Ansichten eines Informatikers

Wie bringt man ein großes 8,5kg-Paket von Japan nach Deutschland?

Hadmut
29.6.2026 12:45

Mit so einem Problem habe ich auch nicht gerechnet.

Ich hatte mir auf Zypern so einen kleinen günstigen Gebrauchtwagen gekauft.

Einen japanischen. Nein, da habt Ihr mich missverstanden: Keinen japanischen. Einen japanischen.

Will sagen: Nicht einfach nur eine japanische Marke, sondern ein Fahrzeug, das für den japanischen Markt gebaut, in Japan verkauft wurde und in Japan gefahren ist. Die Autohändler auf Zypern haben immer mal wieder kleine Tranchen von kleinen Gebrauchtwagen aus Japan, alle immer 5 Jahre alt, vermutlich Leasing-Rückläufer. Die werden in Japan – beide Länder haben Linksverkehr, also Rechtslenkerfahrzeuge – dann in speziellen Gestellen hochkant in Seecontainer gestopft und u.a. nach Zypern geschippert, um sie dann dort gebraucht zu verkloppen.

Das hat Vor- und Nachteile und Kuriositäten.

Das Auto wird bzw. wurde nämlich auch in Europa als europäisches Modell verkauft, und einer meiner Nachbarn hat die europäische Version, die kann man also nebeneinander direkt vergleichen. Die Metallteile der Karrosserie sind identisch, der Lack auch, aber das Design der Anbauteile unterscheidet sich: Andere Scheinwerfer, andere Stoßfänger usw.

Die Japan-Version ist günstiger, aber trotzdem, vor allem innen, besser ausgestattet. Ich habe ein elektronisches visuelles Einparksystem mit 6 Außenkameras und elektronischem Rückspiegel, das in Europa nie angeboten wurde. Einparken muss man schon noch selbst, aber man hat einen genialen Blick wie aus der Vogelperspektive von oben auf das Auto herab (sieht aus wie mit einer Drohne gemacht, aber das Autodach ist Fake/als Graphik reinkopiert und alles drumherum wird aus Bildern der Außenkameras zusammengesetzt).

Die Nachteile sind aber, dass man die Ersatzteile in Europa nicht bestellen kann. Man kann noch nicht mal die Fahrgestellnummer auf der Webseite eingeben, weil die Fahrgestellnummern in Japan eine ganz andere Syntax/Form haben.

Dafür bekommt man die Fahrzeuge wunderbar aufgearbeitet. Das Fahrzeug wirkte nahezu fabrikneu, weil man innen auch die Teile ausgetauscht hatte, die man anfasst: Neues Lenkrad, neue Zündschlüssel. Wirkte alles wie neu. Die Firma, die ich beauftragt hatte, das Fahrzeug vor dem Kauf zu prüfen, fand, dass das Auto mal an einem Kotflügel einen Treffer abbekommen haben muss, weil die Lackdickemessung Schwankungen ergab. Man sieht aber nichts. Man steht davor und sieht einfach gar nichts davon. Eh egal, auf Zypern bekommen Autos immer wieder Treffer.

Kurios ist dadurch, dass das Autoradio japanische Menüs hat (die sich nur teilweise auf Englisch umstellen lassen) und ein Navigationssystem, das nur in Japan funktioniert, weil es dazu irgendeine Funkverbindung braucht, die es nur in Japan gibt. Dafür kleben die Japanischen Zulassungs-/Steuer- und TÜV-Aufkleber (oder was auch immer es sein mag) noch auf der Heckscheibe und an einem Seitenholm.

Aber, ach.

Auf Zypern gibt es so eine – ansteckende – Autokrankheit, die auch mein Auto befallen hat. Ein Scheinwerfer ist undicht und trüb geworden, Feuchtigkeit dringt ein. Das haben auf Zypern so viele Fahrzeuge, dass man glaubt, dass sich das Auto auf dem Parkplatz bei anderen anstecken kann.

Problem:

Wie bekommt man das Ersatzteil?

Das europäische Teil sieht anders aus. Es würde vermutlich in die Karosserie passen, aber ich weiß nicht, ob das zulässig ist und ich müsste beide tauschen.

