt?

Oder wird die Jugend so blöd? Ich habe keinen Netflix-Zugang, aber gibt es da auch Wissens-, Dokumentations-, Nachrichtensendungen oder nur Kinofilme und Serien, Phantasy und Fiktion?

Oder ist es einfach so, dass die die ständigen Quizsendungen, Arztserien und Kulturmagazine, obendrein Helene Fischer nicht mehr sehen können und allein schon das die Statistik nach unten drückt?

Ist es gut, dass unser Propagandafernsehen unsere Jugend nicht mehr so erreicht, oder haben die etwas noch übleres gefunden?

Social Media

Die Tagesreichweite von digitalen Texten, zu denen sowohl die Inhalte auf Websites und Apps als auch auf Social-Media-Plattformen gehö-ren, weicht bei den jüngeren Nutzern deutlich ab: Während digitale Texte an einem durchschnittlichen Tag insgesamt von 20 Prozent der Bevölkerung genutzt werden (2018: 19 %, vgl. Abbildung 11) sind es bei den unter 30-Jährigen 32 Prozent (2018: 27 %, vgl. Abbildung 12). Dazu trägt vor allem die unterschiedlich starke Nutzung von Tex-ten auf Social-Media-Plattformen bei: Jeder fünfte 14- bis 29-Jährige wird pro Tag über Texte bei Facebook und anderen Plattformen erreicht – in der Gesamtbevölkerung aber weniger als jeder Zehnte. Deutlich ähnlicher ist die Nutzung von Tex-ten auf Websites und in Apps, wo zwischen den Reichweiten in der Gesamtbevölkerung (10 %) und den unter 30-Jährigen (12 %) nur ein geringer Un-terschied besteht.

Social Media haben also steigenden Einfluss (mir schreiben übrigens ab und zu Eltern, dass sie erstaunt bemerkt haben, dass ihre Kinder meine Webseite lesen, obwohl von den Texten auch nicht immer so einfach und kontextfrei verständlich).

Insgesamt aber das, was ich neulich schon als Frage aufgeworfen habe: Es wird viel mehr Video gesehen als Text gelesen. Deshalb meine Frage: Text oder Video?

Gedrucktes

Sehr viel deutlicher sind die Unterschiede zwi-schen den Altersgruppen aber in Bezug auf die Tagesreichweiten von gedruckten Zeitschriften undZeitungen: Während insgesamt noch jeder Vierte darüber pro Tag erreicht wird, ist es bei den unter 30-Jährigen nur noch einer von zwanzig. Bei den gedruckten Büchern liegt die Tagesreichweite in der jungen Altersgruppe auf dem gleichen Niveau wie bei der Gesamtbevölkerung, was insbesonde-re auf die Nutzung von gedruckten Büchern im Rahmen von Schule, Ausbildung und Studium zu-rückzuführen sein dürfte. E-Books spielen nach wie vor eher eine Nebenrolle.

Hinsichtlich der mindestens wöchentlichen Nut-zung von Texten stehen in der Gesamtbevölkerung die gedruckte Zeitung bzw. Zeitschrift an erster Stelle: Sie werden von fast zwei Dritteln gelesen, bei den unter 30-Jährigen immerhin noch von knapp der Hälfte (46 %). Wesentlich häufiger ge-nutzt werden von ihnen jedoch die digitalen Artikel und Berichte in Apps oder Websites (78 %). Inte-ressant ist außerdem, dass fast zwei Drittel min-destens wöchentlich redaktionelle Beiträge über Social Media und andere Drittplattformen lesen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Textenpro Tag beträgt insgesamt etwas weniger als eine Stunde (54 Min.) in der Gesamtbevölkerung bzw. etwas mehr (63 Min.) bei den unter 30-Jährigen (vgl. Abbildung 13). Bei ihnen entfällt fast die Hälfte der Zeit alleine auf Artikel oder Berichte auf Social-Media-Plattformen.

Den Satz möchte ich aber nochmal herausheben:

„Sehr viel deutlicher sind die Unterschiede zwi-schen den Altersgruppen aber in Bezug auf die Tagesreichweiten von gedruckten Zeitschriften und Zeitungen: Während insgesamt noch jeder Vierte darüber pro Tag erreicht wird, ist es bei den unter 30-Jährigen nur noch einer von zwanzig.”

Gedruckte Zeitschriften und Zeitungen erreichen bei den unter 30-Jährigen nur noch einen von zwanzig. Irgendwo hatte ich dazu noch gelesen, dass auch die wenigen, die noch lesen, das nur noch wenige Minuten oder ein paar Sekunden tun, das finde ich jetzt aber nicht mehr.

