Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ueli Maurer und die CIA/NSA

Hadmut
18.2.2020 1:51

Noch ein paar Leserhinweise.

Es sind noch einige Leser-Hinweise zum ETH-Crypto-Professor Ueli Maurer bei mir eingetrudelt.

Beispielsweise auf dieses Interview des Blick.ch von 2018 mit Maurer:

Bei Kryptologie denkt man an Hacker und Geheimdienste, an die Verschlüsselung des Privatlebens. Arbeiten Sie für den Geheimdienst – oder dürfen Sie dazu nichts sagen?

Ich habe nichts zu verschweigen. Nein, ich arbeite nicht für den Geheimdienst. Aber die Geheimdienste sind in unserem Gebiet präsent. Ich bin quasi NSA-approved, habe den Segen des US-Geheimdienstes (lacht).

Wie das?
1992 sass offenbar ein NSA-Spion in meinen Vorträgen, die ich an einem Kongress hielt. Er schrieb in seinem Report über mich Dinge wie: «Dazzling brilliant» – beeindruckend brillant. Nachzulesen ist das in NSA-internen Papieren, die vor Jahren veröffentlicht wurden. Das hat mich natürlich gefreut.

NSA-approved, weil ein ein NSA-Spion seinen Vortrag „brillant” fand?

Über mich sagte der BND auch, dass ich sehr gut sei, aber ich wurde abgesägt und nicht „approved”. Gleichzeitig hat man hier reihenweise unfähige Leute in die IT-Sicherheitsprofessoren eingepflanzt.

Man ist nur dann NSA-approved, wenn man entweder verlässlich so unfähig ist, dass man keine Gefahr für die NSA darstellt, oder für die NSA arbeitet.

Das, was der da – 2018 – behauptet, dass die NSA Leute dulden würde, die fähig und unabhängig/seriös sind, stimmt nicht. Ich habe ja im vorangegangenen Blogartikel darüber geschrieben, wie die USA die ETH unter der Fuchtel haben.

Noch’n Blümchen?

Wie eine offene Tür – da das Zugangspasswort schwach ist?
Auch deshalb, aber auch wegen Systemfehlern oder absichtlich eingebauten Schwachstellen. Bei Soft- und Hardware aus den USA müssen wir davon ausgehen, dass diese gezinkt sein könnten. Leider.

Vom amerikanischen Geheimdienst NSA?
Von der NSA. Mitte der 1990er-Jahre habe ich für Schweizer Grossbanken eine Studie zur Frage gemacht, ob unsere Systeme von Geheimdiensten manipuliert sind.

Wie war Ihre Antwort?
Es war schon damals offensichtlich, dass das so ist. Verschiedenste Quellen bestätigten, sie seien von der NSA angegangen worden, Schwachstellen in ihre Systeme einzubauen. Was in der Folge natürlich bestritten wurde.

Und derselbe behauptet, er sei „NSA-approved”, weil er so seriös sei?

Die Aussage ist doch: „Die NSA ist ein durchtriebener Spionageladen, der einfach alles unterwandert, und ich bin NSA-approved.”

Ich habe am Wochende noch aus dem Interview zitiert, in dem er nach der Affäre behauptete, sie hätten eigentlich kaum je mit Geheimdiensten zu tun. Aber in diesem Interview sagte er offenbar noch etwas anderes.

Laut der Erklärung in diesem Artikel, aber auch laut Wikipedia ist er in kürzester Zeit von der Promotion zum Professor gesprungen – mit Umweg über die USA:

Maurer studierte Elektrotechnik an der ETH Zürich und promovierte dort 1990 mit der Dissertation Provable security in cryptography. Danach arbeitete er für die Princeton University als Postdoktorand, bis er 1992 eine Assistenzprofessur für Informatik an der ETH Zürich annahm.

Das hatte ich früher schon beschrieben: Der Mann ist nicht einmal Informatiker. (Gut, Claude Shannon war auch Elektrotechniker und hat die Informationstheorie entwickelt, aber das war damals noch ziemlich, naja, elektrotechnisch und am Fernschreiber entlang.) Und schon zwei Jahren nach der Promotion hatte der eine Professur in Informatik. Soweit ich weiß, beim Amerikaner James Massey. Nachdem er zwei Jahre in Princeton war.

