Ansichten eines Informatikers

Wie die AfD die Universitäten umkrempeln will

Hadmut
22.6.2026 17:21

Interessant.

Ich könnte meine Hilfe und mein Fachwissen anbieten.

Bekanntlich hatte ich größere Zusammenstöße mit dem deutschen Universitätswesen und mich rund 20 Jahre lang damit auseinandergesetzt, was da alles schief läuft. Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen haben deutsche Universitäten – außer an vereinzelten Ausnahmestellen aufgrund individueller Aktivitäten – im Ganzen gar nichts (mehr) mit Wissenschaft zu tun, und sie wissen nicht einmal, was das überhaupt ist. Wissenschaft nur noch als Standesdünkel, die Universitäten nur noch als Geldwaschmaschine für illegale Staatszuwendungen an parteinahe Versorgungsfälle. Tausende Blogartikel habe ich geschrieben, und ich halte die deutsche Hochschullandschaft für eine kriminelle Mafia, in der das Niveau immer weiter sinkt und es nur noch darum geht, Meinungsprostitution für die Politik zu betreiben.

Nun bin ich auf einen Artikel in der WELT gestoßen: Was die AfD an deutschen Schulen und Universitäten verändern will

Deren Pläne seien geleakt, die Aufregung nun groß, aber: Die WELT findet die Forderungen gar nicht so schlecht.

Die Frage ist nicht: Wird an Schulen und Hochschulen alles besser, sollte die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewinnen. Das erwartet niemand, der das Programm gründlich liest. Die Frage muss lauten: Warum erhebt allein die AfD Forderungen, die früher einmal das Gütesiegel erfolgreicher christdemokratischer Bildungspolitik waren? Wie ist es möglich, dass nur sie sich die verbindliche Grundschulempfehlung, den Kampf gegen die Noteninflation und das Gymnasium als – ja! – Eliteschule auf die Fahnen schreiben kann, während die CDU in Stuttgart und Mainz Positionen opfert, die für sie jahrzehntelang nicht verhandelbar waren? Jede Koalition erzwingt Kompromisse, aber die CDU hätte sich vor den Wahlen mit einem klaren Bekenntnis zu Qualität in der Bildung in Position bringen können. Das hat sie unterlassen, und das ist ihr auf die Füße gefallen.

Wähler wählen das kleinere Übel. Die CDU hatte in Sachen Schule und Hochschule bei den Koalitionsverhandlungen die Chance, sich als genau das zu empfehlen. Sie hat sie ungenutzt verstreichen lassen.

Die Universitäten leiden unter Korruption und Verblödungssucht, und regen sich über die Einzigen auf, die daran noch etwas ändern wollen. Allerdings beruft sich die WELT auch nur auf weitere Quellen.

Eine sei ein gewisser Oberstudienrat Bob Blume, Lehrer für Englisch, Deutsch und Geschichte – typische Fächer für Schwafelakrobaten. Welchen Text genau sie da meinen, sagen sie nicht, aber vermutlich AfD-Wahlprogramm Bildung: Unsinnig, gefährlich und verfassungsfeindlich

Schon die Einleitung setzt einen schrägen Ton. So heißt es da, der Lehrkräftemangel sei keine Ursache der Krise, sondern deren Folge – wobei die Tatsache, dass die Kultusministerien jahrelang mit falschen Prognosen den Einstellungsbedarf berechnet haben, bewusst ignoriert wird. Der Unterricht „taugt weniger“, heißt es weiter, das sei eine „Krise des Geistes“.

All das lässt sich, wenig überraschend, auf rechtskonservative Buzzwords reduzieren: „Das Problem ist eine um sich greifende Leistungsmüdigkeit und Kuschelpädagogik.“ Die „Lehrer“ – natürlich nicht gegendert, denn wen interessiert es schon, dass über 70 Prozent der Lehrpersonen weiblich sind – seien „zu bloßen Lernbegleitern verkommen.“ Hier, wie auch in vielen weiteren Teilen des AfD-Programms, zeigt sich das Unwissen über moderne Pädagogik ebenso wie der Wunsch, zu einem vermeintlich goldenen Zeitalter zurückzukehren. Ein typisches reaktionäres Narrativ.