Ich denke, dieses Medium ist tot.

Die Reuters-Studie

Deftiger ist da eine Studie von Reuters auch über das Fernsehen in mehreren europäischen Ländern, auch das Deutsche (PDF-Download dort auf der Seite):

Auch da sieht man, dass man die Jungend (hier: bis 24) weniger erreicht, allerdings wird der Unterschied nicht so stark gesehen.

Auch bei den Bildungsschichten gibt es Unterschiede, man hat mehr gebildete als weniger gebildete Zuschauer, der Unterschied ist aber gering.

Der Hammer ist aber: Das Deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen erreicht ein fast ausschließlich linkes Publikum. In Griechenland scheint es nach der Graphik (Seite 24) noch schlimmer zu sein, in Frankreich ist es leichter, alle anderen Länder sind ausgegeglichen.

ARD und ZDF machen ein Fernsehen rein für das linke Publikum. Schon in der Mitte ist ihre Zuschauerschaft bei dieser Graphik sehr gering.

Womit der öffentlich-rechtliche Auftrag und die Voraussetzung für die Erhebung von Zwangsbeiträgen klar verfehlt werden.

Und was auch zeigt, dass das Fernsehen selbst politisch massiv gesteuert wird.

Ursachen

Ich habe es oft beobachtet und miterlebt, etwa auf den Konferenzen, und öfter beschrieben: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist massiv links unterwandert und sendet nur noch zum Selbstzweck. Das hat nichts mehr mit Auftrag zu tun. Da haben ein Haufen Leute, irgendwo zwischen naiv, ungebildet, bekloppt und psychisch krank die Gewalt über Geld und Sendeanlagen, zudem das Kooptionsrecht (suchen also selbst aus, wer dazukommt), dazu massiv gesteuert von der SPD, und missbrauchen das alles, um zu senden, was ihrer ideologische Utopie befeuert.

Ich habe das bei einigen Leuten auch schon beobachtet, dies Machtdachschaden: Ich stehe vor der Kamera, ich erscheine auf den Bildschirmen, ich bekomme die dicke Kohle, als habe ich auch Recht. Weil ich und nicht der, der anderer Meinung ist, dort erscheint.

Ich habe den Eindruck, dass diese Machtmaschine, diese riesige Sendeanlage, auf naive, pseudogebildete und chrakterlich nicht gefestigte Menschen (und nur solche habe ich dort gesehen) schädlich wirkt, dass es die Leute krank macht. Ich meine nicht die Zuschauer. Ich meine die vor der Kamera. Die Redakteure.

Man merkt es vor allem daran, dass sie Feedback nicht mehr logisch verarbeiten können: Je mehr Kritik ihnen entgegenschlägt, desto fester sind sie überzeugt, dass nur sie Recht haben und sie immer mehr bekämpfen müssen. Ein Geisterfahrer? Hunderte, Hunderte!

Heute fiel mir dieser Tweet eines Mannes auf, der sich als WDR-Redakteur ausgibt:

Politisch und wirtschaftlich unabhängig.

Und jedesmal, wenn ich zu deren Konferenzen gehe, sitzen da die Leute drin, die von Bundesregierung und/oder George Soros bezahlt werden, die eindeutig und sogar ausdrücklich eine politische Agenda verfolgen, werden Journalisten in Broschüren und Seminaren belehrt, wie sie gefälligst zu reden haben, nämlich links außen. Ich habe es erlebt, dass die Redaktionen per Pro Quote auf links geprügelt werden und das Leute aus den Nachrichtenredaktionen explizit und lauthals erklärten, dass sie die Kommentarforen auf feministisch trimmen. Ich habe es erlebt, dass ein ganzer Saal voller Journalisten in gedankenspastischen Krämpfen zuckte, um eine Stunde lang die Schmähung des Rainer Brüderle als „alten Sack” zu zelebrieren. Ich habe es miterlebt, wie sie zwei Tage lang fast ununterbrochen verbal auf einen eingeprügelt haben, der es gewagt hatte, leise Kritik an Gender zu äußern.

Und dann halten die sich für „politisch unabhängig”.

Und von solchen Leuten muss man sich die Nachrichten machen lassen und das auch noch zwangsbezahlen. Obwohl für das, was die da liefern, selbst nach der Rechtsprechung des linksradikalen Bundesverfassungsgerichts keine Zwangsbeiträge erhoben werden dürfen, weil diese an die breite Streuung gebunden sind.