Gyrocopter
Weil mir gerade einige Leser schreiben, ich hätte wohl den Gyrocopter gemeint: [Update: Die Ehrenrettung meines Gastvaters]
Nein. Ich denke, das kann ich ausschließen, weil mich Gyrocopter nie so wirklich interessiert haben, und ich damit auch nie geflogen bin und mich nie damit beschäftigt habe, und das auch eine ganz andere Pilotenlizenz ist.
Außerdem passt die Graphik auch nicht zu Gyrocoptern, weil die nicht diese vier, sondern nur den einen Flugzustand haben, der beim Heli der Autorotation entspricht. Im Prinzip machen Gyros permanent das, was Helis beim Motorausfall als eine Art kontrollierten Absturz machen. Während der Heli aber mit seiner kinetischen Energie der Rotorblätter und der Höhenenergie auskommen muss, haben Gyros noch einen Heckpropeller, der für den Vortrieb und die Höhenerhaltung sorgt. Man kann die bezüglich Steuerung und Aerodynamik eigentlich nicht verwechseln, obwohl es natürlich stimmt, dass Gyros nicht in der Luft stehen oder senkrecht steigen können. Das liegt aber daran, dass bei ihnen der Hauptrotor nicht angetrieben ist.
Gyros haben zwar den Vorteil, dass man damit sehr preisgünstig fliegen kann, aber das auch nur eingeschränkt, so ein bisschen Aussichtsflug im offenen Cabrio. Und man kann dabei irgendetwas falsch machen und dann damit unrettbar abstürzen. Ich weiß aber nicht, was genau.
Trivia: „Little Nellie“
Ich habe doch mal erzählt, dass ich als Schüler dreimal in den Osterferien zu Sprachreisen in England war. In Worthing, an der Südküste, in der Nähe von Brighton.
Kennt Ihr den James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ mit Sean Connery? Der fliegt da im Film mit so einem Ding herum, das nach Minihubschrauber aussieht, „Little Nellie“ heißt und von Q natürlich mit Waffen vollgepackt wurde.
Das ist so ein Gyrocopter, ein Wallis WA-116, und man kann da recht gut sehen, wo der wesentliche Unterschied zum Hubschrauber ist: Der Hauptrotor wird nicht von einem Motor, sondern vom Fahrtwind angetrieben und erzeugt Auftrieb, während ein Propeller am Heck von einem Motor den Vortrieb erzeugt. Während ein Hubschrauber im Flug nach vorne gekippt ist und der Fahrtwind von vorne/oben durch den angetriebenen Rotor nach unten geht, ist es beim Gyrocopter so, dass der Rotor nach hinten kippt, weil der Fahrtwind den Rotor von unten anströmt und durch den Rotor nach oben geht – also wie ein Hubschrauber, der bei Motorausfall durch Autorotation versucht, nicht abzustürzen, sondern notzulanden.
Und genau dieser Film kam damals im Fernsehen, worauf der Gastvater sehr begeistert und sehr ausführlich erzählte, dass eben dieser Gyro, der im James Bond-Film verwendet wurde, in Worthing gebaut worden sei und er die Leute persönlich kenne, das Ding sogar in der Werkstatt stehen gesehen habe.
Ich habe das Jahre später mal gegoogelt und deshalb Zweifel daran, weil die Wallis Autogyros Ltd. ganz woanders, nämlich in Norfolk und Cambridgeshire ansässig war. Aber wenn ich versuche, mich so richtig zu erinnern, sagte er auch nicht, dass das Ding komplett in Worthing gebaut wurde, sondern nur für den Film umgebaut, hergerichtet und mit „Waffen“ ausgestattet wurde. Außerdem waren das wohl zwei und nicht einer, nämlich einer für die Studio-Nahaufnahmen mit Connery, und einer in der Luft. Man sieht nämlich auch, dass diese kleine Frontscheibe je nach Blickwinkel abwechselnd einen Riss hat und intakt ist. Allerdings kann man bei Wikipedia lesen, dass das James-Bond-Exemplar „Litte Nellie“ vom Firmengründer Ken Wallis selbst gebaut und geflogen worden sei. Warum sollte er das Ding dann nach Worthing bringen? Andererseits war es ein „Vorserienexemplar“.
Ich habe dem das damals geglaubt, später aber nicht mehr. Ob die Story aber nun stimmt oder nicht, das war der Tag, an dem ich gelernt habe, dass es außer Hubschraubern auch Gyrocopter gibt und worin die sich unterscheiden. Seither weiß ich das, weil mir das so im Gedächtnis geblieben ist.
Ich hätte, zumal beim Lernen für den Pilotenschein, einen Heli nicht mit einem Gyro verwechselt. Ich bin auch noch nie in einem Gyro geflogen.
Update: Leserzuschrift:
Hallo Herr Danisch
zum Thema James Bond Gyrocopter (Wallis WA-116) schreibt Wikipedia:
In 1962, five WA-116s were built by Beagle Aircraft at Shoreham, three of which were for evaluation by the British Army Air Corps. Wallis flew one of these aircraft, XR942, at that year’s Farnborough Air Show.
In 1966, one of the Beagle-built WA-116s, registered G-ARZB, was modified for use in the James Bond film You Only Live Twice.
Und Shoreham-by-Sea / Shoreham Airport liegt in unmittelbarer Nähe von Worthing
https://en.wikipedia.org/wiki/Shoreham-by-Sea
https://en.wikipedia.org/wiki/Shoreham_Airport
https://en.wikipedia.org/wiki/Beagle_AircraftIhr Gastvater dürfte also die Wahrheit gesagt haben.
Wow. Nach über 45 Jahren weiß ich, dass er die Wahrheit gesagt hat.