Ansichten eines Informatikers

Das Ende des Windows-PCs

Hadmut
9.11.2012 23:38

Erst mal ausgemicrosoftet…

Ich habe heute mal so drüber nachgedacht, dass ich jede Menge Firmen kenne, die immer noch Windows XP einsetzen, aber mir fiel so spontan kein größeres Unternehmen ein, dass schon komplett auf neuere Versionen (Windows Vista, Windows 7, Windows 8 ) umgestellt hat. Nicht mal eines, das umstellen will. Und das ist beachtlich, weil der Support von XP im April 2014 endet. Mit Budget-Vorlauf, Vorbereitung, Tests usw. kann das schon knapp werden.

Die Gründe sind eigentlich immer die gleichen:

  • Lizenzkosten für Microsoft
  • Hardwarekosten, weil meist neue Rechner beschafft werden müssen
  • Folgekosten für Software, die aktualisiert werden muss
  • Kompatibilitätsprobleme
  • Die inzwischen enorme Komplexität von Windows mit hohen Wartungskosten
  • Das absurde Lizenzgebaren von Microsoft

Laden sich Firmen ein Problem auf, indem sie den Upgrade immer weiter hinausschieben?

Für einige Zeit dachte ich das und hielt es für nicht so empfehlenswert. Mittlerweile sehe ich das anders. Mittlerweile glaube ich, dass Microsoft das Problem hat, nicht deren Kunden. Mittlerweile ist mit Vista, 7 und 8 die dritte Windows-Version herausgekommen, der die Firmenkunden nicht bereitwillig folgen. Die enge Bindung zu den Kunden reißt ab, und Microsoft begeht die Dummheit, es für die Kunden kompliziert und teuer zu machen, ihnen zu folgen. Es gab mal den Spruch „No one ever got fired for buying IBM”, der beschrieb, dass jahrelang Leute von IBM allein deshalb kauften, weil sie einfach sicher waren, damit keinen Fehler zu machen, den man ihnen vorwerfen würde. Ebenso lebte Microsoft jahrelang davon, dass deren Produkte nicht für deren (meist lausige) Qualität, sondern aus Selbstverständlichkeit gekauft wurden. Das funktioniert nicht mehr.

Dazu kommt zwei andere Probleme:

Das erste Problem ist, dass das Duo Microsoft/Intel jahrelang darauf baute, dass sich nicht nur die – technisch und am Markt – verfügbare Rechenleistung nach dem Moore’schen Gesetz alle ca. 18 Monate ungefähr verdoppelt, sondern auch dafür zu sorgen, dass man diese dann auch braucht, also künstlich einen Bedarf für immer schnellere Rechner zu schaffen, die ihrerseits wieder neue Betriebssyteme brauchten. Auch das funktioniert nicht mehr. Den Leuten steht heute der Sinn nach kleinen, leichten, stromsparenden, preisgünstigen, leisen Rechnern. Es gibt heute – von immer komplexeren Videospielen abgesehen – kaum eine Anwendung, für die man tatsächlich mehr Rechenleistung bräuchte. Multimedia usw. geht alles. Der Massenmarkt ist mit der bestehenden Rechenleistung sogar überversorgt.

Das zweite Problem ist ein Paradigmenwechsel. Die komplizierte Bedienung und Installation von Windows und dessen Anwendungsprogrammen geht vielen Leuten auf den Wecker. Wir leben im Zeitalter der Tables und Apps. Viele der heute verfügbaren Softwarpakete sind längst überfettet und überladen, bei nicht wenigen Programmen hat man den Eindruck, dass sie vor ca. 2-5 Jahren am besten waren und inzwischen durch Funktionsüberfrachtung viel schlechter werden (auch unter Linux beboachte ich den Effekt an Desktops, Thunderbird usw.). Inzwischen werden nicht mehr die Uralt-Programme in der x-ten Version aktualisiert, sondern wieder kleine, einfach zu bedienende, schlanke Apps eingesetzt.

Betrachten wir den typischen Firmenarbeitsplatz, dann genügen in ca. 95% der Fälle

  • Web-Browser
  • Mail-Client mit Kalender und Adressbuch wie Outlook/Exchange
  • Textverarbeitung Word
  • Tabellenkakulation Excel
  • Schwafelprojektor Powerpoint
  • Bisschen Sozial- und Kommunikationszeugs wie Skype
  • Bisschen Multimedia zum Glotzen

Was vergessen? Viel mehr ist es eigentlich nicht.

Dafür braucht man keinen teuren Windows-Rechner mit Brimborium. Ich kenne Firmen, die bisher für Hard- und Software zusammen im Leasing ca. 700 Euro pro Monat und Arbeitsplatz ausgeben. Für das bisschen Zeugs.

Das könnte man mit heutiger Technik deutlich billiger haben. Mit einem Betriebssystem wie Android, Chromium oder einem anderen abgespeckten Linux, und einer Minimalhardware aus einem modernen ARM-Prozessor, 2-8GB RAM und 128 oder 256 GB Flash, HDMI-Ausgang und ein paar USB-Anschlüssen könnte man das bauen. (Im Prinzip nichts anderes als ein stärkerer Raspberry Pi.) Waren frühere Thin-Clients von Notebook-Technik abgeleitet, wäre das nun eher eine Ableitung aus dem Mobil-/Tablet-Bereich.

