Ansichten eines Informatikers

Raucher und Logik

Hadmut
31.10.2011 0:09

Ein kleiner Denkanstoß – nicht nur über das Rauchen.

Ich habe kürzlich, schon wieder ein paar Wochen her, an einem der letzten schönen warmen Sommertage, eine Radtour um den Starnberger See herum und rüber nach Herrsching am Ammersee gemacht. Insgesamt 85 km. Dementsprechend groggy war ich am Ziel und habe mich deshalb erstmal in eine der Gaststätten an der Strandpromenade am Ammersee gesetzt, die eine Außenterasse mit Sitzplätzen hatten, um da noch ein bisschen die schöne Abendstimmung direkt am See zum Abendessen zu haben. Ich habe mir extra einen Platz fernab gesucht, bei dem die anderen Tische herum nicht besetzt waren. Ich habe mir das so schön vorgestellt, da einfach mal nur in Ruhe etwas zu sitzen.

Als gerade der Salat kam, setzte sich ein älteres (Ehe-?)Paar so um die 60 direkt an den Nebentisch. Es kam, wie es kommen mußte, die Frau fing an, eine Zigarette nach der anderen zu rauchen. Und wie das bei Rauchern häufig so ist, halten sie ihre Zigarette meist so, daß sie selbst und ihre Gesprächspartner den sogar von ihnen selbst als eklig empfundenen Rauch nicht abbekommen, nehmen aber dabei auf andere, die für sie als Fremde zählen, keine Rücksicht. Die Frau hielt ihre Zigarette also so, daß sie und ihr Mann vom Rauch nichts, ich aber alles abbekam. Genau ins Gesicht. Da kennen die gar keine Rücksicht.

Ich bat sie – zunächst durchaus sehr höflich und zurückhaltend – die Zigarette anders zu halten, damit der Rauch nicht mir direkt ins Gesicht zog. Die Frau zeigte sich extrem verdutzt und machte auf beleidigt, der Mann jedoch ging verbal und mit Drohgebärden sehr aggressiv und lautstark auf mich los. Es war sehr deutlich zu merken, daß es sich um ungehobelte und einfache, um nicht zu sagen einfältige Leute handelte, die sich offenbar schon deshalb angegriffen fühlten, weil ich hochdeutsch, sie jedoch irgendeinen schwer verständlichen Dialekt von Brachialbayerisch sprachen. Ich habe auch nicht alles verstanden, was der mir an den Kopf warf, aber „Saupreiß, damischer” kam definitiv wiederholt drin vor. Der Kern seiner Aussage lief darauf hinaus, daß es eine Unverschämtheit meinerseits wäre, es zu wagen, seine Frau überhaupt anzusprechen. Dazu wäre ich nicht berechtigt. Denn, so die Logik, es hinge da ja nirgendwo ein Schild, daß das Rauchen draußen verboten wäre, woraus folgen würde, daß es erlaubt sei. Sie dürfe also rauchen, wo und in welche Richtung sie wolle, und es sei an mir, dem Rauch aus dem Weg zu gehen, wenn es mir nicht passe. Ansprechen dürfte ich sie deshalb keinesfalls, dafür drohte er mir Prügel an.

Es gelang mir zwar nicht, sie zum Einstellen des Rauchens zu bewegen, aber immerhin in sprachlose Fassungslosigkeit und Schockstarre zu versetzen.

Ich hielt ihm nämlich entgegen, daß es mit dem Ansprechen wie mit dem Rauchen wäre. Da hinge auch kein Schild, das mir verböte, seine Frau anzuraunzen, also dürfe ich das, soviel ich wolle, uns es sei an ihr, mir aus dem Weg zu gehen. Hätten sie ja eben selbst so gesagt.

Bis ich mit dem Essen fertig war und gegangen bin, haben sie kein Wort mehr gesagt.

Da herrscht so eine Doppelmoral. Vollqualmen dürften sie einen, weil es kein formales Verbot dessen gibt, meinen sie. Aber Kritik daran dürfe man nicht äußern, auch wenn es da noch weniger ein Verbot gibt.

29 Kommentare (RSS-Feed)

Hanz Moser
31.10.2011 0:40
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Ich glaube die beiden sind, gemäß deiner Schilderung, zuerst Idioten und dann Raucher. Natürlich schaffst sowas wie rauchen, das sehr schnell andere stört, schnell einen Berührungspunkt, der den Idioten zum Vorschein bringt. Das geht mit anderen Dingen genau so.

