Ansichten eines Informatikers

Die Volkszählung war da

Hadmut
4.7.2011 17:46

Ich hatte diese Woche ja schon über die Volkszählung gebloggt. Eben war der Erhebungsbeauftragte da und hat mich durchgezählt.

Da fällt mir ein, daß ich nun ganz vergessen habe, mir den Ausweis zeigen zu lassen. Und das, wo ich vorher extra geklärt habe, wie der aussehen muß. Aber egal, die Behörde hatte mir ja schon bestätigt, daß der echt war.

Ich habe ihn auch einfach reingelassen und ihn sogar gebeten, sich an den Tisch zu setzen. Weil ich erstens nichts gegen den Mann persönlich habe, der zweitens auch im Streß war und ich mir ja drittens vorgenommen habe, auf meine alten Tage doch noch irgendwann mal ein netter Mensch zu werden.

Die Fragen waren schnell, kurz und harmlos. Es wurden fast nur Sachen gefragt, die ich sowieso schon in dem ein oder anderen Artikel hier im Blog herausposaunt habe oder die die Gemeindeverwaltung seit meiner Meldung hier hat. Der war auch nach 3 Minuten schon wieder weg.

Gefragt hat er allerdings, warum ich ihn so skeptisch anschaue. Er wollte mir erklären, daß er nichts schlimmes fragt und es auch nicht weh tut. Ich habe ihm dann aber von meinem Ärger bei der letzten Volkszählung erzählt, und ich deswegen Mißtrauen hege. Eine Quittung dafür, daß ich Auskunft gegeben habe, hätte ich schon gern.

Nöh, das wäre nicht vorgesehen, dafür hat er nichts dabei, meinte er. Quittung ist nicht.

Ich könne mich aber ganz sicher drauf verlassen, daß da nichts verloren geht, das wäre ausgeschlossen. Nun, halte ich ihm entgegen, das hätten die beim letzten Mal auch gesagt, und trotzdem wären die Bögen verschlampt worden.

Ja, sagte der, aber diesmal gäbe es einen ganz entscheidenden Unterschied: Er bekommt Geld dafür, daß er die ausgefüllten Bögen einreicht. Deshalb hat er ein elementares Eigeninteresse daran, darauf zu achten, daß die nicht verloren gehen sondern ankommen. Und für seine Abrechnung muß er ein Formular ausfüllen, bei wem er war. Damit ist dann über die Abrechnung klargestellt, wer ihm gegenüber direkt Auskunft gegeben hat.

Das ist ein Argument. Das hat sogar sicherheitstechnische Überzeugungskraft.

Das erinnert mich an die Schilder, die in manchen Ländern an den Pommes-Buden hängen, wonach man sein Essen kostenlos bekommt, wenn der Verkäufer einem keinen Kassenzettel gibt. Zweck dessen ist zu verhindern, daß der Verkäufer in die eigene Tasche wirtschaftet.

22 Kommentare (RSS-Feed)

cbx
4.7.2011 19:38
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Hochanständig, dass Du die Vorschläge zum vorigen Post nicht umgesetzt hast, sondern ganz nett warst. Das gibt sicher ein paar Sterne im goldenen Buch vom Christkind…

Hast Du herausgefunden, ob der Typ freiwillig oder unfreiwillig als Volkszähler arbeitet? Denn die Idee mit der Abrechnung über Stückzahl funktioniert sicherlich – aber besser bei Leuten, die diesen Job aus eigenen Stücken machen.


Hadmut
4.7.2011 20:10
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Nee, hab ich nicht gefragt.


georgi
4.7.2011 20:29
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Du hast die Möglichkeit vergessen, daß die Erhebungsbeauftragten sich heimlich eine Kopie machen könnten. Man muß doch heutzutage nicht mehr Erhebungsbögen verschlampen. Die Erhebungsbeauftragten werden doch praktisch nicht kontrolliert, nehmen nach Feierabend die Bögen mit nach Hause etc, könnten theoretisch die gesammelten Daten wirtschaftlich verwerten, wie Facebook das tut.


Bei Erhebern aus und um München kann man davon ausgehen, dass die verpflichtet wurden. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde die überwiegende Mehrzahl verpflichtet. Angeblich musste jede Schule der Stadt Personen benennen.


Carsten
5.7.2011 2:57
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Wen soll denn eine Schule benennen? Schüler? Oder Ehemalige?
Wäre eine interessante Art der Rekrutierung…

Interessant ist auch der Satz: Er fragt nichts schlimmes und es tut auch nicht weh. Da wird der Bürger pauschal für dumm erklärt. Eine Frage tut nicht weh… kommt einem so vor, als wenn man als 5-jähriger beim Arzt sitzt…
Ist auch nix schlimmes, was gefragt wird. Sind ja nur datenschutz-relevante Dinge, die man da einem Fremden offenbart, tut keinem weh.
Am besten denkst Du nicht drüber nach und gibst mir die Infos…ich werd schließlich vom Staat dafür bezahlt, somit ist bewiesen, dass nichts schiefgehen kann.

