Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Fernsehwende aus blanker Angst

Hadmut
4.9.2019 0:51

Es wird interessant, die Wendehälse wenden bald wieder.

Das linke Fischblatt DIE ZEIT schimpft – Autor Matthias Dell, Theater- und Fernsehkrimikritiker, was besseres haben sie wohl nicht mehr – gerade heftig auf das Fernsehen. Vorwurf der Abtrünnigkeit und Unbotmäßigkeit.

Dass die gerade alle auf die MDR-Moderatorin Wiebke Binder eindreschen, ist bekannt. Ich kannte die vorher gar nicht, die ist mir am Sonntag erstmals aufgefallen und ich hatte wegen der von ARD nicht auf ZDF umgeschaltet, weil ich fand, dass die einfach deutlich besser aussah als die im ZDF. War zwar aufgedonnert, Montags sah sie wieder etwas gemäßigter aus, aber da ich bezüglich ARD und ZDF sonst keine Präferenzen und gleiche Verachtung habe, gab die für mich den Ausschlag, auf ARD zu bleiben. Aufgefallen ist mir schon, dass die sich etwas zivilisierter gab als Moderatoren sonst, aber ich habe das darauf zurückgeführt, dass da wohl eine Regionalmoderatorin ihren großen Auftritt im Bundesfernsehen hat und sich deshalb aufgebrezelt hat und besondere Mühe gibt, eine seriöse und neutrale Moderation zu machen. Ja, die kannte ich nicht und die ist mir aufgefallen, weil ich den Eindruck hatte, dass sich da jemand Mühe gibt, professionell wirkend aufzutreten. Im Gegensatz zum arrogant-überheblich-parteiischen Geschwätz der sonstigen ARD- und ZDF-Dauerdeppen.

Kann man ja auch mal erwähnen, wenn man bemerkt, dass sich bei ARD und ZDF dann doch noch mal jemand Mühe gibt. Kann demnächst auch schon wieder anders aussehen (im doppelten Sinne), aber das war mein Eindruck vom Sonntag.

Zumal ich diese Tage ja erst berichtet hatte, dass mir jemand aus gerade jenem MDR berichtet hatte, dass die dort in weiten Kreisen die Schnauze gestrichen voll von der ständigen politischen Einflussnahme und den Kleindiktaten hätten.

Nun kloppt also auch die ZEIT auf jene Wiebke Binder ein.

Vielmehr bemühten sich in den angeschlossenen sächsisch-brandenburgisch-berlinerischen Standorten die MDR-Moderatorin Wiebke Binder (Dresden), der RBB-Moderator Sascha Hingst (Potsdam) und die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel (Berlin) um eine Integrationsleistung gegenüber der AfD.

So wollte etwa Binder von dem sächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz wissen, warum seine Partei kein Bündnis mit der AfD erwäge: “Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre ja theoretisch mit der AfD möglich.” Was Wanderwitz mit einer knappen Antwort beschied (“Die AfD ist keine bürgerliche Partei”), die Binders Arglosigkeit auf den Punkt brachte. Hingst wiederum baute in der Tagesschau-Schaltung nach Potsdam dem Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz eine Brücke mit Bismarck-Zitat, als er von ihm wissen wollte, wo seine Partei Kompromisse machen würde (um, so der absurd-pseudo-originelle Subtext, als Koalitionspartner infrage zu kommen).

Der Vorwurf ist, dass die ARD da gegenüber der AfD halbwegs normal aufgetreten ist, und sie nicht mit Hass, Häme, Herablassung überschüttet hatte, wie so oft und so viele. Also sich wieder etwas einem zivilisierten Fernsehen annäherte.

Die Wahrheit ist vermutlich trauriger. Die Arbeit der ARD-Journalistinnen und -Journalisten ist offenbar geprägt von einer tiefen Verunsicherung gegenüber der rechtsradikalen bis rechtsextremen Partei. Diese aber würde einen anderen medialen Umgang erfordern, als es die Berichterstattenden offenbar für die kommode Routine der Häppchenfragerei bei Vertretern demokratischer Parteien (von “Klatsche” bis “Koalition”) gelehrt haben.

