Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Schmidt – Genscher – Kohl – Strauß

Hadmut
22.9.2013 10:58

Ich war gestern abend noch lange wach und irgendwann so gegen 2 Uhr morgens kam eine Sendung über den Kampf um das Bundeskanzleramt.

Dabei gerade irgendeine Sendung von 1976, in der Schmidt, Genscher, Kohl und Strauß ein Streitgespräch führen. Nicht etwa friedlich, sondern die sind sich ziemlich heftig und aggressiv an den Hals gegangen. Aber: Nie hat irgendeiner irgendeinen anderen unterbrochen. Da hatte jeder Zeit, um in aller Ruhe und ausführlich zu reden, Denkpausen zu machen, sich seine Sätze zu überlegen. Die haben immer erst nachgedacht und auch erst dann geredet, wenn der andere fertig war, um dann auch inhaltlich darauf einzugehen und zu antworten.

Ich habe die letzten zwei Wochen einige Wahl-Diskussionen im Fernsehen gesehen und dabei eigentlich gar kein »Gespräch« in Erinnerung. Egal ob bei Jauch, Maischberger oder wo auch immer, die schreien immer nur alle durcheinander, hauen ihre Dummthesen raus, hören nicht, denken nicht und versuchen nur, möglichst viel Schrei-Zeit zu bekommen und den anderen am Reden zu hindern, möglichst aggressiv zu unterbrechen. Als Prototypen der dumm-aggressiven Kreisch-Krawall-Schreier sind mir vor allem Claudia Roth und Ursula von der Leyen aufgefallen. Sind aber nicht die Ausnahme, viele andere machen das auch.

Wie will jemand »regieren« können, der sich nicht einmal in einem einfachen Gespräch vernünftig verhalten kann? Haben wir da eigentlich nur noch Kroppzeug in der Politik?


12 Kommentare (RSS-Feed)

Fx
22.9.2013 11:26
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Damals gab es noch Überzeugungspolitiker, heute nur noch Berufspolitiker-Karrieristen und Netzwerk-Lobbyisten. Außerdem gab es noch keine “political correctness”. Die Medien trugen in beträchtlichem Maße zum Verfall der politischen Kultur bei.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Parteienmacht, die Politiker zu Parteisoldaten degradiert hat. Das Phänomen hat Fiederike Beck (“Das Guttenberg-Dossier”) sehr treffend analysiert:

Mehr direkte Demokratie: Ausweg aus zunehmender Politikverdrossenheit und sinkender Wahlbeteiligung?
http://zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/300-mehr-direkte-demokratie-ausweg-aus-zunehmender-politikverdrossenheit-und-sinkender-wahlbeteiligung.html


Peter Suxdorf
22.9.2013 11:31
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Nein, kein Kroppzeug, sondern nur die Negativauswahl der Menschheit.


michael
22.9.2013 12:34
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Nach demselben Schema laufen ja auch die “Debatten” im Bundestag ab. Das ist ja auch nur noch eine riesen Geldverschwendung. Da bezahlen wir fast 700 Leute, setzen sie in einen hochmodernen Sitzungssaal, geben ihnen fast beliebige Ressourcen (wissenschaftl. Dienst etc.), damit sie sich mit den wichtigen Themen auseinander setzen und gemeinsam Lösungen finden (ja, das war irgendwann mal der Zweck eines Parlaments). Und was machen die?

Zuerst finden sie heraus, daß sie, wenn sie sich zu einer Mehrheit zusammenrotten, nicht mehr auf die verbliebenen Vertreter hören müssen. Und schwupps – schon gilt das als einzig mögliche Regierungsform. Wenn sich keine Mehrheit mehr bilden läßt, wird neu gewählt. (Daß das keinesfalls alternativlos ist, siehe Schweiz)

Dann merken sie, daß bei schwachen Mehrheiten Abweichler ein ernstes Problem sind. Lösung: Fraktionsdisziplin. (Tatsächlich tauschen sie das Gewissen jedes Abgeordneten gegen eins der Fraktion aus – sonst wär’s ja gegen das Grundgesetz). Das führt dann zu solch absurden Exzessen wie “wir sind gegen das Gesetz, halten es für verfassungswidrig, haben ganz tolle Bauchschmerzen – deswegen stimmen wir dafür”.

