Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Raspberry Pi : Erster Eindruck

Hadmut
2.6.2012 0:02

Ich hab mir vorhin doch mal etwas Zeit genommen, den Raspberry Pi auszuprobieren.

  • Platinchen ohne Gehäuse ist nicht gut, das ist zu empfindlich (Pfosten verbiegen, Bauteile brechen ab, verstaubt) und birgt die Gefahr von Kurzschlüssen. Wenn man das Ding mehr als nur experimental verwenden möchte, muß man sich ein Gehäuse kaufen, da geht nichts dran vorbei. Wird hoffentlich bald welche im günstigen Preisbereich geben.
  • Mit zwei alten 2GB-SD-Karten aus der Kiste mit altem Fotozeugs habe ich vorhin mal XBMC in der Variante Raspbmc und Debian Linux ausprobiert. Kopiert man das so wie auf den Webseiten erläutert auf die SD-Karten, dauert es eine ganze Weile, weil das nur Installer-Programme sind, die erst mal die SD-Karte neu formatierten usw. Ist das aber mal durchgelaufen, booten die SD-Karten direkt durch.

    Schönheitsfehler dabei: Der Reboot funktioniert nicht, das System bleibt dabei hängen – und es hat keinen Reset-Taster. Man muß den Strom abschalten um einen Reboot hinzubekommen. (Muß mal ergründen ob auf einem der beiden Pfostenstecker ein Reset liegt.)

  • Ernüchterung: Das System ist ziemlich träge. Gerade unter XBMC friert das System öfters mal für längere Zeit komplett ein (inklusive Maus), bis irgendwelche Daten da sind. Wäre das ein gekauftes Mediacenter-System, wäre das ein Grund für eine Rückgabe.
  • Einige Schönheitsfehler unter XBMC: Zeitzone und Tastaturbelegung über die GUI einstellen nicht möglich (oder nicht gefunden). Teile des Menüs außerhalb des sichtbaren Bereichs am HDMI-Fernseher. Findet per uPNP/DLNA zwar meine Fritzbox, aber komischerweise nicht mein Buffalo-NAS, wo die Videos liegen. Ich konnte die also nicht mal ausprobieren und muß erst nach der Ursache forschen.
  • Positiv aber: XBMC hat viele schöne Funktionen und Plugins, da ist das echt stark und mehr als konkurrenzfähig. Ich hab mir ein Plugin für die ZDF-Mediathek reingezogen und direkt die letzten heute-Nachrichten angesehen, das ging sehr gut. Die Bedienung ist aber – wie gesagt – sehr ruckelig und träge. Richtig Spaß macht das nicht. Bevor man sich mit irgendwelchen proprietären Fernbedienungen herumschlägt nimmt man besser eine kleine Funktastatur mit integriertem Mauspad.
  • Auch Debian ist träge, kaum Speicher frei. Ich muß mal schnellere Speicherkarten ausprobieren.
  • Das Ding hat einen Anschluß für kleine LC-Displays. Scheint aber nicht trivial zu sein, man kann nicht einfach irgendeins kaufen und anschließen. Es würde den Nutzen ganz enorm erhöhen, wenn man Gehäuse mit kleinen, passenden LCDs anbieten würde, auf denen man kleine Texte anzeigen kann.

Ist ein nettes Spielzeug, aber reißt mich nicht von den Socken.

Effektiv reduziert sich meine Kritik auf einen einzelnen Punkt: Zu wenig Speicher. 256 MByte RAM reicht einfach nicht. Wobei ich ja normalerweise immer schimpfe, daß der Überfluß an billiger Hardware abträglich für die Softwarequalität ist. Die modernen Linux-Desktops sind einfach nur ein vergeuderischer Haufen Mist. Und es ist frappierend zu vergleichen, daß mein erster „richtiger” Linux-Rechner von ca. 1995 (weiß nicht mehr genau) ein Pentium mit 75 MHz, 40 MB RAM und 1GB Platte war. Und ich war stolz wie Oskar, weil das Ding abging wie Sau, verglichen mit damaligen Sun Workstations. Der Raspberry hat 700 MHz, 256 MB RAM und Platte, was man eben als SD reinsteckt. Nun haben die Linux-Systeme aber viel mehr Funktionen und heute macht man eben Multimedia, will Videos ansehen. Zudem muß der Raspberry vom Speicher noch den Bildschirmspeicher abknapsen, und für FullHD wird empfohlen, die Hälfte zu nehmen. Bleiben 128 MB für Betriebssystem und Software übrig. Und das ist einfach zu knapp. Viele Anwendungen, die mir vorschweben würden, sind damit nicht möglich.