Einen solchen Rechner könnte man in den nächsten 1-2 Jahren (sagen wir 2014 zum Ablauf des XP-Supports) entwickelt und für vielleicht 100-200 Euro (ohne Monitor, Tastatur, Maus, die aber sind ja meist schon da) anbieten. Kleines Kästchen, mehr braucht man nicht mehr. Kein großes PC-Gehäuse. Irgendwas, was man hinter den Monitor pappt. Einschließlich einer Grundsoftware, wie oben aufgelistet. Und noch ein paar schicken Client-Server-Anwendungen. Also nur einen einmaligen Kaufpreis und vielleicht noch ein paar billige Apps dazu, so wie man es heute bei Tablets und Smartphones macht. Repariert wird nichts, kaputt oder veraltet fliegt in den Müll ins Recycling. Platinchen mit fest aufgelöteten Chips, keine Stecksockel oder Slots.

Die Dinger könnte man mit einer Standardsoftware aus Betriebssystem und allen typischen Anwendungsprogrammen ausliefern und dann vor Ort nur noch eine Grundkonfiguration mittels einer Konfigurationsdatei einspielen, fertig. Server, Shares usw. per Autokonfiguration, wie MacOS, Linux usw. es heute schon können. Kein dämliches Einlegen von Treiber-CDs mehr. Keine Drecksammler-PCs mehr auf dem Boden. Keine Lüftergeräusche mehr.

Früher hatte man Mitarbeiter, die maulten, wenn sie sich von Windows auf irgendetwas anderes umstellen sollten. Heute hat man Mitarbeiter, die alle ihr iPhone oder iPad oder Android-Handy haben und damit schon längst gewohnt sind, etwas anderes als Windows zu verwenden, noch dazu etwas mit einfacherer Struktur. Der Umsatz bei normalen PCs ist rückläufig, gerade auch im privaten Sektor. Die Leute sind nicht mehr auf Windows festgelegt. Gab es vor 5-10 Jahren im privaten Bereich (von ein paar Linux-Verrückten abgesehen) praktisch nur Windows-Nutzer, schimpfen heute immer mehr Leute über Windows. Diese Leute maulen nicht mehr, wenn man ihnen am Arbeitsplatz etwas anderes hinstellt.

Ein solcher Austausch der Rechner wäre nicht nur deutlich billiger als ein Upgrade auf neue Windows-Rechner. Er wäre vielleicht sogar billiger als die alte XP-Ausstattung weiterzunutzen.

Wenn ich damit Recht habe, wird es bei vielen Firmen gar nicht mehr zu einem großen Upgrade der Arbeitsplätze auf neuere Windows-Versionen kommen. Und dann war es durchaus eine richtige Strategie, bei XP zu bleiben, bis es auseinanderfällt.

Schaun wir mal, was bis 2014 passiert.

Update: Den Artikel hab ich am 9.11. geschrieben. Am 10.11. meldet der Heise Newsticker, dass die Nachfrage nach x86-Prozessoren eingebrochen ist.

36 Kommentare (RSS-Feed)

Jens
9.11.2012 23:51
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Für unsere Branchensoftware, die beim größten Kunden 400 Leute einsetzen, braucht man schon ordentliche Rechenpower. Aber die läuft selbstverständlich auch unter Linux …


denn
10.11.2012 2:50
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Hi, kleiner Bug beim formatieren.

“Windows 8” wurde mit schließender Klammer zu “Windows 8)” also “Window” + einem Smiley.


Hadmut
10.11.2012 9:30
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@denn: Danke!


Nurgler
10.11.2012 7:15
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Oh Mann Hadmut, sonst brüstest du dich doch auch immer damit, dass du einer der weltbesten und erfahrenstens Informatiker bist, der schon überall auf der Welt (u.a. in Harvard und am MIT) war… und da behauptest du, es gäbe kaum Anwendungen für die man viel Rechenleistung bräuchte? Ich bin enttäuscht… ich bringe meinen PC selbst mit Standard-Anwendungen wie z.B. Foto- und Videobearbeitung an seine Grenzen. Ganz zu schweigen von Algorithmen zum lösen von komplexen Problemen. Ich befürchte du wirst langsam alt…


Hadmut
10.11.2012 9:39
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@Nurgler: Du solltest Dich Troller nennen.

Denn der Artikel war ja offensichtlich auf die Mehrzahl der Firmen- und Büro-PCs ausgerichtet. Und an den Firmen-Arbeitsplätzen macht kaum jemand Foto- oder Videobearbeitung. Das sind, wenn überhaupt, in seltenen Fällen die PR- und Marketingabteilungen. Und von denen, die ich da kenne, sind zwei mit Macs ausgestattet, obwohl Firmenstandard eigentlich der Windows-PC ist.

