Ansichten eines Informatikers

Warum Frauen angeblich schmutzigen Sex mögen

Hadmut
13.9.2012 11:41

Wieder mal eine wissenschaftliche Studie.

Die WELT berichtet, dass eine niederländische Studie ergeben habe, dass die Ekel-Neigung bei Frauen niedriger ist, wenn sie sexuell erregt sind. Die Ursache habe biologische Gründe.

Das könnte plausibel sein. Denn Ekel ist ja zunächst mal ein evolutionär erworbenes Verhaltensmuster, das vor Krankheiten, verdorbenen oder giftigen Nahrungsmitteln usw. schützen soll. Daher beispielsweise auch der mehr oder weniger starke Würgereiz, wenn man verdorbene Lebensmittel riecht usw. (Übrigens wieder mal ein Beleg dafür, dass der Mensch eben nicht nur kulturell funktioniert, sondern voll von evolutionär entwickelten und angeborenen Verhaltenssteuerungen ist.)

Es könnte aber möglich sein, dass bei der Nahrungsaufnahme und dem normalen Leben eine niedrige Ekelschwelle (also hohe Ekelfähigkeit) nützlich und überlebensförderlich ist, die aber bei der Fortpflanzung möglicherweise hinderlich ist, weil’s da nunmal hin und wieder die ein oder andere Sauerei gibt. 😉 Wäre einleuchtend, wenn da eine andere Ekelschwelle sachdienlich wäre und es einen Umschaltmechanismus gibt. Und die Lebenserfahrung zeigt ja auch, dass da „in Action” mitunter Dinge laufen, die vorher kategorisch abgelehnt wurden. Ähm, ja.

Woody Allen wurde mal gefragt, ob Sex denn etwas Schmutziges wäre. „Wenn man es richtig macht, schon” soll er gesagt haben.

Es würde wieder einmal belegen, dass Sexualität massiv „festverdrahtet” ist und biologischen Mechanismen folgt. Denn Ekel ist ja auch nur zu einem gewissen Grad kulturell/gesellschaftlich beeinflussbar. Es ist eben ein Schutzmechanismus. Und selbst wenn Ekel in hohem Masse kulturell erzeugt wäre: Gerade dann dürfte sich der Effekt nicht zeigen, dass er sich abhängig vom Körperzustand einer sexuellen Erregung ändert.

11 Kommentare (RSS-Feed)

Milo
13.9.2012 12:52
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“Es würde wieder einmal belegen, dass Sexualität massiv „festverdrahtet” ist und biologischen Mechanismen folgt.”

Ich denke, hinter dem Bemühen, Sex als Konstrukt zu betrachten, steht auch ein umfassender Gestaltungswille. Wenn Butler etwa recht hätte und mein heterosexuelles Begehren von Frauen nur anerzogen ist, müsste ich ja bei einer Selbstbefreiung genausogut auf Männer abfahren können. Das heißt letztlich: Ich wäre in der Lage, die Richtung meines sexuellen Begehrens zu verändern und zu gestalten. Ich wäre dem Begehren nicht mehr ausgeliefert, ich könnte das Objekt der Begierde frei wählen.

Nur ist das ziemlich unsinnig, weil man so oder so viele Tatsachen des Lebens einfach hinnehmen muss. Man ist und bleibt eine biologische Existenz, sprich: man muss essen, sich warm halten und letzten Endes beißt man so oder so ins Gras. Das alles lässt sich nicht aufheben und nicht gestalten. Der Gedanke einer “festen Verdrahtung”, also der Unveränderlichkeit von Dingen scheint vielen irgendwie schwer erträglich zu sein.


Usul
13.9.2012 14:53
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Müsste die Überschrift nicht eigentlich heißen “Warum Frauen angeblich schmutzigen Sex ertragen”? Weil es ist ja nirgends die Rede davon, dass Frauen extra schmutzigen Sex suchen, sondern sie ihn trotz des in “normalen” Situationen ausgelösten Ekels haben – und zu Ende bringen.


Michael
13.9.2012 14:55
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Erinnert mich an Stanislaw Lems Summa Technologiae. Hat er da nicht schon vor fuffzig Jahren postuliert, dass Erotik durch die Nähe der Körperöffnungen für Sex und Defäkation bedingt ist, weil man sich sonst nicht überwinden könnte, sich mit diesen Körperteilen zu befassen? 🙂


FK
13.9.2012 15:55
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telepolis hat auch nen beitrag zur selben studie, ich stelle 2 unterschiede fest:
1. bei telepolis schreibt man sowohl frauen als auch männern durch hinzuziehen einer weiteren studie ähnliche effekte zu und
2. verlinken sie auch auch die studie selbst, so wie es sich gehört
http://www.heise.de/tp/blogs/10/152770


Hadmut
13.9.2012 15:57
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User
13.9.2012 23:04
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die Frage ist nun: ist das bei erregten Frauen auch nur im Entferntesten auf dem Niveau des (selten) unerregten Mannes?

boah bin ich versaut 🙂


Andreas
14.9.2012 14:01
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Ich würde zu bedenken geben das Ekel zu gewissen Teilen eben auch kulturell weitergegeben wird. Die 1000 jährige Eier aus China gelten dort als super Delikatesse, wohingegen die meisten Europäer Probleme haben diese zu essen.

