Ansichten eines Informatikers

Von Unterhosen aus Athen und heimlichen Wässerchen auf Nachfrage

Hadmut
20.6.2026 17:18

Noch ein paar Abschlussanmerkungen.

Zum Abschluss wollte jemand vom Hotel noch wissen, wie es mir denn so gefallen habe.

Nun bin ich nicht so gut im Heucheln, stattdessen viel zu ehrlich, und sagte, dass ich von Mykonos-Stadt doch etwas enttäuscht sei, weil alles nur teuer und Luxusläden. Delos habe es rausgerissen, das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich zweimal dort war. Insofern sehe ich Mykonos insofern positiv, weil es eben einen Flughafen hat und man dann von hier aus auf die Inseln kommen kann.

Ja, war die Antwort, das habe sich so entwickelt, die Griechen kämen ja auch nicht mehr.

Ich habe dann von dem 350-Euro-Hemd erzählt und dass ich an der Stadt außer den Windmühlen eigentlich nichts Sehenswürdiges gefunden habe. Eigentlich wäre das alles schon schön und toll und motivträchtig, aber alles so überlaufen, so voller Menschen. Und das Essen alles teuer.

Ja, war die Antwort, sie (die Einheimischen) würden da auch gar nicht mehr runtergehen. Das sei nur noch für Touristen, sie selbst machten da nichts mehr.

Wo sie denn dann ihr Zeugs kaufen würden. Mir war nämlich aufgefallen, dass ich an Geschäften zwar einige Supermärkte gesehen hatte, aber einfach gar nichts, wo man sich mal ein paar normale Schuhe, Socken, Unterhosen, eine Jacke kaufen könnte. Wie machen sie das eigentlich?

Antwort: Sie kaufen nur Online oder in Athen. Hier auf der Insel kauften sie eigentlich gar nichts.

Wie, in Athen, dort ist es billiger? Ja, sehr. Donnerwetter, zum Shopping nach Athen. Ich habe vergessen zu fragen, ob sie das Flugzeug oder die Fähre nehmen.

Immerhin weiß ich jetzt, warum Griechenland so verblüffend gut mit Versandgeschäften ausgestattet ist, denn manche von denen liefern auch nach Zypern. Skroutz zum Beispiel. Mir war aber sogar aufgefallen, dass mir die deutsche Amazon-Webseite anbot, dass sie kostenlos auch nach Griechenland liefern. Nach Zypern ist es bei Amazon nämlich schwierig bis unmöglich. Da wird wohl die ganze Inselwelt per Versandhandel versorgt.

Müsste ich eigentlich mal machen. Zum Unterhosen kaufen nach Athen. Das hat was. Das macht nicht jeder.

Nun, meinte ich, das würde natürlich erklären, warum mir Mykonesen … Mykoniden … Mykonier … Mykronen … Mykende … warum mir Einheimische sagten, es gebe auf ganz Mykonos keine einzige öffentliche Toilette gebe … ja,ja, warf man ein, alles Hotel- und Restaurant-Toiletten … ich haber schon zwei gefunden habe. Man war verdutzt. Ja, aber dann zum Geldeinwurf. Nein, kostenlos, free. Aber können die sauber sein? Oh, sage ich, die waren eng, aber sauber. Gut zu benutzen.

Man staunte. Ich habe dann noch erklärt, wo die sind.

Aber, sagte ich, eine sei gefährlich. Diese da. Die Urinale sind nämlich im rechten Teil, der so L-förmig hinten raussteht, und zwar an der Wand nach Westen, die außerhalb der Pier direkt auf das offene Meer zeigt. Über den Urinalen hat es nämlich schmale, horizontale Oberlicht-Fenster, und die stehen offen, damit frische Luft reinkommt. Gestern war ich da pinkeln, und gestern war Sturm. Schwere See. Und wenn dann eine Welle gegen die Außenwand schlägt und durch das Oberlicht schwappt … Ich stand a also gestern so beim Pinkeln, müde, erschöpft, denke mir nichts böses, freue mich über die Erleichterung, und ohne Vorwarnung macht es plötzlich *Platsch* und ich von oben bis unten (aber nur vorne) klatschnass.

Da ich allein reise, musste ich das niemandem erklären, aber wie erklärt man das, wenn man zum Pinkeln geht und von vorne klatschnass wieder rauskommt? Falscher Winkel gegen die Wand?

Am Flughafen.

Ich hatte zwar noch Wasserflaschen übrig, durfte die aber natürlich nicht mit reinnehmen. Ausgetrunken, weggeworfen.

Wollte mir drinnen im Sicherheitsbereich noch Wasser nachkaufen, aber ich dachte, ich sehe nicht recht: Ganz kleine Fläschchen, 0,33 Liter (wie Coladose), verschiedene Marken zwar, aber alle 3,70 Euro. Sind die verrückt? Selbst in Berlin zahle ich nur 2 Euro für 0,5. Paphos 1,90, manchmal weniger.

Nun hatte ich gelesen, dass es hier einen Zapfhahn für Trinkflaschen gebe. Rumgefragt. Nein, gibt es hier nicht.

Webseite aufgemacht, ich dachte doch, ich hätte das gelesen. Da steht, dass man sich Wasser kaufen muss, aber das sei kein Problem, denn Wasser sei hier billig, die Regierung habe den Preis nämlich gesetzlich gedeckelt.

3,70 für 0,33 Liter nennen die „billig“?

Dann fiel mir etwas ein. Die reden von einem gesetzlichen Höchstpreis.

Mir war nämlich in Mykonos-Stadt etwas aufgefallen. So absurd teuer die Läden dort waren, sah man immer wieder 0,5-Liter Mineralwasserflaschen für 50 Cent. Ich hatte mich schon gewundert, warum sie ausgerechnet da nicht abzocken, wo man doch trinken muss. War das vielleicht diese gesetzliche Obergrenze?

Ich ging nochmal an das Wasser-Regal im Duty-Free-Shop. Und schaute genau. Alles, alle Marken, 3,70. Sie haben auch Liter-Flaschen. Für 4 Euro.

Doch dann fand ich ein kleines schiefes Preisschild ganz am Rande, kaum zu sehen, man muss schon sehr genau hinschauen: 60 Cent für 0,5 Liter. Also effektiv ein Zehntel des Preises. Aber nichts dahinter, keine Flasche. Leeres Regalfach.

Den Typen gefragt, der gerade Regale einräumte, wo es denn die 60-Cent-Flaschen gäbe. Die gibt es nur auf Nachfrage an der Kasse.

Man kann sogar zwischen gekühlt und nicht gekühlt wählen.

Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass sie da ein ganzes Regal voller 0,33-Liter-Flaschen zu 3,70 Euro haben, aber wenn man fragt, und nur wenn man fragt, bekommt man die 0,5-Liter-Flasche für 60 Cent?

„Ja.“

Da nahm ich zwei.