Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Software zum Mäusemelken

Hadmut
23.11.2021 17:29

Ich dreh’ bald durch. Es macht wirklich keinen Spaß mehr.

Ich komme mit meinen Sachen kaum noch voran.

Ich hatte es neulich schon mal erwähnt, aber es wird immer schlimmer. Ich verwende inzwischen einen Großteil meiner Zeit darauf, mich mit Softwareproblemen herumzuschlagen und die Software anderer Leute zu debuggen und Bug reports aufzumachen.

Ein Gerät, das Daten erfassen und versenden sollte, und das noch nie so richtig funktionierte, aber inzwischen gar nicht mehr funktioniert, weil das Protokoll, das es verwenden soll, durch eine neue Version ersetzt wurde, sollte eigentlich kein Problem sein, weil der Hersteller auf seiner Webseite ein Firmware-Update dafür anbietet. Um das aber einzuspielen braucht man die Software des Herstellers des Microcontrollers (sowas wie die Mini-Version von Computern für Internet of Things und sowas), um da neue Firmware einzuspielen. Die Software des Herstellers stürzt aber ab. Das ist bekannt und wird im Forum dazu von Leuten seit Monaten erwähnt, schert den Hersteller des Controllers aber nicht weiter. Manche Benutzer wollen herausgefunden haben, dass man dazu erst mal die Firmware des Programmieradapters (den man für einen meist einstelligen Euro-Betrag extra kaufen muss) aktualisieren muss, weil der auch voller Fehler wäre. Was erst mal nicht funktioniert, weil die Software des Herstellers zur Aktualisierung der Firmware des eigentlichen Gerätes (das des anderen Herstellers, um das es eigentlich geht) zwar auch eine Funktion enthält, die Firmware des eigenen Programmieradapters zu aktualisieren, die geht aber nicht. Weil der Hersteller vergessen hat, die Java-Bibliothek, die dafür gebraucht wird, in das Softwarepaket mit reinzupacken. Auch das wurde schon seit Monaten angesprochen, schert ihn aber auch nicht. Findige Benutzer haben deshalb herausgefunden, wie man die fehlende Software aus einem anderen Paket herausfummeln und transplantieren oder isoliert einsetzen kann, womit ich es auch geschafft habe, die Firmware des Programmieradapters zu aktualisieren, aber die Programmiersoftware zur Aktualisierung des Gerätes stürzt auch damit noch ab. Manche meinen, man bräuchte ein noch neuere Version der Firmware für den Programmieradapter, aber die gibt es nun nicht mehr in Java, sondern nur noch für Windows und Windows habe ich nicht, will ich auch nicht. Man kommt da leicht an den Punkt, an dem man gar nicht mehr will.

Neulich habe ich was mit einem 3D-Drucker gedruckt. Hatte mir noch so einen kleinen, billigen unter 100 Euro für auf den Schreibtisch gekauft. Der druckte gut, hörte aber manchmal mittendrin auf. Irgendwas stürzte ab. Der Firmware-Update durch den Hersteller verlief leicht. Der Update der Drucksoftware (Slicer) unter Ubuntu dagegen nicht, die haben nur die alte als Ubuntu-Package. Ein freundlicher Anwender stellt sie aber als snap zur Verfügung. Geht nämlich nicht mehr alles mit einem einheitlichen Paketformat, ich habe inzwischen

  • Ubuntu-Packages
  • Alpine-Packages
  • AppImages
  • Snaps
  • Docker-Images
  • Gems
  • Pips

auf dem Rechner, um Software laufen lassen zu können, und alle haben sie ihre eigenen Probleme und Bugs.

Snaps vor allem mit den Zugriffsrechten, weil sie das ganz sicher machen wollten und per AppArmor zugenagelt haben, und deshalb vieles von vornherein nicht mehr geht. Die snap-Version kann gar nicht auf meinem Drucker drucken. Seit Wochen bin ich daher in einem Hin- und Her zwischen dem Package-Maintainer und den Snap-Developern, um Schritt für Schritt ein Problem nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. Erst fehlte der connect für usb-raw, dann aber auch die nötigen Einträge in AppArmor. Die für udev dagegen fehlten nicht, weil ich für die schon selbst gesorgt hatte.

