Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zwangs-Genderisierung an österreichischen Universitäten

Hadmut
1.9.2012 19:28

Ein Leser weist mich gerade auf diese Blog-Diskussion hin, in der über die absurden Zustände an vielen (allen?) Universitäten in Österreich berichtet wird. Angeblich muss man dort an immer mehr Fakultäten zwangsweise das Studienfach Gender belegen, das zwar seicht sei, bei dem man aber in den Prüfungen nicht die Möglichkeit habe, seine Meinung und Überzeugung zu äußern, sondern das sagen muss, was verlangt wird. Nicht zu Unrecht wird das in der Diskussion mit dem Fach Marxismus-Leninismus an Universitäten der DDR verglichen, das man auch zwangsweise belegen musste um die politische Indoktrination sicherzustellen, bevor man Karriere machen konnte. Das ist nicht der Weg in den totalitären Staat, das ist der totalitäre Staat. Mit Wissenschaft hat das überhaupt nichts mehr zu tun.

In Deutschland wären solche Prüfungen grob prüfungsrechts- und verfassungswidrig. Gemessen an dem Prüfungs- und Verfassungsrecht, das bei uns herrschte, bis man eine Radikalfeministin zur dafür zuständigen Verfassungsrichterin machte. Ihre Schriften lassen keinen Zweifel daran, dass sie jegliches Prüfungs- und Verfassungsrecht zugunsten feministischer Ideologien brechen wird und solche Zustände auch bei uns einreißen werden.

Deshalb zwei Fragen an die Leser:

  • Stimmt das, was die da über österreichische Universitäten schreiben? Kann das jemand bestätigen oder widerlegen?
  • An welchen deutschen Universitäten bzw. Fakultäten werden solche Zwangsfächer verlangt und Prüfungen durchgeführt, bei denen man politisch vorgegebene Antworten liefern muss?

13 Kommentare (RSS-Feed)

Ex-Ref
1.9.2012 21:05
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An welchen deutschen Universitäten bzw. Fakultäten werden solche Zwangsfächer verlangt und Prüfungen durchgeführt, bei denen man politisch vorgegebene Antworten liefern muss?

In den Lehramtsstudiengängen!
Zwar nicht Gender, sondern Pädagogik. Ist aber die gleiche Scharlatanerie.

Ich hatte noch das Glück, auf einen konservativen Professor zu treffen, und so durch die Prüfung zu kommen. Aber die gibt es inzwischen auch nicht mehr.

Später im Referendariat gehts dann richtig los. Man muß Lehrproben abhalten, aber nirgends steht geschrieben, nach welchen Kriterien sie bewertet werden. Es ist reine Willkür. Die Noten werden schon vorher abgesprochen, und hängen davon ab, wie konform man sich gezeigt hat.

Schonmal darüber nachgedacht, warum es heute kaum noch konservative Lehrer in den Schulen gibt?


Hadmut
1.9.2012 21:13
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Und was genau verlangen die dann von einem? Was ist deren Glaubensbekenntnis?


Alexander
1.9.2012 21:29
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Um an der Freien Universität Berlin Soziologie zu studieren, muss man Gender Studies als Pflichtfach belegen. Gideon Böss hat darüber einen Text geschrieben:
http://www.welt.de/debatte/weblogs/Boess-in-Berlin/article6065990/Unter-Studenten-der-Geschlechterforschung-Erinnerungen-an-mein-Studium-I.html

Ob dabei Prüfungen durchgeführt werden, bei denen man politisch vorgegebene Antworten liefern muss, weiß ich nicht.


Steffen
1.9.2012 22:40
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Einfach mal schnell auf die Seiten der Uni Linz in den in dem Blog erwähnten Studiengang “Informationselektronik” reingeschaut. Es scheint sich zu bestätigen:

https://lss.jku.at/studienhandbuch/curr.php?id=212

Etwas nach unten gescrollt, steht da bei Fächergruppen wie “Mathematik”. “Physik” eben auch “Gender Studies”. Und erst danach eine Aufzählung mit Unterpunkten “Wahlfächer”. Demnach scheint “Gender Studies” tatsächlich Pflichtgebiet zu sein wenn man in Linz Informationselektronik studieren will. Es ist gerade NICHT bei den Wahlfächern aufgezählt, sondern steht in der Struktur der Seite gleichberechtigt neben Elektrotechnik, Information, Mathematik und Physik.