Aha. Zweiteilung: Es gibt die „demokratischen Parteien”, die so genannt werden, auch wenn sie alle Grundrechte außer Kraft setzen und den Staat plündern, und die „rechtsradikalen bis rechtsextremen”.

Oder anders gesagt: Demokratisch ist nur der, der gehorsam nur genau das wählt und sagt, was die linke Presse ihm diktiert. Das Demokratisch wie das Mitten-D in DDR.

Die eigentlich doch bestens informierten ARD-Journalisten haben in sechs Jahren AfD-Auftritten scheinbar nicht verstanden, worum es sich bei der Partei handelt, wie verschieden sie intern und nach außen spricht und mit welchen Lügen und falschen Selbstviktimisierungen sie sich ihren Platz im öffentlichen Diskurs erbrüllt hat.

Hat nicht eher die ZEIT nicht verstanden, dass ein Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk nicht die Verlängerung eines Wahlkampfes und auch nicht der Henker sein kann?

Und dass der Wahlkampf nach Schließung der Wahllokale erst mal vorbei ist?

Lügen und falschen Selbstviktimisierungen?

War nicht das bisher das Funktionsprinzip des Feminismus, dessen Vorkämpfer die ZEIT war? War es nicht Gender-Thema, die Frau als künstlich und nur als Opfer geschaffenes Unterdrücktseinsgeschlecht darzustellen? Opfer als das einzige, was Frauen von Menschen überhaupt unterscheidet? Die Frau als das unterdrückt konstruierte Geschlecht, jedermanns Opfer?

Und jetzt kommen diese Superarmleuchter von der ZEIT daher und erheben anderen Gegenüber den Vorwurf der Selbstviktimisierung?

Da tobt einer vor Wut darüber, dass die ARD da mal nicht die linke Propaganda mitgespielt hat.

Warum?

Also nicht, warum der darüber tobt, sondern warum sie das nicht gemacht hat?

Aufschlussreich ist der erste Kommentar:

Brigitte.Rosen

Ich denke, dass die ÖRR-Journalisten damit rechnen können, dass bald auch die AFD Einfluss auf die Rundfunkräte haben könnte. Um die eigene Karriere nicht zu versauen, muss man in der Berichterstattung über die AFD positiver werden.

Das ist der Punkt.

Ich hatte schon geschrieben, dass es beim MDR Leute geben soll, denen die politische Einflussnahme enorm gegen den Strich gibt, es also eine gibt. Und ich habe das ja im NDR auf Konferenzen mehrfach beobachtet.

Das ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so, da bestimmt vor allem die SPD, wer eingestellt wird und das zu bringen ist, sonst gibt’s Ärger.

Wenn jetzt aber die AfD zweitstärkste Partei ist, dann könnten die ja genauso Einfluss nehmen wie Linke, ARD und CDU, und Leute erledigen, rausschmeißen, gar nicht erst einstellen. Das haben sie zwar noch nicht getan, aber aus Sicht der Journalisten muss man ja mit einer gewissen Kontinuität rechnen. Deren Intendantin ist ja gleich von der SED.

Gut möglich, dass die jetzt eine Heidenangst davor haben, dass die AfD sich so aufführt wie Linke und SPD, die ja nun beide zusammen massiv verloren haben.

Oder anders gesagt: Wenn sich das Benehmen der Fernsehleute mit dem Wahlergebnis ändert ist der Beweis erbracht, dass das Fernsehen politisch gesteuert wird (oder von den abgewählten gesteuert wurde).

Wir dürfen weitere Veränderungen im Fernsehen erwarten.

Und viele derer ja Fähnchen-im-Wind-Schwätzer und elende Opportunisten sind, dürfte sich das Fernsehen deutlich ändern.