Es druckt aber nicht.

Anscheinend hat die neue Software nun ein Feature, mit dem es die Baudrate dynamisch rät (und dabei bemerkenswerterweise auch zu unterschiedlichen Ergebnissen beim selben Drucker kommt), was den Drucker anscheinend so verwirrt, dass er dann auch auf die richtige Baudrate nicht mehr antwortet. Manch einer wird sich fragen, was ich da für einen Mist erzähle, Baud-Raten bei USB, aber de facto sind viele Geräte mit Microcontrollern der Kategorie Arduino oder ESP nur zur Stromversorgung und Anbindung eines USB-Seriell-Wandlers angeschlossen, weil die CPU selbst nur seriell kommunizieren kann wie anno dunnemals mit RS232 und einem VT100-Terminal. Und Baud-Raten, natürlich. Heißt heute nicht mehr RS232, sondern nur noch UART (Universal Asynchronous Receiver / Transmitter), weil RS232 dann noch andere Spannungspegel, bestimmte Stecker und noch ein paar Kontrollleitungen vorsieht, ist ansonsten aber dasselbe. Und kommt durcheinander, wenn man erst mit der falschen Baudrate sendet, weil man rumrät.

Der Hersteller des Splicers, bei dem ich dann auch noch einen Bug-Report aufgemacht habe, meint aber, dass sie das nicht mehr supporten und Fehler nicht mehr korrigieren, weil ihre eigenen Drucker ja nicht mehr über USB/UART druckten.

Ich hatte mir ein Radio gekauft. Mehrere. Eigentlich ist das schon viele, viele Jahre her. Weil ich die so gut fand und es die bei Aldi damals gerade so billig gab. DAB+ und Internet und Wecker. Wenn man genau guckt, sind ganz viele Radios von ganz vielen Handelsmarken eigentlich alle von irgendeinem, aber demselben China-Hersteller gebaut, weil immer nur Kombinationen und Variationen des immer selben Baukastensystems. Mal ein bisschen breiter, oder mal würfelförmig, mal die Lautsprecher zur Seite, mal nach vorn, mal die Drehknöpfe gleich groß, mal groß-klein, mal Farb-Display, mal monochrom, aber sie werden unter zig Markennamen verkauft und ich erkenne die immer gleiche Handschrift des immer gleichen Herstelles immer wieder. Bei Aldi waren sie am billigsten und ich war, bis auf den dumpfen Klang, der auch in Tests bemängelt wird und mit dem Equalizer nur leidlich bis zum Erträglichen geändert werden kann, damit äußerst zufrieden. Bis zu dem Punkt, an dem ich von Internet-Radio zu Internet-Podcasts wechselte, weil es halt ein bisschen doof ist, wenn man Radio aus Australien oder USA hört und immer nur in Echtzeit das Live-Nacht-Programm mit den Verkehrsmeldungen drauf hat.

Aber, ach.

Irgendwann wunderte ich mich, warum ich mir beim Einschlafen vorkomme wie im Murmeltier beim Aufwachen: Es läuft immer dasselbe. Weil die Speicherfunktion bei Podcasts nicht den Kanal, sondern die Episode speichert, und immer dieselbe abspielt. Will man neuere hören, muss man erst wieder mühsam den Podcast in der Hierarchie suchen, angefangen bei „Ozeanien“ oder „Amerika“.

Gerade hatten sie nun eine neue Version – es liegen Jahre zurück seit dem Kauf besagter Radios – im Angebot, die nun ein separates Menü für Podcasts hat. Gut, dachte ich mir, sie haben sich softwaremäßig drum gekümmert, und den angekündigten Preis sogar noch reduziert, bestellt.

Schön, aber immer noch ach. Der Fehler ist immer noch drin. Die Speicherfunktion speichert immer noch nur die Episoden, nicht den Kanal. Ich stehe in Kontakt mit dem Support. Mal sehen.