Mich hat mal ein eitler Fatzke in der U-Bahn dumm angemacht, weil er meinte, was aus meinen Kopfhörern zu hören. Er hat mich davor die ganze Zeit mit seinem Arm angestoßen, weil er sein Telefon nur mit abgeklapptem Ellenbogen bedienen konnte. Freie Plätze gabs im Überfluss.

Ich glaube die Quote an Deppen und in der sozialen Wahrnehmung und Empathie gehemmten Mitmenschen ist bei Rauchern ziemlich durchschnittlich. Sie gehen einem nur eher auf den Senkel, weil man sie besser wahrnimmt.


yasar
31.10.2011 1:17
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Erinnert mich an ein erlebnis in Durlach:

meine Frau und ich gingen damals, als das Rauchen in restaurants noch nicht verboten war, immer extra früh (gleich nach dem öffnen) zum Inder, damit wir eben keinen Qualm abbekommen. Ich hatte damals auch gerade einen Husten, so daß ich noch empfindlicher auf Rauchen reagiert habe.

Alles leer, wir suchen uns einen Tisch möglichst so aus, daß sich keiner direkt sich nebendransetzen muß, und bestellen. Es kam wie es kommen muß, Als wir das Essen bekamen, kam ein weiteres Päärchen, daß sich direkt an den Nebentisch setzte und die Frau fing gleich an zu qualmen.

Auf meine freundlichen Bitte hin, das bitte zumindest solange wir Essen das sein zu lassen und ich im Moment auf Rauch mit Husten reagiere ging gleich dsa Gezeter, daß man Ihr das rauchen verbvieten wolle und das das gar nicht ginge und vieles mehr. Es hat eine ganze Weile gedauert, Ihr höflich klarzumachen, daß es mir nicht darum geht, Ihr das Rauchen zu verbieten, sondern nur sie dazu zu bewegen, daß sie dafür sorgt, daß der rauch nicht zu mir zieht, z.B. inden Sie die Zigarette woanders hintut, ausmacht oder sich woanders hinsetzt. Irgendwann scheint es sie gemerkt zu haben und hat sich dann beruhigt und sich dann an einen anderen Tisch gesetzt, der weiter weg ist.

Tatsache ist, daß, wenn man einen “rücksichtslosen” Raucher anspricht, diese es anscheinend immer als persönlichen Angriff werten, und wenn man noch so höflich fragt/anspricht. Die rücksichtvollen Raucher kommen meist gar nicht in die Verlegenheit, daß man sie überhaupt ansprechen müßte.

Tatsache ist, daß diese


anonym
31.10.2011 1:40
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“Tatsache ist, daß diese”

Ja, sprich Dich aus …


yasar
31.10.2011 10:04
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Muß ein unbeabsichtigtes Copy&Paste gewesen sein. Da sollte nichts weiter kommen.


FF
31.10.2011 11:26
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Ich kenne das Lokal. Klassische Touristen-Melkstation, dessen eingedirndelten Lohnsklaven der Terminus “Saupreiß” übrigens irgendwie ins Gesicht graviert wurde. Gedanken prägen bekanntlich Gesichter.

Eigentlich eine lustige Szene, vor allem wie sich das Männchen meint aufmanteln zu müssen, weil die Frau Gemahlin “bedroht” wird.

Könnte in einem Bauernschwank spielen. Oder auf dem Affenfelsen…


Hadmut
31.10.2011 11:28
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Nee, falsch geraten. Es war ein ausländisches Restaurant, das mit Dirndl ganz sicher gar nichts zu tun hat.


FF
31.10.2011 12:04
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Verflixt! Habe bei der Lektüre das bräsige “Hotel zur Post” (?) an der Uferpromenade förmlich vor mir gesehen. Stimmt, da gibt’s paar Meter weiter noch einen Italo-Kroaten und am Ende dann noch einen Italiener…

Oder zumindest gab’s die mal. War seit drei, vier Jahren nicht mehr da.

