Ansichten eines Informatikers

Meinungs- und Lagerbildung abgeschlossen

Hadmut
1.6.2026 14:46

Meine Beobachtung zur Medienlage.

Ich merke ja auch sehr deutlich, wie sich die Medienlage verändert.

Vor einiger Zeit schon haben ich geschrieben, dass die Zeit der Warnungen vor Entscheidungen, und dann auch die Zeit dieser Entscheidungen vorbei ist, und dass wir nun in die Phase des Erleidens der Konsequenzen aus den Entscheidungen eintreten, dass wir jetzt also kein Informationsprogramm mehr brauchen, sondern jetzt das Unterhaltungsprogramm spielt.

Dieser Eindruck verstärkt sich.

Ich habe den deutlichen Eindruck, dass die Zeit der Meinungsbildung und damit auch der meinungsbildenden (alternativen) Medien vorbei ist, und wir in die Phase der meinungsbestätigenden Medien eingetreten sind. Es geht eigentlich nur noch darum, den Leuten – egal auf welcher Seite sie stehen – zu sagen „Du gehörst zu den Schlauen, zu den Guten, und hiermit bestätigen wir Dir, dass Du recht hast! Und wir zeigen Dir, was für Idioten die anderen sind, was für Fehler die machen.“

Das ist ein wesentlicher Unterschied. Früher sagte man denen von A und den Unentschlossenen „Komm doch zu B! Weil …“. Heute sagt man zu denen von B „Ihr habt ja so recht, bei B zu sein, und wir bestätigen Euch das.“ und analog bei A.

Früher hat man sich bekriegt. Heute hat man getrennte Lager und feiert sich in diesen Lagern.

Man merkt das zum Beispiel an X, früher Twitter. Früher hat man sich da die Köpfe eingeschlagen. Heute trennt man das, und die sind alle bei Bluesky, Mastodon usw. und sorgen dafür, dass sie nur Leute gleicher Meinung sehen.

Man merkt es an der Corona-Diskussion. Immer noch werde ich an und ab dafür beschimpft, dass ich mich habe impfen lassen, und ich solle doch endlich einsehen und öffentlich bekennen, was für ein Idiot ich war und was für ein Fehler das war. Abgesehen davon, dass ich es ohnehin nicht mehr ändern könnte und das auch keinen Informationsgehalt mehr hätte, weil die Corona-Krise vorbei ist, und das auch mein ganz persönliches Problem ist, liefert niemand greifbare Belege dafür. In meinem Bekannten- und Kollegenkreis waren fast alle geimpft, und mir wäre kein einziger Fall bekannt, dass davon einer gestorben oder dem Siechtum anheim gefallen wäre. Es geht nicht darum, was falsch und was richtig war, sondern es geht darum, dass die Leute ihre Bestätigung haben wollen, dass sie auf der richtigen Seite waren.

Man merkt das an der Migration.

Selbst unter den Linken gibt es immer weniger Leute, die die Migration noch für gut halten. Aber es gibt kein „Es war ein Fehler, wie kommen wir wieder raus?“. Es gibt nur dieses „Egal wie schlecht, wir sind doch die Guten und die anderen die Bösen, also muss es so sein.“

Wir sind vom Streit in einer neuen Phase, die Geisteswissenschaftler würden „Post-Streit-Ära“ angekommen, in der man nicht mehr streitet, sondern jeder vor dem Spiegel steht und sich selbst auf die Schulter klopft, sich selbst dafür beglückwünscht und liebt, dass seine Meinung mit seiner eigenen übereinstimmt.

Es zeigt sehr deutlich, dass die Zeit der Entscheidungen vorbei ist und wir in einer Durchhalte- und Überlebensphase angekommen sind. Und damit geht dann auch eine beschleunigte Verblödung einher.