Als ich von der Expo zurückkam, habe ich überlegt, wie man sowas überhaupt fotografiert und auf Video aufnimmt. Ich hatte ja schon erzählt, dass das gar nicht so einfach ist, weil man mit kurzem Abstand vor riesigen Flächen steht, und vor einem Leute, mal also sehr starke Weitwinkel braucht (bitte gnomonisch…), das aber das Problem nicht löst, dass man dort ja auch meist rundherum von irgendwelchen Multimedia-Shows umgeben ist.

Ich bin das Problem daher damit angegangen, auch Aufnahmen mit einer 360°-Kamera zu probieren.

Wie aber anschauen?

Also habe ich mir kurzerhand eine 360°-Brille bestellt, leider ohne mich so genau zu informieren. Ich dachte, ich nehme einfach die, die in den Tests am besten abgeschnitten hat, und fertig. Ich hatte zwar früher schon Experimente mit solchen Halterungen betrieben, in die man ein Handy einlegt, und die einem das nur vor das Auge halten, das ist aber nicht zufriedenstellend verlaufen. Dagegen hatte ich auf der Expo die im Blog schon erwähnte Demo gesehen, auf der sie erklärten, wie sie in Dubai mit 360°-3D-Brillen Schulunterricht machen, und das hatte mir sehr, sehr gefallen. Da dachte ich mir, sowas will ich auch haben.

Denn das wäre doch mal eine geeignete und taugliche Art, von Events wie der Expo im Blog zu berichten, indem man 360°-Videos zeigt, auf denen rundum alles drauf ist. Die ersten Tests mit dem Aufnehmen haben ja (allerdings noch nicht stereoskopisch, nur 360°) durchaus schon funktioniert, aber wie dann angucken und kontrollieren? Es gibt zwar Software, die sie auf dem Bildschirm in ein Rechteck umrechnet, auch Youtube kann das, aber erst mal müsste man sich das ja selbst anschauen, was man da aufgenommen hat. Nicht, dass am Ende noch einer hinter einem steht, der in der Nase bohrt. Kann man ja nicht senden, muss man vorher alles angucken.

Aber, ach.

Ich hätte mich informieren sollen.

Ich hatte mir nämlich eine Oculus Quest 2 (256 MB Speicher) gekauft, weil die nicht nur als optisch sehr gut beschrieben wurde, sondern auch einen eigenen Prozessor und Speicher habe, mit dem sie unabhängig von einem PC und autark arbeite. Man könnte sich da Filme und Spiele draufladen und dann einfach losgucken. Selbst normale Filme könne man auf dem Ding super sehen, weil die wie auf einem Großbildfernseher darstelle. Haben will.

Kam dann auch. Sehr beeindruckend. Optisch wirklich toll, noch zwei Controller, die auch toll funktionieren, kann man nicht anders sagen, verdammt gutes Gerät. Wollte erst mal einen Firmware-Update. Machte den auch ganz toll, nämlich von selbst über WLAN. Lief alles so prima.

Dann kam der Punkt, an dem das Ding verkündete, dass es ab jetzt nur noch per Handy-App weiterginge. Und die Handy-App meinte, geht nur mit Facebook-Account.

Einen Facebook-Account habe ich aber nicht, will ich nicht, werde ich nicht. Weil die ja dann gleich die Einwilligung für alles und jedes haben wollen und dann auch noch Handy-Nummer, Penis-Länge und so weiter erheben.

Es wurde zudem von Leuten berichtet, die teuer Geld für Filme und Spiele ausgaben, aber bei der Account-Erstellung nicht alles oder nicht alles korrekt angaben, und denen Brille, Account und bezahlte Filme und Spiele dann einfach gesperrt wurden, weil die KI bei Facebook meinte, das wären Fake-Accounts, und sich um geleistete Zahlungen, Verträge oder die Verfügbarkeit des Geräts nicht kümmert. Manche bekräftigten, alles wahrheitsgemäß angegeben zu haben und trotzdem gesperrt worden zu sein. Klar. Einmal was auf Facebook gepostet, was deren Richtlinien nicht entspricht, ist der Account dicht und dann geht die Brille auch nicht mehr.

