Ansichten eines Informatikers

Wie ausgerechnet X die Social Media zerstört

Hadmut
3.6.2026 18:12

Erleuchtungen.

Mich hat heute auf X einer mit der seltsamen Besserwisserei angestänkert, dass er nicht sagte, was denn besser sei, und als ich rückfragte nur meinte, ich solle die KI, solle Grok fragen. Das sind so die neuen Besserwisser, die einen nicht mal mehr belehren, sondern einfach sagen, man solle die KI fragen, weil einem die KI immer irgendwas erzählt.

Also dachte ich mir, na, fragen wir doch mal grok:

Nun muss man da aufpassen, denn man weiß ja nicht, ob einem Grok nur irgendwas dahererzählt, was man hören (oder nicht hören) will oder was es sagen soll, und ob das der Wahrheit entspricht.

Es wird aber schon deutlich, dass X im Prinzip die Social Media abschaffen will: X erwartet von mir, dass ich jeden Tag einen schönen Artikel mit erstaunlichen Erkenntnissen zu einem Themenkreis schreibe, um mich da über 6 Monate als der Experte zu gerade diesem Thema profiliere, um dann die Sichtbarkeit wieder herzustellen.

Die Verwendung der API ist explizit nicht gewollt, wird regelrecht verhindert (und verteuert), und man soll die Inhalte bitteschön direkt über die Benutzeroberfläche reinklimpern. Die aber auch nicht ordentlich funktioniert, weil man den Schwerpunkt auf Apps legt. Es damit also noch schwerer macht.

Das heißt im Ergebnis, dass X gerade daran arbeitet, sich selbst als social medium abzuschaffen und sich zu einer Art Verlautbarungsschleuder entwickelt, in der Leute genau das Thema bearbeiten darf, für das X jemanden für kompetent hält.

Meinungsfreiheit im verfassungsrechtlichen Sinne ist das dann nicht mehr, denn dazu gehören auch die Spontanität und dass jeder sich zu allem äußern kann.

Und was ich davon haben soll, sagt X mir auch nicht. Dabei ist die Sache klar: Ich arbeite und X kassiert. Ich bekäme dafür dann „Reichweite“. Vielleicht. Irgendwann. Im Rahmen dessen, dass sich keiner über mich beschwert.

Deshalb weist mich ein anderer Leser auf einen Artikel von Alexander Wallasch hin:

Der Artikel bei Wallasch ist sehr lesewürdig: Go fuck yourself – Elon Musk bekämpft Journalisten mit Algorithmen

X melkt Journalisten aus und tritt sie in den Dreck! Posts verschwinden, wenn wir Links teilen. Warum? X will uns zwingen, in ihrem Käfig zu bleiben – ein Monopol, das freie Worte erstickt! Twitter war ein offener Feind, X ein falscher Freund. Und wir zahlen dafür noch Hunderte Euros. Die reinste Abzocke.

Tatsächlich hatte Twitter als Vorgänger von X ein Sanktionssystem, das ganz bewusst die Reichweite der Kommentare, die man schrieb, einschränken konnte, bis hin zur Löschung des Accounts. Das geschah, wenn man aus Sicht von Twitter beleidigend wurde oder angebliche Falschnachrichten verbreitete, was besonders intensiv von Twitter während der Corona-Jahre betrieben wurde. Und wie wir heute etwa vom Chef von Facebook (Meta) wissen, wurden diese Sanktionen auf Verlangen der Regierungen eingeführt.

Als der Milliardär Elon Musk Twitter kaufte, sollte das alles anders werden. Und tatsächlich gab es keine Nachrichten mehr von der Plattform, dass man für dieses oder jenes angebliche Vergehen eine Einschränkung bekommen habe.

Problem nur: Eingeschränkt wird offenbar dennoch. Nur dass es bei X unter dem Radar läuft und der Nutzer es einfach nicht mehr erfährt. Was ist besser?

Ich zahle etwa 200 Euro im Jahr für ein Premium-Abo auf X, nur um aktuell festzustellen, dass meine Reichweite (laut Premium-Statistik) auf gerade noch 25 Prozent gesunken ist – ohne jede Benachrichtigung oder Erklärung.