Wenn man auf “Gender Studies” klickt, verhärtet sich der Verdacht, denn da steht explizit: “Es sind eine Lehrveranstaltung mit 3 ECTS aus den Gender Studies zu wählen!”


Ex-Ref
1.9.2012 22:52
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Und was genau verlangen die dann von einem? Was ist deren Glaubensbekenntnis?

In den Lehrproben allen möglichen modern-pädagogischen Firlefanz.
Dazu muß man Entwürfe schreiben, in denen man jeden Furz ausführlich begründen muß.
Hier zeigt sich schon eine Diskrepanz zwischen dem, was offiziell gefordert ist, und was man inoffiziell verlangt:
Offiziell gehört zu so einem Unterrichtsentwurf die Beschreibung des Lernstands der Klasse. Von den Betreuungslehrern bekommst Du aber sehr schnell gesagt, bloß nichts negatives zu schreiben, denn das könnte die Schule in Verruf bringen. Erwartet wird, alles positiv darzustellen, die Zustände schönzureden.

Von der politischen Richtung sind sie linksgrün. Wenn die merken, Du tendierst zu anderem, wirst Du sehr schnell rausgemobbt.

Denn so funktioniert das System: Erwartet werden modern-pädagogische Methoden, die nicht funktionieren können. Machst Du eine Stunde nach traditionellem Muster, bekommst Du vorgehalten, Deine Methoden seien nicht mehr zeitgemäß. Machst Du die verlangten Methoden, kommt der Vorwurf, Lernziel nicht erreicht.
Prinzipiell kann man jede Unterrichtsstunde mit jeder Note bewerten, weil es eben keinen festgelegten Bewertungsmaßstab gibt. Wer nicht systemkonform ist, und das bedeutet heute rot-grün, ist ganz schnell draußen.


Heinz
2.9.2012 7:55
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,,Von der politischen Richtung sind sie linksgrün. Wenn die merken, Du tendierst zu anderem, wirst Du sehr schnell rausgemobbt.”

Naja so linksgrün im Sinne von Systemkonform/brav linksgrün – du darfst auf keinen Fall links/grüne Positionen vertreten, die den Oberen nicht gefallen.


thomasw
2.9.2012 12:59
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Bei mir ist das in Psychologie so (Uni Mainz). Kritik ist absolut untersagt, eine Art wissenschaftlicher Diskussion darüber, wieviel Wahrheitsgehalt in dem stecken könnte, was man lernen soll (zb. Kritik seichter Wissenschaftlichkeit oder grober Fehler oder Verkauf bloßer Hypothesen als bewiesene Tatsachen), wird negativ sanktioniert. Die Lehrbücher, mit denen ich lernen muss, sind allerdings gefüllt mit Schlampigkeiten oder halbseidenen Behauptungen. Ich kriege manchmal Kopfschmerzen, wenn ich mir das trotzdem reinprügeln muss.

Ich hatte in einem Seminar auch mal eine kurze Diskussion mit einer Psychologiedozentin über das Problem der systemimmanenten Verteilungsquote der Schulen (profan gesagt: der Zwang, der sich aus der Dreigliedrigkeit ergibt, dass jeweils nur eine bestimmte Anzahl von Schülern aufs Gymnasium geschickt werden kann, die anderen auf die Realschulen und “der Rest” auf die Hauptschulen, unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung, sondern abhängig von anderen Variablen, die verborgen bleiben (sollen)).
Ich wollte da nur dieses Problem mal ansprechen (im Zusammenhang mit “Moderner Didaktik” und wieviel die tatsächlich leisten könnte), aber mir wurde gleich gesagt, dass es dieses Problem gar nicht gibt. Als ich erwiderte, dass müsse es schon logisch wegen der Dreigliedrigkeit geben (können ja nicht alle aufs Gymnasium), wurde wiederum gesagt: gibts nicht. Diskussion beendet.

