Ansichten eines Informatikers

Fake oder Fake-Fake?

Hadmut
15.6.2026 10:05

Nach der Fakenews und KI-Fake-Welle gibt es eine neue Fake-Welle.

Offenbar gibt es inzwischen eine neue Welle von Fakes: Jetzt werden wahre Informationen als Fake hingestellt, indem man sie

  • als Fake bezeichnet,
  • oder mit erkennbaren Fake-Taktiken wie zusammengeschnittenen und geklauten Videos oder KI-erzeugten Fotos darüber berichtet.

Wir hatten doch gestern den Fall (im doppelten Wortsinn) der Frau, die in Brasilien von der Brücke geworfen wurde. Da sind inzwischen ein (gefälschtes) Video und die Behauptung aufgetaucht, dass das gar nicht passiert sei, und das „Original“-Video die Frau mit Seil bei einem normalen Sprung mit normalem Schaukeln zeigt, der sei gar nichts passiert, während das Absturz-Video ein KI-Fake sei.

Auch zu dem Heli-Crash, der ja angeblich ein Fake und aus anderen Aufnahmen (u.a. ein Absturz vor 2 Jahren in Malaysia) zusammengeschnitten war oder sein sollte, gibt es inzwischen Meldungen, dass dieser wirklich passiert und ein Sänger namens Oliver Tree dabei zu Tode gekommen sei. Urmeldung wohl CNN-Brazil. Und auch dass einer der abgestürzten Helis in geparkte Autos bretterte, stimmt offenbar, denn der soll in einen Parkplatz voller (gleicher) e-Autos gefallen sein.

Ob jetzt aber über eine wahre Meldung mit Fake-Videos berichtet wurde, oder echte Videos nur fälschlich als Fake bezeichnet wurden, ist mir noch nicht klar.

Das alte Problem: Nur weil die Nachricht selbst gefälscht ist, folgt daraus nicht, dass auch der Inhalt unwahr ist. Das denkt man gerne, aber genau darauf beruht ja die Taktik des vergifteten Brunnens.

Was steckt dahinter?

Warum haben wir zunehmend nicht nur Fake-News, sondern auch Fake-Berichte über wahre Begebenheiten und Fake-Vorwürfen gegen echte Berichte?

Es dürften sich eine Menge Leute wichtig machen wollen, indem sie als Erste über etwas berichten, und das dann eben mit KI-Fotos „illustrieren“, weil sie keine echten haben oder die Nutzungsrechte daran nicht. Das ist kein grundsätzlich neues Phänomen, denn Zeitungen verwenden ja schon lange „Stock Photos“. Beispiel Stern:

Das Foto, das der Stern verwendet, hat mit dem Fall überhaupt nichts zu tun. Man muss da immer im Kleingedruckten lessen, dass nur Archivfotos zur Illustration verwendet werden. Seltsamerweise lässt man etablierten Medien das als normale Berichterstattung durchgehen, während in den Social Media alle sofort „Fake!“ schreien.

Besonders übel finde ich aber die – schon oft beschriebene – Gruppe der risikomeidenden Pseudobesserwisser, die sich als überlegen aufspielen, indem sie alles als Fake ablehnen, obwohl sie eigentlich gar nichts wissen und einfach nur auf das Pferd setzen, mit dem sie sich weniger blamieren können, lieber übervorsichtig als reingefallen und ausgelacht.

Und dann gibt es zweifellos auch diejenigen, die aus Prinzip Fakenews posten und immer das wählen, was ihnen geglaubt wird. Nachdem das mit den Fakenews überhand nahm, posten sie eben nicht mehr Fakenews, sondern Fakenews-Vorwürfe. Ich habe den Verdacht, dass das so ein Psychoding ist, dass die Macht und Kontrolle haben wollen, und sich freuen, wenn sie sehen, dass andere auf ihre Fakes hereinfallen. Man hat das Gefühl, andere steuern zu können, ähnlich wie bei Hackern.

Ein weiteres Motiv könnte sein, die Glaubwürdigkeit der Social Media und damit die Social Media selbst zerstören zu wollen.

Und es gibt sicherlich Leute, die das Ziel verfolgen, dass man einfach gar nichts mehr glaubt und nichts mehr weiß.