Ansichten eines Informatikers

Die Hölleninsel Mykonos

Hadmut
15.6.2026 23:52

Könnt Ihr Euch komplett sparen.

Nachdem die Japan-Reise zwar großartig und toll war, aber schon wieder über ein Jahr her ist, und ich wirklich überarbeitet bin und am Rande des Burnout wandle, weil ich – ob in Berlin oder auf Zypern – eigentlich nur noch am Schreibtisch sitze und mich mit irgendwelchen Rechts- und Steuerstreitigkeiten und Gerichtsverfahren herumschlage und kaum noch aus der Bude herauskomme (das ist die aktuelle Hintenrum-Zermürbungstaktik gegen Blogger und Kritiker – ich weiß, dass man das auch bei anderen anwendet), dachte ich mir, wenn ich jetzt nicht aus der Bude rauskomme, bisschen an die Sonne, bisschen Bewegung, und vor allem, das Hirn auslüften, was anderes machen, falle ich tot vom Stuhl und erlebe den 60. nicht mehr. Und weil das nur noch ein paar Tage hin ist, dachte ich mir, könnte ich mir zum runden Geburtstag wenigstens mal ein ganz kleines Miniurläubchen gönnen, mal ne Woche irgendwohin, wo ich noch nicht war.

Und es hieß ja neulich auch noch, dass wir nicht mehr lange fliegen können, weil durch den Irankrieg weltweit der Sprit ausginge.

Also habe ich mal geguckt, wohin man denn preisgünstig kommen könnte. Von Berlin aus. Oder von Zypern.

„Naheliegenderweise“ (so im geographischen Sinne) fliegt Ryanair ein paar griechische Ziele an. Und weil ich noch nicht in Griechenland war und ich damals eine Griechenland-Exkursion des Altgriechisch-Kurses am Gymnasium verpasst habe, lastet mir seit fast 45 Jahren auf der Seele, dass ich – Zypern hin oder her – noch einen Abstecher nach Griechenland nachzuholen habe.

Und Ryanair fliegt von Paphos nach Mykonos. Flug hin und zurück einschließlich eingechecktem Gepäckstück 20kg für 98.84 EUR. Günstiges Hotelzimmer in Stadtnähe, aber nicht in der Stadt für 614 Euro eine Woche, weil etwas außerhalb der Saison. Kleinster Mietwagen für eine Woche 106 Euro.

Jo, dachte ich, das hört sich überschaubar an, da kann nicht viel schiefgehen. Fliegste mal nach Mykonos, dann warste mal in Griechenland, dann hast’s mal gesehen. Wer weiß, wie lange man noch fliegen kann und darf.

Nun sitze ich also auf Mykonos.

Meine Güte.

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Das ist eine richtig schöne Insel, tolle Buchten, das Meer so blau, der Himmel so blauer, dass sich jede Postkarte in Grund und Boden schämt. Als hätten die Götter die Insel als Geschenk für Zeus gemacht. Auch die Häuser und die Infrastruktur, das ist alles etwas (manchmal auch deutlich) besser, schöner, moderner, ordentlicher, neuer als auf Zypern. Man hat hier Geld.

So, fertig. Das war es mit dem Positiven. Zumindest für die ersten drei Tage. Vielleicht finde ich noch was.

Man kann, soweit ich das bisher überblicken kann, auf Mykonos keinen Urlaub machen. Hier gibt es nichts zu urlauben. Hier wird man nur Geld los.

Auf Mykonos gibt es eine angeblich sehr schöne und sehenswerte Altstadt. Schon ist sie, weil alles schön weiß gestrichen ist und gut gepflegt ist, während die Architektur doch etwas an Dantooine erinnert. Aber da ist nichts echt. Mykonos ist ungefähr so echt und authentisch wie eine Kreuzung aus Disneyland und Shopping Mall. Die gesamte Altstadt besteht nur aus Luxusläden und teuren Restaurants. Eine teure Marke an der anderen, Louis Vuitton und so Zeug. Nichts ist griechisch, alles ist teuer.

