Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Leserbrief

Hadmut
21.11.2021 17:46

Zum Stand des gesellschaftlichen Umgangs.

Jemand mit angeblich weiblichem Namen schreibt mir

Subject: Von Geburt an Pech gehabt

­Es wundert niemanden, daß einer der so dumm und hässlich ist, die Welt, die Menschen und das Leben so sehr hasst wie die Witzfigur Hadmut Danisch.

Man schimpft mich vieles, daran besteht kein Mangel, aber mich dumm zu nennen ist eine eher selten geäußerte Einschätzung, und auch die Auffassung bezüglich meiner Hässlichkeit tritt weit hinter die verbreitete Einschätzung zurück, dass ich ein unauffälliger und in der Masse verschwindender 08/15-Typ bin. Also nicht herausragend hässlich.

Wobei sich für einen Single und Text-Blogger (Frauen äußerten schon, dass meine Wohnung eine ganz typische Junggesellen-Wohnung sei, weil es nirgends Spiegel gäbe – ich muss mich also auch nicht selbst sehen) durchaus die Frage stellt, worin eigentlich das Problem der Hässlichkeit bestünde, mich stört es ja zumindest nicht. Und so schlimm, dass die Nachbarskinder Angst vor mir hätten, ist es jedenfalls nicht. Ich werde auch in der U-Bahn nicht angestarrt. Zumindest in Berlin falle ich da nicht negativ auf.

Wobei sich natürlich auch die Frage aufdrängt, wie der Vorwurf der Hässlichkeit – lookism – in die political correctness passen würde, nach er doch jeder schön ist und selbst das hässlichste fette Weib Chancen auf Miss Germany haben muss und als schön zu betrachten wäre.

Mir ist auch nicht klar, welche Zielsetzung die Zuschrift verfolgt, denn mir wäre – im Rahmen meiner Dummheit – nicht bekannt, dass die Meinungsfreiheit nur für die Schlauen und Schönen gälte. Wobei ich die Herangehensweise, Grundrechte und öffentliche Anerkennung nur an Kluge oder schöne Leute zu vergeben, prickelnd finde. Das hätte solches Genderexplosionspotential, dass ich glatt dafür wäre. Dann nämlich wären die Gender-Studies sofort dicht, weil sie zu 98% hässlich, zu 99% dumm und zu 100% kriminell sind. Wenn man den Dummen und den Hässlichen verbieten würde, sich zu äußern, dann bräuchte ich mein Blog ja gar nicht.

Was also sieht der Sozialismus für Dumme und für Hässliche als Rolle in der Gesellschaft vor? Quasimodo in der Notre Dame? Genderprofessur? Bundestag? Kanzlerkandidat? Ich bin begierig, mehr über meine sozialistischen Karriereaussichten zu erfahren. Denn in der Dummheit nehme ich es mit Baerbock und in der Hässlichkeit mit Lauterbach ohne weiteres auf. Staatsminister würde ich da schon mindestens erwarten.

Interessant wäre auch die Frage, wie der Vorhalt, von Geburt an dumm und hässlich zu sein, in die Zeitgeistmeinung passen würde, dass wir von Geburt an gar nichts sind, und alles dann nur ansozialisiert und zugewiesen werde.

Konsequenterweise wäre ich dann auch nicht aus eigenem Verschulden dumm oder hässlich, sondern dadurch nur ausgegrenztes Opfer meiner sozialen Verhältnisse und kompensationsanspruchsberechtigt. Ich müsste als doppelt benachteiligt, geradezu mehrdimensional diskriminiert, sowohl von der Dummen-, als auch von der Hässlichenquote profitieren. Gerne. Ich bin dabei.

Unklar ist mir auch, warum man mir unterstellt, die Welt so zu hassen, wenn ich doch so gerne in selbiger herumreise, um sie mir anzuschauen und zu erforschen, zumal mich besonders Physik und etwas ferner die Biologie schon immer sehr interessierten.

Seltsam ist weiter, dass sich der Absender gleich einbildet, für alle Menschen dieser Welt sprechen zu können.

Naja, wie auch immer.

Nehmen wir zum Zwecke des Disputs einfach mal an,

  • dass ich von Geburt an, und damit unverschuldet und unabänderlich dumm und hässlich wäre,
  • und Hass auf Welt, Menschen und Leben die zwingende Konsequenz daraus wäre (denn nur dann könnte es ja niemanden wundern)

worin läge dann eigentlich der Schuldvorwurf mir gegenüber? Was hätte ich dann falsch gemacht? Müsste man mich im Rahmen der verordneten Toleranz und Diversität nicht nehmen wie ich bin, sich sogar über die Besonderheit meiner Dummheit und Hässlichkeit freuen?

Wenn es sich dabei um eine angeborene Behinderung handele, warum fordert der Mainstream dann nicht gerade wie bei anderen Behinderungen auch, mich zu inkludieren, anzuerkennen und wie bei anderen schwer erziehbaren oder sozialunfähigen Kindern Formulierungen wie „originell begabt“ oder sowas zu verwenden? Warum werde ich dann nicht genauso behandelt wie es der Mainstream für die anderen Sorgenkinder so vorsieht, die ihre Klassenlehrerin verprügeln oder den Mädchen die Augen rausreißen?

Wenn es total Nazi, rassistisch, sexistisch und so weiter ist, dicke, fette, schwarze, dumme Lesben als Miss Germany abzulehnen, was ist es dann, einen – nach dieser Einschätzung – von Geburt an geistig und körperlich Schwerbehinderten wie mich als „Witzfigur“ einzustufen?

Was mich zu der Frage überleitet, ob man Marxismus und Genderismus korrigieren muss.

Denn wenn ich von Geburt an dumm und hässlich wäre, bleiben ja nur zwei Möglichkeiten.

Entweder war es die Hebamme, die, wie man ihr beim Geschlecht unterstellt, mir auch Dummheit und Hässlichkeit zugewiesen hätte (Mutter nach der Geburt: „Was ist es denn?“ Hebamme: „Es ist … es ist … es ist dumm und hässlich!“ – Mütter vor der Schule: „Meine Tochter ist hochbegabt“ – „Mein Sohn ist dumm und hässlich“ – ach, wie interessant, da stehen ihm heute ja alle Wege offen…).

Demnach müsste man konsequenterweise sowohl dumm, als auch hässlich als zwei der unzähligen Geschlechter anerkennen und den entsprechenden Respekt einfordern und mir die Möglichkeit einräumen, im Reisepass als Geschlecht „hässlich“ eintragen zu lassen und eigene Toiletten für Hässliche einzurichten. (Die für Dumme gibt’s in Berlin schon, aber da fühle ich mich nicht wohl. Ich gehe auch nicht mehr so oft zur Friedrich-Ebert-Stiftung wie früher.)

Oder es ist genetisch bedingt und würde damit Feminismus, Genderismus, Antirassismus und Marxismus über den Haufen werfen, weil damit nämlich doch belegt wäre, dass, wie mir hier vorgehalten wird, Dummheit und ihr Gegenteil einfach angeboren sind oder sein können. Ich werde ja wohl nicht die biologische Ausnahme und marxistische Sonderfall sein, der einzige Mensch der Welt zu sein, dem die Dummheit nicht durch üble gesellschaftliche Einflüsse ansozialisiert wurde, sondern bei dem sie als Sonderfall angeboren ist.

Ich liebe es, wenn Linke sich in nur einem einzigen kurzen Satz schon so fundamental und umfassend selbst widersprechen und sich selbst überführen.

Nur weiter damit. Brennstoff für den Blogofen.