Der Marketing-Gag an dem Ding war, einen Computer für 25$ anzupreisen. Das war das Model A, das es bisher gar nicht gibt. Das Model B kostet 35$. Kauft man noch Netzteil, Gehäuse, SD-Karte, Versand dazu ist man eigentlich schon über 50 Euro, Tastatur, Maus, Fernbedienung noch gar nicht berücksichtigt. Da hätte ich wesentlich mehr von dem System gehabt, wenn ich nochmal 10-15 Euro draufgelegt hätte und dafür dann 1 GB RAM gehabt hätte. Dann hätte der Marketing-Hype nicht mehr funktioniert. Und fraglich ist, ob man überhaupt mehr Speicher einbauen könnte. Der Speicher ist in einem seltsamen Verfahren, das ich vorher nicht kannte, direkt auf die CPU geflanscht. Keine Ahnung ob man da mehr draufkleben kann und wieviele Adress-Leitungen herausgeführt werden. Das Datenblatt des BCM2835 sagt das nicht so klar, aber da steht was davon, daß bei 0x20000000 (= 512 MB) die Peripherals eingeblendet werden. Womöglich kann man da 1 GB RAM nicht oder nicht in einem Chip huckepack anschließen. Ich bin mir auch gerade nicht sicher, wieviel Speicher man derzeit in einen Chip packen kann. Mein letzter 4GB-Riegel war mit Chips vollgepflastert, ich glaube das waren 16 Chips – also 256 MB pro Chip. Womöglich kann man da nicht mehr als 256 MByte draufpacken ohne gleich das ganze Design der Platine zu ändern oder einen anderen Prozessor zu verwenden. Trotzdem halte ich den Speicherausbau für den ganz kritischen Flaschenhals.

Stellt sich die Frage, ob sich das Ding lohnt und ob es wirklich so billig/günstig ist, wie es angepriesen wird. Im Englischen spricht man da gerne von bang for the buck, also wieviel Rumms man fürs Geld bekommt. Und da schneidet der Raspberry in meinen Augen leider gar nicht so gut ab:

  • Als Media-Player bekommt man ab ca. 75 Euro einen WD TV Live, der zwar deutlich weniger Funktionen als XBMC hat und auch einige Ärgernisse enthält, aber das, was er kann, im wesentlichen flüssig und zuverlässig macht, und eine Fernbedienung und WLAN hat. Auspacken, einschalten, geht.
  • Netbooks bekommt man schon unter 200 Euro. Dafür hat man dann einen Atom, 1 GB RAM, ca. 160 GB Platte, Akku, Tastatur, Display, WLAN, und kann ganz normal Linux drauf installieren bzw. hat ein Windows mit dabei. Kostet zweieinhalb mal so viel, kann aber viel mehr.
  • Ich hab mir von Foxconn einen Nettop mit E-350-Prozessor gekauft, hat ca. 200 Euro und eine Festplatte aus der Bastelkiste gekostet, und kann drastisch mehr als der Raspberry. Läuft ein ganze normales Linux drauf, und das gar nicht schlecht.
  • Ich habe mir letztes Jahr einen HP Microserver für 180 Euro gekauft, Gehäuse für 4 Festplatten, brauchbarer virtualisierungsfähiger Prozessor, 1 GB RAM, 256GB Platte dabei. Natürlich noch mit Speicher und Platten aufgerüstet, als man für eine 2TB-Platte noch 60 Euro gezahlt hat. Das Ding ist super. Steht eigentlich auch in keinem Verhältnis zum Raspberry.
  • Der Markt wird überschwemmt mit Tablets um 7 Zoll Durchmesser aus Fernost, die man mitunter schon ab 100 Euro bekommt. Da ist mitunter auch irgendein ARM-Abkömmling drin. Dazu Akku, Display, WLAN, UMTS, Touchscreen. Wenn man einen Jailbreak hinbekommt, könnte das die deutlich bessere Hardware sein.

Insofern schneidet der Raspberry objektiv gar nicht so gut ab. So preiswert, wie er hingestellt wird, ist er bei weitem nicht. Und die Anwendungsmöglichkeiten sind seeehr begrenzt. Mir würde zwar eine lange Liste von Anwendungen einfallen, aber die meisten davon fallen der Speicherknappheit zum Opfer.