Die Datenschützer hatten das schon beanstandet, und das Bundeskartellamt hat ein Verfahren eingeleitet. Weil Oculus zwar Facebook gehört, aber trotzdem eine separate Firma ist, und deshalb weder Datenweitergabe, noch die Kopplung an einen Facebook-Account zulässig ist.

Facebook weiß, dass ihre Methoden massiv dreckig sind und gegen europäisches und deutsches Recht verstoßen. Es gibt international auch eine Variante der Brille für Geschäftskunden, die diese Kopplung nicht hat, dann aber gleich sowas um die ungefähr 400 Dollar mehr kostet. Man kann also davon ausgehen, dass das der normale Preis der Brille ist, und der überaus günstige Normalpreis ein Dumping-Preis ist, mit dem die Konkurrenz beseitigt wird, und der Unterschied dem Wert entspricht, den die persönlichen Daten, die Facebook damit bekommt, für Facebook bedeutet. Gleichzeitig putzt man per Dumping die Konkurrenz vom Markt und zwingt die Leute dazu, dass sie sich auf Facebook einlassen müssen, um noch eine 360°-Brille benutzen zu können. Dagegen geht das Bundeskartellamt vor und deshalb hat Facebook vor ungefähr einem Jahr verkündet, die Oculus-Geräte in Deutschland nicht mehr anzubieten.

Sieht man aber alles nicht nur nicht, wenn man sie angeboten bekommt, es haben sie auch reichlich Händler im Angebot. Deutsche Händler, deutsches Angebot, obwohl die Brille doch offiziell gar nicht mehr angeboten wird.

Vom Datenschutzbeauftragten von Facebook habe ich keine Antwort bekommen.

Vom Händler habe ich im dritten Versuch eine Antwort bekommen, sie nehmen das Ding zurück.

Hat mich alles wieder viele Stunden Zeit gekostet.

Wird aber nicht lösbar sein, weil Deutschland zu klein ist, um Facebook zu jucken, und es zu viele Händler gibt, die das Ding kommentarlos trotzdem verkaufen und vermutlich irgendwoher aus dem Ausland importiert haben. Was vermutlich auch der Grund ist, warum Facebook erklären konnte, die Dinger hier nicht mehr anzubieten, weil sie genau wissen, dass sie das gar nicht brauchen, weil die Händler das schon selbst machen. Reines Umgehungsgeschäft gegen das Bundeskartellamt, weil das Bundeskartellamt Facebook nicht dafür verantwortlich machen kann, wenn Händler das auf eigene Faust importieren.

Man bräuchte dann schon ein Import- und Verkaufsverbot, das gegenüber allen wirkt und nicht immer nur gegenüber dem, hinter dem man gerade her ist.

Man müsste dann schon Facebook jegliche Geschäftstätigkeit in der EU untersagen. Und jedem bei ARD und ZDF den Hintern versohlen, der mit „Diskutieren Sie mit uns auf Facebook“ daherkommt.

Mit Puppet geht’s auch nicht voran. Sie meinten, der Bug sei endlich gefixt, den ich vor Monaten berichtet habe. Es funktioniert aber immer noch nicht, weil es, wie ich schon vor Monaten vermutete, eigentlich zwei Bugs sind. Den ersten haben sie gefixt, den zweiten aber nicht. Der zweite sorgte dafür, dass es nicht funktionierte, und der erste sorgte dafür, dass man die Fehlermeldungen des zweiten nicht sah und nicht merkte, dass es nicht funktionierte.

Vorher ist die Software also kommentarlos und ohne Fehlermeldung durchgelaufen und man hat nicht gemerkt, dass sie nicht funktioniert hat.

Jetzt bricht sie mit einer schönen Fehlermeldung ab, dass sie nicht funktioniert.

Mir wäre es lieber, sie funktionierte.

Irgendwer sagte mal, dass Informatiker voll damit beschäftigt seien, Probleme zu lösen, die es ohne sie gar nicht gäbe.

Ich bin als Informatiker aber voll damit beschäftigt, Probleme zu lösen, die es gibt, weil zuviele Nicht-Informatiker drin rummurksen.

Und es wird immer schlimmer.