Ein Leser wies mich dazu darauf hin, dass Princeton dafür berüchtigt sei, dass die CIA dort sehr intensiv Studenten anwerbe.

Das war mir bisher nicht bekannt. Das wusste ich von Michigan, wo die Verfassungsrichterin Baer war und eine Gastprofessor hat. Aber auch Princeton, wo Maurer war?

Mmmh. Auf ein erstes Googeln hin finde ich das und das. Deklassifizierte CIA-Informationen über ihre Aktivitäten Princeton.

CIA recruitment at Princeton has benefited from the active participation of university officials. Former Career Services director Newell Brown admitted in 1976 to the Daily Princetonian, „We are aware of the kinds of people the CIA looks for and when we run into the type we tell them to send a resume.”

Geht noch weiter, gab noch andere Wege. Wenn also dort jemand in das Beuteschema der CIA passte – und wer würde da besser reinpassen als ein Kryptologe – ist die Universität aktiv auf ihn zugegangen und hat ihn aufgefordert, seinen Lebenslauf einzureichen.

Natürlich nicht jedem. Die zweite Quelle ist ein Zeitungsartikel, wonach eine der Schools (sowas ähnliches wie Fakultäten) ihren Studenten rundheraus verboten hat, neben den Studium oder in den Semesterferien für die CIA zu arbeiten. Sie hatten Sorge um ihren Ruf.

„There is a continuing suspicion in many countries that the American academic community is allied with the Government.”

Die waren besorgt, weil man ihn vielen Ländern längst vermutete, dass die amerikanischen Universitäten von den Geheimdiensten schon gar nicht mehr zu trennen sind.

Erinnert mich an Michigan, wo Baer war. Über Michigan habe ich mal gelesen, dass die nicht nur berüchtigt dafür sind, seit dem fünfziger Jahren die Geheimdienste mit Tarnprofessuren zu versorgen, sondern auch dafür, dass die CIA dort so penetrant und mit den Methoden von Drückerkolonnen Studenten anwirbt, dass es dort zu Handgreiflichkeiten und Rangeleien kam, weil Uni-Angehörige die aufdringlichen CIA-Werber rausgeworfen haben sollen.

Und in dieser CIA-Suppe hat es Ueli Maurer in zwei Jahren vom Doktor zum Professor an der ETH Zürich geschafft, soweit ich bisher gefunden habe, angeblich beim amerikanischen Professor James Massey, hatte in dem Jahr einen NSA-Spion bei seinen Vorträgen als Zuhörer, der ihn über den Klee lobte, und erzählt der Welt dann, er habe nie etwas mit Geheimdiensten zu tun gehabt.

Und landet genau in der Stadt, in der die CIA den größten Spionage-Coup des Jahrhunderts gelandet hat.

Mal ehrlich: Wer glaubt ernstlich, dass die CIA es zulassen würde, dass ein fähiger und seriöser Kryptologe in gerade der Stadt Professor wird, in der sie ihre Spionage-Super-Sause mit faulen Kryptomaschinen betreiben? Was man jetzt als die Coup des Jahrhunderts, die größte Abhöraktion seit dem zweiten Weltkrieg bezeichnet? Wer glaubt, dass man diese Operation gefährden würde, indem man sich einen vor die eigene Nase setzt, der das erkennen und aufdecken könnte und würde?

Ich bin überaus begierig, an diese Minerva-Akten zu kommen, in denn laut der zitierten Zeitung drinnen steht, dass die CIA vier von fünf Kryptologen der ETH Zürich im Griff habe und sichergestellt sei, dass sie über die Crypto AG saubere Wunschgutachten schreiben, und Maurer einer davon sei.

Ueli Maurer und Susanne Baer. Beides Figuren aus meinem Promotionsverfahren. Beide haben mich auf willkürliche und verfahrenswidrige Weise und ohne erkennbare Begründung abgesägt. Und beide waren zuvor an amerikanischen Universitäten, die bekannt und berüchtigt dafür sind, ausländische Studenten, die in ihr Land zurückkehren wollen, für die CIA zu rekrutieren.

Und beide haben dann wundersame Karrieren hingelegt.

Und mich hat man als „Verschwörungstheoretiker” hingestellt.