Ansichten eines Informatikers

Wie der Twitter-Algorithmus funktioniert

Hadmut
7.6.2026 23:58

Ach, herrje.

Immerhin weiß man es jetzt.

Norbert Häring hat einen sehr interessanten Artikel: Hinweis für X-Nutzer und alle, die sich dafür interessieren, wie X funktioniert, anscheinend die deutsche Übersetzung eines Artikels eines Arnaud Bertrand.

Ich halte das Verfahren von X (Twitter) für ziemlich unseriös.

Wem man „folgt“, spielt kaum noch eine Rolle.

Nun zu Arnauds Erkenntnissen: Der neue X-Algorithmus trifft die Entscheidung, welche Beiträge er Ihnen anzeigt, auf Basis von 15 vorab anhand der mutmaßlichen Interessen der potentiellen Leser berechneten Wahrscheinlichkeiten: P steht für „Wahrscheinlichkeit von“ …

1) P(favorite) – Der Leser markiert den Beitrag als Favorit
2) P(reply) – Der Leser antwortet darauf
3) P(repost) – Der Leser teilt den Beitrag
4) P(quote) – Der Leser zitiert den Beitrag in einem Tweet
5) P(click) – Der Leser klickt auf einen Link im Beitrag
6) P(profile_click) – Der Leser klickt sich zu Ihrem Profil durch
7) P(video_view) – der Leser schaut sich das Video an
8) P(photo_expand) – der Leser vergrößert ein Bild
9) P(share) – der Leser teilt den Beitrag (DM, außerhalb der Plattform usw.)
10) P(dwell) – der Leser hört auf zu scrollen und verweilt bei dem Beitrag
11) P(follow_author) – Der Leser folgt dir, nachdem er den Beitrag gesehen hat
Negativ geht ein:
12) P(not_interested) – Der Leser markiert den Beitrag als „nicht interessiert“
13) P(block_author) – Der Leser blockiert dich
14) P(mute_author) – Der Leser schaltet dich stumm
15) P(report) – Der Leser meldet den Beitrag

Das Einbetten von Fotos oder Videos erhöht die Anzeigewahrscheinlichkeit.

Das heißt, dass man da Benutzerprofile, regelrechte Psychoprofile der Leser anlegt und dann die Artikel danach auswählt, was den Leser möglichst lange auf X (Twitter) hält und zu Interaktion veranlasst.

Es geht nicht mehr darum, was der Leser bewusst lesen will, sondern darum, worauf er am stärksten mit X interagiert. Es geht um Interaktionsoptimierung.

Immerhin habe ich jetzt verstanden, warum ich so elend viele Tweets mit Bildern und Videos angezeigt werden und warum die Leute soviel KI-Mist dranpappen oder KI-Mist posten: X will das so.

Ich finde das übel. Aber wenigstens weiß man jetzt (bis zur nächsten Änderung), woran man ist.

Es zeigt aber, wohin es geht: Was man persönlich will und auswählt, spielt eine immer geringere Rolle. Die optimieren danach, dass man möglichst lange und intensiv auf X herumklickt und analysieren jeden individuell. In Verbindung mit e-mail-Adresse oder Telefonnummer können die jeden Menschen recht eindeutig identifizieren, und diese Profile dann weiterverkaufen oder anderweitig nutzen.

Und es bestätigt meine Beobachtung, dass wir von einer Text-orientierten zu einer Bild- und Videoorientierten Gesellschaft werden. Ich halte das aber nicht für gut.