Ich werd dafür bezahlt, also werd ich schon alles richtig machen.

Aber mit ner Quittung bestätigen kann ich dir die Sache nicht.

Boah. Ok, der Staat will Infos über die Bürger. Aber die hat er doch eh schon fast alle, wenn er will.
Ich hab ja kein Problem damit, wenn der Staat weiß, wo ich arbeite, wieviel ich verdiene, ob ich allein lebe oder nicht, ob ich ein Haus habe, ob ich Kinder habe, usw etc pp, denn das kann einfach in den Behörden erhoben werden, auch ohne Volkszählung.
Ich gebe zu, ich verstehe den ganzen Mist mit dem Zensus nicht.

Soll ich jetzt den datenschutzrechtlichen Segen zu meiner Person erteilen, mit diesem Mist? Den Freibrief zu meiner Identität? Oder wie muss ich das verstehen?


J.
5.7.2011 9:49
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“Wen soll denn eine Schule benennen? Schüler? Oder Ehemalige?”

Lehrer natürlich.


der andere Andreas
5.7.2011 16:10
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was hat denn die Zählung ergeben? noch alles da was wichtig ist oder fehlt was?

wo jetzt nicht mehr gemustert wird sollte man ja wenigstens regelmäßig nachzählen!


Hadmut
5.7.2011 16:22
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Ähm, also es wär jetzt nicht so, daß der bei der Geschlechtserhebung nachgezählt hätte, ob alles da ist…


Michl
5.7.2011 18:37
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Diese ständigen Hinweise, dass man gegen die Verantwortlichen nichts hat, kotzen mich an. Natürlich sind es die Politiker, die uns ausspionieren, indem sie die Ausforschung unserer persönlichen Lebensumstände anordnen. Aber der, der die Fragebögen rum trägt, fragt, notiert, weiterleitet, ist ganz genau so schuld. Ohne ihn würde das Eindringen in unsere Privatsphäre nicht funktionieren. Wie kann man angesichts dessen immer wieder behaupten dass die Mittäter doch alle ganz lieb und soooo unschuldig seien? An die Politiker kommen wir nicht ran, also müssen wir ihre Schergen bekämpfen. Und die sind nicht unschuldig.


Hadmut
5.7.2011 18:53
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@Michl: Kleine Verfolgungsneurose?


Jakob
5.7.2011 18:49
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Ich habe bei der letzten Volkszählung, Zensus, auch als , wie nennt man sa nochmal, Ermittler 😉 mitgemacht. Man meldet sich beim Staistischen Landesamt, München in meinem Fall, bringt ein Pol. Führungszeugnis und bekommt eine Einweisung. Die Bezahlung war damals nicht mal schlecht. Lustig war nur, und da wurden viel mehr persönliche Fragen gestellt wie Einkommen, Miete u.s.w., dass einer der Befragten nach 5-6 Wochen Arbeitskollege von mir wurde.


hw
5.7.2011 22:20
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bei mir kommt die volkszählung morgen. aber er wird nur den bogen da lassen. denn man muss den natürlich nicht in die wohnung lassen. da verdient er leider weniger. aber das ist nicht mein problem.


Hadmut
5.7.2011 22:21
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Naja, gut, bei mir in der Wohnung ist es halt auch so sauber und aufgeräumt, daß ich auch mal jemanden reinlassen kann…


Thomas
5.7.2011 22:36
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@Hadmut: Also ich sehe das nicht unbedingt als Verfolgungsneurose, sondern eher als allgemeine Kritik an der Haltung, dass ja nur die da oben an allem schuld sind. Nicht umsonst wird immer an das Individuum appelliert, bei sich selbst mit der “Weltverbesserung” anzufangen. Wenn man jetzt gegen eine bestimmte Ansicht/Handlung/was auch immer ist, dann sollte man schon konsequent handeln. Und nicht: Der Typ will/muss ja nur ein bisschen Geld verdienen…


Hadmut
5.7.2011 22:39
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Man kann dem Typen aber nicht einfach böse Absichten unterstellen, nur weil es der eigenen Ideologie entspricht.

Man sollte sich sehr davor hüten, jeden zu beschimpfen oder zu verdächtigen, der nicht exakt so denkt, wie man selbst. Und die Haltung, daß man von anderen erwartet, die Volkszählung zu unterlassen, weil sie einem selbst nicht paßt, halte ich für nicht vertretbar. Und davon ganz abgesehen – das muß man auch bedenken – gibt es Leute, die das Geld brauchen oder die es nicht freiwillig machen.

