Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Expo 2020: Der Irak

Hadmut
4.11.2021 2:02

Ein tapferer, rührender, sympathischer, freundlicher, irgendwie ergreifender … nicht einmal Pavillon.

Der Pavillon auf der Expo … ach, eigentlich war es nicht mal ein richtiger Pavillon … auf dem ich das freundlichste, netteste Gespräch geführt habe, war neben dem mit der Spanierin am spanischen (allerdings sehr großen und teuren) Pavillon der mit den Irakern.

Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie eigentlich nicht mal einen Pavillon hatten. Man hat gemerkt, dass ihnen da wohl die Mittel fehlten, und es nur für ein paar Stellwände, ein Sonnendach und einen Raum gereicht hatte, und sie versuchten auch, das positiv und gut gelaunt zu verkaufen, aber irgendwie hat man doch gemerkt, wie unangenehm und peinlich ihnen das war, dass die anderen Länder so riesige wohlausgestattete Stände hatte, und sie nur ein paar überdachte Standmonitorwände, eine open-air-Sitzecke, einen Raum mit Bildern eines irakischen Künstlers, und um die Ecke herum noch eine kleine Open-Air-Bühne mit kleineren Veranstaltungen und ein paar Sitzreihen.



Dennoch, oder gerade deshalb: Sie waren sehr freundlich, ich habe mich mit einem jungen Iraker ganz hervorragend unterhalten, auch über was gelästert, was ich hier nicht verrate, und in der Sitzecke einen ganz wunderbaren Tee bekommen, wenn auch nur 1cm hoch in einem ganz kleinen Pappbecher, weil sie selbst da noch sparen mussten. Der Tee hat wunderbar geschmeckt, sehr, sehr gut. Ich weiß nur nicht, wie man den macht. Sie sagten, es sei ein Chai, womöglich war da einfach noch Zucker drin. Ich habe mir das nämlich vor 30 Jahren schon abgewöhnt, Zucker in den Tee zu tun, und stattdessen einfach keine bitteren Tees zu trinken.

Ich kann mich erinnern, einen solchen Tee schon einmal bekommen zu haben, der mir auch so gut geschmeckt hat. Das war in einem Museum in Schardscha, wo man mir ebenfalls mit arabischer Gastfreundschaft aus einer ebensolchen arabischen Schnabelkanne einen ebenso leckeren Tee eingeschenkt hat. Ich wollte damals fragen, was das ist, aber man konnte es mir nicht erklären, weil der Mann mit der Teekanne nur arabisch sprach. Und ich halt nicht.

Trotzdem, oder gerade deshalb: Ich fand das sehr nett, geradezu rührend, wie die Iraker trotz allem mitgemacht und so tapfer wie gastfreundlich ihren kleinen, bescheidenen Stand zwischen all den Protzpavillons behauptet haben. Das hatte eigentlich schon was von einem olympischen Gedanken. Dabeizusein ist wichtig.

Übrigens hat man mir den Irak als Reiseland empfohlen. Es sei zwar noch nicht optimal, und ich merkte, dass man sich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollte, aber es ginge, und man versprach mir, dass ich überrascht wäre, wie schön es im Irak sei. Die Bilder an den Schauwänden zeigten das jedenfalls.