Über deutsche Kryptographie und chinesische Spione
Neues zu einem meiner alten Themen.
Langjährige Leser wissen ja, dass die Kryptographie sozusagen das Gründungsthema meiner Webseite und meines Blogs war.
Und wer sich besonders gut erinnern kann, der weiß auch, dass ein gewisser Professor Michael Backes schon mehrfach Thema im Blog war, zum Beispiel in Idiotische Kryptographie, Made in Germany. Ich bin auf den gekommen, weil ich damals die manipulierte Nachfolge meines verstorbenen „Doktorvaters“ Beth untersucht hatte. Man hatte damals böse getrickst, alle Bewerber kaltgestellt, und einen faulen Dreiervorschlag an das Ministerium geschickt, in dem zwei Bewerber schon nicht mehr zur Verfügung standen, weil sie schon woanders untergekommen waren, und dem Ministerium dann nur noch blieb, den dritten Bewerber zum Professor zu machen, obwohl das eine verbotene Hausberufung war und der mit Kryptographie noch keine Erfahrung hatte.
Man kennt das, dass sich die Seilschaften gegenseitig Pseudobewerbungen machen, damit der Dreiervorschlag, der an das Ministerium geschickt wird, in Wirklichkeit nur ein Einervorschlag ist und das Ministerium nichts wählen kann.
Einer der beiden Pseudobewerber war der Backes mit seinem X-Pire!-Quatsch. Deshalb bin ich auf den aufmerksam geworden und hatte das im Blog untersucht.
Es war ja kurios, dass der sich in Karlsruhe auf die Professur beworben hatte, obwohl der längst im Saarland besser untergekommen war. Der wurde dann Direktor des neu gegründeten „CISPA“, des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit.
Das Ding sah mir damals schon nach einer Geldwaschanlage aus, damit man aus politischen Gründen einen Vorwand hat, Geld ins Saarland zu pumpen, denn die sollten eine Finanzierung von 50 Millionen Euro pro Jahr bekommen. Weil da aber auch gleich die Rede von Frauenquoten und so etwas war, ging ich davon aus, dass das Ding sowieso nur ein politischer Vorwand für was auch immer ist. Wie dem auch sei, wenn der ganze Laden 50 Millionen Euro pro Jahr bekommt, dürfte Backes da beim Gehalt kräftig abgesahnt haben. Wobei ich mich damals schon gefragt habe, und das sah auch mein Bekanntenumfeld so, dass das Ding nicht funktionieren kann. Welcher auch nur halbwegs taugliche Kryptologe würde ausgerechnet ins Saarland gehen? Wo man noch auf einen Regionalzug hoffen muss, um wenigstens mal zum Arsch der Welt zu kommen? Wirkte auf mich wie eine geldwaschige Totgeburt von Helmholtz’ Gnaden.
Seltsam fand ich dagegen, dass mir von dem Laden nie etwas bekannt wurde. Normalerweise produzieren Forschungseinrichtungen ja ständig Nachrichten, notfalls Pseudonachrichten. Vom Hasso-Plattner-Institut hat man oft gehört, obwohl wenig Produktives. Aber ich könnte mich nicht erinnern, vom CISPA jemals noch etwas anderes gehört zu haben als irgendwas mit Frauenquoten, Diversität und so weiter, so politisch linkes Zeug eben. Eigentlich hatte ich schon lange vor, mal einen Artikel darüber zu schreiben, warum mir von dem Laden eigentlich nichts unterkommt.
Doch da plötzlich, wie aus dem Nichts, kommen gleich mehrere Meldungen. Vom Saarländischen Rundfunk.
Cispa-Etat steigt auf über 100 Millionen Euro
Das Saarbrücker Cispa soll ab 2030 deutlich mehr Geld vom Bund und dem Saarland bekommen als bisher. Die Grundförderung soll um 45 Millionen aufgestockt werden. Mit dem zusätzlichen Geld könnten neue Themen bei KI und Cybersicherheit erforscht werden.
Die jährlichen Forschungsgelder des Cispa Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit werden ab 2030 um rund 45 Millionen Euro erhöht. Damit wächst das jährliche Gesamtbudget auf über 100 Millionen Euro. Zuerst hatte die Saarbrücker Zeitung am Dienstag darüber berichtet.
Ich fand 50 schon eine absurde Verschwendung für den Laden, und das auch noch jährlich. Aber 100?
Und dann – wie bestellt zum Geburtstag – Sonderprüfer beim Cispa, Gründungsdirektor Backes vorerst freigestellt
Der Cispa-Gründungsdirektor Backes ist vorerst von seinen Pflichten als wissenschaftlicher Leiter des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit in Saarbrücken freigestellt worden. Das hat der SR aus Kreisen des Bundesforschungsministeriums erfahren. Hintergrund sind Vorwürfe, dass Wissen aus dem Cispa nach China abfließen könnte.
Nach den Vorwürfen möglicher Spionage von chinesischen Wissenschaftlern, die am Cispa arbeiten, soll nun ein unabhängiger Sonderprüfer eingesetzt werden, um den Vorwürfen nachzugehen. Der Cispa-Gründungsdirektor Michael Backes werde bis zum Abschluss der Untersuchungen freigestellt. Das bestätigte das Cispa auf seiner Homepage. Die Maßnahme diene der unabhängigen Aufklärung und stelle keine Vorverurteilung dar, erfuhr der SR aus Berlin.
