„EXCESS deaths“
Über Englisch und Statistik.
Einige Leser schrieben mir, ich hätte da den Lauterbach nicht richtig verstanden, darunter einer, der sich schon selbst für einen Troll erklärt:
Leserkommentar: Englisch für Dummies
Guten Tag Herr Danisch,
die Grafik von Lauterbach/TheEconomist bezieht sich auf “EXCESS deaths” also jene überschüssigen Tode, die den Berliner Normalfall ~650/Woche übersteigen. Dass dieser Überschuss von ~300 in 3 Tagen an der Hitze liegt,ist durchaus plausibel.
Der Economist hatte leider ne Paywall vor dem Originalartikel.
Freundliche Grüße
TrollingmuscoviteIm Bezug auf:
https://www.danisch.de/blog/2026/06/26/allein-in-berlin-werden-in-dieser-woche-300-tote-geschaetzt/
und
https://x.com/Karl_Lauterbach/status/2070406971589599715
Äh, Leute, sorry, wenn ich Euch da mal etwas zur Statistik sagen muss.
- Erstens ist „excessive“ generell Bullshit, wenn das nicht in Relation zum normalen Umfang gesetzt wird. Soll das das Zehnfache an Toten sein, oder doch nur ein Plus von 30%?
- Man müsste dazu zweitens die normale Schwankung betrachten, wie hoch die Zahl der Toten an normalen Juni-Enden ist.
- Vielleicht ist der „Exzess“ künstlich hervorgerufen, indem man das Zeitfenster klein genug gewählt hat. Vielleicht gäbe es keinen Exzess, wenn man das Zeitfenster etwas größer, nämlich den Sommer wählt und noch Juli und August mit reinnimmt, weil dann vielleicht weniger Leute sterben, weil nämlich die, die dann fällig gewesen wären, den Löffel einfach nur vier Wochen früher abgegeben haben.
- Weiter müsste man dazu betrachten, wer überhaupt gestorben ist: Sind da 20-Jährige vom Hitzeschlag tot umgefallen, die anderenfalls putzmunter noch 60 Jahre gelebt hätten, oder haben nur die, die im Sommer sowieso gestorben wären, weil sie mit 90 im Altersheim liegen, die Gelegenheit genutzt, den Löffel drei Wochen früher abzugeben? Haben wir also überhaupt mehr Tote, oder sind nur ein paar Leute, die ohnehin am Ende waren, etwas ungleichmäßig schon vor Juli/August gestorben?
Leute sterben nicht gleichmäßig.
Als wir die Corona-Krise hatten, schrieb mir ein Pfleger aus der Altenpflege, dass sie einen seltsamen Effekt beobachten: Normalerweise nämlich haben sie zwei große Todeswellen im Jahr: Oster und Weihnachten. Kurz danach sterben bei ihnen die Leute reihenweise an Lungenentzündung und ähnlichem, und dann ist wieder Ruhe bis zum nächsten Fest. Warum? Ostern und Weihnachten kommt die Sippe, um Oma zu besuchen, und schlecht die Erreger mit rein, die Oma umbringen. Als man die Altersheime wegen Corona geschlossen hatte und Besuch nicht mehr oder nur noch mit starken Hygienemaßnahmen möglich war, sind denen plötzlich die Alten nicht mehr weggestorben.
Das kann also gänzlich unterschiedliche Auswirkungen haben, zumal gerade auch wieder diverse Krankheiten, Viren im Umlauf sind, die sich nach Corona nur keiner mehr zu erwähnen traut.
Außerdem sind die Sterbestatistiken sowieso nutzlos, denn unsere Alterspyramide verändert sich, und je mehr Alte wir im Bevölkerungsvergleich haben, desto mehr Tote pro Woche. Die Impf-Fraktion würde es übrigens lieber auf die Impfung als auf das Wetter schieben.
Und: Wir haben Migration. Die bringen nicht nur jede Menge Krankheiten und Erreger mit, sondern auch niedrigere Lebenserwartungen.
Vielleicht ist etwas im Trinkwasser. Vielleicht etwas in der Butter. Vielleicht haben wir zu wenig Ärzte.
Leute, bitte, fallt doch nicht auf jeden Scheiß rein, weil da irgendein Honk in eine Überschrift „Excessive“ reinschreibt.
Und nur, weil die Überschrift englisch ist, heißt das noch lange nicht, dass der Mist unter der Überschrift besonderen Sinn ergäbe.
Ich habe das vor Jahren schon beschrieben: Die Angabe von Toten ist sinnvoll bei Verkehrsunfällen usw., bei denen die Ursache unmittelbar ersichtlich, tödlich und das Ereignis sauber abgegrenzt und einzelursächlich ist. Erdbeben und so etwas.
Wenn es aber um Krankheiten, Hitzewellen und so etwas geht, an denen man statistisch stirbt, und nicht, weil man vom Gebäude über einem zerquetscht wird, ist die Zahl der Toten unsinnig, weil sowieso jeder irgendwann gestorben wäre. Man müsste also ausrechnen, wieviel Lebenszeit jeder, der an der Hitze gestorben sein soll, noch vor sich gehabt hätte und dann angeben, wieviele Lebensjahre dadurch verloren wurden, und nicht, wieviele daran gestorben sind.
Also: Hat einer durch die Hitze die nächsten 40 Jahre seines Lebens verloren? Oder nur die 4 Wochen, die er noch auf der Palliativ gelegen hätte?
Und war es wirklich die Hitze selbst? Oder ein Verkehrsunfall, weil sie bei Hitze alle nicht mehr ordentlich Auto fahren können?
Wenn ich sehe, dass beim Erdbeben ein Gebäude einstürzt, und man dann darin 40 Tote gefunden hat, brauche ich keine Obduktion, ob der nicht vielleicht an Lungenentzündung oder Krebs gestorben ist. Wenn es aber heißt, dass Leute durch die Hitze gestorben seien, dann würde ich schon gerne mal erfahren, was, warum. Herzversagen? Verdurstet? Hitzschlag vom Arbeiten in der Sonne? Von Mutti im Auto vergessen? Oder war es zuviel für den 103-Jährigen, der nur noch mit Sauerstoff und Defi am Leben gehalten werden konnte?
Oder sind vielleicht Leute gestorben, weil man bei der Hitze nicht genug Blutkonserven hatte?
Und dann noch „Estimated“.
Leute, bitte. Nicht so ein Scheiß.