Die Fliege
Ha! Erwischt!
Seit über einer Stunde nervt mich eine Fliege.
Sie fliegt. Fliegt mir um die Ohren. Fliegt mir um die Nase. Fliegt mir um die Augen.
Sie fliegt schnell. Verdammt schnell.
Ich bin schwer bewaffnet mit einer Fliegenklatsche.
Aber, ach.
Ich bin ein alter, schwacher Mann geworden, ich bin nicht mehr schnell genug, um die Fliege zu erlegen. Ich bin zu langsam. Und durch den Drang, Kollateralschäden gering zu halten, im Handicap. Sie weicht mir ein ums andere Mal aus.
Dazu kommt, dass ich nicht mehr gut zielen kann. Ohne Brille sehe ich die Fliege nicht mehr scharf genug. Mit Brille sehe ich sie zwar scharf, aber durch die Verzerrung der Gleitsichtbrille immer eine Wenigkeit daneben. So wie gerade Linien im Blick verzerrt wirken, so verzerrt die Brille auch die Flugbahn.
Die Fliege triumphiert. Sie fliegt, und fliegt, und fliegt, und ich treffe sie nie.
Als mir eine alte Erkenntnis einfällt, ich mich an einen früheren Blogartikel erinnere. Fliegen sind viel zu schnell und zu gut, um sie horizontal zu erschlagen, das wird nichts. Aber sie können auf vertikale Angriffe nicht gut reagieren, dafür sind sie nicht gebaut.
Und so plane ich den Angriff auf die Fliege, entwickle die Taktik, locke sie in den Hinterhalt, fuchtele herum, bis sie runter auf den Boden muss, bis sie knapp über dem Boden fliegt, um sie dann endlich mit der Klatsche von oben herab … getroffen. Erlegt. Zermatscht.
Der Mann wird alt.
Die Kraft schwindet.
Die Augen sind müde.
Aber der Intellekt triumphiert noch über den der Fliege.
Ich habe gewonnen.
Ich habe mir den Gürtel verdient: Eine auf den vierhundersten Streich.