Schöne Geschichte jedenfalls. So schlagfertig muß man erstmal sein. Ich hätte vermutlich bis zur Prügelei durcheskaliert. Naja, vor fünfzehn Jahren vielleicht…


kryptart
31.10.2011 14:22
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Tja, was für ein Ereignis, aber eines hätte ich denn doch gern gewußt!
Wären das nicht nur zwei möglicherweise leicht unterbelichtete bayrische Deppen gewesen, sondern – sagen wir mal – zwei gepflegte sportliche Herren in italienischen Maßanzügen, die einer dezenten S-Klasse entstiegen sind und sich nun zwei cubanische 20€-Zigarren anzünden – hätten Sie denen auch einige gute Tipps zu ihrem Verhalten gegeben und ihnen etwas Nachhilfe in Logik erteilt?


Hadmut
31.10.2011 18:59
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@kryptart: Die wären vermutlich nicht mit der Methode gekommen, daß da kein Schild hängt.

Aber solche Typen hätten sich höchstwahrscheinlich auch nicht neben einen verrupft aussehenden Radfahrer in Outdoor-Klamotten gesetzt. Übrigens sind solche Leute in der Regel auch nicht scharf darauf, daß sie wegen Lappalien das Rufen der Polizei provozieren.

Aber die Überlegung ist schon richtig, es laufen zumindest in den U- und S-Bahnen schon Typen rum, bei denen man sich das überlegen sollte, ob man was sagt, wenn man nicht eine Hauptrolle in den 20-Uhr-Nachrichten und 3 Monate Koma haben möchte. Aber nur weil man sich nicht mit jedem anlegt, heißt das ja nicht, daß man sich von jedem alles gefallen lassen muß.

Ich vermag hinter der Frage aber keine Logik zu erkennen, weil sie eben darauf hinausläuft, daß man sich mit jedem oder niemand anlegen müßte und es nichts dazwischen gibt. Und solche 0-oder-100%-Fragen laufen bei mir in der Regel in die Kategorie Trollen.

Oder anders gesagt: Soll Rauchern alles gestattet sein, weil es auch ein paar rauchende Kriminelle gibt, mit denen man sich nicht anlegt?


karbau
31.10.2011 18:48
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Na ja. Überraschend ist das nicht. Raucher als Drogenabhängige sind zumeist nicht in der Lage selbst-kritisch oder objektiv über den Tatbestand der (leider nicht strafbaren, aber faktischen) Körperverletzung plus Belästigung anderer nach zu denken. Da sie wenig bis keine Handlungsautonomie mehr haben, sondern nur noch auf die Droge fokussiert sind, kann man von ihnen auch weder Einsicht, noch Selbstbeschränkung erwarten.

Zumeist beginnen sie ja auf Grund von Gruppendruck in jungen Jahren ihre Drogenkarriere – oder weil sie auch so cool sein möchten, die die Werbung vorlügt. Insofern ist es wohl nicht überraschend, dass der subjektive Eindruck bestehen bleibt, dass der Anteil von eher schwachen Persönlichkeiten unter Rauchern höher ist als im Bevölkerungsdurchschnitt. Und schwache Persönlichkeit korreliert dann auch mit gesteigerter Aggressivität – noch dazu,wenn die Droge verknappt werden soll.


FF
31.10.2011 19:22
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Es gibt bei dieser Art Konfrontation immer einen gravierenden Nachteil.

Die eigene Laune ist doch nach derlei Debatten im Eimer, oder? Und das Essen will auch nicht mehr so richtig schmecken. Und dann noch 40 km Radfahren…

Manchmal ist es wohl besser, sich einfach wortlos zwei Tische weiter zu setzen. Es lohnt einfach nicht.

Ist mir aber auch erst in den letzten Jahren klar geworden.


Hadmut
31.10.2011 19:45
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Da gab’s nur keine zwei weiteren Tische…


Kiyomizu
31.10.2011 19:34
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Leider ist ein solches Verhalten nicht nur auf ein Drogenproblem einzugrenzen.
Gleiche Szenen können sich z.B. genauso ergeben, wenn du im Bus/Zug deinen Nachbarn fragst, ob er vielleicht seine Musik so leise hören könnte, dass du davon nicht zu sehr belästigt wirst.

Da geht es dann weniger um schwache Persönlichkeit als um ein egoistisches Verständnis der eigenen Rechte (wie im Beispiel -> “was nicht verboten ist, darf ich ohne Rücksicht auf andere machen”).

