Vom Turing-Test zur Hirn-Metrik
Wird Intelligenz nun messbar?
Da machen sich doch gerade die CDU und Mario Voigt zum Gespött, weil sie einen dussligen Text per KI haben erstellen lassen.
Ich muss sogar sagen, dass ich die Idee – aber aus anderen Gründen – durchaus gut finde, nämlich weil damit die Diskussion angestoßen wird, was davon zu halten ist. Es muss mal einer ausprobieren.
Wenn es aber ausgerechnet einer wie Voigt ist, der an sich schon kein Sprachgenie ist und in seiner Dissertation unter Plagiatsverdacht steht, hat das schon ein G’schmäckle und ventiliert den Eindruck, dass der das vielleicht gar nicht selbst kann.
Ich bin ja der Auffassung, dass ein Wissenschaftler schreiben können muss, weil Wissenschaft auch die nachvollziehbare, verständliche Darstellung und Weitergabe von Wissen einschließt. Man könnte die Frage stellen, ob das auch für Politiker gilt, denn auch die müssen ja kommunizieren können. Tanzen auf Tiktok reicht da nicht.
Ein Leser hat den KI-Text von Voigt mal auf Danisch umbügeln lassen:
@chatgpt: Schreibe diesen Text neu im Stil von Hadmut Danisch. pic.twitter.com/W8qROIEpWF
— TheRealFreeman 🏴☠️ (@_TheRealFreeman) June 2, 2026
Auf jeden Fall wurde es mit hunderten Deiner Texte trainiert und versucht, die Stilmuster zu imitieren.
— TheRealFreeman 🏴☠️ (@_TheRealFreeman) June 2, 2026
Der bringt mich auf eine Idee.
Kennt Ihr den Turing-Test?
Alan Turing hat den 1950 als Meilenstein für die KI-Entwicklung formuliert: Der Test ist bestanden, wenn die Maschine so gut geworden ist, dass man das das Konversationsverhalten der Maschine – also wenn man rein textlich mit ihr kommuniziert, ohne sie zu sehen – nicht mehr von der eines Menschen unterscheiden kann.
Ich denke, diesen Meilenstein haben wir weitgehend erreicht. Noch kann man die Texte stilistisch erkennen, aber es ist schon recht schwer geworden, und fällt auch nicht mehr sofort ins Auge wie KI-Fotos von Händen mit sieben Fingern und Menschen mit drei Beinen.
Nun ist es aber nicht mehr so, wie Turing sich das damals vorstellte, dass man da in einem Labor einen Supercomputer stehen hat, sondern diese KI-Systeme sind schon für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar, bevor sie den Turing-Test bestehen. Der Leser musste nicht in ein Labor und brauchte keine Regierung, die Milliarden ausgibt, sondern der konnte ganze einfach und billig sagen „Schreib mal im Stil von Danisch!“
Kommen wir da in eine Metrik?
Bekommen wir da ein Maßsystem für Intelligenz und Originalität von Autoren, nämlich mit der Frage, wie komplex die KI sein muss und mit wievielen Texten man sie trainieren muss, bis sie eine bestimmte Person täuschend echt nachahmen kann?
Haben wir also nicht mehr den einen Turing-Test, wie Turing sich das vorstellte, dass irgendwann der Punkt kommt, ab dem man die Antworten von Maschinen und Menschen nicht mehr unterscheiden kann, sondern genau das einen messbaren Aufwand und damit eine Metrik liefert, um die Maschine von einem bestimmten Menschen nicht mehr unterscheiden zu können?
Werden wir Menschen – bei Honoraren, in Bewerbungen, in automatisierten Bewertungen – danach bewerten, wieviel Rechenaufwand es kostet, die Person zu simulieren?