Ich kam an so einem Touristen-Klamottenladen vorbei uns sehe drinnen eine Schaufensterpuppe mit einem bedruckten Herrenhemd. Eigentlich nichts besonderes, so ein legeres ungebügeltes Freizeithemd für an den Strand. Hätte mir gefallen. In Berlin oder auf Zypern hätte ich dafür so 20 oder 25 Euro gezahlt, oder weniger. Ach, dachte ich, unter Urlaubsbedingungen und urlaubslandmäßig könnte ich dafür auch mal 30 oder 40 ausgeben, es gefällt mir. 350 Euro wollten sie für das Ding.

Sonnencreme. Ich hatte beim Packen auf Zypern noch eine Flasche Sonnenspray von Rossmann für 3,50 Euro in der Hand. Die ist sehr, sehr gut. Dachte mir dann aber, nee, nicht, dass mir die im Koffer ausläuft, das Zeug ist so flüssig, dann habe ich Sauerei und Sachen kaputt. Lieber lege ich ein paar Euro drauf und kaufe die am Ziel.

Scheibenkleister. Die meisten Läden führen nur Piz Buin und Garnier, und da kostet eine keine Flasche dann 22 bis 27 Euro. Manche Läden haben noch Niveau für 20, und nur, wenn man die richtigen Supermärkte kennt und hinfährt, kann man dort etwas von Nivea für 12,70 Euro finden.

Essen gehen – nächstes Problem. Nix Frühstück am Hotel. Macht eigentlich nichts, weil ich das sowieso gerne so mache, dass ich gleich loszockle und mir unterwegs irgendwo an einer Bäckerei oder im Supermarkt irgendwas hole. Gibt es hier nicht. Man muss ins Restaurant, und da kommt man dann auch nicht unter 20 Euro wieder raus. Oft deutlich mehr. Da gibt es auch welche mit Weinen und Champagner zu drei, vier und fünfstelligen Beträgen.

Zu sehen gibt es so gut wie nichts.

Sie haben ein paar historische Windmühlen in der Stadt stehen. Die kann man sich von außen anschauen. Fertig. Dann haben sie noch ein paar ganz kleine Ruinen. Fertig. Es gibt noch ein Kultur- und ein archäologisches Museum, aber die hatten am Wochenende zu, und zumindest ersteres kann nicht groß sein, weil ich da ruckzuck außenrum gelaufen bin.

Etwas später habe ich woanders noch eine Windmühle gesehen, die man von innen besichtigen kann. 2 Euro, mit Erklärungen.

Alles, was ich bisher gesehen habe, hat zwar ein paar postkartenmäßige Extrem-Meer-Ansichten am Hafen, eigentlich wäre das atemberaubend schön. Aber die ganze Stadt scheint nur aus Touristenabzockstationen zu bestehen. Es gibt so ein paar – sauteure – Mini-Marts, und in der Nähe der Windmühlen eine Zahnarztklinik, aber sonst habe ich nichts gesehen, was einer normalen Stadt entspricht. Ein Abzock-Laden am nächsten, ansonsten fast nichts.

Dafür ist vieles amerikanisiert. Ich wollte mir ein Eis kaufen. „Greek Frozen Yoghurt“. Kenne ich von Zypern, ist lecker, ähnlich wie Softeis, aber nicht so süß, ganz leicht säuerlich. In einem Laden. Zwei waren vor mir dran, das hast fast 20 Minuten gedauert. Im Laden auf Verkäufer- und Kundenseite fast nur Frauen, und Frauen brauchen ewig. Weil sie erst dann, wenn sie dran sind, überhaupt anfangen darüber nachzudenken, was sie vielleicht haben können wollten und was nicht. Als die vor mir an der Reihe waren und die zu der „you’re next?“ sagten, konnte die sich auf mehrfaches Nachfragen noch nicht eimmal entscheiden, ob sie jetzt dran sein will oder lieber nicht. Eigentlich wollte sie noch nicht, weil sie nicht wusste, ob sie überhaupt ein Eis will oder noch. Zu einem Ja konnte sie sich nicht durchringen, ein Nein aber auch nicht, denn dann hätte sie mich ja vorlassen müssen. Das ist wichtig, dass während des Nachdenkens alle anderen warten müssen.