Die große Mehrzahl der Arbeitsplatzrechner macht nunmal nicht mehr als die Standard-Anwendungen.

Für die paar Leute, die dann wirklich Video usw. machen, lohnt es sich nicht, eine ganze große Firmeninfrastruktur aufzubauen.

Davon ganz abgesehen machst Du einen gewaltigen Denkfehler: Du verwechselst starke Rechenleistung mit fettem Prozessor. Mit der Standardisierung der Video-Codecs kommen auch spezielle Prozessorerweiterungen und Hardware für diese Anwendungen in Mode. Beispielsweise hat der Raspberry ziemlich wenig Rechenleistung. Kann aber trotzdem locker Videos in FullHD abspielen, weil er entsprechende Hardware mit drin hat. Die meisten neueren Tablet-Computer haben auch kein Problem damit, Videos abzuspielen, weil sie das nicht mehr in Software dekodieren. Es ist ein Trugschluss, dass dafür immer der Hauptprozessor zuständig wäre. Moderne Graphik-Hardware ist für diese Spezialaufgaben längst viel leistungsfähiger als der Prozessor selbst.

Davon abgesehen heißt Rechenleistung ja auch nicht, dass man dazu einen Windows-Intel-Rechner braucht.

Zudem ist es ein großer Unterschied, ob man eben 3000 Windows-PC mit Server, AD usw. aufstellt, oder ob man den 3 Mitarbeitern, die das wirklich machen, einen PC hinstellt.


Patrix
10.11.2012 7:54
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Mein Arbeitgeber hat dieses Jahr 50’000 PCs auf W7 umgestellt, unter dem Strich läuft es jetzt besser als vorher mit XP. an der Hw kann es nicht liegen, die wurde nicht ausgetauscht.

Was Du bei Deinen Ueberlegungen zu einem Thin Client ausgeklammert hast, sind die diversen kundenspezifischen Applikationen die typischerweise lokal laufen. Natürlich kann man die oft auch via Citrix o.ä. nutzen, aber da kommt dann doch noch einiges an Investitionen dazu.


Hadmut
10.11.2012 9:45
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@Patrix: In den allermeisten Firmen, mit denen ich zu tun hatte, laufen auf der Großzahl der Arbeitsplätze aber keine kundenspezifischen Applikationen.

Und bei einer Umstellung von 50.000 PCs würde es mich auch interessieren, welche Hardware-Ausstattung die schon hatten und was das gekostet hat.

Du übersiehst dabei ein häufiges Problem: Viele Firmen haben ihre Rechner nicht gekauft, sondern geleast, und können die deshalb nicht so ohne weiteres durch neuere ersetzen, weil die Kosten für die alten weiterlaufen. Und viele der alten Rechner waren eben für 32-Bit-Systeme und die damals bestehende 3GB-Speichergrenze ausgelegt, die man nicht einfach mal so aufrüsten kann. Weil viele nämlich auch nicht die neueste Hardware kaufen, sondern solche, bei denen der Hersteller günstige Preise und jahrelange Verfügbarkeit garantiert hat. Und das sind meistens nicht die stärksten Rechner, sondern schon etwas abgehangene, bewährte Boards.


Robert Sander
10.11.2012 8:10
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Dazu kommen eine freie Groupware wie Zarafa und Cloudstorage a la ownCloud.


flippah
10.11.2012 9:11
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Auch wenn es keine Firma im engsten Sinne ist: die KKH-Allianz ist dabei, bis Ende 2013 Windows XP durch Windows 7 abzulösen. Ebenso wird HP-UX durch Linux ersetzt.


“Und dann war es durchaus eine richtige Strategie, bei XP zu bleiben, bis es auseinanderfällt.”
Genau, sehr vernünftig, mache ich auch so. Parallel Linux. Mal sehen, virtuelle Maschinen mal angucken, für die Zukunft.

Der Rechner”markt” ist ganauso verkalkt und innovationsarm wie der der Massenkompaktknipsen. Für einen Rechner mit anständigem(4:3 und spiegelfreiem) Display zahlt man glatt ‘nen Tausender mehr und muß ihn importieren. Die Kisten sind alle gleich — armselig. Man könnte Beleuchtung integrieren, beidhändige Bedienung fördern, zweite Festplatte, die nicht rumbaumelt, vorsehen, Cardreader integrieren, leise Laptops bauen, die Lüftung vom Unterboden wegbringen, Stützen zu Höhenverstellung integrieren, bessere Laufzeiten…

Inzwischen kaufe ich acht Jahre alte Laptops und haue ‘ne SSD rein…

“Mittlerweile ist mit Vista, 7 und 8 die dritte Windows-Version herausgekommen, der die Firmenkunden nicht bereitwillig folgen.”
Genau, Monsterwahn! Ein Betriebssystem hat die Hardware zu beleben, Ein- und Ausgänge zu machen und nicht gigabyteweise Faxen und Spielchen mitzubringen. Das kann jeder dazukaufen.
Überhaupt, muß ein Betriebssystem Bibliotheken(fremd) mitbringen? Das kann in jedem Programm integriert sein. Ja, das kostet Speicher, aber die Installationsverwaltung entfällt.

