Ansichten eines Informatikers

Milliardärsyachten

Hadmut
16.6.2026 22:46

Sind schon arme Säue, diese Milliardäre.

Ich war heute mal im neuen, moderneren Hafen, wo die großen Milliardärsyachten liegen. Während mir gestern noch – wie heißen eigentlich die Einwohner von Mykonos? Mykonoden? Mykoniden? Mykierende? – Mykononier sagten, dass es auf der gesamten Insel keine öffentlichen Toiletten gebe, ich aber mit der Kenntnis einer zumindest pseudoöffentlichen Toilette im alten Hafen gegenhalten konnte, habe ich heute – aber nur mit Hilfe der örtlichen Polizei, weil ich die Polizei nach Örtlichkeiten gefragt hatte, eine zwar versteckte und auch innen verwinkelte, und enge, aber so richtig öffentliche und ordentlich gemachte, saubere Toilette im neuen Hafen ausfindig gemacht. Es gibt also doch welche, und während Eingeborene überzeugt sind, dass es so etwas nicht gebe, kenne ich nun schon zwei.

Ich war dann auf der Pier, an der die riesigen Milliardärsyachten festmachen. Und weil es da Sitzbänke gibt, mal etwas Pause gemacht.

Wem gehören eigentlich diese Yachten?

Handy raus, gegoogelt. Bilder und Daten gefunden, das waren auch eindeutig diese Schiffe.

Aber: Wem sie gehörten, das sei nicht herauszufinden. (Oder Google sperrt das absichtlich.) Das werde aus Sicherheitsgründen und wegen der Privacy streng geheim gehalten. Die Schiffe gehören dann irgendwelchen Holdings oder Betriebsunternehmen, von denen man wegen eines Gestrüpps von Eigentümerschaften nie wisse, wem sie gehörten, und an wen sie verchartert werden. Anscheinend ist das so, dass viele Milliardäre zwar über verworrene Umwege Eigentümer ihrer Yacht sind, aber nie als Eigentümer auftreten und die bei Gebrauch immer bei sich selbst chartern. „Die gehört mir nicht, die habe ich nur gemietet…“. Und zumindest zum Schein auch an andere vermieten, um Beobachter zu verunsichern.

Die achten da immer auf Sicherheit. In Auckland hatte ich solche Yachten schon gesehen, da stehen große Schilder am Steg, Betreten strengstens verboten – und ein verkabelter Ständer mit Klingelknopf oder gleich Gegensprechanlage wie an einer Wohnungstür. So etwas habe ich hier jetzt nicht gesehen, dafür ziehen sie die Stege wie Zugbrücken hoch. Zwar nur etwa einen Meter, aber das reicht, dass man nicht einfach so drauf kommt.

Wie ich da so sitze und ausruhe, und mir diese Yachten anschaue, habe ich versucht, neidisch zu werden. Mir auch so eine Yacht zu wünschen.

Es gelang mir nicht.

Stattdessen ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass so ein Milliardär doch eigentlich eine arme Sau ist.

Ich fliege zwar immer Economy und nehme mir das günstigste Hotel, aber prinzipiell kann ich einfach so überall hin, wohin ich will (außer an die Strände nur für Hotelgäste), und wirklich keine Sau interessiert es, wer ich bin, was ich mache. Ich kann einfach so überall hin, wohin ich will.

Diese Leute sitzen zwar in einem sehr goldenen und sehr riesigen, aber eben immer noch einem Käfig, und müssen das aus Sicherheitsgründen geheim halten, brauchen Sichtschutz und so weiter. Die Crew ist darauf bedacht, dass man unter keinen Umständen einen Blick hineinwerfen kann, etwa eine offene Tür. Irgendein Superreicher – war es nicht Jeff Bezos? – hat neulich seine Riesenyacht verkauft, weil zu bekannt, weil man jetzt weiß, dass er drin sitzt.

Ist das nicht schrecklich?

Die Leute sitzen im Hafen von Mykonos, und können eigentlich gar nicht raus aus dem Ding. Eigentlich könnten sie auch gleich zuhause bleiben und sich das im Fernsehen angucken.

Eigentlich wäre ich schon gerne Milliardär. Und das nötige Zeug dazu hätte ich in den 90ern gehabt. Aber dann in so einem schwimmenden Gefängnis aus Gold zu sitzen … das wäre dann nichts für mich.

Ich habe mal gehört, dass viele amerikanische und arabische Milliardäre darauf bestünden, dass ihre Wasser- und Heizungsrohre vergoldet sind, und zwar sogar da, wo man sie gar nicht sehen kann, damit sie standesgemäß sind, und dann völlig konsterniert seien, wenn sie bei deutschen Milliardären zu Besuch seien, weil viele von denen dann einfach nur eine weiße Rauhfasertapete an der Wand hätten.

Was also sind die Motive, sich so eine Yacht zu kaufen? Standesdenken oder Sicherheitsbedarf? Können diese Leute gar nicht anders Urlaub machen?