Die Sonderprüfung soll klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind, ob dabei Rechtsverstöße begangen wurden, welche Rolle die Leitung des Forschungszentrums gegebenenfalls gespielt hat und ob die bestehenden Maßnahmen zur Forschungssicherheit ausreichend sind.
Alle Forschungsprojekte mit chinesischen Partner vorerst pausiert
Alle Forschungsprojekte mit Partnern aus der Volksrepublik China werden bis zum Abschluss der Sonderprüfung pausiert. Bund und Land als Gesellschafter der gemeinnützigen Forschungseinrichtung stehen zur Aufklärung der Vorgänge in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes. Nach Abschluss der Sonderprüfung würden die notwendigen Konsequenzen gezogen.
Aus Kreisen des Bundesforschungsministeriums hieß es: Man bekenne sich ausdrücklich zur Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Gleichzeitig tragen man Verantwortung dafür, dass wissenschaftliche Zusammenarbeit nicht zu Lasten der Sicherheitsinteressen Deutschlands gehe.
und drei Tage zuvor: Fließt Wissen vom Cispa nach China ab?
Das Handelsblatt erhebt schwere Vorwürfe gegen das Cispa-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken. Nach Recherchen der Zeitung könnten sensible Daten und Know-How in den Bereichen KI und Cybersicherheit nach China abfließen. Nun reagiert auch die Staatskanzlei auf den Pressebericht.
Die Bundesforschungseinrichtung Cispa will die weltweit besten Wissenschaftler in den Bereichen Cybersicherheit und vertrauenswürdige KI anlocken. Das hat der Gründungsdirektor und Vorsitzende der Geschäftsführung Michael Backes immer wieder betont. Viele davon kommen auch aus China.
Nach einem Bericht des Handelsblatts sollen zahlreiche Forschende mit chinesischer Staatsbürgerschaft vom Cispa in sensiblen Forschungsbereichen beschäftigt werden. Demnach sollen auch Wissenschaftler von chinesischen Hochschulen kommen, die mit dem dortigen Militär zusammenarbeiten. Ein Teil der Hochschulen stünde auf Sanktionslisten.
So hätten beispielsweise 18 von 19 Mitgliedern einer Forschungsgruppe von Cispa-Gründungsdirektor Backes die chinesische Staatsbürgerschaft. Schwerpunktmäßig würden sie in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenschutz und KI forschen.
Eine weitere Forschungsgruppe die an den Themen maschinelles Lernen und Datenschutz arbeite, besteht laut Handelsblatt komplett aus chinesischen Wissenschaftlern.
Co-Finanzierung aus China?
Nach Recherchen des Handelsblatts sollen auch Forschungsgelder aus China für Projekte, an denen das Cispa beteiligt war, geflossen sein. Die Bundesforschungseinrichtung erklärte dazu gegenüber der Zeitung, dass es bei internationaler Spitzenforschung üblich sei, in internationalen Teams zusammenzuarbeiten.
Toll.
Die Chinesen stecken tief in unserer Kryptoforschung drin.
Ich kann mich erinnern, dass ich in einem früheren Job so um 2008 oder 2009 herum die Personalabteilung schon vor chinesischen Bewerbern wegen Spionageverdacht gewarnt habe.
Wer hat da nochmal die Kontrolle über den Laden?
Bund und Land sind die Gesellschafter der gemeinnützigen Bundesforschungseinrichtung Cispa. Die Landesregierung ist zudem im Aufsichtsrat vertreten. Seit 2022 war Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Mittlerweile hat David Lindemann, der Chef der Staatskanzlei, das Amt übernommen.
Die Staatskanzlei erklärte am Donnerstagabend auf SR-Anfrage, dass Bund und Land die Cispa-Geschäftsführung in der Vergangenheit angewiesen hatten, eine stichhaltige Forschungssicherheitsstrategie zu entwickeln. Diese sei mittlerweile erstellt und vom Aufsichtsrat auch beschlossen worden.
Dringende Aufklärung und entsprechende Schlussfolgerungen sind laut Staatskanzlei notwendig, sollten sich die im Raum stehenden Vorwürfe möglicher Co-Finanzierungen von China für Forschungsprojekte bewahrheiten.
Im Zuge der Umsetzung der neuen Forschungssicherheitsstrategie des Cispa werde dieser Sachverhalt zu prüfen sein. Entsprechende Fragen würden dann durch den Aufsichtsrat an die Cispa-Geschäftsführung um Gründungsdirektor Backes gestellt werden, dessen Vertrag nach SR-Informationen noch bis Ende 2027 laufen soll.
Ach. Die Fachpartei für Kryptographie, die SPD.
Wahnsinn
Man findet keine Tischplatte, die so dick wäre, dass man sich den Kopf draufschlagen will: Ausgerechnet in einer hochgradig spionageträchtigen Thematik wie Kryptographie vertrauen die einem Windbeutel, der vorher im Karlsruher Professurberufungsschwindel involviert war und so etwas wie X-Pire! erfunden haben will, so ein Forschungsinstitut und 50 Millionen Euro im Jahr an.
Und dann wundert man sich, wenn das Handelsblatt herausfindet, dass da die Chinesen drinstecken und zahlen.
Ich bin gespannt, ob da noch etwas ans Licht kommt.