„No one ever got fired for buying IBM”
Wat der Bauer net kennt, dat frißt er net.

“Moore’schen Gesetz”
Naja, was die Menschen so alles zu Gesetzen machen!

Die meisten Arbeitsplätze lassen sich mit Linux erschlagen. Vergessen hast Du die firmenspezifischen Programme, die an die Firmendaten angebunden sind. Das ist das Wichtigste auf dem Rechner! Aber auch da muß es kein Windows sein. Es ist nur die Firmenpolitik, die Weichen geschickt so stellt, daß an irgendeiner Stelle Windows erzwungen wird. Das ist inzwischen keine Unfähigkeit mehr, das kann nur noch Absicht sein.

Früher waren die geraden Versionen von MS-DOS Schrott. Das seztzte sich mit Windows fort, nur jede zweite wurde mitgenommen. XP als NT für Jedermann war des erste wirklich gute System.

Carsten

“Es war einmal ein Land mit einer starken Währung.”
JennyGER


Willi
10.11.2012 10:20
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Die Bundeswehr hat jetzt begonnen und wird in 2013 zum größten Teil auf Win7 umstellen.


Patrix
10.11.2012 10:51
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Im konkreten Fall reden wir von Thinkpads (T410 und T420).

Sofern eine grosse Firma nicht eine sehr konsequente Webapplikations-Strategie fährt, kommst Du nicht ohne lokale Installationen aus. Und da unterdessen auch grosse Firmen unterdessen verstärkt auf “Buy before Make” setzen und die Branchensoftware je nach Branche und Markt oft als Fat Client daherkommt, wird das wohl auch noch ein Weilchen so bleiben. Benutzer welche den (relativen) Komfort von .NET-Applikationen gewohnt sind, steigen nicht einfach so ohne weiteres auf eine typischerweise deutlich simplere Webapplikation um (so es überhaupt eine solche gibt).


Hadmut
10.11.2012 11:01
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@Patrix: Aber jedes Smartphone oder Tablet unter iOS, Android usw. hat ja auch „lokale Installationen” (im Gegensatz etwa zu den früheren, ziemlich fest konfigurierten Handys). Das ist also kein Argument für Windows.

Es geht ja auch nicht darum, Thin Clients zu bauen, sondern eher „Middle Clients”. Kleine, leichte Rechner können das inzwischen auch.


Niko
10.11.2012 10:56
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Windows XP bleibt nun mal für viele das beste Windows aller Zeiten; ich persönlich habe aber zwischenzeitlich auch Windows 7 lieben gelernt. Ein kurzes Intermezzo vor ein paar Jahren mit Ubuntu 7.10 habe ich privat nach drei Monaten abgebrochen, da mir der Konfigurationsaufwand über Wine/Cedega zu aufwendig wurde. Da ich meinen PC hauptsächlich für AAA-Spiele nutze (die nicht nativ unter Linux laufen, z.B. aktuell Skyrim und SWTOR), bin ich danach zu Windows zurück.

Nachdem jetzt aber Valve mit Steam ihre Fühler in Richtung Linux ausgestreckt haben (und zusammen mit Intel und Nvidia an Linux-Treibern arbeitet), werde ich Linux demnächst wohl noch mal eine Chance geben. Sind Valve, Intel und Nvidia erfolgreich damit, AAA-Spielehersteller auf die Entwicklung für Linux einzuschwören, wird es ein Zwangsupdate auf Windows 8, 9 oder 10 (wenn der Support für Windows 7 ausläuft) zumindest für mich dann nicht mehr geben.

Die “Trusted Computing”-Marschrichtung, die mit Windows 8 eingeschlagen wurde (und vermutlich mit 9 und 10 noch verschärft wird), ist für mich zumindest ein Ausschlußkriterium. Schade, dass Microsoft gerade hier versucht, Apples Eisenfaust-Kundenpolitik nachzueifern.

Just my 2 cents, Niko


Patrix
10.11.2012 11:04
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@Hadmut: es geht auch eher um Lock-In und darum dass die aus Business-Sicht bestgeeignete Software halt einfach Windows voraussetzt. Da kannst Du lange mit IT-Strategie argumentieren, interessiert keinen.


Hadmut
10.11.2012 11:08
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Mir geht’s gar nicht ums argumentieren. Ich will es ja nicht herbeiführen und auch keinen davon überzeugen. Es ist einfach eine Beobachtung und Vermutung. Ich habe nicht die geringste Absicht, da irgendwelche Meinungsverschiedenheiten zu führen.

Ich war neulich auf einer Konferenz, auf der alle Leute Rechner dabei hatten, und über längere Zeit kein einziger Windows-PC zu sehen war (erst später hatte jemand einen). Nur Macs und Tablets. Nahezu Windows-freie Zone.