Und so ein Verständnis ist leider verbreitet .. eine Frage à la “Könnten Sie vielleicht bitte .. ?” ruft meistens keine berauschende Zustimmung bei den Umstehenden aus, auch wenn die ja eigentlich auch unter dem Störenfried leiden. Eher wird man nach dem zweiten Nachfragen schief angeguckt, so nach nach dem Motto “hat der aber nen Stock im Arsch”.


Hadmut
31.10.2011 19:46
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Zeigt aber mal wieder, daß der „Verbotsstaat” nicht so sehr am Staat, sondern an den Idioten liegt, die sich nicht benehmen können, wenn man ihnen nicht jedes Detail einzeln verbietet.


Hanz Moser
31.10.2011 21:24
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“Zeigt aber mal wieder, daß der „Verbotsstaat” nicht so sehr am Staat, sondern an den Idioten liegt, die sich nicht benehmen können, wenn man ihnen nicht jedes Detail einzeln verbietet.”

Ich glaube da begünstigen sich Dinge auch gegenseitig. Weil so viel reguliert und explizit geregelt ist, fehlen bei vielen einfach Situationen um die passenden sozialen Qualifikationen zu erwerben.
Die Geisteshaltung “ist doch eh fast alles verboten, ich muss wenigstens hier noch meine Freiheit nutzen!” ist mir auch schon mehrfach begegnet. Leider auch bei Rauchern unter freiem Himmel. Weil drinnen Nichtraucherzone ist, muss draußen Raucherzone sein. Und nach der Logik kann man dann verstört sein, wenn sich jemand stört. Aus falscher Vorraussetzung…


kryptart
31.10.2011 21:28
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Nun ich hatte keineswegs an Kriminelle gedacht, wenn Sie bei italienischen Maßanzügen daran denken, ist das Ihr Problem!
Aber gut, von mir aus – Maßanzüge von Brooks Brothers – langweilig aber grundsolide.
Jedenfalls saß kürzlich neben mir im Biergarten ein verschwitzter Sportler und nuckelte an seinem Energy-Drink, den Hinweis, daß ob seines Schweißgestanks schon die Fliegen tot vom Baum fallen, fand er äußerst unsportlich.
Leider hatte ich keine Zigarre dabei, um den sportlichen Stinker effektiv zu vertreiben.
@karbau: Welche Drogen nehmen Sie denn so? Wetten, wir finden was, wenn wir nur gründlich suchen!


Hadmut
31.10.2011 22:13
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@kryptart: Warum habe ich bei Ihnen eigentlich seit Monaten das schleichende Gefühl, daß Sie eigentlich nie etwas zum Thema sagen, sondern das immer nur als Aufhänger verwenden, um gegen mich persönlich zu pöbeln und alles durch beliebige Gegenrede zu bestreiten?

Eigentlich habe ich schon lange den Eindruck, daß Sie hier nur stören und trollen. Ihnen ist bewußt, daß Leute, die sich hinter Pseudonymen verstecken, in meiner Achtung sehr niedrig stehen?


euchrid eucrow
31.10.2011 23:02
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recht so! ich selbst, balkonraucher, verkneife mir das rauchen oder gehe weg, wenn ich denke es passt nicht oder ich störe mit meinem gequalme. besonders, wenn kleine kinder da sind oder andere leute.
das gilt allerdings nicht für livekonzerte. hast du schon mal fotos von colour haze gemacht ohne rauch in der luft?
die kommen übrigens aus münchen. geh mal hin. =)


Hadmut
31.10.2011 23:53
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Ich war am Samstag bei einem Steilkurs eines Fotolabors für große professionelle Fotodrucke. Die sagten mir, daß sie in manchen Kneipen vor dem Rauchverbot ausgehängte Bilder alle paar Wochen neu machen mußten, weil der Rauch die Farben angreift.

Und als ich noch im Studio Akt fotografiert haben (verblüffend viele Aktmodels und -fotografen rauchen), war es eine echte Katastrophe, die Rauchschwaden im Bild zu haben.


karbau
31.10.2011 23:55
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@kryptart: ja, ich trinke Alkohol.

Was aber kein Problem ist. Denn dadurch haben andere keine Nachteil. Damit schadet man sich nur selbst.

Und bevor dieses dumme (äußerst dumme!!!) “Argument” kommt: von wegen Autofahren und Alkohol. ja,ja, das ist die kognitive Dissonanz von Rauchern.

