Verpackter Wahnsinn
Irrenanstalt Deutschland/Österreich: Die Bürokratie wird immer absurder.
Zum Verpackungsartikel von vorhin schreiben mir Leser:
Hallo Hadmut,
die Sache mit dem Verpackungsregister ist eigentlich noch wahnsinniger.
Aktuell ist es bereits so, dass Händler ihre Versandkartons, die sie in Deutschland verwenden, registrieren müssen. Dafür meldet man sich bei diesem Verpackungsregister an, kriegt dann eine Nummer, sucht sich dann einen Entsorger, meldet dort (unter Angabe der Nummer), wie viele Kilo Verpackungsmüll (und welcher Art, also Pappe, Plastik, Metall etc.) man im besagten Jahr zu erzeugen gedenkt, und zahlt dafür einen entsprechenden Entsorgungspreis. Man muss das erledigt haben, bevor man auch nur ein einziges Gramm verschickt.
Sowohl man selbst als auch der Entsorger müssen diese registrierten und bezahlten Mengen an das Verpackungsregister melden. Im kommenden Jahr muss man dann auch eine Jahresabschlussmeldung machen, in dem die in Verkehr gebrachten Mengen noch mal bestätigt werden. Das ist innerhalb Deutschlands so, aber alle anderen EU-Länder haben ähnliche Systeme und fast niemand hat Bagatellgrenzen, weswegen man sich als EU-weiter Händler in allen EU-Ländern einzeln anmelden muss. (In Österreich muss man zusätzlich einen Bevollmächtigten bestellen, der in Österreich dafür haftet, dass die Verpackungsregistrierung ordnungsgemäß durchgeführt wurde.)
Nun hat die EU gesagt: Das wollen wir reformieren. Die wirklich logische Konsequenz, eine einzige EU-weite Stelle anzubieten, damit Händler den ganzen bürokratischen Aufwand nicht haben, ging nicht durch, die Länder haben nicht mitgespielt. Stattdessen wollte man in jedem EU-Land, in dem der Händler nicht selber sitzt, aber in das er verschickt, nach österreichischem Vorbild einen Bevollmächtigten zur Pflicht machen. Das soll jetzt (nach Protesten vieler Händler) auf 2035 verschoben werden.
Aber eine Vereinfachung hat man sich auch einfallen lassen: Händler, die Verpackungen im Inland kaufen und im Inland verschicken, müssen in Zukunft nicht mehr registrierungspflichtig sein, da könnte nämlich der Verpackungshersteller einfach im Voraus die Entsorgungsgebühr zahlen. Ausgenommen wären Händler, die ihre Verpackungen individualisieren, also etwa wie Amazon ein fettes Amazon-Logo auf die Kartons drucken lassen. Die wären weiterhin selbst für die Registrierung und die Entsorgungsgebühren verantwortlich und würden als Hersteller (oder Erst-In-Verkehr-Bringer) gelten. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung für die Reform des Verpackungsgesetzes würde diese Definition von “Hersteller” aus dem EU-Text übernommen werden.
Offenbar stinkt dem Verpackungsregister jetzt, dass damit viele der bisher bei ihnen registrierten Händler einfach rausfallen würden (nämlich so ziemlich alle, die nur Standardverpackungen für den Versand innerhalb Deutschlands einkaufen). Also versuchen sie beim Verpackungsregister, das mit der Individualisierung so umzudeuten, dass ein Versandlabel schon als Individualisierung gelten soll.
Im Endeffekt versuchen sie also krampfhaft, den Status Quo zu erhalten, und ignorieren dabei die Intention, die eigentlich hinter der Neudefinition steckt.
LG
[…]
PS: Für den Versand von Deutschland nach Österreich hatte mal ein Händler für Pokemonkarten auf Twitter aufgedröselt, was der für Kosten hat. Wie gesagt, das sind alles aktuelle Regelungen, nichts Neues: https://x.com/domjahn/status/2052336298942238733
Wir (https://t.co/3m0i1tHS6p) verkaufen gerne in Europa. Und hören trotzdem damit auf.
Was kostet z. B. ein Paket nach Österreich? 14,50 € Porto.