Immerhin. Als Alternativen habe ich bisher über einen Trimslice, oder ein DreamPlug oder D2Plug von Global Scale Technologies nachgedacht. Nur sind die dann gleich wieder deutlich teurer als ein Netbook. Da war mein Gefühl für das Preisgefüge noch stärker verletzt.

Mein Fazit ist, daß da jetzt durchaus witzige und experimentiergeeignete Mini-Rechner entstehen und auch auf riesiges Interesse stoßen. Der konkrete Nutzen ist aber begrenzt bzw. nur mit viel Entwicklungs- und Optimierungsaufwand zu erreichen. Bleibt zu hoffen, daß die Hersteller das begreifen und merken, daß da ein Markt entsteht. Und dann ihre Produkte anpassen.

Hätte der Raspberry 1 GB RAM und ein paar MHz mehr, wäre er der Brüller. Aber so halte ich das Ding für überbewertet.

Mal sehen, welche der Anwendungen, die mir vorschweben, damit tatsächlich umsetzbar sind. Und ob man dann nicht doch besser mit einem Netbook der allerbilligsten Kategorie fahren würde.


13 Kommentare (RSS-Feed)

LaWi
2.6.2012 0:22
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Ich habe einen Sheevaplug mit 32GB SSD und 2 x 1TB Maxon Desktopplatten.
Zusammen hat das Ding im Standby gerade mal ca. 8-9 Watt.
Voll angefahren etwa 15-18W.
Die meiste Zeit dümpelt der so vor sich hin, mir reichts, der Stromverbrauch war hier das ausschlaggebende Argument.
Danke für den ersten Erfahrungsbericht.


Simon
2.6.2012 1:20
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Tach,
hab mir auch überlegt das Teil zu kaufen, aber vor allem der
Preisfaktor (wenn man mal alles zusammenrechnet) hat mich bisher abgeschereckt. Mehr als ein Spielzeug ist es halt bisher nicht.
Und dafür fehlt mir echt die Zeit. Der erste Eundruck von Herrn Danisch scheint genauso zu sein. Zum Glück hab ich keine Kreditkarte, sonst hätte ich aus der Laune heraus bestimmt meinen Bestellcode eingelöst 😉 Die Idee eines 20 $ PCs halte ich aber nach wie vor für sehr gut – und auch durchaus umsetzbar.


Chris
2.6.2012 1:40
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Für graphische Betriebssysteme ist das Raspberry auch meiner Meinung nach nicht geeignet. Eher als headless Server, der irgendwo rumsteht und Daten verarbeitet, 24/7 online ist, Hardware ansteuert, Daten misst, …


Jakob
2.6.2012 2:25
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Für ein Multimedia-System ist der Speicher natürlich ziemlich knapp. Da wäre eine Version mit 512 oder 1024 Mb definitiv sinnvoll. Im Moment würde ich da auch eine andere leistungsfähigere Hardware besorgen.

Der Grund für das Hängen des Systems könnte auch die Speicherkarte sein. Billige USB-Sticks und Speicherkarten sind bei zufälligen Schreibzugriffen teilweise um den Faktor 100 langsamer als Festplatten. Wenn das System auf ein paar Zugriffe warten muss, dann kann das schon mal ein paar Sekunden warten.

Ein wesentlicher Vorteil des Raspberry Pi ist auf jeden Fall, dass man da auch GPIO-Leitungen sowie I2C und SPI und UART hat. Wenn man also mal schnell selbstgebastelte Hardware oder irgendwelche I2C-Geräte (z.B. Sensoren oder eine Relaiskarte) ins Netz bringen will, dann ist so ein Board wohl eine ideale Lösung.


Hanz Moser
2.6.2012 4:05
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Ich glaube du musst das Ding weniger in Relation zu Netbooks und Tablets sehen, sondern mal überlegen was es darunter gibt. Für etwas zackigere Mikrocontroller zahlst du das selbe oder mehr, bekommst aber einen Bruchteil von RAM, CPU Leistung und Grafikausgabe kannst du ganz vergessen. Gehäuse und Netzteil sind dort auch Extras.

Da spielt dann auch der Stromverbrauch und die Größe eine Rolle, so dass auch ein Netbook nicht unbedingt eine Alternative ist. Ich hab die Dinger auch noch nicht mit GPIO Pins gesehen, da musst du auch wieder zukaufen.

