Mann von Welt
Und wie man einer wird – und wie nicht.
Ein Leser schreibt:
Mykonos
Hallo, Herr Danisch,
ich lese gerade amüsiert Ihren “Griechenland”-Reisebericht.
Man hält Sie doch für einen Mann von Welt. Wie, um Himmels Willen, kommen Sie auf die Idee, von ganz Griechenland ausgerechnet die US-Amerikanische Touri-Hochburg Mykonos zu besuchen? Sich über die Verhältnisse dort zu beschweren ist wie sich über linke Assis in Leipzig Connewitz zu echauffieren. Kann nur noch von Santorini getoppt werden, das weiß man doch.
Halten Sie durch, fahren Sie möglichst weit raus aus der Stadt, nordwärts und suchen sich dort ein ruhiges Plätzchen. Und das nächste Mal, checken Sie bitte coole griechische Sachen, wie beispielsweise Kreta (da: den Süden) aus.
Mitfühlend,
Wie ich darauf gekommen bin, nach Mykonos zu fahren?
Na, ganz einfach: Ich habe mich gar nicht informiert, sondern mir einfach den Flugplan von Ryanair ab Paphos angesehen, und mir gedacht, Reihenfolge und Auswahl ist egal, weil ich sie sowieso alle abklappern will, dann aber Athen und Kreta aus der Liste gestrichen, weil ich da zwar unbedingt hin will, aber mir eine Woche nicht reicht und ich gerade nur eine Woche Zeit loseisen konnte, und mir dann den billigsten Flug ausgesucht habe – Schema: Lassen wir uns überraschen.
Das ist nämlich der springende Punkt:
Man kann nur ein „Mann von Welt“ sein, wenn man da auch mal gewesen ist. Wenn an sich immer nur vorher informiert, warum man wohin nicht fährt, dann ist man ein Mann von Google und nicht von Welt.
Nach Kreta wollte ich tatsächlich mal ziehen. Ich hatte vor vielen Jahren mal von der ENISA einen Vortrag in London gesponsort bekommen und hatte mich dann auf eine Stelle bei der ENISA beworben, weil die auf Kreta sitzen. EU-Beamter, Kreta, feine Sache. Die haben mich aber wegen meiner versauten Promotion nicht genommen. Damals hatte ich mich schon etwas mit Kreta beschäftigt (und später gemerkt, dass die ENISA auf dem Festland sitzt und auf Kreta nur eine Außenstelle ist).
Ich hatte schlicht nicht die Zeit, mich zu informieren und das alles innerhalb von weniger als einer Stunde ausgesucht und gebucht,
Und sagen wir es so: Wäre ich nicht hier, wüsste ich nie, was ich wirklich von Mykonos zu halten habe.
Ein Leser hat mich übrigens auf einen Beitrag des SWR hingewiesen: Griechische Inseln vor dem Kollaps – Zerstört der Massentourismus die Traumziele? | SWR Doku
Die Inseln in der griechischen Ägäis stehen in diesem Sommer vor dem Kollaps. Mykonos und Santorini, Traumziele vieler Deutscher, werden von Touristen regelrecht überrannt. Mit fatalen Folgen: Wassermangel, Müllprobleme, explodierende Preise und eine immer brutaler agierende Baumafia. Die SWR-Story begibt sich auf Spurensuche.
Die Autoren sprechen mit deutschen Urlaubern und genervten Einheimischen. Ihre Recherche liefert brisante Einblicke, die Urlaubern normalerweise verborgen bleiben. So wurde in Athen ein Landvermesser aus Mykonos mit 15 Schüssen aus einer Pistole regelrecht hingerichtet. Wurde er Opfer der Baumafia, die laut griechischer Staatsanwaltschaft große Teile der Luxus-Insel unter Kontrolle hat? Und: während in den noblen Party-Clubs von Mykonos der Jet-Set feiert, hat sich ein gnadenloses System der Schutzgelderpressung ausgebreitet. Gibt es Alternativen zum zerstörerischen Massentourismus? Die Autoren besuchen die kleine Insel Astypalea, die ganz bewusst auf sanften Tourismus setzt.Diese Doku aus der Reihe SWR STORY trägt den Originaltitel: “Die Schattenseite der Sonneninseln – Massentourismus in Griechenland” Ausstrahlungsdatum: 9.9.25. #swrdoku #swr
Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem Zeitpunkt der Ausstrahlung und wurden seitdem nicht aktualisiert.
Na, das ist doch auch mal was, was man wissen sollte.