Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Batman, C3PO und ne Kopfgeldjägerin

Hadmut
20.11.2012 0:00

Schon seltsam, wem man unterwegs so begegnet. Oder: Hatten wir das Thema Augenbrauen schon?

Was viele nicht wissen ist, dass der Roboter C3PO aus Star Wars nach dem Ende der Dreharbeiten einer eher bescheidenen Tätigkeit nachgehen musste. C3PO verkaufte danach Brötchen in einer Dresdner Bäckerei. Die, in der ich damals, als ich noch in Dresden tätig war, meistens mein Frühstücksfutter geholt habe. Eine Zeit lang hat mich dort C3PO bedient.

Oder zumindest jemand, der verblüffend wie C3PO aussah.

Eine Verkäuferin. Sehr nett, eigentlich auch hübsch, aber mit grotesk misslungenem Aussehen. Sie hatte sich nämlich die Augenbrauen komplett entfernt und sich an Stelle der echten Augenbrauchen künstliche aufgemalt. In Form von Halbkreisen über den Augen. Wirklich runde Halbkreise. Stellt Euch vor, Ihr habt keine Augenbrauen und haltet Euch 2-Euro-Stücke an die Stirn, so gerade da wo über den Augen der Stirnknochen vorragt, und malt mit nem Edding an den Münzen die Halbkreise über die Augen. Sah nicht nur unglaublich beknackt aus. Sondern sah wirklich wie C3PO aus, denn die hatte noch so ein schmales Gesicht genau in der Form von C3PO, bewegte sich auch auffällig steif und guckte einen an wie C3PO. Ich hab mal versucht, wie R2D2 zu pfeifen, was sie aber nicht erkannt und nicht verstanden hat (zwei Kunden hinter mir bekamen aber nen Lachanfall).

Ich hab ja schon nicht verstanden, was Leute dazu bringt, sich Nägel und Schlüsselringe durch die Backe zu ziehen. Aber Augenbrauen in Form von Halbkreisen, das sieht wirklich fertig aus. Einfach grotesk misslungen.

Ist schon ein paar Jahre her. Ist mir aber wieder eingefallen, weil mir die Tage in der U-Bahn Batman gegenüber saß.

Oder zumindest jemand, der verblüffend nach Batman aussah. Jedenfalls was die Augenbrauen angeht.

Eine Frau, eigentlich sehr gut aussehend, irgendwie türkischer oder arabischer Herkunft, aber mit grotesk entstellten Augenbrauen. In den orientalischen Kulturkreisen ist das so Mode, sich die Augenbrauen zu tunen. (Hängt auch damit zusammen, dass Frauen in vielen der Länder nicht mehr als ihre Augen zeigen können.) Auch die hatte ihre Augenbrauen komplett entfernt und an deren Stelle künstlich schwarze Augenbrauen-Silhouetten aufgemalt. Und das mit größter Sorgfalt, die Dinger waren perfekt geschwärzt und mit höchster Präzision und Symmetrie rasiermesserscharf abgrenzt aufgebracht. Wie mit Papiermesser und Lineal ausgeschnitten. Saubere, aufwendige Arbeit. Aber die Form war völlig verkorkst.

Die Augenbrauen gingen von der Nasenwurzel lang und lineal-gerade nach außen, um dann weit außerhalb der Augen die typischen Haken nach unten zu schlagen, aber viel zu weit außen. Die sah aus wie so ein Film-Batman, dem man die Augenbrauen so breit auf die Gummimaske gemalt hat, um böse auszusehen, dass er mit den Augenbrauen am Türrahmen hängen bleibt. Absurd. Nun waren in den Comics und Filmen ja auch Batgirl und Catwomen stets mit künstlichen Augenbrauen ausgestattet, meist so S-förmig geschwungen wie wenn jemand über-böse guckt. Aber eben in adäquaten und harmonischen Proportionen. Nur Batman läuft eben mit Augenbrauen in extra-breit herum. Selbst Theo Waigel und Leonid Breschnew hatten da noch irgendwo Proportionen drin. Ist auch unpraktisch, so lange Regenrinnen nach innen. Wenn’s regnet läuft das alles die Nase runter. Vorteile sehe ich höchstens bei der Aerodynamik im Gegenwind.

Leute, das ist eigentlich ganz einfach mit den weiblichen Augenbrauen. Jede Visagistin hat die grundlegenden Tricks drauf. Die Grundregel, an die man sich halten sollte, wenn man’s nicht genial kann, ist einfache Geometrie, drei Linien an jedem Auge:

  • Eine gedachte Gerede vom Nasenflügel über das innere Ende des Auges markiert oben, wo die Augenbraue anfangen sollte.
  • Eine gedachte Gerade vom Nasenflügel über das äußere Ende des Auges markiert oben, wo die Augenbraue enden sollte.
  • Eine gedachte Gerade vom Nasenflügel durch die Pupille markiert oben, wo die höchste Stelle (der „Knick”) der Augenbraue sein sollte.