Also dachte ich, ich zeige den Weibern mal, wie ein Mann sein Eis bestellt. „Medium, with strawberry topping, please“. Zack, fertig, Zahlkarte schon in der Hand. Schaut her, Frauen, so macht man das. Für süße 8 Euro.

Aber, ach. Denkste. Peifedeckel.

Dann gingen die Rückfragen los, wie bei der US-Kette Subway, die mich schon einmal in den Wahnsinn getrieben hat. Und ich habe die nicht verstanden, musste immer wieder nachfragen. Hier essen, oder mitnehmen? Tu mir das Ding in so einen Becher und fertig!“ Welche Eisssorte? „Frozen Yoghurt, natürlich! Das ist doch das, was Ihr verkauft!“ Ja, aber wir haben fünf verschiedene Grundgeschmacksrichtungen … Ich will keinen Geschmacksrichtung, tu mir einfach Frozen Yoghurt da rein! Ja, aber wir müssen genau klären, welche Sorte. Macht’s doch nicht so kompliziert! Die flüssigen oder die festen Erdbeeren? Egal! „Egal“ haben wir nicht. Das da! Tu drauf! Möchten Sie bar oder Karte zahlen? Karte, deshalb habe ich sie hier! Möchten Sie einen Belegen haben? Ja! Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag. Könnte ich vielleicht noch einen Löffel haben? Wie soll ich das ohne Löffel essen? Die Löffel liegen hier auf der Theke, die müssen Sie sich nehmen. Da stehen aber inzwischen 6 Frauen davor. „Excuse me, please, could I just …“ Die haben mich gehört, gucken kurz verständnislos und ignorieren mich dann. „EXCUSE ME, PLEASE, I NEED TO GET A SPOON!“ Jetzt gehen sie zur Seite.

Aber dann haben die alle Handtäschchen von irgendwelchen sauteuren Edelmarken um.

Überhaupt, die Leute.

Das fängt schon bei der Quantität an. Die Stadt ist so voller Leute, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt. Manchmal sind das ganz enge Gassen, und wenn man aus einem Laden raus will muss man manchmal auf eine Lücke warten, als wollte man mit dem Auto von einer Ausfahrt auf eine vielbefahrene Landstraße einbiegen.

Viele Leute aufgedonnert. Teure Fummel. Aufgemotzt. Schicki-Micki. Jet-Set. So künstlich lustig, so aufgesetzt und erwartunggemäß plichtgemäß gut gelaunt. Ab und zu kommen Hubschrauber vom Festland. Mir geht der Gedanke durch den Kopf, dass ich denen auch das Geld abnehmen würde. Solche Leute, mit denen ich mich nie abgeben würde. Reiche Leute. Und Leute, die so tun, als wären sie reich. Leute, die versuchen, reich auszusehen, indem sie teueres Zeug tragen oder sich umhängen.

Woher kommen die denn alle?

Ich finde heraus, dass im etwas nördlich gelegenen neuen Hafen praktisch immer, aber täglich wechselnd, drei große Kreuzfahrtschiffe liegen und dessen Passagiere mit Bussen in die Stadt gekarrt werden. Die sind hier, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Die wollen das nicht, die werden hier einfach abgeladen und erst nach Stunden wieder abgeholt. Und dann irren die mit ihrem prallen Kreditkarten stundenlang durch die Gassen mit den Läden für so überteuerten wie nutzlosen Luxuskram.

Und so benehmen sie sich auch.

Fotografieren kann man eigentlich gar nicht. Obwohl es Motive gäbe. Aber vor jedem Motiv stehen ständig irgendwelche Leute, die nicht das Motiv fotografieren, sondern immer nur sich selbst vor dem Motiv. Ich habe, Hunderte, eher Tausende von Leuten gesehen, die sich gegenseitig mit Handys künstlich grinsend in Show-Posen oder Model-Posen vor jeder Gegebenheit, jedem Haus, jeder Windmühle fotografieren, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und Bäume gibt es in der Stadt nicht. Tausendfach dasselbe Foto, nur das Gesicht ausgetauscht. Könnte man auch durch KI ersetzen. Eigentlich könnten die das auf diesen großen Kreuzfahrtschiffen automatisch machen, dass jeder einmal abfotografiert wird und dann von der KI einen passenden Satz perfekter Reisefotos bekommt.