Als Computer sehe ich das aber ähnlich. Da müsste zumindest eine stark angepasste Linuxdistribution her, die wirklich sehr viel weglässt. PC-BSD mit LXDE bspw. kommt in einer VM mit geladenem GUI und ein paar Basisdiensten mit 40MB RAM aus. Lubuntu will auch schon 130MB…
Normale Software bringt mittlerweile 128MB RAM auch schnell durch. Dieser Browser hier frisst im Moment 300MB.


Svenska
2.6.2012 16:17
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Naja, x86-Netbooks ziehen deutlich mehr Strom als das Raspberry und die ganzen ARM-Tablets und -Netbooks laufen meist mehr schlecht als recht mit Android. Für mich ist Android eine reine Konsumentenplattform, zum Produzieren nicht zu gebrauchen. Außerdem sind die ganzen Systeme geschlossen. Mit jailbreak allein kommst du da nicht besonders weit, außerdem macht sich kaum jemand die Mühe, weil die Geräte nicht weit verbreitet sind.

Das ist der Vorteil vom Raspberry: Es wird sich eine Community drum bilden und vermutlich wird die nicht so schnell aussterben. Und gegen den RAM-Mangel kannst du vielleicht mit zram etwas Abhilfe schaffen.

(Was ich wirklich suche, sind ARM-Bausteine mit PCIe, SATA, USB und 2×1.5 GHz mit Durchsatz und Gehäuse.)


Hadmut
2.6.2012 16:39
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Naja, sie basteln ja auch schon an ARM64, aber das wird wohl noch 2-3 Jahre dauern.


Chris
2.6.2012 18:48
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@Svenska: Sehe ich genauso: Android ist nicht zum produktiven Arbeiten brauchbar.

Und für deinen Wunsch mit PCIe, SATA, …, könntest du auch auf mini-ITX oder ähnliche Formfaktoren umsteigen. Da gibt es auch Boards mit CPUs von VIA, Intel oder AMD, mit PCIe, SATA, und allem, was so ein Desktop-PC auch kann – nur eben auf ca. 20cm x 20cm.


Svenska
2.6.2012 23:32
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@Chris: Ich hätte aber gerne eine ARM-CPU im NAS… 😉


Was viele leider aus den Augen verlieren ist die Zielsetzung des Projekts. Insgeheim ärgert es mich auch, dass so viele Uninformierte bei RS und Farnell die Pipeline “verstopfen”, während überall noch Leute, die wirklich was zum projekt beitragen wollen, noch auf ihren Pi warten.

Das Projekt / Gerät entstand auf dem Hintergrund, dass die Zahl derjenigen die sich in Großbrittanien für Informatik einschreiben ebenso zurückgeht wie der Wissensstand derer, die aus der Schule kommen. Gleichzeitig durchdringen alle erdenklichen Geräte mit Mikroprozessoren aber immer mehr unseren Alltag.
Der Pi ist kalkulatorisch auf den Preis ausgerichtet, den ein Schulbuch kostet, da er als günstiger Kleinrechner für Informatik und Elektronik in Schulen und für unterpriviligierte Kinder und Jugendliche gedacht ist.

Die Nachfrage hat dann letzten Endes die kühnsten Erwartungen übertroffen und durch das Netz wurde das geschaffen, was du MarketingHype nennst. Im Grunde gibt es diesen aber gar nicht, denn das einzige Marketing besteht darin, dass Liz Upton der Stiftung ein Jahr als Bloggerin und Ansprechperson nach außen zur Verfügung gestellt hat. Die Foundation selbst ist als gemeinnützige Organisation registriert, es geht also auch nicht um wirtschafltichen Erfolg, was die Preisdifferenz zu CuBox, PandaBoard, etc. erklärt.

Nun tauchen überall in Foren Leute auf mit Aussagen wie, “Ich habe meinen Pi bekommen, was kann ich damit anfangen?”, oder “Der hat nicht genug Leistung um unseren Internetserver zu ersetzen.”, oder “Ach, der ist ja viel langsamer als mein Rechner”, etc.
Ich kaufe mir ein Moped und wundere mich dann später im Netz, dass ich damit meine Schrankwand nicht vom Möbelhändler abholen kann.

Man muss zu allererst mal wissen wozu der Pi gedacht ist und dann mal seine eigenen Ansprüche auf Realismus hin überprüfen.