Denn hier ist der Staat konsequent (ausnahmesweise mal): wer betrunken Auto fährt, wird (zu recht) schon alleine deswegen bestraft und umso schwerer bestraft, wenn dabei jemand anders zu Schaden kommt.

Raucher hingegen dürfen andere Menschen einfach so und ohne irgendeine Konsequenz vergiften – einfach nur weil sie Drogenabhängige sind. Brunnenvergifter vergiften Wasser. Trinken muss ich alle paar Stunden. Raucher vergiften die Atemluft. Atmen muss jeder alle paar Sekunden. Wer ist schlimmer?


buliwyf
1.11.2011 1:53
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Ich kenne die angesprochene Situation sehr gut. Mann wird dann immer als intoleranter Nichtraucher tituliert, doch gibt es deutlich mehr intollerante Raucher als Nichtraucher.
Der Prozentsatz Derer die auf ihre Zigarette verzichten würden ist deutlich niedriger als der Prozentsatz der Nichtraucher/Raucher die statt etwas zu sagen es einfach erstmal stillschweigend dulden.

Viele wollen sich das Rauchen nicht “verbieten” lassen. Auf die Frage warum sie denn Rauchen würden bekommt man natürlich nie eine Antwort zumindest keine mit Argumenten untermauerte Antwort. Raucher kommen immer mit persönlicher Freiheit.

Für solche Situationen sollte man am besten ein Deo in der Tasche haben und und die Raucher ansprühen. Das ist dann so als ob sie einem mit dem Zigaretten Gestank einnebeln. Neben den gesundheitlichen Aspekten ist es ja der unmittelbare Gestank der die meisten Menschen stört.


quarc
2.11.2011 21:16
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Du hättest den beiden vorschlagen können, dass die Frau in der Öffentlichkeit
eine Burka trägt, wenn denn ihr Mann soviel Wert darauf legt, dass man sie
nicht anspricht.


Markus
7.11.2011 11:23
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Das erinnert mich an Situationen, wie man sie seit gut 1,5 Jahren in Bayern oft erleben darf/muss. Ich selbst bin Raucher (ein Glimmstengeljunkie wenn ihr so wollt), und hatte mit der alten Regelung in Bayern ja auch kein Problem, mit der neuen in einigen Bereichen sehr wohl.
Nun hat sich die Situation in Bayern ja gründlich geändert. Und vielen Rauchern stinkt es (im wahrsten Sinne des Wortes) einfach, dass der Volksentscheid 2010 so ausging, wie er ausging. Nun ist auf Seiten der Raucher schon mal alles auf Angriff gestellt. Wenn nun ein Nichtraucher kommt und darum bittet (und sei es noch so höflich), das Rauchen im Freien, also dem vermeintlich letzten Ort an dem noch geraucht werden darf, zu unterlassen, wird erst einmal die Keule geschwungen. Ein IMO nur alzu menschliches Verhalten. Dass dieses Verhalten von Nichtrauchern, dann (fast) immer sofort so hingestellt wird, dass Raucher ja nur geistig minderbemittelte Süchtige sind, trägt nicht gerade zur friedvollen Kommunikation bei.
Was ich damit sagen will? Verständniss auf BEIDEN Seiten würde hier (wie auch in vielen anderen Bereichen) oftmals Wunder wirken. Raucher sind nun mal AUCH Menschen und verhalten sich nun auch dementsprechend. Wenn es ein Nichtraucher schafft sich mal in die Situation eines Rauchers hineinzuversetzen (ich verlange hier nicht dass er alles tolerriert oder gar selber raucht), der würde evtl. so manche Reaktion der Raucher auch verstehen.

Dass es allerdings auch Idioten auf beiden Seiten gibt, steht IMO ausser Frage.

Wer übrigens Rechtschreibfehler findet, darf sie auch gerne behalten 😉


Hadmut
7.11.2011 11:45
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@Markus: Dieses Verständnis-Geschwafel, das eigentlich nichts aussagt, geht mir so auf den Wecker. Denn eigentlich läuft es immer nur darauf hinaus, daß der Nichtraucher sich vollqualmen lassen soll.

Direkte Frage: Wenn an zwei benachbarten Tischen ein Nichtraucher und ein Kettenraucher sitzen, wie sähe dann das „beiderseitige Verständnis” aus?