Wenn man in Pädagogik mündlich geprüft wird, so kriegt man tatsächlich zur Antwort “Das hat uns gefallen/nicht gefallen”. Davon hängt die Note ab, obs dem Prüfer gefallen hat. In einer Prüfung habe ich zur Begründung der Note gesagt bekommen, man vergesse, wenn man mir zuhört (als Prüfer) was man gefragt hatte, deswegen könne ich keine 1 bekommen. In einer anderen Prüfung (Soziologie Nebenfach) war ich “zu eloquent”.
In einer mündlichen Vordiplomsprüfung wurde ich gefragt, was mein Menschenbild sei (habe mich schon da gefragt, ob sowas Teil einer Prüfung sein darf?). Aber Aufmucken wird natürlich nicht gut geheißen. Also sagte ich “ein grundlegend skeptisches”. Ich glaube aber die Buzzerantwort wäre “humanistisch” gewesen oder was ähnliches. Auf solche Fragen bereitet man sich allerdings auch nicht vor.
Insgesamt weiß man bei den Prüfungen nie, was nun eigentlich von einem verlangt wird. Man lernt irgendwie ins Blaue hinein und hofft die Vorlieben des Prüfers richtig zu “bedienen”. Zumeist ist das aber nicht sehr schwer, weil deren Welten recht eng abgegrenzt sind. Man weiß vor allem, was man nicht sagen sollte, lernt also sozusagen ex negativo. Man wird aber defintiv eher auf Fähigkeit-nach-dem-Mund-zu-reden geprüft als auf tatsächliches Sachverständnis pädagogischer Problemstellungen. Wenn ein Prüfer findet, dies und das sei auf jeden Fall total positiv, dann sagt man nichts darüber, was daran trotzdessen negativ sein könnte oder vielleicht gar bedenklich (zb. Privatisierung des Bildungswesens, angefangen bei Kitas bis zu den Unis reichend).

Es sind nicht alle so krass drauf, manche binden einen wirklich in eine Fachdiskussion ein und stellen einem bisweilen Fangfragen, um zu prüfen, was von dem, was man sagt, auch tatsächlich begriffen wurde (oder aber nur so dahergeschwallt). Aber die sind selten und die gehören mehrheitlich zum “alten Eisen”. Man läuft ins offene Messer und hofft, bloß eine kleine Schnittwunde davon zu tragen.


Pegasus
2.9.2012 16:20
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Naja so linksgrün im Sinne von Systemkonform/brav linksgrün – du darfst auf keinen Fall links/grüne Positionen vertreten, die den Oberen nicht gefallen.

So ist es. Seltsamerweise nur die linken Positionen, die der Industrie nützlich sind.


DavidXanatos
3.9.2012 9:48
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Deswegen solte man solchen mist garnicht erst studieren.

Studiert was sinvolles nazurwissenschaftliches, da kann man wenm man rehct hat es auch beweisen.


Hadmut
3.9.2012 9:48
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Wieso glaubst Du, dass die Naturwissenschaften davon verschont bleiben?


anonym
3.9.2012 12:47
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Ich glaube, man müsste eher fragen, wieso David glaubt, die Naturwissenschaften WÄREN davon verschont geblieben.

Nenn mal ein innovatives Produkt oder eine wesentliche Entdeckung der deutschen Naturwissenschaften innerhalb der letzten Dekade. Das sagt doch schon genug. Aber vielleicht braucht man diesen Glauben als Mythos, um noch mitmachen zu können??


Steffen
3.9.2012 13:10
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Yup, klickt euch einfach mal bei den Curricula der verschiedenen Studiengänge der Uni Linz durch:

https://lss.jku.at/studienhandbuch/index.php

Bei der Mehrzahl der Studiengänge sind dort inzwischen Kurse in Gender Studies Pflicht. Gerade bei den technisch/naturwissenschaftlichen.


Pirx
5.9.2012 12:51
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An der TU Wien gibt es einen allgemeinen “Soft Skills”-Katalog, aus dem man (zumindest in meinem Studiengang, Bachelorstudium “Software Engineering”) eine gewisse Anzahl ECTS-Credits machen muss.

Da ist zwar auch Gender-Zeugs drinnen, aber auch genügend andere Fächer, sodass man das nicht zwingend machen muss.

Wie das an anderen Unis hierzulande aussieht, weiß ich leider auch nicht – und würde mich auch interessieren.