Was die RAM-Geschichte angeht:
PoP (package on package) ist eine völlig übliche Herstellungsweise. Hat vermutlich jeder in seinem Smartphone / Tablet (Siehste, schon hat der Pi seinen Zweck erfüllt und Menschen etwas über Elektronik beigebracht. 😉 ). Der RAM ist durch Preis und Verfügbarkeit von Stückzahlen mit den passenden technischen Parametern, um auf dem Broadcom Chip genutzt werden zu können, begrenzt. Das kann man schwer mit Standard-DIMMs vergleichen, die täglich zu zehntausenden die Fabs der Welt verlassen. Zur Zeit wäre mehr RAM unverhältnismäßig viel teurer und ist dafür für die Modelle A und B nicht vorgesehen.

Preislich ist der Pi ungeschlagen und ich gehe davon aus, dass er (und womögliche “Nachahmerprodukte”) gerade in Schwellenländern in den kommenden Jahren für einige Veränderungen sorgen werden. Das hilft dem hiesigen Filmfan mit seinen Terabytes an gerippten Blu-Rays vllt. nicht weiter, aber auf die ist das Gerät nunmal auch nicht primär ausgelegt. Jedenfalls hat der Pi jettz schon mehr erreicht als der damals tatsächlich marketing-gehypte, aber eben trotz Subventionen viel zu teure OLPC.


Hadmut
5.6.2012 10:40
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Ich hab ja nicht gesagt, daß er schlecht ist (vgl. auch mein zweites Posting).

Aber die Zielsetzung, daß das Ding soviel kosten soll wie ein einfaches Buch wird nicht erreicht, weil man mit dem nackten Raspberry nichts anfangen kann. Man braucht Tastatur, Maus, Gehäuse, Netzteil, Monitor, Speicher, Internet, um damit lernen zu können. Und dann unterscheidet er sich preislich nicht allzusehr, aber in der Leistung enorm von einem Notebook. Hätte man noch 10 Euro mehr für Speicher investiert, hätte man überproportional viel mehr damit anfangen können.

Es ist halt immer die Frage, ob man nur auf Kosten oder auf den Quotienten aus Kosten und Nutzen optimiert. Oder anders gesagt, der Unterschied zwischen billig und preiswert.

Und ich bin eben der Meinung, daß der Raspberry da wesentlich besser dagestanden hätte, wenn er etwas mehr Speicher gehabt hätte. Vorbehaltlich natürlich der Frage, ob das technisch überhaupt gegangen wäre.

Ich sehe beim Raspberry eine ganze Menge hübscher Anwendungen. Ob aber ausgerechnet die Ausbildung von Schülern dazu paßt, wage ich sehr zu bezweifeln.

Ich glaube mit einem günstigen Notebook in der 250-Euro-Klasse und Linux drauf wäre Schülern mehr geholfen. Wenn man das ein bisschen drauf anlegt und die noch etwas billiger produziert, auf Margen verzichtet, und allen Tünnef weglässt, und das noch ein bisschen fördert oder Sponsoren findet, müsste man für 200 Euro ein prima Schüler-Notebook hinbekommen (vgl. OLPC).

Ein Raspberry plus Tastatur, Bildschirm, Netzteil, Speicher ist auch nicht wesentlich günstiger, wenn überhaupt. Raspberry = ca. 35 Euro, Gehäuse=10 Euro, Netzteil 5 Euro, Speicherkarte 5 Euro, Tastatur 10 Euro, Bildschirm 120 Euro. Macht zusammen schon 185 Euro.

Von einem Linux-Notebook hätte man da wesentlich mehr.

Irgendwo muß man da auch aufpassen, daß man sich da nicht selbst was vormacht.


yasar
5.6.2012 21:56
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Also bei diveren Internethändlern werden Marken-Notebook-Restposten inklusive Windows7HP unter 200 € rausgehauen. ich könnte mir daher durchaus vorstellen, daß das mit dem 200€ Notebook für Schüler preislich kein Hexenwerk ist. Auf jeden Fall sinnvoller als diese CAS-Pflicht-Rechner, die durch Subvention zwar “nur” 120€ Kosten, aber mit über 180€ Neupreis doch recht happig sind und nur begrenzten nutzen für die Schüler haben. Da waren damals die (freiwillig als Hobby angeschafften) HP41C viel sinnvoller einzusetzen.


Chris
8.11.2012 8:43
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Für Leute, die einen guten Rechner für wenig Geld suchen, ist der Raspberry Pi Optimal auch als Server kann man ihn benutzen. Ich z.b verwende ihn als kleinen Dateiserver und es klappt wunderbar.