Heute war ich mal im Süden. Das ist nicht schwer, weil die Insel so klein ist, dass man trotz höllischem Stau und totalem Verkehrschaos in 15 bis 20 Minuten dort ist. Derselbe Mist, eigentlich noch schlimmer. Dahin, wohin ich wollte, kam ich nicht. Eine steile Serpentinenstraße runtergefahren. Unten steht einer in so einer Luxushotel-Uniform, präzise gebügelte dunkelblaue Bundfaltenshorts, blütenweißes Poloshirt mit Hotel-Logo, total wichtigem Gesicht, unerbittlicher Entschlossenheit und Funkgerät. Steht mir im Weg, lässt mich nicht durch und bedeutet mir mit Befehlstongestik, dass ich auf den Luxushotelparkplatz fahren müsse. Ich fahre erst einmal durch die Einfahrt, um aus dem Weg zu sein, und steige aus um zu fragen, ob mir der Straße irgendwas nicht in Ordnung sei. Die Straße sei nur für Hotelgäste. Dabei wollte ich zu den teuersten Klamottenläden der Insel, Luxus besichtigen. Und der verarscht mich ganz bestimmt, denn es ist eine öffentliche Straße und es gibt kein Schild und auch sonst keinen Hinweis, dass es eine Privatstraße wäre. Warum er mich denn dann in die Hoteleinfahrt geschickt hätte? Seine Antwort: Ich müsse hier verschwinden, und das sei die einzige Möglichkeit zu wenden ohne in die verbotene Straße zu fahren. Ich bin begeistert, denn an den empfohlenen Strand, der sehr schön sein soll, komme ich deshalb auch nicht. Nur für Hotelgäste.

Ich komme an einen anderen.

Wo ich erst am Ende der Straße, die sehr breit anfängt und dann immer enger wird, weil auch jede Menge Motorroller quer parken, dass ich in einer Sackgasse bin. Eine Notwendemöglichkeit gäbe es gerade so mit mehrfach vor-zurück, aber da steht einer mit so einem Vespa-Transporter. Aus dem Restaurant brüllen sie mich an. Hier dürfe man nicht parken. Ich will ja gar nicht parken, ich will hier nur wieder raus. Wie kommt man hier wieder raus? Nach vorne geht nicht, da ist die Straße zu Ende. Wenden geht nicht, da steht einer. Rückwärts fahren geht auch nicht, hinter mir steht das nächste Auto, der nicht versteht, warum es nicht voran geht. Stehenbleiben geht auch nicht, weil mich die vom Restaurant anbrüllen. Nach viel hin und her fahren die anderen doch weg, ich kann wenden und wieder raus. Finde einen Parkplatz. Für Hotelgäste frei. Für alle anderen: Die erste Stunde 6 Euro, jede weitere Stunde 2 Euro.

Ich komme zu Fuß wieder am Restaurant vorbei. Die stehen schon wieder da. Parken sei hier verboten. Warum sie dann kein Schild hinmachten?

Ob ich blind wäre. Da sei doch ein Schild. Ach, das verblichene hinter dem Baum, das man vom Auto aus nicht sehen kann. Ich rede von einem Sackgassenschild. Am Ende der Straße nutzt mir das Sackgassenschild nichts mehr. Dann weiß ich auch, dass die Straße ein Ende hat. Das muss an die Einfhahrt der Straße. Da könnten sie nichts für „the government“ sei schuld. Aber sie hätten mich doch angebrüllt, nicht the government.