Ganz einfach, sieht aber gut aus. Ein guter Anfang. Muss man freilich nicht, kann jeder halten, wie er will. Aber wenn man schon versucht, gut auszusehen, könnt man’s ja auch mal versuchen.

Es kommen zwar auch so seltsam gerade Augenbrauen in Mode, aber bei denen hab ich dann was drüber zu schreiben, dass ich in der U-Bahn Vulkaniern gegenüber saß, denn Mr. Spock hatte die auch.

Um aber nicht nur zu meckern, sondern auch mal was positives zu erwähnen: Neulich saß mir eine gegenüber, die sah echt gefährlich aus. Obwohl eigentlich von eher zierlichem Bau. Springerstiefel, enge Cargo-Hosen, schwarze Lederjacke vom Typ Flieger-Jacke, einen muslimischen Niqab so als Schlauch aus der Jacke heraus (was in einem ganz kuriosen, aber durchaus interessanten Kontrast zu den Klamotten stand), anscheinend Türkin, und – Leute, ich sag’s Euch – perfekte Augenbrauen. Überhaupt ein Topmodel-taugliches Gesicht. So kurios wie die aussah, die war ein echter Hingucker. Die ist so richtig herausgestochen und aufgefallen, und sah eigentlich verdammt gut aus. Da ist mir dann so durch den Kopf gegangen, dass die wunderbar in irgendeine Verfilmung von irgendeinem Endzeit-Comic passen würde, so als Kopfgeldjägerin, Vampirkillerin oder sowas.

Und nein, Piercings in Augenbrauen sehen gar nicht gut aus. Einfach bescheuert. Es gibt nur wenige Stellen am Körper, an denen Piercings überhaupt eine Chance haben könnten, gut auszusehen. Und die wenigsten dieser Stellen sieht man in der U-Bahn. (Und das ist gut so.)

Unterschätzt also keinesfalls die Augenbrauen. Die sind wichtig.

Mal sehen, wen ich die Woche noch in der U-Bahn treffe. Graf Dracula?


6 Kommentare (RSS-Feed)

Peter Suxdorf
20.11.2012 6:40
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Das nächste Mal bitte Fotos einreichen, die Beschreibung erzeugt nur unnötiges Kopfkino bei mir…


Kaiser
20.11.2012 9:06
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Gut, dass ich heute mit dem Auto gekommen bin, sonst müsste ich auf der Rückfahrt in der Bahn alle Augenbrauen beobachten. 🙂


Ulf
20.11.2012 9:20
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Ich werde bei meiner nächsten U-Bahn-Fahrt ein Geodreieck mit mir führen und die hier geschilderten Maße nachprüfen.


euchrid eucrow
20.11.2012 10:54
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es gibt aber auch männer, die rasieren sich muster in bart oder kopfhaar. das sieht genauso bescheuert aus.
was hier im osten gott sei dank wieder rückläufig ist, sind diese asymmetrischen frisuren bei frauen, teilweise ausrasiert mit verschiedenen grellen farben, leopardenmustern und der gleichen.
wer wissen will was ich meine, der benutz googlebildersuche mit dem begriff ‘ossi frisur’. unter den ersten ergebnissen sind drei exemlpare neben der titanic-zonengabi, die allesamt noch ziemlich moderat daher kommen. es geht schlimmer. viel, viel schlimmer… =)


ein anderer Stefan
21.11.2012 16:32
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Im Osten rückläufig? Das war noch schlimmer??? Mir reicht ja schon, was ich seit einem Jahr hier in DD an bekloppten und häßlichen Frisuren sehe.


dustbunny
23.11.2012 17:53
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was hier im osten gott sei dank wieder rückläufig ist, sind diese asymmetrischen frisuren bei frauen, teilweise ausrasiert mit verschiedenen grellen farben, leopardenmustern und der gleichen.

Rückläufig, wirklich?

Trendfrisuren 2012 (lt. cosmoty.de) (Man schaue auch rechts unten auf die Top 3 der “beliebtesten” Frisuren …)

oder auch: Der Bob als Trendfrisur …

… googlebildersuche mit dem begriff ‘ossi frisur’. unter den ersten ergebnissen sind drei exemlpare neben der titanic-zonengabi, …

Ist dir schon aufgefallen, dass ein Großteil der ersten Treffer von der Website eines in Österreich beheimateten Friseursalons stammen, die unter der Domain ossi.co.at zu finden ist?

Und die Künstlerfigur Zonen-Gaby schreibt sich immer noch mit “y”. 😉


Welcher absurde Algorithmus führt zur Schlussfolgerung, dieser Kommentar wäre in seiner Originalfassung “spammy” gewesen?