Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

ModMyPi – Prädikat mittelprächtig

Hadmut
6.9.2012 12:54

Na ja, geht so.

Ich hatte ja neulich schon gebloggt, dass ich den Raspberry Pi ohne Gehäuse höchst im Labor für nutzbar halte, weil das Ding einfach mechanisch zu beschädigungs- und kurzschlussanfällig ist. Man kann da nicht die offene Platine mit den offenen Pins irgendwo hinlegen und hoffen, dass sie lange lebt. Ein Gehäuse muss her.

Nun gibt’s zwar inzwischen diverse Gehäuse, das meiste davon ist aber eher gruselig. Aus Legobausteinen, aus Holz gezimmert, aus durchsichtigem Plexiglas geleimt oder aus Folie gefaltet. Is irgendwie alles nix. Man merkt, dass es ein Preis-Stückzahlen-Problem ist. Das sind fast alles Lösungen für Klein(st)auflagen, und billig (jedenfalls nicht teurer als der Rechner selbst) soll’s ja obendrein auch noch sein. Es gibt auch ein paar, die Gehäuse mit dem 3D-Drucker produzieren, ist aber auch nicht so der Brüller, nicht so präzise und immer noch teuer.

Ich habe mir jetzt ein Gehäuse von ModMyPi bestellt, weil mir die am besten schienen und nach ganz normalem Spritzgussplastik aussahen.

Als ich das Gehäuse ausgepackt habe, hat es einen sehr guten, stabilen, soliden und präzise gefertigten Eindruck gemacht. Das Wohlgefallen ist dann doch etwas abgekühlt.

  • Die Platine sitzt nicht ganz fest im Gehäuse sondern wackelt und klappert etwas. Ich hätte mir eine feste Montage gewünscht, in der die Platine stramm sitzt. Das ist aber wegen Toleranzen usw. vermutlich nur möglich, wenn man das Gehäuse verschraubt und nicht einfach nur einrasten lässt wie dieses.
  • Der Raspberry hat mehrere Leuchtdioden als Statusanzeigen. Im Gehäuse sind zwar oben kleine Schlitze dafür, aber weil zwischen LED und Gehäuse ca. 1 cm Abstand herrschen, muss man schon sehr genau und senkrecht draufsehen um sie zu erkennen und halbwegs zuordnen zu können. Nicht so doll. Bei irgendeinem anderen Hersteller hatte ich gesehen, dass die dort einfach ein glasklares Stück Plastik als Lichtleiter reinstecken, wie es heute Stand der Technik im Gehäusebau ist, damit es so aussieht, als wären die LEDs direkt unterm Gehäuse. Da die Gehäuse ja nun nicht gerade super-billig sind, hätte ich mir gedacht, müsste doch ein drittes Plastikteil möglich sein. Ist aber wegen der geringen Stückzahlen und der hohen Kosten für Spritzformen doch etwas teuer.
  • Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass das Gehäuse alle Buchsen fest umschliesst und fixiert, um die Platine und die Lötstellen von mechanischer Belastung durch die Kabel zu entlasten. Macht das Gehäuse eigentlich nur beim großen Doppel-USB-Stecker. Alle anderen Ausschnitte sind zu groß. Besonders beim Stromversorgungsstecker fällt mir das auf. Dann aber der AHA-Effekt, denn die Buchse ist bündig mit dem Platinenrand verlötet. Der USB-Stecker muss also mitsamt seiner Plastikummantelung bis an die Platine ran und deshalb auch durch das Gehäuse. Ergo muss das Loch groß genug sein, damit der ganze USB-Stecker und nicht nur das Metallteil durchpasst. Eher ein Problem der Platine als der Gehäuse. Andererseits soll die ja auch nicht zu zerklüftet sein.

Wie auch immer. Erfüllt seinen Zweck in den Grundzügen, aber Verbesserungspotential im Detail. Das Problem, einen robusten Schutz zu bekommen, ist im wesentlichen gelöst, dann kann’s jetzt erst mal losgehen.

Da es ohnehin schon einige kommerzielle Anbieter von solchen ARM-Minicomputern gibt, nehme ich sowieso an, dass es die Bastel-Platine nicht lange geben wird. Irgendein Anbieter wird sich das Thema schnappen und das in einem kompakteren und professionellem Gehäuse anbieten.

6 Kommentare (RSS-Feed)

Björn
6.9.2012 12:56
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Bei Reichelt gibt es das TEK-BERRY für 4,95 EUR zu kaufen. Meines kommt morgen, hoffentlich. Dann gucke ich mal, wie das so ist.


Hadmut
6.9.2012 13:07
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Mist, das hätte ich vorher wissen sollen. Günstiger ist das nämlich auch noch. War aber nirgends erwähnt, deshalb hab ich das nicht gesehen.


Björn
6.9.2012 13:17
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Ich bin auch nur drüber gestolpert, weil ich Reichelt bei Twitter folge. Angeblich sind sie förmlich überrannt worden vom Käuferansturm. Mir waren die ganzen Bastelgehäuse auch zu dämlich. Außerdem wollte ich das Ding in .de bestellen. Ich melde mich morgen nochmal, wenn ich weiß wie das Teil ist.


*DESIGN*-Gehäuse für den Raspberry Pi, wie alles, das weiss ist und abgerundete Ecken hat. Die offizielle Erlaubnis der Marketingfuzzis sich das Ding um den Hals neben das Goldkättchen zu hängen, oder in seinem Porsche neben das iPhone aufs Armaturenbrett zu legen. Ein Glück, dass man heute – mehr denn je – *inovative* *Profi*-*Design*-Objekte in Klavierlackoptik ab 2,50€ pro laufendem Meter kaufen kann.


Björn
10.9.2012 21:48
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Fotos und ein wenig Text zum Teko-Gehäuse finden sich nun hier:
http://netaddict.de/veroeffentlichungen:raspberry_pi_gehaeuse_teko


dochpalese
15.9.2012 10:50
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Hier mal eine naheliegende Lösung des Gehäuseproblems:
http://www.southampton.ac.uk/~sjc/raspberrypi/pi_pictures.htm

Wenn man so will, aus dem manuellen 3D-Drucker mit besonderes grober Matrix 😉