Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Noch schnell Geld verbrannt?

Hadmut
22.2.2012 13:55

Kann mir das irgendwer mit Ahnung von der Sache mal für Doofe erklären? Gestern haben sie noch irgendeinen fetten teuren neuen Rettungstopf für Griechenland gebaut und heute kommt raus, daß Griechenlands Defizit noch viel größer ist als bekannt und gedacht und sie jetzt eigentlich Pleite sind? Hat die Politik da eben noch schnell Geld verbrannt und wir zahlen es dann?


11 Kommentare (RSS-Feed)

Andrea
22.2.2012 14:20
Kommentarlink

Na das war doch vor ein paar Monaten schonmal so. Hilfen genehmigt und ein paar Stunden später kam raus, dass Griechenland doch noch mehr braucht. Ich glaube auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das meine ich nicht nur für Griechenland, sondern Weltweit.

Ich war letztens auf einem VDE-Treffen und ich fand das Zitat des einen recht treffend: “Politik ist naturwissenschaftlich nicht immer ableitbar”.


sledge
22.2.2012 14:23
Kommentarlink

ja und das geht doch schon länger so


der andere Andreas
22.2.2012 15:34
Kommentarlink

wenn wie in griechenland seit 3 jahren die wirtschaftsleistung jährlich um ~5% einbricht (wegen der sparmaßnahmen) fallen steuern weg und die einnahmeseite der haushaltsbilanz sinkt.

damit erhöht sich das haushaltsdefizit unabhänig von den eingeleiteten sparmaßnahmen. das ist das problem griechenlands, auch bekannt als deflationsspirale: sparen würgt die wirtschaft ab -> weniger einnahmen -> mehr sparen.

das haushaltsdefizit ist letztlich ein symptom des außenhandelsdefizits. ohne eigene währung kann griechenland nicht nach außen abwerten um importe zu verteuern und exporte zu verbilligen. also versucht man durch sparen/konsumsteuererhöhungen den import abzuwürgen. das wird gemeinhin als innereabwertung verstanden.

bei exportortstarken wirtschaften kann sparen wirklich helfen, da durch absenken der lohnstückkosten nach außen wettbewerbsfähigkeit erzeugt wird und durch den zufluss ausländischer mittel die wirtschaft stabil bleibt. beispiel in der eurozone wäre irland.

da aber nicht alle staaten gleichzeitig exportien können muss man gesamtwirtschaftlich versuchen die unterschiede in den leistungsbilanzen möglichst gering zu halten. das wird auch schon seit geraumer zeit der troika und herrn schäuble vorgeworfen (z.b. von den amerikanern) europa und die eurozone kaputt zu sparen.

interesannte refernenzen: der staatsbankrott von argentinien und der deutsche länderfinanzausgleich (der soll nähmlich das gleiche problem zwischen den bundesländern lösen)


HF
22.2.2012 15:47
Kommentarlink

“Wir” sollen zahlen? Das Problem ist doch, dass die deutschen Arbeitnehmer in den letzten Jahrzehnten auf dem Umweg über Südeuropa riesige Summen an die deutschen Eliten transferiert haben. Stichwort Lohnquote. Dieser Transfer kommt nicht erst, er hat bereits stattgefunden. Und jetzt ist dieses Geld weg. Futsch. Perdu. Das unmögliche Kunststück besteht darin, dieses Geld noch ein zweites Mal auszugeben.


Sebastian
22.2.2012 16:31
Kommentarlink

Noch sind die nicht pleite. Das sind sie erst, wenn die ersten Anleihen nicht mehr bedient werden.

Was viele scheinbar nicht verstehen, das Geld was man heute Griechenland zukommen lässt damit die ihre Anleihen bedienen können ist nicht “verloren”. Es fliesst ja direkt zu uns und unseren Banken zurück. Geld verbrennen tun wir im Grunde erst, wenn die Anleihen nichts mehr wert und die Anleihehalter das Geld abschreiben müssen :).

Eine weitere recht unbequeme Geschichte ist übrigens, das die Banken wenn Sie ihre Verluste wirklich verbuchen müssten allesamt pleite wären (deswegen ja das ganze Theater). Und mit den Banken die pleite sind, sind es dann auch diejenigen die dort Konten haben denn das Geld ist ja garnicht physisch bei den Banken vorhanden sondern existiert nur in Form von Ansprüchen (wie z.B. Griechenlandanleihen).


Johannes P.
22.2.2012 17:13
Kommentarlink

Aber doch nicht verbrannt! Das Geld dient dazu, die Insolvenz so lange zu verschleppen, daß Sarkozy im Wahlkampf noch eine Chance hat. Das ist in deren Augen wahrscheinlich eine gute Investition.


