Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Razzia wegen falscher Doktortitel

Hadmut
23.4.2013 16:26

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/23/staatsanwaltschaft-hundert-razzien-wegen-falscher-doktor-titel/

6 Kommentare (RSS-Feed)

michael
23.4.2013 17:09
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Es wundert mich, daß das Abhören der Wohnung außen vor bleibt. Wenn ich mich gegenüber meiner Badewanne als “Herr Doktor” vorstelle, so muß das doch auch illegal sein und verfolgt werden.


yasar
23.4.2013 17:52
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Es ist zwar lobenswert, daß man gegen falsche Doktortitel angehen will, aber ich sehe darin wieder nur den Ansatz “gut gemeint aber nicht gut gemacht”. Insbesondere der Rechtsbruch, Redaktionsräume einfach so zu durchsuchen, weil es sich einem nicht erschließt, daß das ja ein Kournalist ist, finde ich bedenklich. Soviel Sorgfalt darf man doch erwarten, daß man vorher prüft, was für eine Person man da als Ziel hat.


n8
23.4.2013 18:01
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“Die Durchsuchungen von Wohung und Redaktion seien „sicherlich verhältnismäßig“, sagte das Amtsgericht. „Denn eine Durchsuchung dient auch der Entlastung der Verdächtigen.”

LOL


Claus
23.4.2013 19:03
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Diese “Dr. h.c.” sind legal. Sie werden von der Miami Life Development Church (MLDC) nun…, nicht verkauft, sondern man erhält sie gegen eine kleine Spende.

Laut dieser Kirche ist das Tragen kirchlicher Titel (auch ausländischer Organisationen) in Deutschland erlaubt, sofern sie nicht mit akademischen Titeln verwechselt werden können. So dürfe jemand folgenden Titel führen, wenn er ihn von der MLDC verliehen bekam:

Doctor h.c. Name Vorname of metaphysiks, (MLDC/USA)

Im Prinzip geht es bei diesen Titeln nur um einen Gag. Mehr nicht. Adelstitel werden auch angeboten.

Beinahe hätte ich geschrieben, dass die Staatsanwaltschaft sich da lächerlich macht. Aber hier geht es um Verletzung von Bürgerrechten durch geistig debile Staatanwälte. und um Verschleuderung von Steuergeldern.

Infos hier:

http://www.doktortitel-kaufen.net/recht.html
http://www.doktortitel-kaufen.net/recht/tragen.html


Debe
25.4.2013 17:11
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@Claus:
“sofern sie nicht mit akademischen Titeln verwechselt werden können” bedeutet aber auch, sich persönlich nicht als “Doctor Name” vorzustellen und auf die abgekürzte Form “Dr. h.c. Name” auf der Visitenkarte zu verzichten. Man könnte es eventuell als “Führen eines Doktortitels” auffassen, wenn sich jemand eine Ernennungsurkunde über den Schreibtisch im Büro mit Publikumsverkehr hängt – und diese Urkunde nicht deutlich von akademisch erworbenen Doktortiteln abgrenzbar ist.
Genau das kann aber nur bei einer Hausbegehung überprüft werden – ich schreibe bewusst nicht Durchsuchung – und diese sollte nur bei einem Anfangsverdacht überhaupt vom Staatsanwalt geplant werden, geschweige denn die Prüfung eines Richters passieren.

Dass in mindestens einem Fall die Urkunde tatsächlich so hing, scheint die Betroffene selbst öffentlich geäussert zu haben.

Der Anfangsverdacht liegt möglicherweise darin, in einer Kundendatei einer Titelschmiede aufzutauchen. Das ist vielleicht ähnlich dazu, eine HD wegen der Verdachts der Marihuanaproduktion abzubekommen, weil man Pflanzenzuchtzubehör bei einem entsprechend spezialisierten Versandhandel in Holland eingekauft hat – es muss nichts heissen, eifrige Staatsdiener deuten aber etwas hinein.


Dieter
26.4.2013 17:35
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“Man könnte es eventuell als “Führen eines Doktortitels” auffassen, wenn sich jemand eine Ernennungsurkunde über den Schreibtisch im Büro mit Publikumsverkehr hängt – und diese Urkunde nicht deutlich von akademisch erworbenen Doktortiteln abgrenzbar ist.”

Und selbst wenn ich mir eine selbstgebastelte Urkunde über meinen Schreibtisch hänge auf der ich mich fortan mit dem Titel “König von Mallorca” schmücke so wäre dies zwar sicherlich ein Anlass an meiner geistigen Gesundheit zu zweifeln aber noch lange kein hinreichender Grund für einen so massiven Eingriff in meine Bürgerrechte wie eine Hausdurchsuchung!

Man muss doch mal den eigenen gesunden Menschenverstand einschalten und mal überlegen was denn tatsächlich vorliegt.
In diesem Fall ein Scherzartikel als Doktorurkunde. Daran schließen sich folgende Fragen an:
1. unter welchen Voraussetzungen wurde diese Urkunde erworben?
2. wurde diese Urkunde vom Abnehmer missbräuchlich verwendet?
3. wer wurde in welcher Form und in welchen Umfang geschädigt? – d.h. gibt sich jemand als Arzt oder Anwalt aus und kassiert entsprechend ab?

1. Kann man mit wenigen Anrufen/Fax/E-Mail beim Abnehmer und Anbieter sowie etwas Recherche im Internet klären.
2. Lässt sich ebenfalls meist schon mit einem Blick ins Telefonbuch /Branchenverzeichnis/ Internet klären.
3. kann man durch Nachfragen bei Kollegen und Kunden herausfinden – ggfs. lässt man sich als “interessierter Kunde” ein Angebot zukommen.

Fazit:
Alle Fragen die ggfs weitere Maßnahmen rechtfertigen lassen sich mit recht wenig Aufwand im Vorfeld klären. Das Auftauchen in irgendwelchen Kundendateien rechtfertigt möglicherweise einen Anfangsverdacht und damit weiteren Recherchen.

Für eine Hausdurchsuchung sollten jedoch Staatsanwälte und Richter belastbarer Hinweise auf eine Straftat vorliegen als das Auftauchen in irgendwelchen Dateien.

Wie gesagt – Hirn einschalten hilft manchmal und spart Steuerzahlern viel Geld und allen eine Menge Ärger.

Wenn ich als Informatiker ebenso meine Arbeit auf irgendwelchen Mutmaßungen und freien Deutungen gründen wollte wäre ich längst arbeitslos.