Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Scheiß IKEA-Lautsprecher

Hadmut
23.2.2020 21:39

Ich glaub, ich krieg einen Digital-Rappel.[Nachtrag]

Ich habe mir vorhin bei IKEA neben den besagten Regalbrettern mal aus Neugier einen Symfonisk-Wifi-Lautsprecher gekauft, den sie zusammen mit Sonos bauen. Ich habe zwar einige digitale Radios für DAB und Internet und sowas, und hatte auch früher mal eins in der Küche stehen, aber das ist für so ein Radio-Dings nicht gut, wenn das da in Griffweite steht, weil da immer irgendwie Fett, Mehl oder sonstwas drauf landet. Küche muss putzbar sein.

Da kam mir so der Gedanke, man könnte es ja mal mit so einem Ding versuchen, weil es doch allgemein heißt, Sonos verstünde was davon, und die IKEA-Variante wäre vergleichsweise günstig. Nachdem es heißt, der Klang wäre kraftvoll und gut, kam mir die Überlegung, dass das vielleicht das richtige Ding für die Küche wäre. Abwaschbar, an neutralem Ort, zur Beschallung geeignet, und von außen aus einem anderen Zimmer mit Ton befüllt. Hatte ich mir so vorgestellt.

Der große Mist bei IKEA ist, dass sie einem immer irgendeinen Dummspruch dazupappen in der Art von „Gestalte Dein Zuhause” oder „Erweitere Deine Möglichkeiten”, aber irgendwelche technischen Einzelheiten schreiben sie nicht dran. Vor Jahren habe ich da mal LED-Glühbirnen gekauft, aber es stand nicht drauf, wieviel Watt die haben. Vorhin hatte ich bein Schlendern eine Packung in der Hand, in der man ein USB-Netzteil und ein … ja, ich weiß eben nicht, was es war, sehen konnte. Sie schreiben nicht drauf, was es ist. Das hat dann irgendeinen komischen pseudoskandinavischen Namen wie „Zumwøndern” oder „Seltsåm” drauf, aber keinerlei Hinweis darauf, was es eigentlich sein könnte. Weiße, neutrale Verpackung. Die Produktnummer steht noch drauf.

Naja. Ich habe so eine ungefähre Vorstellung davon, was ein Lautsprecher ist, und was Wifi ist. Ich hätte mir noch sowas wie DLNA dazu vorgestellt. Eine Menge Zeugs in meiner Wohnung macht einen auf DLNA und sowas. Ständig fragt mich mein Tablet, ob ich das Video nicht doch lieber auf dem Fernseher sehen wolle, und der blökt dann auch gleich los.

Ungefähr so hatte ich mir das vorgestellt.

Denkste.

In der knappen IKEA-Anleitung (mit dem üblichen Männchen, das einem symbolisiert, dass man doch bei IKEA anrufen möge, wenn man nicht weiterkommt) heißt es, man möge auf einem iOS- oder Android-Gerät die Sonos App in Betrieb nähmen, alles weitere finde sich dann.

Diese App nun aber will nicht nur das Recht, meinen Standort zu wissen, sie verlangt auch, dass ich einen Account bei Sonos anlege.

Soweit sind wir schon gekommen, dass man eine App installieren und einen Account in Sonstwo eröffnen muss, um einen gekauften Lautsprecher in Gang setzen zu können. Sie sagen es einem dort nicht, auf der Packung nicht, auf der Webseite nicht.

Ich trage mich mit dem Gedanken, ihnen den Scheiß zurückzubringen, falls ich dort vor der großen Epidemie nochmal vorbeikomme (was ich allerdings gerade bezweifle).

Ich halte das für eine Frechheit.

Meines Erachtens müsste es eine Pflicht geben, es auf Produkte klar draufzuschreiben, dass man es auch vor dem Kauf sehen kann und muss, wenn man Produkte nur auch auch in Teilen nur mit einem Online-Account in Betrieb nehmen kann. Hat hier jetzt eigentlich jeder Zugang zu meiner Wohnung?

Und dann haben wir eine Pseudoregierung und Pseudoparteien, die sich wie die Affen auf die Brust trommeln, was für ein tolles Datenschutzrecht sie geschaffen hätten, aber schon an etwas so profanes denkt man nicht. Man kauft sich einen Lautsprecher und erfährt erst hinterher, dass man den nicht einfach innerhalb der Wohnung so in Betrieb nehmen kann, dass davon nichts nach außen geht.

Wird Sonos von der CIA betrieben?

Hat das Ding vielleicht auch Mikrofone?

Nachtrag: Ich hatte es im Blog-Artikel nicht so explizit angesprochen, inzwischen einem Leser per Mail erklärt, dann hat aber noch ein anderer dran erinnert, also hier nochmal explizit zur Ergänzung: Lautsprecher sind Mikrofone.

Zwar bekommt man inzwischen billig winzige SMD-Mikrofone, die man mit dem bloßen Auge kaum als solche erkennt, und die neulich irgendwo in einem Gerät gefunden wurden, wo sie nicht reingehören, aber das braucht man im Falle von Lautsprechern nicht. Lautsprecher sind Mikrofone. Jedes dynamische Mikrofon (wie sie meistens auf der Bühne zum Singen verwendet werden) funktioniert genau wie ein Lautsprecher, nur umgekehrt. Luft bewegt Membran, Membran bewegt Spule in Magnet, Spule erzeugt Wechselstrom. Muss man nur abgreifen, und das fällt nicht auf, wenn es irgendwo auf der Platine versteckt ist, und ist sogar unsichtbar, wenn es im Chip passiert.

Wenn die dann noch beliebig die Firmware austauschen können, und von jedem Lautsprecher wissen, wo er steht und wem er gehört, hat man fernsteuerbare Abhörgeräte.