Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Expo 2020: Das suboptimal digitalisierte Kloleitsystem

Hadmut
23.11.2021 20:29

Eine belanglose Nebenbemerkung.

Ihr kennt doch bestimmt diese Parkleitsysteme, die einem in unseren moderneren Innenstädten, jedenfalls das, wo sie schon Internet haben, anzeigt, wieviele Parkplätze in welchem Parkhaus frei sind.

Auf der Expo in Dubai ist das so, dass die Länder-Pavillons – zumindest für das Publikum – keine Toiletten haben. In manchen der nicht länder-spezifischen Ausstellungen, die in dauerhaften Ausstellungsgebäuden untergebracht sind, gibt es manchmal kleinere Toilettenanlagen. Ich bin da mal von einem Security-Wachmann angeraunzt worden, weil ich in einem normalen, öffentlichen Bereich, der augenscheinlich nichts mit Toiletten zu tun hatte, an einem Wasserspender die Trinkflasche auffüllen wollte. Genau dafür sind diese Wasserspender da.

Ich hatte aber nicht bemerkt, und noch weniger bedacht, dass etwas nebendran der Eingang zur Damentoilette war und der Wasserspender per Wasserrohr durch die Wand aus der Wasserversorgung des Damentoilettentrakts gespeist wurde. Ich möge mich gefälligst auf die andere Seite des Raumes begeben und den Männerwasserspender mit Männerwasser benutzen. Der, Ihr werdet es erraten, installationstechnisch der Herrentoilette zugeordnet war. Und mich künftig von Frauenwasserspendern fern halten. Tonfall knapp vor Sittenstrolchvorwurf. Bei den Wasserspendern im Freien war ihnen das aber völlig egal, da hatten sie dann Unisex-Wasser.

Im Allgemein jedoch war das Thema Toiletten unkritisch, denn über das Gelände verteilt sind sogenannte „Visitor Centers“ (ich weiß nicht mehr, ob Center oder Centre), die fast alle gleich gebaut sind (es gab auch Ausnahmen). Im Erdgeschoss ein Subminiatursupermarkt für Getränke, kleinere Fertigmahlzeiten und was man so braucht, und ein Informationszentrum, und dann im Obergeschoss, natürlich beidseitig per Rolltreppe zu erreichen, die Toiletten und Gebetsräume.

Und damit man sich nicht unnötig und vergeblich auf die Rolltreppe begibt, gibt es am unteren Ende der Rolltreppen Anzeigen, die einen rechtzeitig darüber aufklären, wieviele der Toiletten gerade frei sind und sich der weite Weg zum ersten OG per Rolltreppe überhaupt lohnt und Erfolg verspricht.

Nun ist das bei Männern nicht ganz so erfolgversprechend, weil Männer doch überwiegend Urinale nutzen und die weder digital erfasst wurden, noch die Anzeigen überhaupt noch aktuell wären, bis man oben ist, zudem reichlich davon vorhanden waren, und man erfahrungsgemäß dann auch immer gleich so ein Vierer-Karbäuschen

für sich alleine hatte, man sich also auch überlegen konnte, in welche Himmelsrichtung man … seine Gedanken schweifen lässt, aber ich hätte als gendergeschulter Informatiker durchaus in Betracht gezogen, dass das für weibliche Erleichterungssuchende aufschlussreich und strategisch von Vorteil sein könnte.

Bis ich mal darüber nachgedacht habe.

Es bringt eigentlich nichts.

Denn ob das Ding nun 5 oder, wie auf dem Foto 15, oder auch 25 freie Damentoiletten anzeigt, ist eigentlich egal, dass das Ergebnis ist einfach „Ja, ich geh’ da jetzt pinkeln.“

Reicht ja, wenn eine frei ist, oder, falls die dreckig wäre (dort wurde aber ständig geputzt, das war zwar alles landestypisch klatschenass, aber von Wasser und vom Durchspülen, und ansonsten sauber) vielleicht auch drei, aber was schert’s einen, ob nebendran noch 10 oder 20 frei sind?

Andererseits:

Was hätte es für einen Informationsgehalt, wenn die Anzeige auf Null steht?

Man müsste ja trotzdem hoch, um zu schauen, ob da vielleicht gerade die Letzte rein ist, und man die erste ist, die vor 25 Toiletten steht und auf eine wartet, was wohl eine Sache von ein paar zig Sekunden wäre, oder eine Warteschlange bis Kairo da steht.

Das ist digital sicherlich schön und für die Veranstalter, Architekten, Betreiber sicherlich gut zu wissen, wieviele der Toiletten besetzt und frei sind, um die Kapazitäten zu bewerten, aber dem, und vor allem der Druckgeplagten hilft es algorithmisch eigentlich gar nichts, weil es eigentlich keine Anzeige gibt, die zu der Entscheidung führt, nicht hochzufahren und stattdessen den langen Weg zum nächsten Pinkeltempel aufzusuchen, zumal man von dem ja auch nicht weiß, wie die Lage dort ist. Entscheidungstheoretisch ist es für die, die im Stau stehen, meist zwar kurzweiliger, aber objektiv eine Fehlentscheidung, sie eine Umfahrung zu suchen, wenn es nur um hohes Verkehrsaufkommen und Stau, aber nicht um eine Totalsperrung geht.

Informationstheoretisch wichtig wäre also eher die Angabe der zu erwarteten Wartezeit bis zum Erreichen einer freien Toilette, dazu die zu erwartende Wartezeit bei den nächstliegenden Toilettenzentren, jeweils erhöht um die zu erwartende Zeit, die man braucht, um dorthin zu gehen. Nutzt ja auch nichts, wenn es dort drei Minuten schneller geht, man aber acht braucht, um hinzukommen. Und nochmal acht wieder zurück.

Erst dann könnte man eine fundierte Entscheidung darüber treffen, wohin man sich begibt, um am ehesten zu einer freien Toilette zu kommen.

Stellt sich die Frage, wie man das eigentlich sensorisch erfasst, wieviele Leute in der Warteschlange stehen. Gar nichts so einfach. Man könnte KI-Systeme trainieren, aber Kameras im Toilettenbereich sind problematisch.

Man könnte Bodensensoren einbauen, die die Zahl der Füße zählen oder schlicht das Gewicht. Einfach Gewichtssensoren in den Fußboden einbauen.

Und dann eine durchschnittliche Wartezeitsekunden pro Toilette und Kilogramm Frau in der Warteschlange.

Daraus dann die zu erwartende Wartezeit, und die dann vernetzt mit den anderen Toiletten als Tabelle, natürlich zuzüglich der jeweiligen Marschzeit (wie man das von den Gates mancher Flughafen kennt).

Ja, so müsste es gehen.