Und warum muß man überhaupt für Raucher Verständnis aufbringen? Um das Problem zu zeigen, mal ganz überzogen und überspitzt gefragt: Würden Kinderschänder um gegenseitiges Verständnis werben, würde man sich dann auch mit ihnen darauf einigen, daß sie nur halb so viele Kinder mißbrauchen?

Übrigens kann ich die Situation des Rauchers durchaus verstehen. Aber das rechtfertigt sie ja nicht. Es gibt auch Bankräuber, deren Situation ich verstehen kann. Verständnis hin oder her, trotzdem stinkt es.

Das Problem ist nämlich, daß Du hier eine Symmetrie unterstellst, die Sache aber nicht symmetrisch ist. Denn der Raucher schädigt ja den Nichtraucher und nicht umgekehrt.

Und erfahrungsgemäß zeigen Raucher auch keinerlei Verständnis für Nichtraucher. Hier ist beispielsweise an allen Bahnhöfen das Rauchen untersagt. Trotzdem stellen die sich direkt vor einen hin und qualmen. Bittet man sie nur, woanders zu rauchen, bekommt man schon Schläge angedroht.

Die Verständnis-Nummer funktioniert nicht. Denn die hatten wir ja schon vor dem Verbot und sie hat gar nichts gebracht. Das einzige was da noch funktioniert sind Gesetze und deftige Strafen.


Markus
7.11.2011 13:36
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@Hadmut: Jetzt sind wir also an dem Punkt der sinnfreien Vergleiche angekommen. Das Kinderschänder – Raucher Beispiel wird immer und immer wieder bemüht. Das macht es aber nicht richtiger. Es ist 1. Blödsinn und 2. eine Beleidigung.

Und mal ganz ehrlich: Wenn du hier auf diese Art auf meinen Kommentar reagierst, dann schließe ich mal ganz frech darauf, wie du die rauchende Dame gebeten hast. Und wenn mich einer von der Seite anpflaumt, dann würde ich auch heftig reagieren. Wenn mich einer darum bittet, dann bin ich durchaus bereit, mich woanders hin zu setzen. Der Ton macht die Musik.

IMO hatt die Verschärfung des “alten” Verbots die Situation nur verschärft. Vorher konnte man als Nichtraucher ja argumentieren: “Dann geh doch dahin, wo es erlaubt ist.” Nun argumentieren die Raucher genau anders herum: “Ich bin da, wo es erlaubt ist.” Für mich ein klassischer Fall von ins eigene Knie geschossen.

Und ich unterstelle soweit eine Symmetrie, dass einem Teil der Bevölkerung, der staatlich unterstützt seiner Sucht nachgibt, etwas verboten wird, diese dann versuchen das Verbot einzuhalten und dafür auch noch angepflaumt werden.

Zu deinem Beispiel mit den Bahnhöfen kann ich dir nur raten: Hol die Polizei. Habe ich selbst im gleichen Fall auch schon gemacht. Wenn ein Raucherverbot herrscht muss es eingehalten werden, keine Frage. Und da verstehe ich dann auch, selbst als Raucher, keinen Spaß. Wenn allerdings ein Nichtraucher neben der gelb markierten Raucherzone (wie es sie in München gibt) steht und sich dann über den Rauch aufregt, dann lächle ich amüsiert und rauche weiter. Denn an diesen Stellen ist es erlaubt und ich darf mit meiner brennenden Zigarette den Bereich schliesslich auch nicht verlassen.


Hadmut
7.11.2011 14:32
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@Markus: Wird immer wieder bemüht? Ich hab das noch nie irgendwo gelesen und dachte, der Vergleich wäre neu. Wie auch immer.

Deine Schlußfolgerungen sind in der Tat frech, aber nicht richtig. Ich habe die Dame höflich angesprochen. Und nicht einmal gebeten, mit dem Rauchen aufzuhören, sondern nur, sie anders zu halten.