Also gesucht. Es gibt tatsächlich einen japanischen Versender namens Yoshi Parts, der Ersatzteile von mehreren japanischen Autoherstellern versenden, darunter eben auch der Scheinwerfer, den ich suche. Die hatten neulich sogar Rabattwoche, weil in Japan irgendeine Feiertagswoche war und sie auf ihrer Webseite stehen hatten, Service und japanische Dienstpflicht hin oder her, sie gehen jetzt alle eine Woche feiern, und bieten dafür jedem, der in der Woche bestellt und deshalb nicht sofort beliefert wird, 20% Rabatt.

Prima, bestellt. Kompletten Austauschsatz mit Schrauben, Birnen und Kleinkram. Weiß nicht mehr, so etwas um 300 oder 350 Euro herum.

Aber, ach.

Erst kam die Meldung, dass sich das etwas verzögert, weil der Hersteller später liefert und die Verpackung geändert hatte.

Deshalb hat mich das Ding nicht mehr rechtzeitig in Deutschland erreicht und ich antwortete, dass ich das nicht mehr abholen kann, sie müssten es mir ersatzweise nach Zypern schicken (wo das Auto ohnehin steht). Auch gut.

Der Punkt ist nämlich, dass die Japanische Post zwar langsame, aber preisgünstige Paketversandkategorien auch nach Europa bietet. Damit kann man günstig kalkulieren. Es dauert halt nur eben ein paar Wochen. Vermutlich per Schiff. Versand im Kaufpreis inbegriffen, kostet nichts extra.

Nun schrieben sie, dass das nicht geht, die Japanische Post haben ihnen das Paket zurückgebracht, weil sie gerade vorrübergehend nicht nach Zypern liefern (und wie ich nachgesehen habe, auch nicht nach Deutschland). Grund ist nicht so ganz klar, angeblich der USA-Iran-Krieg.

Deshalb geht der normale Paketverkehr mit der Japanischen Post nach Europa gerade nicht.

Die Alternative sei ein Versand mit FedEx, der kostet aber mindestens US$324.75 extra. Je nach Versandkateorie noch deutlich mehr.

Weil das Paket so groß sei:

Your order has been packed and is ready for shipment.

Parcel size: 94 x 49 x 47 cm
Weight: 8.5 kg

Unfortunately, due to the parcel dimensions, we are unable to ship it to Germany by postal service. The parcel exceeds the permitted size limit: the combined length and girth must not exceed 200 cm, while the total size of your parcel is 286 cm:

94 + (49 + 47) x 2 = 286 cm

Ich hatte geantwortet, dass sie sich mal bei DHL oder UPS umtun sollen, die würden größere Pakete annehmen. Deren Antwort: DHL sei noch teurer und mit UPS hätten sie keinen Vertrag.

Weil sie aber auch angeboten hatten, dass sie das Paket einfach im Lager liegen lassen, bis Japan Post wieder versendet, habe ich diese Option gewählt. Ich bin also nun glücklicher Eigentümer eines japanischen Autoscheinwerfersaustauschbausatzes, der bis auf weiteres in einem japanischen Lagerhaus liegt und wartet, bis er wieder kostenlos versandt werden kann.

Was aber die grundsätzliche Frage aufwirft:

Wer kennt eine alternative günstige Methode, Pakete dieser Größe von Japan nach Deutschland zu bringen?

Denn bevor ich derartig viel Geld für einen Paketversand ausgebe, fliege ich lieber für etwas mehr als den doppelten Preis selbst nach Japan, mache dort Urlaub und nehme das Ding auf dem Rückweg selbst mit. Ich hatte nämlich bei der Reise nach Osaka zwei Koffer frei und deshalb für den Rückweg einfach einen billigen zweiten Koffer gekauft, den ich kostenlos mit zurück bringen konnte. Da könnte ich auch einfach so einen Scheinwerfer mit zurücknehmen. Flüge nach Japan hin und zurück mit zwei eingecheckten Gepäckstücken bis je 20kg bekommt man nämlich (oder bekam, vor der Spritkrise) für erheblich unter 1000 Euro, und wenn ich gegenüber dem Paketversand nur 400 Euro drauflegen muss, um bei denen persönlich reinzuschneien, mich 50 mal zu verbeugen und zu sagen Konnichiwa, hier bin ich, ich hole den Scheinwerfer ab, mache ich lieber das.