Die sind da massiv rüpelhaft. Ich habe keine Lust, mich mit denen zu streiten, und wende dafür auf dem Rückweg meine totale Killergeheimwaffe an. Ich würdige sie keines Blickes, habe aber die VLogger-Kamera gezückt und mache einen Blog-Bericht, und zwar so ostentativ sichtbar über Straßenbreite, Parkplatz, das Schild hinter dem Baum, dass selbst der Dümmste ohne Deutschkentnnisse kapieren muss, dass ich ein Video darüber mache. Plötzlich kommt die wieder an. Diesmal scheißfreundlich. Ja, ja, versprochen, sie werden das Schild ändern.

Zwischenzeitlich war ich am Strand.

Sehr schön. Tolles Wasser. Total ungenehm. Weil nicht nur völlig mit Liegestühlen und Sonnenschirmen vollgestellt, sondern weil aus den Bars direkt dahinter aus riesigen Lautsprechern Musik ballert, so laut, dass sie mir in den Ohren weh tut. Wer legt sich bei dem Lärm an den Strand? Na, die Hotelgäste. Die haben ja keine Alternative.

Überhaupt ist auf Mykonos unangenehm viel Lärm, weil ständig immer irgendwo irgendein Restaurant total laute Musik rausdonnert.

Ich habe die Badesachen im Auto, kann sie aber nicht einsetzen, weil es nirgendwo eine Umkleide gibt. Nur für Hotelgäste.

Ich muss pinkeln. Es gibt auch keine Toilette. Ich suche und suche und finde keine.

Ich frage Leute aus einer Strandbar, wo es hier Toiletten gebe. Antwort: Hier geben es keine Toiletten. Nur für Hotelgäste. Es gäbe auf ganz Mykonos keine öffentlichen Toiletten. Das stimmt nicht, denn dasselbe Problem hatte ich gestern schon in der Altstadt, habe dann aber schließlich eine kostenlos zugängliche Toilette gefunden. (Keine Ahnung, ob die öffentlich war oder einfach nur so offenstand, aber ich behaupte es einfach mal.) Ich erläutere, dass mir das unverständlich erscheint, denn ich hätte auch eine Wohnung auf Zypern, und dort gibt es öffentliche Toiletten, Umkleiden, Duschen an den Stränden. Die beiden ungläubig. Ja, für Hotelgäste? Nein, für alle. Also gegen Bezahlung? Nein, einfach so. Einer von beiden weiß, wovon ich spreche und bestätigt das dem anderen. „Öffentliche Toiletten“, ja, er habe davon schon gehört. Da kann man einfach so hin. Wie sie sich das denn so vorstellten, fragte ich. Wie man hier pinkeln gehe (um Schlimmeres nicht anzusprechen). Man sei Hotelgast und bleibe am Hotel, oder man gehe in ein Restaurant und zahle.

Weil ich ihnen das so ausführlich erläutert habe, bekomme ich eine Sondererlaubnis (oder Schwindelanleitung). Gleich nebenan, da gebe es eine Toilette, nur für Hotelgäste und Kunden. Ich solle da einfach ohne was zu sagen rein, dann passiere nichts. Da fand ich zunächst den Wegweise („Men to the left. Because Women are alway right.“) Und schließlich die erhoffte Erleichterung.

Diese ganze Insel ist eine unangenehme Konstruktion.

Hier ist nichts Urlaub. Hier wird man entweder in ein teures Hotel verfrachtet, oder per Bus vom Kreuzfahrtschiff im Hafen in die Stadt verfrachtet und dort zur Plünderung ausgesetzt.

Ich habe noch nicht alles gesehen (obwohl es eigentlich auch kaum etwas zu sehen gibt), aber bisher fühle ich mich überall einfach fehl am Platz. Das hat überhaupt nichts mit Griechenland zu tun. Man kommt sich vor, als würde man wie Vieh durch eine Open-Air-Verkaufsmesse getrieben. Als bestehe die Insel nur aus teuren Hotels, teuren Läden, teuren Restaurants und Anlegestellen für riesige Kreuzfahrtschiffe.