Schon längst haben sie erkannt, daß wegen der Fraktionsdisziplin die einzelnen Abgeordneten ohnehin egal sind – also erlassen sie “Regeln”, wonach bei fehlenden Personen in der einen Partei eben passend viele der anderen Parteien ebenfalls nicht zur Abstimmung erscheinen – damit das Ergebnis wieder stimmt. Damit schaffen die es, bei nur 5% anwesenden Abgeordneten ein Abstimmungsergebnis zu erzielen, das exakt dem vollbesetzten Bundestag entsprechen würde (siehe Meldegesetz-Abstimmung während $irgendwas-mit-Fußball).

Da sie auch schon längst erkannt haben, daß es nicht nur “nur Show” ist, sondern daß die Menschen ohnehin nichts anderes mehr erwarten, halten sie ihre Reden nicht einmal mehr persönlich, sondern geben sie nur noch zu Protokoll. Die finden ihre Scheindebatten selbst so lächerlich, daß sie sie nur noch auf dem Papier austragen.

Und wenn dann doch mal ein “wichtiges” Thema ansteht (soll heißen: “wir kommen ins Fernsehen!”), tauchen die Typen dann zwar auf – aber spielen dann Sudoku und Solitär auf dem Smartphone, weil die öden “Debatten” ja langweilig sind.

Es wäre schön gewesen, eine Gruppe von Abgeordneten ins Parlament zu bringen, die das ganze wieder etwas ernster nehmen. Ich hatte die Hoffnung, daß die Piraten diese Gruppe sein könnten. Inzwischen habe ich aber Albträume über Klotürdebatten im Bundestag…

PS: die passenden Krawallköpfe für die oben angesprochenen Fernsehdebatten haben wir (ja, ich bin seit 2006 dabei) ja auch schon – siehe Kackscheiße-Tourette-Fraktion.


Hadmut
22.9.2013 13:32
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@michael:

Was erwartest Du? Eine der häufigsten Redewendungen der heutigen Politik ist „ist mit uns nicht zu machen”.


Joe
22.9.2013 12:44
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“repräsentative Demokratie” = Negativauslese – von Beckman/Karsten schön rausgearbeitet (habe ich ja schon öfter hier erwähnt).


urmel
22.9.2013 13:55
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Wer schaut sich denn freiwillig solchen Schrott an? Danisch = arbeitslos, zu viel Zeit?

Und weiter oben beschwert er sich, dass die Dummen wählen dürfen….


Hadmut
22.9.2013 13:57
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> Danisch = arbeitslos, zu viel Zeit?

Keineswegs, im Gegenteil, gut beschäftigt und dazu extra nach Berlin umgezogen.

Beachtlich, wie schnell hier schon wieder die Diffamierungstruppen vorbeikommen. Bist Du von den Grünen?


FullxD
22.9.2013 15:56
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Früher war alles besser. http://youtu.be/l5QLziJftAE
😉


ein anderer Gast
22.9.2013 16:51
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“Haben wir da eigentlich nur noch Kroppzeug in der Politik?”

Da ist was dran. Zwar nicht nur noch Kroppzeug – aber sicherlich ne ganze Menge davon. Auf Zeit online gab es vor wenigen Tagen eine hübsche Übersicht über die Lebensläufe der verschiedenen Kabinettsmitglieder. Es gibt immer mehr Politiker für die gilt der alte Spruch:

Vom Kreissaal über den Umweg Schule in den Hörsaal und gleich in den Plenarsaal.

Eine Abgeordnete von den Grünen (Namen habe ich jetzt nicht zur Hand) sparte sich den Hörsaal und wurde nach dem Abitur gleich Abgeordnete im Bundestag. Im “Nebenjob” studierte die gute Dame – vermutlich irgendwas mit Soziologie und Politikwissenschaft.
Feine Sache wenn man als Studentin gleich das Gehalt eines Richters einsacken kann.