Nein, ich halte Deinen Standpunkt nicht für richtig.


Thomas
5.7.2011 22:39
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@Hadmut: +und bei hw ist es also nicht sauber in der Wohnung,
, und deswegen will er niemandem den Schock antun, sich das anzusehen, oder was? Wenn du das nicht so meinst, solltest du auch etwas anderes schreiben.


Thomas
5.7.2011 23:38
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Für mich ist dann aber deine Argumentation problematisch, weil ich so, als Beispiel meine Entscheidung Soldat zu werden, rechtfertigen kann. Obwohl ich dabei gleichzeitig gegen Krieg sein kann.
Ich habe keine Wahl, weil ich das Geld brauche, ich irgendwen/-was gegen irgendwen/-was verteidigen muss, und auch sonst muss ich doch irgendwie leben…
Und wenn dann doch Krieg ist, bin nicht ich schuld. Irgendjemand da oben hat das ausgelöst.
Klar, die herrschenden Umstände machen es einem schwer beziehungsweise unmöglich, so idealistisch zu leben. Dann bleibt einem aber nur noch Resignation oder Selbstbetrug. Schade, dass so die einzige Möglichkeit zu leben aussieht.


Hadmut
5.7.2011 23:56
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Hä!?

Ich soll meine Lebensführung so gestalten, damit Du ein Problem hast, Soldat zu werden? Und dazu den Mann von der Volkszählung nicht reinlassen?

Klingt mir doch sehr absurd.

Darf ich fragen, welche Wünsche ich an die Änderung Deiner Lebensführung stellen kann, damit ich nachts besser schlafe? Falls Du rauchst oder Alkohol trinkst, wünsche ich hiermit, daß Du damit aufhörst. Das kann ich nämlich mit meinen Idealen nicht vereinbaren.


Thomas
6.7.2011 9:57
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Tut mir leid, wenn mein Kommentar nicht so verständlich ist.
Er sollte nicht auf deine Lebensführung abzielen, sondern auf die Argumentation, dass es Menschen gibt, die unliebsame Arbeiten erledigen müssen, vielleicht weil sie keine Wahl haben oder wie man so schön sagt, weil es sonst kein anderer macht, und deswegen sollte man Verständnis für sie oder sogar Mitleid mit ihnen haben.

Außerdem hatte ich den Eindruck, auch durch deinen anderen Beitrag zur Volkszählung, dass du, vorsichtig ausgedrückt, kein großer Fan dieser bist und auch sonst sehr gute Gründe gegen diese sprechen.

Mein Bespiel mit dem Soldat war rein fiktiv.


Hadmut
6.7.2011 10:22
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@Thomas: Ich bin kein großer Fan der Volkszählung, aber mich stört daran eher das drumherum als die Zählung selbst.

Ebenfalls stört mich aber die Art und Weise, wie Hysterie dagegen geschürt wird. Weil ich die Volkszählung kritisch sehe, heißt das noch lange nicht, daß ich jede Aktion dagegen gut heiße und das alles unkritisch sehen muß. Es ist so ein unglückselige Sichtweise mancher Bevölkerungsgruppen, daß man einfach alles gut finden und unterstützen muß, was gegen X geht, nur weil man X nicht gut findet. Und das kann ich gar nicht ab.

Nur weil ich selbst etwas kritisch sehe, heißt das noch nicht, daß ich jeden Unfug dagegen unterstütze. Es ist sogar relativ häufig so, daß ich beiden Seiten kritisch sehe und mich keinem der Lager zuordnen lasse, weil ich die Argumente auf beiden Seiten für blöd und unvertretbar halte. Vorratsdatenspeicherung ist so ein Fall.

Oder anders gesagt: Ich leiste mir hin und wieder den Luxus, eine eigene Meinung abseits der beiden Mainstream-Meinungen dafür/dagegen zu haben.


J.
10.7.2011 22:24
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Michl
22.7.2011 16:48
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@hadmut Es geht nicht darum, dass jemand etwas unterlassen soll, weil es mir nicht passt. Thomas’ Einschätzung war schon richtig. Das Problem ist der Zwang. Wenn die spionieren wollen, was bei jeglicher Betrachtung unnötig und sinnlos ist, dann sollen sie es tun. Vorausgesetzt man kann sich ausspionieren lassen (wenn man will) oder nicht (wenn man nicht will). Einer der den Willen des Staates, der im Allgemeinen gegen uns gerichtet ist, mit Zwang durchsetzt, ist ein Mittäter. Würdest Du auch sagen dass Bankraub in Ordnung ist wenn sie das Geld brauchen? Geld zu benötigen, und viele benötigen es nicht und machen es freiwillig, ist keine Rechtfertigung uns zu Dingen zu zwingen (das geht bis Haft), die wir nicht wollen. Und es ist keine Entschuldigung.