Wer an dieser Stelle schon nicht mehr kann – wem könnte man es verdenken –, dem sei der Hinweis gegeben, wo der kulturkämpferisch ahnungslose Quatsch menschenfeindlich wird. Dazu noch eine Vorbemerkung: Selbstverständlich werden im AfD-Programm auch bestehende Herausforderungen angesprochen, mit denen das Bildungssystem in Deutschland zu kämpfen hat. Wenn allerdings sämtliche Schlussfolgerungen, die aus diesem Notstand gezogen werden, falsch, problematisch oder unsinnig sind, kann man diese getrost ignorieren.

Nicht ignoriert werden dürfen jedoch jene Passagen, in denen quasi nebenbei ganze Bevölkerungsgruppen aussortiert werden sollen. Die folgende Passage ist gekürzt und macht gerade deshalb deutlich, was kaum noch zwischen den Zeilen steht:

„Hinzu kommt, dass die Schule systematisch mit nicht-schulischen Aufgaben überfordert wird. Während die Altparteien die schulische Bildung vernachlässigen, erfinden sie immer neue Aufgaben, die sie der Schule aufbürden: Die Schule soll Einwanderer integrieren, soziale Nachteile aller Art beheben und den Schaden einer schlechten Familie ausgleichen. (…) Die AfD setzt der ungebildeten Bildungspolitik der Altparteien eine gebildete Bildungspolitik entgegen, die sich zur guten pädagogischen Tradition bekennt und die Schule von allen nicht-schulischen Aufgaben befreit.“

Mit anderen Worten: Integration und Chancengerechtigkeit sollen nicht mehr Teil schulischer Bildung sein. Das mag angesichts der Tatsache, dass das von den rechtsextremen Gruppierungen namens „Identitäre Bewegung“ übernommene „Remigrationskonzept“ mittlerweile Parteilinie ist, wenig überraschen. Hier steht jedoch schwarz auf weiß, für wen Bildung gestaltet werden soll – und für wen nicht.

Ich will es mal so sagen: Zu meiner Schulzeit waren „Integration“ und „Chancengerechtigkeit“ überhaupt nicht Teil schulischer Bildung. Wir brauchten auch keine Sozialarbeiter und solche Sperenzchen. Zu meiner Zeit war die Aufgabe der Schule, Schulunterricht zu leisten. Und sonst gar nichts. Und das hat funktioniert.

Unter dem linken Regime wurde die Schule komplett ausgetauscht. Sie ist nicht mehr Lehranstalt, sondern sie ist Sozialtempel, in dem „Lehrer“ genannte Sozialarbeiter in der Weise agieren sollen, wie Linke beim Banküberfall oder Mord Sozialarbeiter statt Polizei schicken wollen. Linke meinen, dass es Bildung gar nicht gibt, und dass alle Reibereien nur Ergebnis sozialer Ungleichheit seien. Und dass man Sozialismus herstellt, indem man soziale Gleichheit durch Sozialarbeiter herstellen lässt. Deshalb funktioniert die Schule nicht mehr.

Und dann gibt es einen „Gastbeitrag von Peer Pasternack und Justus Henke auf den Seiten 36 und 37 des https://www.studierendenwerke.de/fileadmin/user_upload/DSW-Journal_1_2026.pdf: AfD-Angriff auf die Hochschulen

Lange Zeit galt das deutsche Wissenschaftssystem als ein stabiles Gefüge aus rechtlicher Absicherung, institutioneller Autonomie und einer demokratisch eingebetteten akademischen Kultur. Doch die politischen Entwicklungen der jüngsten Zeit, insbesondere der Aufstieg rechtsextremer Kräfte, lassen diese Sicherheiten erodieren.

„Akademische Kultur“ – aber nicht Wissenschaft.

Rückabgewickelt werden soll, geht es nach der AfD Sachsen-Anhalt, der Bologna-Prozess, um zu Diplom und Magister zurückzukehren. Als Begründung wird die Befreiung von einem „völlig verschulten System“ angegeben. Dass dies weithin als plausibel gilt, liegt auch an der bürokratischen Bologna-Umsetzung in Deutschland. Dennoch wäre das Vorhaben ein wissenschaftspolitischer Anachronismus, denn eine Rückkehr zu rein nationalen Abschlüssen würde Absolventen auf dem euro-
päischen Arbeitsmarkt massiv isolieren.

Falsch.

Vor der Bologna-Reform galt das deutsche Ingenieur-Diplom als einer der gefragtesten und besten Abschlüsse der Welt. Inzwischen ist Deutschland international zur Lachnummer verkommen.

Angekündigt werden die Abschaffung der Gender-Studien und postkolonialen Forschung, die pauschal als „Phrasendrescherei“ markiert werden.

Das sind sie ja auch.