Bis Ende der 70er war der Typus des Karrierepolitikers noch eher eine Ausnahmeerscheinung zumal sich Vergütungen und Pensionsansprüche auch noch in überschaubare Größen-ordnungen hielten. Viele der Kriegs- und Nachkriegsgeneration gingen aus Interesse sowie aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl in die Politik.

Da unbefristete Arbeitsverträge heutzutage sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst immer seltener werden, wird auch der Politikbetrieb trotz aller Unwägbarkeiten zur echten Karriereoption. Vier Jahre mit einem äußerst auskömmlichen Gehalt und entsprechenden Pensionsansprüchen – da wagt so mancher Doktorand nicht mal von zu träumen. Dabei zusätzlich noch die Gelegenheit sich zu vernetzen und somit sich die Zeit nach dem Abgeordnetendasein in der freien Wirtschaft vergolden zu lassen – besser geht’s doch gar nicht!
Das beste Beispiel ist doch diese Boy-Group von der FDP (Rösler, Bahr, Lindner). Angesichts ihrer Vergütung und der Kontakte kommen die doch schon heute nicht mehr vor Lachen in den Schlaf – selbst wenn die heute aus dem Bundestag fliegen sollten – was ich aber nicht glaube. In zehn Jahren sehen wir die allesamt in den Vorstandsetagen großer gewinn-bringender DAX Unternehmen.

Abgesehen davon:
Der größte Teil der Hochschulabsolventen sind nun mal BWLer und Juristen.
Wo sollen die denn alle hin ?
Der Bedarf an Richtern, Anwälten und Justizbeamte ist ebenso begrenzt wie der Bedarf an entsprechenden Positionen bei Banken, Versicherungen oder anderweitigen Unternehmen in der freien Wirtschaft.
Ob die nun in der Politik oder in der organisierten Kriminalität ihr Geld verdienen läuft doch im Ergebnis aufs gleiche raus.

Letztendlich ist es doch so, dass unser wunderbar tolles Bologna-reformiertes Bildungssystem mehr Häuptlinge als Indianer ausspuckt. Dank Leiharbeit, Lohndumping und einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Wirtschafts- und Finanzsystem will schließlich kaum noch jemand mit Abitur eine betriebliche Ausbildung machen.

Das Ergebnis ist dass, was man im heutige Medien- und Politikzirkus beobachten kann.

Inzwischen erinnert die aktuelle Situation auf fatale Weise an dem aus Geschichtsunterricht bekannten “Tanz auf dem Vulkan” der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts:
Eine dekadente Elite zergeht sich in grenzenloser Raffgier und Selbstverliebtheit ohne Rücksicht auf Verluste oder nachkommende Generationen während die Zahl der Verlierer stetig wächst. Dabei weiß jeder, dass irgendwann auch diese große Party vorbei ist und dass es irgendwann zum großen Knall kommen wird – die Frage ist nur noch wann.


Andy
23.9.2013 3:47
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Hadmut, lief die Sendung auf ARD oder ZDF oder sonstigen öffentlich-rechtlichen? Gibt’s evtl. den Titel oder sowas damit ich mal schauen kann ob das in deren Mediathek zu streamen ist?

Ich seh furchtbar gerne solche alten Kamellen, das waren noch echte Charakterköpfe mit ehrlichen Überzeugungen, nicht so weichgespülte Medienhuren wie heutzutage…


Hadmut
23.9.2013 9:46
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@Andy: Ich glaub, das war ARD, bin mir aber nicht sicher.


Jens
26.9.2013 0:20
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Gerade bei Sabine Christiansen (oder wie auch immer die jetzt heißt) habe ich mir gedacht, dass das zum Teil auch an den Sendern/Produktionsfirmen liegt.

Wenn gerade einer redet, wieso muss ich dann die Kamera auf jemanden schalten, der demonstrativ dazwischenlacht? Und wieso muss ich denjenigen auch noch tonmäßig reinmischen?

Wenn die Leute davon ausgehen könnten, dass ihr unverschämtes Reingerede eh nicht auf den Sender kommt, würden sie es vielleicht eher lassen.