Hanz Moser
22.2.2012 17:16
Kommentarlink

Mit der griechischen Finanzsituation war es doch schon immer so. Sie haben Zahlen geschönt um den Euro zu bekommen und haben damit nicht aufgehört.

Vermutlich ist das einerseits politische Tradition, wir haben ja auch unsere klassischen politischen Lügenmärchen, zum anderen geschickte Taktik.
In der Psychologie gibt es auch etwas, dessen geneauer Begriff mir nicht mehr einfällt, dass man aber mit “ausuferndem Commitment” beschreiben könnte. Wenn man Probanden zum Geschäftsführer einer Ladenkette macht und sie einmal Geld in einen Laden gesteckt haben, um ihn vor der Pleite zu retten, machen sie das immer weiter und weiter, egal wie schlecht die Prognosen sind und wie offensichtlich es eine wirtschaftlich schwachsinnige Entscheidung ist.

Die EU hat jetzt ein ähnliches Problem, weil man sich zu Griechenland bekannt hat und schon richtig Geld reingesteckt hat. Das wäre ja alles verloren, wenn man jetzt nicht noch ein paar Milliarden mehr reinsteckt…


Marc
22.2.2012 17:35
Kommentarlink

Guckstu hier:

http://yanisvaroufakis.eu/2012/02/14/cauterise-and-print-germanys-newest-plan-a-cauterise-and-print-germanys-newest-plan-a/

Ich rätsele seit einer Woche, ob der nur sein Buch verkaufen will, oder ob da wirklich was dran ist. Ich hätte es ja schon weggewischt, aber jeden Tag kommt irgendein Informationsfitzelchen auf den Tisch, das diesen “Plan A” (geplanter Exit von Griechenland und Portugal aus der Eurogruppe nach der Wahl in Frankreich) wahrscheinlicher erscheinen lässt. Bis dahin geht’s wohl nur noch um eins: Zeit schinden.


dochpalese
22.2.2012 17:49
Kommentarlink

Ich denke du spielst auf Folgendes an:

“Erst 24 Stunden ist es her, dass die Euro-Finanzminister ein 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Griechenland auf den Weg gebracht haben, und schon ist der ausgefeilte Sparplan wieder in Gefahr. Wie das griechische Parlament auf seiner Internetseite veröffentlichte, wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr wohl 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, statt der für 2012 angepeilten 5,4 Prozent. Weil sich die Rezession verschärft habe, sei das Ziel korrigiert worden – trotz der Sparbemühungen.”
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816784,00.html

Davon mal ganz abgesehen, dass es Keinen, wirklich nicht Einen gibt, der die Haushaltsdefizite Griechenlands der letzten Jahre kennen dürfte, wird der zuständige Ausschuss im Parlament das ökonomische Modell neu parametrisiert haben, an Hand dessen geplant wird. Bei dem, was Hellas in diesem Jahr bevorsteht, ist das sowieso Spökenkiekerei.

Normaler Weise kann man schon halbswegs genau vorhersagen, wie sich das BIP innerhalb eines Jahres entwickeln wird. Nimm eine normale Konjunktur und eine Bandbreite von vielleicht 0,5 %-Punkten, also ein BIP+ von 1,2 bis 1,7% auf 12 Monate.

Hier kennen wir nur das Vorzeichen. -5, -10, -15%? Keine Ahnung. Daraus würden sich die nun urplötzlich aufgetauchten Mindereinnahmen bei gleichzeitig stärker als gedacht verringerter Bezugsbasis (BIP) ergeben.

Interessant wäre aber die Antwort auf die Frage, wieso die so etwas einen Tag nach dem neuesten Paket machen. Vielleicht eine Retourkutsche für die Hängepartie der letzten Wochen. Oder irgendein Termin.

Auf jeden Fall ist da nicht etwas verschwunden von gestern auf heute. Es geht um Planzahlen.


c.k.
23.2.2012 13:02
Kommentarlink

FTD Online hat einen Aspekt ausgebuddelt, der mir nicht klar war. Die Kontrolle der Rückzahlung durch Institutionen die vopn anderen Staaten kontrolliert hat in Griechenland eine Referenz:
http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-griechenlands-trauma-der-fremdbestimmung/60172425.html


anon
23.2.2012 15:57
Kommentarlink

Erklären kann ich den Blödsinn nicht. Aber dass sie Geld verbrennen war doch schon klar als sie entschieden Griechenland nicht pleite gehen zu lassen.