FK
10.11.2012 11:48
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Der größte lockin in unternehmen ist und bleibt MS office.
Nicht ohne grund kann das neue Office für die MS Tablets nur einen Bruchteil des normalen, großen pakets: allein dadurch sorgt microsoft dafür, dass der Absatz von Windowskisten weiterhin konstant bleibt.
Die leute bekommen mittlerweile zuhauf .docx oder .xlsx files zugeschickt und wollen mit ihnen arbeiten – ergo schreien sie nach entsprechendem office und dazu passenden Windowsversionen.
Mein unternehmen mit seinen rund 5000 rechner ist nun ebenfalls dabei die neuen leasinggeräte mit win7 auszustatten, soll heissen, in max 2 jahren läuft alles auf win7.


Svenska
10.11.2012 12:06
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Das war dann aber eine Konferenz von IT-Leuten. Die bestimmen in der Regel keine Firmenpolitik…


Skeptiker
10.11.2012 14:01
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FK und Patrix haben leider recht, man kommt von diesem Dreck einfach nicht runter, zumindest in den Firmen nicht. Ein CIO mit Eiern in der Hose könnte docx und xlsx seinen Mitarbeitern und Lieferanten schlicht verbieten, um zumindest die Option auf einen Wechsel zu “alternativer” Software zu behalten.

Zu den größten Untaten von M$ gehört m.E. (gleich nach klickbaren Mailattachments und dem Nichtanzeigen der Dateinamenserweiterungen) das ständige Ändern der Bedienung, ohne dass das irgendeinen Nutzen hätte. Egal wie gut man vorher war: Man findet nichts mehr wieder, ein irrer Produktivitätsverlust, für nichts und wieder nichts.

Vielleicht hoffen die darauf, Schulungen zu verkaufen, aber vielen Firmen ist das längst zu teuer, die geben einem einfach einen Link für die Selbstschulung nach Hause mit.

Da man von Windows zu Windows und von Office zu Office als User aber ohnehin alles neulernen muss, ist zumindest das kein Argument mehr, bei Microsoft zu bleiben. Fragt sich, ob die Alternativen für große Firmen akzeptabel sind (Stichwort Support- und Investitionssicherheit).

Frust.


Hanz Moser
10.11.2012 15:10
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Interessant.

Mein Eindruck ist eher der, dass die Umstellung auf Windows 7 praktisch überall erfolgt ist oder läuft. Mit der Tendenz dahin, dass kleine Buden schneller sind.
Mir scheint es auch, als ob der Effekt der lang ausharrenden Großunternehmen nichts Neues ist. Als XP auf den Markt kam kannte ich auch einige Firmen, die noch NT und DOS Aufsätze verwendet haben. Man hat da halt keine Eile, weil ein vernünftig laufendes System mehr wert ist als “am Puls der Zeit” zu sein und an einer Umstellung fünftausend Kleinigkeiten kleben.

Was m.E. Windows noch am Leben erhalten wird ist wirklich Branchensoftware und Office. Auch wenn dein Eindruck der ist, dass auf den meisten Rechnern sowas nicht läuft, meiner ist exakt umgekehrt. Praktisch jeder Außendienstler von Versicherungen den ich in den letzten Jahren gesehen habe hatte sowas und mir bestätigt, dass sie das auch intern nutzen. Banken ebenso, alle Industriebetriebe die ich kenne…
Bei Office kommt hinzu, dass ich vor allem bei kleineren Buden sehr oft gesehen habe, dass deren ganze Businesslogik in Excel, Word und Access steckt.

In größeren Firmen ist auch ein riesiger Faktor, dass diese Personal und Knowhow für die Verwaltung von Windows haben und man auch Unmengen von Windowsclients relativ gut und detailliert verwalten kann.
Bei Linux fallen mir für einige Dinge keine wirklichen Pendants ein. Selbst wenn es sie gibt und sie tauglich für deutlich mehr als 100 PCs sind, bleibt aber das Problem, dass erst mal keiner da ist, der sich damit hinreichend auskennt.

Ich bin mal gespannt ob du Recht hast, aber ich würde darauf tippen, dass nur sehr wenige ihre Arbeitsplätze von Windows weg migrieren.
Was eher kommen dürfte sind mehr Thinclients und für einige Dinge Diskless Clients.


Asd
10.11.2012 16:30
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1. Thinclients sind sehr unpraktikabel, der Trend bewegt sich in Richtung Notebooks mit schnellen Intel-i-Prozessoren, die große Standrechner ueberfluessig machen und Mobilitaet garantieren, jedoch ohne Leistungseinbußen.

2. Systeme wie iOS, Android und Co. sind ein Schrecken fuer jede vernuenftige Firma: Der Mitarbeiter kann auf den Geraeten machen, was er will (lassen sich nicht gut verwalten, keine Verschluesselungspolicies durchsetzbar). Was ist, wenn der Mitarbeiter dann ploetzlich Firmendokumente auf seinem iPad verwalten will? Etwa Zugriff mittels VPN gewaehren? Bei uns in der Firma fragen immer wieder Mitarbeiter bei der IT nach und sie werden in absehbarer Zeit (also noch Jahre lang!) zu hoeren bekommen, dass es nur mit verschluesselten Firmennotebooks einen Zugriff mit VPN gibt.