Es hat mich an eine Situation erinnert, von der ich auf Anhieb nicht mehr weiß, ob Australien oder Neuseeland. Ich glaube, letzteres. Da war ich in irgendeinem Strandkaff, das erst leer, dann rappelvoll, dann wieder leer war. Und als voll war, die Restaurants und Imbisse voller Personal, hunderte Fleischklopse verkaufsfertig auf dem Grill, und plötzlich wieder alles weg. Ich frage, was zur Hölle denn das gewesen war. Antwort: Siehst Du da draußen das Kreuzfahrtschiff? Ja. Die waren das. Wie, die waren das? Die waren hier? Ja. Damit machen sie ihr Geld. Immer wenn so ein Pott vorbeikommt, sind für ein paar Stunden Tausende Leute da, denen man alles verkaufen kann. Oft haben sie sogar mehrere gleichzeitig, dann stürmen 50.000 Leute die Stadt und kaufen alles, was nicht niet- und nagelfest sei. Und woher wissen sie das? Warum ist dann Personal da? Sie erfahren das alle über eine Mailingliste einen Tag voher. Und sie haben genug auf Lager und jeder hat Leute, Freunde, Verwandte, die nur dann im Laden arbeiten, wenn gerade ein Kreuzfahrtschiff da ist. Und das ist auf Mykonos wohl Dauerzustand, denn ich sehe hier ständig mindestens drei Kreuzfahrtmonstren im Hafen liegen. Im Prinzip ist das nur eine Verkaufsinsel. Sonst nichts.

Ich hatte gestern abend mal gegoogelt, ob das eigentlich nur mir so geht. Werde ich vielleicht alt?

Greece-Moments:

Fragt man Griechen auf anderen Inseln nach Mykonos, winken sie schnell angewidert ab. »Mykonos ist nicht Griechenland«, hört man sie sagen. Stammtischparolen? Mitnichten! Tatsächlich ist die schöne Kykladeninsel eine ganz andere Welt. Die Krisen der letzten Jahre hat es hier nie gegeben, der Tourismus floriert und der Bauboom hält an.

»Mykonos im Sommer: Exzessive Partys, überfüllte Gassen und überteuerte Restaurants. Dazu noch Strände, an denen man vor lauter Menschen den Sand nicht mehr sieht.«

Jedes Jahr drängen sich Touristenmassen durch die engen Gassen von Mykonos-Stadt, keine der wenigen Mykonos Sehenswürdigkeiten ist ohne unzählige andere Urlauber zu genießen. Griechenlandneulinge, die sich von idyllischen Katalogbildern haben leiten lassen, sind nach wenigen Stunden völlig geschockt und der blau-weiße Traum ist geplatzt.

Ob sich ein Urlaub auf Mykonos lohnt und ob noch ein Stück Ursprünglichkeit vorhanden ist, verraten wir in diesem Reisebericht und stellen gleichzeitig unsere Highlights der Insel Mykonos vor, welche du dir nicht entgehen lassen solltest:

Langer Rede, kurzer Sinn:

Seid Ihr Millionäre, deren Vergnügen darin besteht, viel Geld für Tand und Tinnef auszugeben oder Euch in überteuerten Hotels verwahren zu lassen, und solltest Ihr auf Kreuzfahrten stehen, bei denen Ihr gehorsam alles begeht, wo Sie Euch von Bord werfen, dann seid Ihr hier richtig.

Alle anderen können sich Mykonos komplett sparen.

Und das will ich auch mal sagen:

Vom Flug mal abgesehen, war Japan, so pro Woche gerechnet, deutlich billiger. Und sehr viel sehenswürdiger. Hochgerechnet auf mehrere Wochen war Japan sogar mitsamt Flug deutlich billiger.

Auf Zypern ist zwar die Natur nicht so schön und auch sonst nicht alles so schön und vornehm gemacht, dafür einfach besser. Normale Preise, Platz, allein in Paphos mehr Strände, öffentliche Toiletten, normale, freundliche Leute, die keinen Streit wollen. Strandklamotten ab 5 Euro, den ganzen Zubehörkram ebenfalls, Sonnencreme zum LIDL-Preis. Und richtig was zu sehen. Weniger Bekloppte. Und Ruhe.