Ansichten eines Informatikers

Shahed gegen Apache

Hadmut
10.6.2026 14:24

Die Meldung liest sich wie „Leopard hinterrücks von Schildkröte überfallen und zu Tode gebissen!“

Den ganzen Tag kochen doch schon Meldungen, wonach der eigentlich schon fast totgelaufene Krieg zwischen USA und Iran gerade wieder auflodert, weil die Amerikaner sauer darüber sind, dass der Iran ihnen ein, wie Trump sich wohl audrückte, fortgetschrittenes Flugzeug abgeschossen habe. Den beiden Piloten gehe es aber gut.

Auf gut Deutsch: Wieder irgendwas Teures kaputt gemacht, was man dringend braucht und was sich nicht so leicht ersetzen lässt. Es erinnert mich an diese einzige Tonbandaufnahme von Hitler außerhalb von Reden, wo er – unbemerkt aufgenommen – ganz normal spricht und sich sehr darüber wundert, warum Stalin so wahnsinnig viele Panzerfabriken habe. Weil anscheinend Stalin schon wusste, was die USA, die Russen und die Ukraine gerade lernen und die Chinesen interessiert beobachten: Haben reicht im Krieg nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn es nicht um einen Blitzkrieg geht, sondern sich zieht. Dann ist entscheidend, das ganze Kriegszeug in Quantitäten kontinuierlich nachliefern zu können. Wie die Ukraine und der Iran gerade unter Beweis stellen, ist die Fähigkeit, im Krieg nachproduzieren und sogar weiterentwickeln zu können – zumindest unter bestimmten Konstellationen – sogar wichtiger als der Anfangsbestand. Manchmal, und manchmal sogar oft, oft sogar immer öfter, schlägt Quantität eben doch die Qualität, auch wenn Sprichworte oft anderes sagen, weil Sprichworte halt auch selten im Krieg sind.

So weiß der Volkesmund „Wer billig kauft, kauft zweimal“, schert sich aber nicht um die Frage, ob zwei billige Drohnen besser als eine teure Rakete sein könnten. Und auch leichter nachzuproduzieren.

Im Umkehrschluss ist es natürlich taktisch wertvoll, dem Gegner möglichst das kaputtzumachen, was teuer ist und nicht ohne weiteres nachproduziert werden kann. Wie neulich diese Radaranlagen. Die USA haben im Krieg gegen den Iran zwar viel gelernt, und angeblich sogar äußert wertvolle Daten zum Füttern der KI gewonnen, faktisch aber gelten sie gerade als massiv geschwächt, so dass sie in manchen Bereichen kaum noch hätten, was sie brauchen, um sich selbst zu verteidigen, und das zu ersetzen, was sie da gerade verheizt haben, mindestens drei Jahre brauchen werde. Das könnten den Chinesen reichen, um zehn Taiwans einzunehmen.

Krieg ist schon ein seltsam Ding und vieles daran nicht intuitiv.

Nun berichtet, FOCUS, dass das teure Ding, was der Iran den Amerikanern kaputt gemacht habe, ein Apache Kampfhubschrauber sei.

Die Piloten seien ins Wasser gefallen, knapp zwei Stunden seien die Piloten vor der Küste des Omans getrieben, als – die USA legen Wert darauf, ihre Leute stets und immer aus der Gefahr zu holen, koste es, was es wolle, so wie neulich, als die Gesamtkosten so ungefähr eine Viertelmilliarde betrugen, einen Piloten aus dem Iran zu retten, weil dabei so viel kaputt ging. Zwei C-130 im Wert von je 100 Millionen und zwei Hubschrauber habe man vor dem Rückzug sprengen müssen. Was wohl auch darauf zurückzuführen war, dass Trump blöd dahergeredet und dabei öffentlich verraten habe, dass da noch Piloten leben und wo. Das hat der Iran natürlich mitbekommen und deshalb ging da ein Wettrennen los, wer die Piloten oder den noch fehlenden zuerst findet. Hätte Trump die Klappe gehalten, hätte das etwas geplanter und koordinierter ablaufen können.

Nun also sei die Rettung der beiden Piloten sehr viel billiger verlaufen, denn man habe ihnen nur eine KI-gesteuerte „Corsair“-Drohne geschickt, sie einzusammeln. Das ist so ein kleines, unbemanntes Schnellboot. Das dann habe sie an einen sicheren Platz gebracht, wo ein Hubschrauber sie abholen konnte.

Es sei der erste Fall gewesen, in dem Soldaten von einer unbemannten Drohne und womöglich von KI gerettet worden seien.

Das ist doch mal was. Da könnte man doch mal überlegen, ob man nicht auch zivil unbemannte Rettungsboote stationieren kann, die im Notfall losflitzen und von einer Zentrale gesteuert irgendwelche Dinge erledigen wie Leute aus dem Wasser fischen oder Bootsbrände löschen.

Etwas anderes irritiert mich aber:

Über den Grund des Absturzes ist noch wenig bekannt. Laut “CNN“ sagen mehrere US-Beamte, dass der Helikopter vom Iran abgeschossen wurde, vermutlich mit einer Shahed-Drohne. Ob der Abschuss aber absichtlich oder aus Versehen passierte, sei weiterhin unklar.

Eine – bekanntlich langsam fliegende – Shahed-Drohne soll einen Apache-Kampfhubschrauber abgeschossen haben?

Verstehe ich nicht. Wie soll das gehen? Haben die nicht Sensoren aller Art um auch schnell heranfliegende Objekte zu erkennen? Sind die Dinger nicht so wendig, dass sie einer Shahed ganz leicht ausweichen könnten? Ist die Shahed überhaupt zu Luft-Luft-Kampf fähig?

Oder haben sie gepennt und das Ding ist ihnen zufällig von hinten in den Rotor geflogen?

Ich verstehe nicht, wie eine Shahed einen Apachen abschießen kann.

Erzählt man uns da vielleicht einen vom Pferd? Haben die Iraner vielleicht leistungsfähige chinesische Flugabwehrraketen und man will das lieber nicht so genau sagen?