3. Unternehmen, die viele Produkte von MS einsetzen, koennen es sich nicht leisten, von MS Abstand zu halten. Da gibt es ein komplettes “Ökosystem”: Outlook 2010 mit Exchange 2010, dazu Kalender, Sharepoint und Lync, fuer Telefonie. Das alles muss zu jedem Zeitpunkt weltweit erreichbar sein, fuer jeden Mitarbeiter, egal ob Praktikant oder Chef auf hoher Ebene.

Da ist man jahrelang schon Kunde bei Microsoft, hat inzwischen keine Festnetztelefone mehr (weil alles ueber Lync laeuft), ein Ausfall des Mailservers waere genauso toedlich – wie soll man da noch irgendwann von MS wegkommen koennen?

4. Diese ganzen Produkte werden nur noch ab Windows 7 unterstuetzt. Windows Vista tut sich keine Firma an und bei XP geht das nur noch mit 32-bit-Versionen, die wenig RAM unterstuetzen. Auf 64-bit-XP wiederrum laufen Applikationen wie Lync nicht mehr.


Stefan H
10.11.2012 17:02
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Ich kann mich deinem Eindruck auch nicht anschließen.
Ich kenne einige Unternehmen, welche nun auf Windows 7 umstellen, von kleinen bis großen (70k+). Unternehmen, welche nun wirklich komplett umsteigen, kenne ich keine.

Ich denke die einfache aber umfangreiche Verwaltung von Windows-Clients wird Microsoft auch weiterhin sehr viele Businesskunden liefern.


georgi
10.11.2012 17:40
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Einen solchen Rechner könnte man in den nächsten 1-2 Jahren (sagen wir 2014 zum Ablauf des XP-Supports) entwickelt und für vielleicht 100-200 Euro (ohne Monitor, Tastatur, Maus, die aber sind ja meist schon da) anbieten. Kleines Kästchen, mehr braucht man nicht mehr. Kein großes PC-Gehäuse. Irgendwas, was man hinter den Monitor pappt. Einschließlich einer Grundsoftware, wie oben aufgelistet. Und noch ein paar schicken Client-Server-Anwendungen. Also nur einen einmaligen Kaufpreis und vielleicht noch ein paar billige Apps dazu, so wie man es heute bei Tablets und Smartphones macht. Repariert wird nichts, kaputt oder veraltet fliegt in den Müll ins Recycling. Platinchen mit fest aufgelöteten Chips, keine Stecksockel oder Slots.

http://www.genesi-europe.com/store/eu/
(leider etwas zu billig)

Das einzige XP, das ich noch nutze, ist das auf einem Laptop, der die ganze Zeit im Schrank steht. Alles übrige l&auml:uft unter Win7.


Klaus
10.11.2012 23:22
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Der BASF-Konzern hat vor etwa einem Jahr alle PCs durch neue ersetzt. Und damit von XP auf Windows 7 umgestellt. Gleichzeitig wurde auch eine neue Office-Version installiert mit diesen seltsamen “Ribbons” an Stelle von Menues. Seitdem sitzen alle fluchend da und suchen nach Befehlen …


Thomas B.
11.11.2012 0:53
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Über das Thema habe ich gerade mit einem Freund gesprochen, der es wissen muß. Ein Großteil ist noch bei XP, einige migrieren gerade auf Windows 7.

Es gibt jedoch eine Ausnahme. Ein großes Unternehmen wechselt bereits jetzt auf Windows 8. Laut Freund ziemlich sicher das einzige in den kommenden zwei Jahren. War nicht schwer zu erraten, welches. 😉


Hadmut
11.11.2012 3:52
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@Thomas: Danke!

Ich bekomme zwar gerade von allerlei Leuten eine Mail, warum ich nicht wüsste, dass das Unternehmen X oder die Behörde Y gerade auf Win7 umgestellt hat. Aber Einzelbeispiele machen noch keinen Trend. Da täuschen sich viele.


Ich
11.11.2012 9:37
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Hallo,

ich sehe wirklich nur ein Problem und das ist Excel. Da gibt es hunderte von speziellen Excel Sheets mit VBA Makros, spezielle Plug-ins usw.
Word, Outlook und Powerpoint könnte man mit geeigneten Vorlagen und Aufwand doch relativ gut durch freie Software ablösen. Aber Excel ist IMHO ein Porblem. Hadmut, hast du eine Idee dazu?

Ich


Hadmut
11.11.2012 10:33
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Diese Excel-Manie in den Firmen sehe ich schon lange. Gleichwohl halte ich sie für einen ziemlichen Murks. Wenn eine Firma so stark mit einem bestimmten Produkt verwoben ist, und dabei wichtige Firmendaten so dezentral, unorganisiert und wild verteilt irgendwo auf den Mitarbeiter-PCs herumliegen, ist das eigentlich ein ganz anderes Problem als das Betriebssystem-Problem.

