Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Auch ne Methode, Kunden zu vergraulen

Hadmut
20.9.2012 13:40

😀

Kürzlich fand ich in meiner Mailbox mehrfach schlechte Werbung für irgendeine dusselige PC-Software. Normalerweise ein Fall für den Spam-Haufen. Wenn da nicht druntergestanden hätte, dass ein gewisses Hotel in Neuseeland diese Software empfohlen hätte. Ein Hotel, in dem ich nie war, an einem Ort, an dem ich nie war. Trotzdem kam mir der Name bekannt vor. Irgendwann fiel mir dann auch ein, woher mir der Name bekannt war.

Vor drei Jahren bin ich mal mit einem Wohnmobil durch Neuseeland gefahren. Und habe nicht nur die sagenhafte Landschaft, die Weite, die Ruhe und die Abgeschiedenheit (jedenfalls auf der Südinsel) sehr genossen, sondern auch wie freundlich und friedlich da alles ist. Überall nur freundliche Leute. Und dann ohne feste Planung, einfach mit dem Wohnmobil immer der Nase nach fahren, wohin man gerade Lust hat.

Herrlich. Besser geht’s nicht.

Ein Problem gibt’s in Neuseeland allerdings: Die Tankstellen können sehr weit auseinanderliegen. Und wenn man damit nicht rechnet, oder mal eine Tankstelle aus irgendwelchen Gründen geschlossen hat, kann man da in richtige Probleme kommen, wenn einem der Sprit ausgeht. Und so habe ich mich da an der Südküste mal etwas verfranst. An einem Campingplatz gefragt, wo die nächste Tankstelle ist, und erfahren, dass es im Radius meiner Rest-Reichweite nur eine Tankstelle gäbe – die an der ich 20 km zuvor vorbeigefahren bin, weil sie nicht mal nach öffentlicher Tankstelle aussah, man die in der Dunkelheit nicht gesehen hatte und die abends sowieso geschlossen haben. Normalerweise sehen Tankstellen dort aus wie bei uns, aber das war nur ein Krämerladen mit einem unscheinbaren rostigen Blechtank davor. Diese Tankstelle meine ich. Mir blieb nichts anderes übrig als zu übernachten und am nächsten Morgen, wenn die wieder offen haben, zurückzufahren und zu tanken. Macht ja aber auch nichts, weil die Landschaft dort so grandios ist, dass es einfach eine Wonne ist, dort auf den hohen Küstenfelsen das Meer in der Abendsonne zu sehen, ab und zu Delfine, und durch eine Herr-der-Ringe-ähnliche Landschaft (der überwiegend auf der Nordinsel, aber teils auch auf der Südinsel gedreht wurde) spazieren zu fahren. Zumal es noch die Gelegenheit gab, am Ort dieser Tankstelle eine ganz andere Sehenswürdigkeit zu betrachten, nämlich den „Lost Gypsy”. Der Lost Gypsy ist ein Bekloppter, der in einem alten gestrandeten LKW haust und seine Behausung sowie seine Umgebung mit kuriosen Kunstwerken vollstellt, die er aus Schrottteilen fertigt. Alles funktioniert irgendwie, alles ist irgendwie beweglich. Höchst sehenswert. Als ich am Abend zuvor dort vorbeikam, war es schon dunkel.

Na gut, wie auch immer, am nächsten Morgen den Lost Gypsy besucht, dort weit über eine Stunde verbracht und mir bei ihm noch eine Zange ausgeliehen, um eine Klappe am Wohnmobil zu reparieren.

Und dann Tanken gefahren. Die Preise so weit draußen natürlich etwas höher als an den Hauptverkehrsstraßen, war mir aber wurscht, weil erstens keine Alternative und der Tank leer, zweitens ich von monströs guter Laune durchdrungen und im Urlaub, und drittens der Sprit nur ungefähr halbsoviel kostete wie in Deutschland.