In Asien gelten Insekten als Delikatesse, in Europa werden damit aber einige Probleme bzw. Ekel davor haben. Dies sind ja aber eher Beispiele dafür das Ekel auch kulturell anerzogen wird.


Hadmut
14.9.2012 14:16
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Ja, es gibt irgendwo in Skandinavien auch eine Delikatesse aus völlig verfaultem Fisch, die ganz entsetzlich stinken und noch viel schlimmer als die 1000-jährigen Eier stinken sollen, es muss geradezu bestialisch sein.

Aber meines Wissens werden die auch in den jeweiligen Kulturen nur von einer Minderheit gegessen, und die Toleranz von kulturell anerzogenen Sitten schwankt meines Wissens nicht mit der sexuellen Erregung. Dass man sich an verfaulten Fisch oder verfaulte Eier gewöhnen kann erklärt nicht, warum die sexuelle Erregung zu kurzfristigen Schwankungen führen sollte. Es widerlegt nicht die biologische Komponente daran.

Davon abgesehen ist es wohl auch nicht der Ekel selbst, der kulturell anerzogen ist, sondern nur, wovor man sich ekelt und wovor nicht. Mir würden jetzt nicht viele Beispiele dafür einfallen, dass Kultur bewusst Ekel anerzieht und als kulturellen Bestandteil annimmt.

Es dürfte so sein, wie bei vielen Verhaltensweisen, etwa auch Jubel usw.: Es gibt eine auf angeborenem Verhalten beruhende Grundlage, sozusagen das vorgegebene Verhalten, das dann durch Lernen, Erfahrung, Erziehung, Kultur angepasst und überlagert wird. Auch das würde aber bedeuten, dass diese gewisse Adaptivität angeboren ist.


Skeptiker
15.9.2012 14:00
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Kann es denn überhaupt vernünftige Zweifel daran geben, dass es angeborene Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen gibt?

Also: Entchen können schwimmen, auch wenn man der Mutter die Eier weggenommen hat. Spinnen können (ingenieurmäßig und materialkundlich verdammt anspruchsvolle) Netze bauen, obwohl sie zum Lernen durch Zuschauen & Üben eigentlich zu doof und evtl. zu kurzlebig sind.

Wenn man auf noch nicht vorhandene wissenschaftliche Erklärungen nicht warten will oder ihnen nicht traut, kommt man doch aus der Ecke nur durch Kreationismus und ID etc. heraus, und das ist doch erst recht die totale intellektuelle Sackgasse!

Je nach Art ist manches “angeboren” und manches muss man erst lernen (Insekten können gleich fliegen, Vögel nicht so). Mal so mal so, selbst innerhalb einer Art, aber mal im Ernst, wieso sollte ausgerechnet die in hunderten Millionen Jahren entwickelte Arterhaltungstechnik Nr 1 (evolutorisch nicht die erste, klar), nämlich der Sexualtrieb bzw das daraus folgende Grundverhalten (so wie “schönmachen, angraben, poppen”), überwiegend auf kulturelle Überformung zurückgehen? Was für ein Quatsch.

Ich jedenfalls freue mich auf erste wissenschaftliche Erklärungen dafür, wie gelerntes Verhalten von Individuen oder einer Sippe oder einer Art auf die Chemie der Gene zurückwirken kann. Damit zukünftige Generationen es schon direkt aus der Packung draufhaben. *Das* finde ich interessant.


Frank
20.9.2012 15:08
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>Ja, es gibt irgendwo in Skandinavien auch eine Delikatesse aus völlig verfaultem Fisch, die ganz entsetzlich stinken und noch viel schlimmer als die 1000-jährigen Eier stinken sollen, es muss geradezu bestialisch sein.

Es ist wahrscheinlich Surströmming
http://de.wikipedia.org/wiki/Surstr%C3%B6mming
gemeint, den man auch stellenweise in Deutschland beziehen kann,
http://www.amazon.de/Oskars-Surstr%C3%B6mming-300g-fermentierte-Heringe/dp/B00942BFGS/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1348146402&sr=8-1
allerdings habe ich das noch nie im Supermarkt gesehen. Die Dosen sollten nur in freier Natur geöffnet werden, um erstmal auszulüften. Mit Hilfe einer solchen Dose bzw. deren Öffnung im Gebäude sollte sich das eine oder andere Schulfrei relativ problemlos organisieren lassen. Rein theoretisch natürlich.

Erregung bewirkt ein Sinken der Hemmschwelle, ähnlich einer Alkoholisierung, das werden wohl nur die wenigsten bestreiten. Für mich interessant wäre, ob man beispielsweise die sexuelle Erregung auch themenübergreifend dazu nutzen könnte, vorher abgelehnte Speisen doch zu probieren oder ein Lied von Robbie Williams genießen zu können. Da scheint es noch ein weites Feld für die Forschung zu geben!


Heinz
28.10.2012 10:38
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“Ekel-Neigung bei Frauen niedriger ist, wenn sie sexuell erregt sind.”
Trifft übrigens nicht nur auf Frauen zu.

Bei beiden Geschlechtern wird aber übrigens nicht nur das Ekel- sondern auch das Schmerzempfinden reduziert.