Für die Grundfunktionen von Excel gibt es längst kompatible Alternativen. Die müsste man dann eben um VBA aufbohren. Man müsste eben erst mal klar wissen, was da überhaupt gebraucht wird, um sagen zu können, wie man es macht. Generell halte ich diese Verfilzung aber für ein großes Problem, von dem Microsoft natürlich profitiert (mehr als von der „Qualität” ihrer Produkte).

Die interessantere Frage ist, wie sich Microsoft verhalten wird. Halten sie Excel bewusst komplex und an Windows gebunden, um die Leute an Windows zu halten und riskieren dadurch, die Leute ganz zu verlieren, oder bieten sie Excel für andere Plattformen an.


Rainer
11.11.2012 11:36
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Microsoft Office gibt es ja auch für den großen Konkurrenten Apple. Was ist dahinter die Motivation? Vielleicht, dass die Mac-Nutzer sowieso nie Windows kaufen würden? Andersherum gibt es wohl keine Motivation, eine Linuxversion bereitzustellen, weil ihnen dann die Einnahmen aus der Windows-Lizenz fehlen? Ob das soviel ausmacht, immerhin verdient Microsoft mit Office auch viel Geld. Eine Linuxversion hätte doch was.

Meine Firma (50 Mitarbeiter) hat seit dem Erscheinen von Windows 7 alle Rechner sukzessive ersetzt: wenn die Leistung insgesamt zu gering wurde oder nach vier bis fünf Jahren eh ein neuer Rechner anstand, kam Windows7 rauf. Inzwischen dürften – bis auf Restrechner für Studenten und Azubis – alle Geräte ersetzt worden sein.

Auf Linux oder gar ARM-Thin-Rechner umzusteigen ist schwierig: es ist eine Programmierfirma, die u.a. mit Oracle-Produkten, Java, .NET entwickelt. Das Zeug läuft größtenteils nur auf Windows, und die lokal erforderliche Rechenleistung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen (Kompilieren, Testen, viele Tools). Wir haben zwar die Projektverwaltung (Subversion, Bugtracker, Wiki) auf webbasierte Anwendungen umgestellt, aber mindestens für .NET-Anwendungen braucht es Windows, und insgesamt eher mehr Rechenleistung, damit das Arbeiten nicht zu zähflüssig ist.

Natürlich ist klar, dass es sich hier um Spezialfälle handelt. In den meisten Firmen dürften die Rechner wirklich nur die genannten Zwecke wie Officekrams erfüllen müssen – sofern eben keine Spezialsoftware eingesetzt wird.


Skeptiker
11.11.2012 13:53
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>> wichtige Firmendaten so dezentral, unorganisiert und wild verteilt irgendwo auf den Mitarbeiter-PCs herumliegen, ist das eigentlich ein ganz anderes Problem <<

Stimmt, aber es verstärkt die Wirkung: Man kommt nicht weg davon. Zumal das für viele überhaupt keinen Mangel darstellt, im Gegenteil: für Nutzer, weil sie sich mit Excel und Access schnell mal selbst helfen können, für Verantwortliche, weil dafür soweit überhaupt quantifizierbar nur ehda-Kosten anfallen, und für beide gemeinsam, weil wie weniger mit der IT-Abteilung zu tun haben, wo immer alles kompliziert und teuer ist.

Was ich daran beängstigend finde, ist, wie leicht eine einzelne Firma (vor allem M$ und SAP, und dort sogar einzelne Leute) praktisch die ganze Weltwirtschaft stillegen könnten.


Tobi
11.11.2012 16:53
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Genau mit der Idee für so einen PC ringe ich seit Monaten. Bei den Anschlüssen wäre ich ein bisschen anderer Ansicht und würde eher BSD als Betriebssystem verwenden. Habe aber bisher weder die Zeit noch den Mut gefunden sowas im großen Stil umzusetzen.


Hanz Moser
11.11.2012 17:53
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Damals in meiner Datenbankenvorlesung fragte uns der Prof, was die verbreitetste Datenbank sei. Die Antwort war Excel, und es stimmt.

Das Problem bei der Sache ist, dass es nicht reicht eine andere Tabellenkalkulation auf den gleichen Stand zu bringen oder zu verbessern.
Die Unternehmen haben da IHRE Businesslogik reingeschrieben. So lange es keine wirklich gute Möglichkeit gibt bestehende Exceldokumente zu übernehmen, werden viele Unternehmen eher für PCs und Office zahlen, weil es eben weniger kostet und kein Risiko dranhängt.
Und einen möglichst kompatiblen Ersatz für Excel zu bauen ist wirklich nicht einfach. Das Ding ist voll von Eigenheiten und Altlasten.

Das andere Problem ist, dass sich die Dezentralisierung wichtiger Daten immer wiederholen wird. Die meisten komplizierten Exceltabellen mit VBA und Schnickschnack haben sehr klein angefangen. Man brauchte nur mal kurz eine Tabelle…
So lange es da in den Firmen keine guten Strukturen gibt, um so einen Wildwuchs früh in geordnete Bahnen zu lenken, werden sich die Leute mit dem helfen, was sie bedienen können. Und das ist meistens Excel.