Ging aber nicht, weil vor mir einer mit seinem Angeber-SUV an der Zapfsäule stand und diese blockierte. Stinksauer war der, weil ihm der Spritpreis zu teuer vorkam, übler Wucher sei das, sowas wolle er sich nicht bieten lassen. Richtig ausfällig ist der geworden, hat da rumkrakeelt, die Frau von diesem Krämersladen beschimpft. (Wobei ich sagen muss, dass es gar nicht so überteuert war, denn ich bin an diesem Tag noch weit gefahren und habe an anderen Tankstellen gesehen, dass generell die Preise angehoben wurden, sie lag da also nur wenige Cent darüber, für ne Tankfüllung voll vielleicht ein oder zwei Euro, aber dafür muss das Zeug auch weit hergefahren werden.) Nun war die Frau aber von, wie soll ich sagen, sehr einfachem Gemüt. Von drei Kunden am Tag intellektuell voll ausgelastet. Und nicht auf Hektik oder gar zwei Leute in einer Schlange ausgelegt. Dafür wusste sie, dass sie dort keine Konkurrenz hat und ihr keiner was kann. Also ignorierte sie ihn einfach. Und reizte ihn damit umso mehr. Kurz: Es terminierte nicht.

Ich hab’s mir zunächst in aller Ruhe angesehen und was gegessen und getrunken. Irgendwann hab ich ihn einfach mal höflich gefragt, ob’s ihm was ausmachen würde, wenn er ein Stück zur Seite fahren würde, damit ich tanken könnte. Boah, wurde der sauer. Ich hätte mich nicht vorzudrängeln und gefälligst zu warten, bis er fertig ist. Was mir einfiele, mich in seine Angelegenheiten einzumischen. Nun, sprach ich, dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn er tanken würde. Wenn ich ihn aber recht verstanden hätte, hätte er doch bisher zum Ausdruck gebracht, dass er nicht tanken wolle. Nicht tanken könne er doch aber genausogut ein paar Meter weiter, dazu müsse er mich doch nicht auch vom Tanken abhalten. Der Preis sei zu hoch, brüllte er mich an. Ich wäre bereit, ihn zu zahlen sagte ich. Die Alte guckte nur triumphierend. Er war stinksauer, als sei ich ihm in den Rücken gefallen. Und dann kam eine Schimpfkanonade, von der ich nur 20% verstanden habe, aber auch die 20% hätten in den meisten Ländern für Knast gereicht. Er fuhr dann aber zur Seite, und guckte mir allen Ernstes ungläubig beim Tanken zu, und beschimpfte mich wieder, nachdem ich da aus dem Laden kam.

Ich bin dann einfach weitergefahren, habe mir aber den Spass erlaubt, ihm später eine E-Mail zu schicken, wonach es keine gute Idee wäre, Touristen zu beschimpfen, wenn man mit einem Auto unterwegs sei, auf dem groß die Werbung seines Touristenhotels samt URL steht. Kam eine Mail zurück, wonach er wohl einsehe, dass das dumm war. Wahrscheinlich hat er lieber die Werbung abgemacht als sein Verhalten zu ändern.

Irgendwie bin ich durch diese E-Mail in sein Mailadressbuch geraten und er hat sich nun wohl einen Bot oder sowas eingefangen, der allen Leuten blöde Werbung schickt. Oder eher noch für ein paar lumpige Dollar seine Adressliste verhökert. Wieder eine Methode, sich bei seinen Kunden zu empfehlen.

Seltsam, wie man manchmal an Vorgänge, Kleinigkeiten erinnert wird, die man eigentlich längst vergessen hat.

Falls Ihr mal dort in der Gegend seid: Schaut mal beim Lost Gypsy rein. Sehenswert. Und vergesst nicht zu tanken.

4 Kommentare (RSS-Feed)

anon
20.9.2012 17:05
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Und wieder ein Grund für Anonymität, zumindest bei den mail Adressen.


anon
20.9.2012 17:06
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Und dafür zwar alles zu wissen aber nicht alles zu kommentieren, ich kanns ja auch nicht lassen. Da, schon wieder passiert.


euchrid eucrow
20.9.2012 20:32
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könnte aber auch die erste story für dein neues buch sein: kurzgeschichten eines informatikers =)


@ euchrid eucrow
Schlimm genug, daß er die rechte Rechtschreibung verlernt hat, soll er jetzt auch noch alles klein schreiben?

Carsten

http://youtube.com/watch?v=NYHq3yPk8Hk