Realität für uns als Gewerbetreibende: 135 € pro Paket bei gerade einmal zehn Sendungen pro Jahr nach Österreich 2025.
Dabei… pic.twitter.com/xCGvZPEDT4
— David Domjahn (@domjahn) May 7, 2026
Hallo Herr Danisch,
wenn ich ein Auto auftanke (also Benzin oder Diesel auffülle), ändert sich doch auch das Gewicht.
Werde ich dadurch zum Hersteller und muss eine neue Typzulassung beantragen?Bitte nicht veröffentlichen, sonst bringen wir die EU-Bürokraten noch auf Ideen 😉
Gegenfrage: Ist ein Restaurantbesitzer ein Menschenproduzent, weil er deren Gewicht ändert, wenn sie essen?
Zentralstelle Verpackungsregister ist leider echt
Hallo Hadmut,
> Ist das echt? Kann das stimmen?
Ja. Das ist echt. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (übrigens eine ins Privatrecht geflüchtete Stiftung mit hoheitlichen Aufgaben, genauso wie das Elektro-Altgeräte-Register[0]) ist dafür bekannt das sehr eng zu sehen und gnadenlos umzusetzen. Man muss im Voraus die Verpackungen, die man in Umlauf zu setzen gedenkt anmelden und sofort dafür zahlen. Am Jahresende kriegt man was zurück falls man weniger in Umlauf gebracht hat.
Sie setzt auch gleich bei Produktion, beziehungsweise Import von Verpackungen an. Ein Kleinunternehmer hier aus der Gegend hat mir mal erzählt, wie das läuft. Er kaufte nichtsahnend 100 Versandkartons bei einer Kartonagenfabrik um Kleinkram aus dem 3D-Drucker auf Ebay zu verkaufen. Mit der Rechnung kam eine Email mit dem sinngemäßen Inhalt “Wir haben Sie übrigens gleich beim Verpackungsregister angemeldet weil wir dazu gesetzlich verpflichtet sind. Sie bekommen demnächst Post von
denen mit einer Gebührenrechnung.”. Als die Kartons dann aufgebraucht waren hat er beschlossen den Betrieb wieder einzustellen.Ob es bei den Verpackungen eine Containerlotterie wie bei den Elektro-Altgeräten[1] gibt weiss ich nicht. Beides zusammen hat jedenfalls den Versandhandel stark, äh, professionalisiert. Sprich, wer keine Compliance-Abteilung hat, beziehungsweise die Umsätze um dafür einen externen Dienstleister zu beauftragen lässt das mit dem Versandhandel – beziehungsweise der Produktion von verpackten oder elektrischen/elektronischen Produkten – eben sein.
Die Vorständin von dem Laden ist Dir bestimmt auch gleich auf den ersten Blick sympathisch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gunda_Rachut
Ein paar Highlights:
“Gunda Rachut ist geprüfte Heilpraktikerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Fachausbildungen in traditioneller chinesischer Medizin, Gesprächspsychotherapie, EMDR und Bioresonanztherapie.”
“Rachut wurde 1995 in die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler berufen.”
viele Grüße,
[…]
Fussnoten:
[0] https://www.mikrocontroller.net/articles/WEEE-Anmeldung
[1] https://www.mikrocontroller.net/articles/WEEE-Anmeldung#Abholanordnung/Containerlotterie
Was mich daran so besonders stört:
Wir wissen ja längst, dass es sich in Deutschland nicht mehr lohnt, arbeiten zu gehen, weil man damit nicht mehr Geld bekommt als jemand, der nicht arbeitet. Aber halt eben arbeiten muss.
Mit solchen Schikanen wird da nun wirklich jede Eigeninitiative, jeder Wille, jede Bereitschaft, noch ein Unternehmen zu betreiben, erdrosselt.
Es scheint, als wolle man wirklich flächendeckend jede Erwerbstätigkeit auf Null runterfahren. Da wird jeder Ansatz von Wirtschaft durch endlose Schikanen zerstört.
Warum?
Wer steckt dahinter?
Für Zufälle und Regulierungswütige Sesselfurzbeamte halte ich das nicht mehr, dafür ist es zu ausgefuchst und systematisch.