Boeing 787 gestrandet auf den Osterinseln
Gut, dafür kann die Boeing 787 ausnahmsweise mal nichts.
Vor zwei Tagen gab es einen kuriosen Zwischenfall. Eine Boeing 787 stand auf dem abgelegensten Flughafen der Welt, dem der Osterinseln.
Jetzt haben sie ein Problem, obwohl das an sich nicht so schlimm wäre:
- Man kann nicht einfach eine neue Tür einsetzen, weil auch außenherum etwas kaputt gegangen ist und die 787 aus Plastik ist, das man im Gegensatz zu Alu nicht auch mit ein paar Beulen fliegen kann.
- Auf den Osterinseln kann die Maschine nicht repariert werden. Selbst wenn man alles dorthin bringen würde, was man an Werkzeug und Ersatzteilen braucht, ginge es nicht, weil man das Kunstharzzeug nur in einem Hangar und nicht im Freien verarbeiten kann, und es auf den Osterinseln keinen Hangar gibt, in den eine 787 passt.
- Zur Reparatur fliegen kann sie auch nicht, weil sie ohne die Tür keinen Innendruck hinbekommt.
- Das Loch behelfsmäßig zukleben und auf 3000 Meter mit Außendruck fliegen geht wohl auch nicht, weil das Tankvolumen für diese Distanz auf der Höhe wohl nicht reicht.
Jetzt wollen sie eine Sondererlaubnis einholen, um das Ding notdürftig zu flicken und die Freigabe für einen einzigen Überführungsflug zum nächsten reparaturfähigen Flughafen zu bekommen.
Erinnert mich an eine Situation, von der ich in Lehrbüchern gelesen habe, als ich mal einen Hubschrauberpilotenschein machen wollte: Man kann einen völlig intakten fehlerfreien Hubschrauber so verlieren, dass man ihn nicht mehr in die Luft bekommt. Fliegt man nämlich zu nah über Baumwipfeln, Dächern oder ähnlichem, kann man, ohne es zu merken, in den „Bodeneffekt“ kommen und deshalb weniger Motorleistung benötigen, als man frei fliegend bräuchte, und dadurch die Motorleistung vom Drehzahlregler reduziert bekommen, damit die Drehzahl stimmt. Fliegt man dann aber über eine Waldlichtung, Lücke zwischen Häusern oder ähnliches, ist der Bodeneffekt weg und man braucht urplötzlich (wenn man nicht aufpasst und damit rechnet) und überraschend mehr Motorleistung, nämlich die normale, kann aber die Leistung nicht schlagartig erhöhen. Das dauert.
Ergebnis: Man „stürzt“ ab. Nicht schwer, man hat ja Leistung, nur nicht genug. Kein Schaden zu erwarten. Man steht dann also in einer Waldlichtung – und kommt nicht mehr raus, weil die wenigsten zivilen Hubschrauber, wenn nicht Rettungshubschrauber oder BO105, genug Leistung haben, um senkrecht nach oben zu steigen. Hubschrauber brauchen in der Regel Vorwärtsgeschwindigkeit, damit der Roter von „frischer“, nämlich stehender und nicht bewegter Luft angeströmt wird. Versucht man, senkrecht nach oben zu steigen, kommt man in den eigenen „Downwash“ und braucht sehr viel mehr Leistung, eine übermotorisierte Kiste. Deshalb nehmen Hubschrauber normalerweise erst einmal Anlauf und Geschwindigkeit nach vorne auf, bevor sie aufsteigen können. Wenn Ihr also einen Rettungshubschrauber seht, der von einer Straßenkreuzung oder einem Parkplatz senkrecht nach oben steigt, oder einen Polizeihubschrauber, der wie angenagelt in der Luft steht, dann ist das etwas Besonderes, weil das nur geht, wenn der Heli extra für diesen Zweck viel mehr Motor hat, als der für den normalen Flug bräuchte. Mit allem, womit man zivil sonst so herumfliegt (was schon teuer genug ist), geht so etwas nämlich nicht oder nicht so ohne weiteres. Und dann kann es nun passieren, dass ein völlig intakter, unbeschädigter Heli in der Lichtung steht und nicht mehr wegkommt, weil er keine Vorwärtsgeschwindigkeit aufnehmen kann – weil dafür der Platz fehlt. Der muss dann zerlegt (Rotorblätter ab) und auf einem LKW mit Kran abgeholt oder an einem Lastenhubschrauber hochgezogen werden.