Andererseits habe ich wenig Verständnis dafür, daß Raucher sich einfach irgendwo hinsetzen und Leute zuqualmen (früher war es übrigens mal üblich zu fragen, ob es jemanden stört), selbst aber höflich angesprochen werden wollen. Das ist ja genau dieses Asoziale Verhalten, das ich meine: Raucher hauen anderen erst mal ungefragt und extrem unhöflich und aggressiv den Gestank ins Gesicht, verlangen aber selbst, ganz freundlichn angesprochen zu werden. Als sei es die Aufgabe des Nichtrauchers, sich untertänig und bittstellerisch zu schützen und nicht die des Rauchers, von vornherein Rücksicht zu nehmen. Also ob nicht der Raucher darauf achten müßte, wen er zuqualmt, sondern der Nichtraucher darauf achten, von wem er nicht zugequalmt werden möchte. Als ob der Nichtraucher der Bittsteller wäre, dem der Raucher nachkommen kann, wenn er nur freundlich genug gebauchpinselt wird.

Du verdrehst die Situation, indem Du Rauchen als den Normalzustand und den Nichtraucher als den Sonderwunsch-Erheber hinstellst.

Hinfort, Widerling!


Markus
7.11.2011 16:11
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@Hadmut: Wegen des Vergleichs. Er wird leider immer wieder bemüht und hat IMO mittlerweile die Stellung des Godwin’s Law eingenommen. Aber siehst du, wieder was gelernt 😉

Meine Schlußfolgerung war wohl frech, aber zeigt wieder mal deutlich, wie schwierig es ist, Menschen über das INet über ihre schriftlichen Gedanken einzuschätzen. Ich schieb dann mal die 1. Reaktion auf die “grantigen” 5 Minuten, die jedem täglich zustehen.

Ich versuch übrigens nicht die Situation zu verdrehen, sondern nur mal einen Blick in die verräucherte Seele eines Rauchers zu gewähren. Und da sind nun mal die Nichtraucher im Moment die Bösen, da sie das Rauchen in der Eckkneipe verboten haben. Den Satz “Die haben uns das Rauchen in unserer Stammkneipe verboten, dann rauch ich gerade extra da, wo ich noch darf.” ist ein “Argument”, den man seit letztem Jahr sehr, sehr häufig hört. Da kommt dann immer die Auge-um-Auge Mentalität durch. Ist Stammtisch, aber doch wieder menschlich. Leider.

Denn mit einem gebe ich dir vollkommen Recht: Früher hat man gefragt, obs denn stört (Ich tu das übrigens heute noch) und das sollte IMO noch immer Usus sein, wenn man denn eine gute Kinderstube besitzt. Gut in der Raucherzone frage ich auch nicht, aber ich denke das Einverständnis anderer Raucher einzuholen wäre dann doch etwas übertrieben.

Um auf dein Ausgangsbeispiel zurückzukommen: Diese Geschichten hat jeder schon mal erlebt, und leider auch anders herum. Ein Raucher steht total abseits und qualmt eine, ein Nichtraucher stellt sich dazu und beschwert sich über den Rauch. Anders rum und genauso idotisch, wie eben deine Geschichte. Dies führt dann leider dazu, dass auch beim kleinsen Anzeichen eines Fehlverhaltens der “anderen Seite” die Krallen ausgefahren werden (Das unterstell ich dir jetzt übrigens nicht) und auf Vollkonfrontation gegangen wird. Aber des Pudels Kern ist der momentane Zustand, dass die Fronten zwischen Rauchern und Nichtrauchern verhärtet sind und IMO auch keine Lösung in Sicht ist. Ausser evtl. einem Totalverbots des Zigarettenkonsums, aber der wird nicht kommen und wir wissen wohl warum.

Übrigens: Selber Widerling 😉


Hadmut
7.11.2011 16:14
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Ja, klar. Raucher quarzen sich Seele und Verstand zu, qualmen andere ein, werfen ihre Kippen in die Gegend, stinken im Fahrstuhl vor sich hin – und schuld am Konflikt sind die Nichtraucher. Nicht die, die es tun sind schuld, sondern die, die es nicht tun.


Falk
28.11.2011 13:11
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Ich finde beide sind Schuld. Sowohl militante Nicht-raucher (meist ehemalige Raucher und damit Konvertiten, die aller übelsten) wie auch die Leute die behaupten Rauchen bedeutet Freiheit. Beide ansichten sind so dermaßen Abstruß. Was aber noch schlimmer ist: sie verletzten das friedlichen Nebeneinander, weil jeder dem anderen etwas abspricht. Dabei könnten die meisten Probleme mit Ein- und Rücksicht gelöst werden.