Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Toxoplasmose

Hadmut
1.11.2021 19:20

Noch ein interessanter Aspekt.

Immer wieder mal haben mich in den vergangenen Jahren die Leser auf Toxoplasma Gondii hingewiesen, kannte ich auch schon vorher. Ich weiß nur nicht mehr, woher. Ich glaube, dass ich sowas ähnliches auch schon früher in der Schule mal gehört habe, obwohl man Toxoplasma Gondii wohl erst vor etwas mehr als zehn Jahren entdeckt hat.

Das ist ein Parasit, der über mehrere Wirte springt, darunter von Mäusen und Ratten zu Katzen.

Das erreicht er dadurch, dass er bei Mäusen und Ratten in das Gehirn eindringt und deren Verhalten so verändert, dass sie vor Katzen nicht mehr fliehen, sondern im Gegenteil zu ihnen hinlaufen, um sich fressen zu lassen. Schlecht für die Maus, gut für den Parasiten, der es so in die Katze schafft.

Immer wieder fragten Leser, ob hier nicht auch Menschen infiziert und deren Verhalten verändert sein könnte. Ich bin da bisher nicht näher drauf eingegangen, weil ich das nicht so in das Schema einsortiert bekommen habe, dass es plausibel und nicht nach wilder Gruselgeschichte klingt.

Nun gibt es aber einen Artikel von 2019 im Spektrum, der das in das Schema einfügt.

Laut der »Manipulationshypothese« kann der Parasit das Verhalten seines Wirts beeinflussen, um die Chance auf die eigene Ausbreitung zu erhöhen. Bei Nagetieren, die ihre Angst vor Katzen abgelegt haben, fanden Forscher besonders viele T.-gondii-haltige Gewebezysten in der Amygdala, der Region im Gehirn, die an der Entstehung und Verarbeitung von Angst beteiligt ist. Möglicherweise können die Parasiten den Spiegel des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn beeinflussen und dadurch Verhaltensänderungen auslösen.

Das wäre natürlich ein sehr plausibels Szenario, dass Toxoplasma Gondii an der Amygdala angreift, um Mäusen die Angst vor Katzen nicht nur auszutreiben, sondern sie sogar dazu zu bringen, sie zu mögen. Wenn das die zentrale Angststeuerung ist, dann passt das.

Dabei kann der Parasit auch auf den Menschen übertragen werden, durch ungegartes Fleisch, aber auch durch Katzenkot, selbst wenn er nur in Sandkästen oder Gärten rumliegt.

Aber gilt das, was die US-amerikanischen Forscher bei Nagetieren beobachteten, ebenso für den Menschen? Beeinflusst Toxoplasma als unerkannter Kopilot in unserem Hirn-Cockpit womöglich unser Verhalten oder unsere Stimmung, oder erhöhen die Parasiten sogar das Risiko für psychische oder neurodegenerative Erkrankungen, wie einige Wissenschaftler vermuten? Es gäbe Forscher, die würden jede Art neurologischer Erkrankung, ob nun multiple Sklerose, Alzheimer oder auch Parkinson, mit Toxoplasmen in Verbindung bringen, sagt Frank Seeber. »Ich bin da skeptisch, die Datenlage dazu ist noch nicht überzeugend.«

Klare Antworten auf diese Fragen gibt es bisher nicht. »Es existieren viele Studien, die sich mit den Auswirkungen von Toxoplasma auf das menschliche Verhalten beschäftigen. Doch nur einige davon untersuchen eine ausreichende Zahl der Patienten und dazu genügend wissenschaftliche Parameter«, sagt Ildiko Rita Dunay, Direktorin des Instituts für Inflammation und Neurodegeneration an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

In der neuesten und bislang umfangreichsten Studie konnten dänische Forscher einen Zusammenhang zwischen einer chronischen Toxoplasmose und riskantem Verkehrsverhalten feststellen, nachdem sie die Krankenakten und Blutproben von mehr als 80 000 Dänen durchforstet hatten. Menschen, die den Parasiten in sich tragen, haben laut der Untersuchung etwas häufiger Verkehrsunfälle als Menschen ohne Infektion mit T. gondii. Ob dieses Mehr an Unfällen einem aggressiveren Fahrverhalten geschuldet ist, das womöglich durch die Parasiten im Gehirn ausgelöst wurde, kann eine epidemiologische Studie wie die der Dänen aber nicht beweisen.

Es scheint also durchaus so, als ob – was ich bisher nicht so auf dem Schirm hatte – auch eine gehörige Zahl von Menschen zu geben, die den Parasiten in sich tragen, und den Verdacht, dass er das Verhalten beeinflusst, womöglich das Gefahrbewusstsein herabsetzt.

Bewiesen ist es nicht.

Die Frage aber, ob das auch das politische Verhalten beeinflusst, beispielsweise eine irrationale Migrationsfreudigkeit, bliebe zu untersuchen.