Was mache ich auf X hauptsächlich? Ich empfehle meinen über 50.000 Followern meine Texte von Alexander-Wallasch.de. Das ist, was die Leser von mir erwarten. Zudem kommentiere und teile ich Texte von Kollegen oder poste, was ich zum Mittagessen hatte oder was mir sonst so durch den Kopf geht, aber für einen Text nicht genug Fleisch am Knochen hatte.

Aber warum drosselt X jetzt meine Kommentare bzw. Posts? Ein Einzelfall? Wohl kaum. Kollegen geht es ähnlich berichten diese auf Nachfrage.

Es ist das Symptom einer Plattformlogik, die den freien Austausch – die Seele einer sozialen Plattform – opfert, um Nutzer an sich zu binden. Im Folgenden möchte ich das Problem genauer aufzeigen und nach Ursachen und Lösungen suchen – immer mit einem kritischen Blick auf die Macht einer Monopolstellung, auf die ungeheure Macht von Elon Musk. Auf die dunkle Seite von Musk?

Gut beschrieben.

Ich glaube aber nicht, dass Musk da tatsächlich selbst dahintersteckt. Der hat für so etwas gar keine Zeit und dürfte viel mehr mit seinen Raketen beschäftigt sein. Der wird das irgendwelchen Leuten übergeben und gesagt haben „Mach Gewinn und sperr’ keine Accounts!“. Und das machen die dann eben.

Jetzt wurde meine Reichweite auf 25 Prozent geschrumpft. Kein Hinweis auf eine Sanktion, kein Support, der sich erklärt. Nur die Vermutung: X mag meine Links nicht.

Das ist kein hypothetisches Szenario, sondern die Realität vieler Inhalte-Schaffender auf X. Besonders Journalisten, deren Arbeit darauf angewiesen ist, Leser zu ihren Texten zu führen, stoßen an eine unsichtbare Mauer. Der Vorwurf: X drosselt Posts mit externen Links, weil sie Nutzer von der Plattform wegführen.

Für jemanden, dessen gesamte Energie in die journalistische Arbeit fließt, ist das nicht nur ein technisches Problem – es ist ein Angriff auf die Idee einer offenen Plattform. Es fühlt sich an, als müsste man seine Inhalte verstecken, als wären sie „harām“, „schmutzig“, nur weil sie nicht direkt auf X „leben“. Und als Premium-Nutzer, der für Sichtbarkeit bezahlt, ist die Frustration doppelt groß: Warum zahle ich, wenn ich trotzdem unsichtbar bleibe?

Ja, und nein.

Es stimmt, dass sie das so machen, aber es ist nicht neu. Das wurde auch von Facebook schon beschrieben. Man will keine Links auf externe Seiten, weil das die Leser verleitet, auf andere Webseiten zu gehen und dort zu bleiben, die Werbung auf Facebook oder X nicht mehr zu sehen. Deshalb kostet mich ein API-Post 1,5 Cent ohne URL, und 20 Cent mit URL.

Das sind so die amerikanischen Business-Methoden. Du sollst auf deren Webseiten verweilen und möglichst viel Werbung schauen, keinesfalls rausklicken können.

Es erinnert mich etwas an die Drehtüren am Eingang von IKEA- und anderen Kaufhäusern. Die drehen so langsam, um die Leute runterzubremsen. Man soll langsam durch das Kaufhaus gehen, um alles anzuschauen, und nicht durcheilen, um schnell das zu finden, was man kaufen sollte.

Es erinnert mich sehr an Tesla, die wollen die Nutzer ja auch bei jeder Gelegenheit überwachen. Es passt aber auch zur EU-Politik. NiUS: Wie die EU mit dem „Democracy Shield“ den Generalangriff auf die neuen Medien plant Die EU versucht, Regierungsmedien zu etablieren und alle anderen zum Schweigen zu bringen. Und es scheint so zu sein, als habe X dasselbe Ziel. Ob die dem nun folgen oder das aus unterschiedlichen Gründen nur eben dieselben Ziele sind, bleibt zu untersuchen.

Der linke Block hat X/Twitter schon weitgehend verlassen.

Wenn die so weitermachen, werden auch alle Macher alternativer Medien gehen. Deren Wünsche sind einfach nicht mehr praktikabel.

Im Ergebnis läuft es aber darauf hinaus, dass die EU und Musk – ob nun gewollt oder nur nebeneinander her – gemeinsame Sache machen und alle unabhängigen Medien zu erledigen versuchen.

Es wird bald nur noch Staatsmedien geben.