Und leicht zähneknirschend muss man dann auch einsehen, dass eine miese Lösung mit Excel besser ist, als gar keine…


c.k.
12.11.2012 11:55
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G+J hat auch XP durch Win7 ersetzt. Allerdings läuft alte Redaktionssoftware teilweise noch in VM.

Was mich interessiert sind Auswirkungen auf die Spieleindustrie. Wird zocken im HighEnd Bereich dann teuerer? Müsste es ja, wenn die ganze x86 Archtektur weniger Abnehmer findet und die dann teuerer wird. Oder werden dann die Games noch teurer, weil für mehr Betriebssysteme gebaut werden muss. Gibts da schon Trends und Tendenzen? Bin nur Gelegeheitsspieler und da nicht so drin. Wie groß ist eigentlich der Aufwand so ein Spiel auf ein Betreibssystem “anzupassen”. Oder muss da komplett neu aufgebaut werden?

Falls da jemand was weiß oder einfach nen Link hat den auch ein Laie versteht, ich wäre dankbar.
mfg


Joey
12.11.2012 15:00
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Den typischen Firmenarbeitsplatz gibt es leider nicht. Das ist schwimmt von weniger Anforderungen als von dir genannt, bis deutlich drüber, rein in den Workstationbereich von Grafikern, Ingenieuren und CAD. Hinzu kommen dann bei den großen Konzernen schon mal Eigenentwicklungen als Java-Applets die mindestens 3 GB RAM voraussetzen, nur um ein paar Entwicklungsaufträge weiterzuschieben…

Und alte Rechner mit XP behalten bringt dich vor ein weiteres Problem: Die Servicekosten an diesen Kisten explodieren oft förmlich im vierten Jahr, gleichzeitig schrumpft die Zuverlässigkeit. Mitarbeiter drehen länger und öfter Däumchen, weil Ihre Rechner nicht funktionieren und warten auf Austausch.

Windows 7 bringt aber beim Service auch Vorteile, speziell in größeren Umgebungen als eine Unser-Admin-macht-alles-und-Krank-wird-der-nie Firma.

Die allermeisten werden bis 2014 auf Windows 7 umgestellt haben, ein paar mutige auf 8, warum auch immer. Und mal ehrlich: ein Win7 fähiger Rechner/Laptop kostet nicht mehr, als ein neuer XP Rechner wenn der alte kaputt/abgeschrieben/aus dem Service ist…


thw
12.11.2012 17:38
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Beim großen Elektronikanbieter MM wird seit 1,5 Jahren (!) auf Win7 umgestellt.


Phil
12.11.2012 18:05
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@c.k.

“Wie groß ist eigentlich der Aufwand so ein Spiel auf ein Betreibssystem “anzupassen”.”

Das kommt darauf an, wie das Spiel programmiert worden ist. Sind bestimmte “nur-Windows” Funktionen, wie DirectX verwendet worden, dann muss dafür erst ein Ersatz her.
Außerdem kaufen viele größere Spielentwickler die Engine, d.h. die eigentliche Grafik und Physik von dritten ein. In diesem Fall muss eine kompatible Engine zur Verfügung stehen.

Und wenn das Spiel erstmal läuft, dann muss man meistens nochmal mit der Performance schauen. Oft sind die Engines/Treiber/Spiele genau auf ein bestimmtest System optimiert.
Selbst unter Windows kannst du mit den falschen Drittprogrammen, bzw. den (seltenen) falschen Einstellungen die Performance bereits deutlich senken. Dies passiert insbesondere, wenn du bestimmte Funktionen im (Grafik-)Treiber dauerhaft aus- oder einstellst und das Spiel damit nicht klar kommt.
nVidia hat nach “Optimierungen” die Performance von Left4Dead unter Linux verdoppeln können. Und dieser Aufwand muss quasi für jedes neue Spiel gemacht werden. Unter Windows haben die neuen nVidia Treiber hauptsächlich neue Profile für bestimmte Profile.
http://www.valvetime.net/threads/nvidia-releases-new-linux-drivers-to-go-hand-in-hand-with-steam-for-linux.235918/

Dieser Aufwand fällt bei jeder neuen Kombination von Spiel-OS-Plattform an. Ansonsten muss da mit deutlichen Performance Einbußen rechnen.

Gleiches gilt häufig für Stromsparfunktionen. Linux verbraucht auf den meisten Laptops mehr als Windows.
Sind dann allerdings mal (nach Jahren) die Linux Treiber ausgereift, dann verbraucht Linux auf einmal deutlich (immer pro Arbeit).

Wenn man ein Programm auf ein neues OS portieren will, dann reicht es halt nicht, es nur “zum Laufen” zu bekommen, sondern man muss es halt auf die Eigenheiten des Systems anpassen (sowohl bei Hardware, als auch bei Software).
Nur Performance unkritische Sachen kann mal einfach so portieren (halbautomatisch). Und selbst wenn die Performance keine Rolle spielt, dann spielt evtl. der Energieverbrauch eine Rolle.