Die Hochschulen waren in der Vergangenheit nicht sonderlich gut darin zu vermitteln, dass diese Forschungen oft erst die Voraussetzungen schaffen, um gesellschaftliche Komplexität durch heterogene Perspektiven zu verstehen.

Solche Phrasen zum Beispiel. Denn nicht nur ist das nicht Aufgabe der Universität – diese Fächer haben es auch nie getan. Es ging immer nur darum, Marxismus als Wissenschaft auszugeben.

Die Wissenschaft muss hier ihren Status durch innerwissenschaftliche Logiken verteidigen: Forschung wird nicht durch politische Mehrheitsbeschlüsse, sondern durch empirische Irritierbarkeit und Peer-Review-Verfahren legitimiert.

Empirie ja, aber durch Beobachtung und nicht durch „Irritierbarkeit“.

Peer-Review-Verfahren nein, denn die haben sich als nutzlos, korrupt und politisiert herausgestellt, da handeln die linke Konformitätsmafia und Zitierkartelle.

Vor allem aber nutzt das Programm der AfD Sachsen-Anhalt klassische Narrative des rechtsextremen Diskurses:

• Niedergangs-Narrativ: Die deutsche Wissenschaft wird als in einer „tiefen Krise“ befindlich beschrieben, da sie durch politische Korrektheit erstickt werde.

Und? Ist das nicht so?

• Framing als „Agenda-Wissenschaft“: Kritische Klima- oder Migrationsforschung werden als Ideologie diffamiert, während gleichzeitig ein „Institut für kritische Islamforschung“ gefordert wird, das offensichtlich selbst einer politisch-ideologischen Agenda folgen soll.

Man wirft der AfD vor, sie wolle so vorgehen wie Linke?

• Autoritäre Kontrolle statt Autonomie: Während die AfD „echte akademische Freiheit“ beschwört, will sie gleichzeitig die Kompetenzen der akademischen Selbstverwaltung beschneiden und den Einfluss des Wissenschaftsministeriums massiv ausweiten.

Um dieser Bedrohung zu begegnen, müssen Hochschulen und Wissenschaftspolitik Strategien der strukturellen Härtung entwickeln: […]

Oh, wunderbar. Da kommen wir nämlich genau in mein Spezialgebiet, Prüfungsrecht und so weiter.

Universitäten haben nämlich kein allgemeines Recht der „akademischen Selbstverwaltung“, und das wird auch in der Realität nur missbraucht, um durch Quotenfrauen, Gleichstellungsbeauftragte, AStA usw. alles auf links zu bügeln. Tatsächlich ist zwar nicht in allen, aber in vielen Bereichen genau das Gegenteil der Fall, muss nämlich „alle Staatsgewalt vom Volke ausgehen“, und deshalb durch gewählte Parlamente und Regierung und nicht durch – demokratisch überhaupt nicht legitimierte – Universitäten, Professoren, studentische Aktivisten.

Genau diese „strukturelle Härtung“, die diese beiden Autoren hier betreiben wollen, ist eigentlich ein Fall für den Verfassungsschutz, denn genau damit stellen sie sich gegen die Grundstruktur des Grundgesetzes, nämlich den demokratischen Einfluss. Das Bundesverfassungsgericht hat in den 1990er Jahren schon klargestellt, dass der gesamte Komplex der Hochschulprüfungen und -abschlüsse der demokratischen Legitimation bedarf und deshalb nur vom Parlament und nicht von den Professoren gesteuert werden kann, und deshalb der gesetzlichen Grundlage bedarf.

Wenn man das so liest, kann man eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen, dass da die linken Hochschulvögel – beide sind Soziologen – gerade eine Mordsangst davor bekommen, dass Demokratie zum Tragen kommt und das Volk umwählt, weil es vom Rumgelinkse an den Universitäten die Schnauze voll hat.

Ich habe das AfD-Programm nicht gelesen.

Aber soweit ich das jetzt aus den indirekten Zitaten herauslesen kann, hat die AfD recht. Es geht in die richtige Richtung.

Allerdings erscheint mir das alles auch ein wenig oberflächlich und unbeholfen. Gut gemeint, aber etwas zu arglos.

Ich kann meine über nun 30 Jahre angehäufte Sachkunde zum Thema Universitäten gerne anbieten und einbringen. Mal die Universitäten eines Bundeslandes auszumisten und aufzuräumen wäre doch eigentlich eine ideale Tätigkeit nach dem, was ich da jahrzehntelang gemacht habe.