Ansichten eines Informatikers

Stell’ Dir vor, Du springst Bungee, und hast das Seil vergessen

Hadmut
14.6.2026 10:48

Irre. Der Stoff, aus dem Alpträume sind. Ist aber wohl gerade passiert.

Geht gerade rum. Angeblich sogar voll echt. In Brasilien wollte eine Frau so etwas Ähnliches wie einen Bungee-Jump unternehmen. Etwas anders, nämlich nicht an einem Gummiseil, sondern an einem festen Seil und dann ausschaukeln.

Irre. Obwohl das im Normalfall schon höllengefährlich ist, weil man auch auf Brusthöhe angeseilt ist und gegen die Pfeiler der Brücke klatschen kann. Ich war mal in einem Hochklettergarten und habe dort so einen Schaukelsprung am Seil gemacht, aber nur mit einem Schaukelradius von so ungefähr 5 bis 7 Meter, und das hat sich schon angefühlt, als würde mich der Ruck, als das Seil straff wurde, schier umbringen. Da habe ich mir schon gedacht, dass ich das nie wieder machen werde.

Sie haben aber vor lauter Theater vergessen, das Seil einzuhängen und die Frau versehentlich ohne Seil von der Brücke geworfen. Tot.

Zwei Helfer schmeißen sie runter, und ein Aufseher guckt noch zu, und keiner merkt, dass das Seil fehlt. Typischer Routine-Fehler. Praktischerweise standen genug Leute dabei, die das auf Video aufgenommen haben:

So läuft das dann wohl normalerweise, wenn man das Seil dabei hat:

Und ohne Seil sieht das dann halt etwas anders aus.

Andere Blickwinkel:

Das sieht aus, als hätte sie dabei in der rechten Hand noch eine Kamera dabei gehabt.

Aus der Übersetzung:

RAGÖDIE IN BRASILIEN: Eine 21-jährige junge Frau, Maria Eduarda Rodrigues de Freitas, starb, nachdem sie 40 Meter von der „Ponte do Esqueleto“ (Limeira, São Paulo) gefallen war.
Die Betreiber des Unternehmens „Entre Cordas“ hoben sie in der „Superman“-Position an und warfen sie ins Leere, wobei sie vollständig vergaßen, ihr Sicherungsseil am Gurtzeug zu befestigen.

Nach dem verheerenden Aufprall versuchten zwei Instruktoren, durch den Wald zu fliehen, doch die Polizei stellte sie mit Hubschraubern. Es gibt bereits 6 Festgenommene. Das Unternehmen löschte sofort alle seine Social-Media-Kanäle.

Der Ort ist eine verlassene, unregulierte Brücke, die jedoch sehr beliebt für ‚Rope Jumping‘ ist.

[…]

Maria Eduarda teilte Beiträge über den Ausflug in den sozialen Medien. In einem davon zeigte sie den Ort der Aktivität und schrieb: „Wer war die Verrückte, die mich hat von einer Brücke springen lassen?“.

Das junge Mädchen aus Jandira, São Paulo, verfügte über Abschlüsse in Leibeserziehung und Sportmanagement und veröffentlichte häufig Inhalte im Zusammenhang mit der Natur und Outdoor-Aktivitäten.

In ihrer persönlichen Beschreibung drückte sie auch ihre Vorliebe für den FC Santos aus, außerdem teilte sie Inhalte, die mit ihrem aktiven Lebensstil verbunden waren.

Erinnert mich stark an unsere Bundespolitik. Ich fühle mich da als Bürger auch wie ohne Seil von der Brücke geworfen.

Wieder das alte Problem: Wir haben uns unsere Gefahrenwahrnehmung komplett abtrainiert. Wir leben in einer Kunstwelt, in der den Leuten suggeriert wird, dass es eigentlich gar keine Gefahr gibt, sondern nur Unterhaltung, den Kick, die Achterbahnfahrt, und geile Selfie-Action-Videos davon. Den Leuten geht es einfach zu gut.

Und ich habe den Verdacht, dass unsere Migrationspolitik auf demselben Effekt beruht: Keinerlei Gefahrenwahrnehmung mehr. Spinnerte Idee, aber wir sollen alle mitmachen, weil Du der Feigling, das Windei bist, wenn Du nicht mitspielst, weil Migration doch so modern ist und schöne Videos gibt.

Von der Brücke zu fallen ist so ein Einzelfall. Aber ich überlege, ob das nicht symptomatisch für unsere Gesellschaft und Politik ist. Ob unser politisches Handeln nicht auf demselben Denkaussetzer beruht.